Stargate Interitus

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    • Stargate Interitus




      Irgendwie bin ich gerade in einem kleinen Stargate-Wahn, seit ich die Stargate Mod für Sins of a Solar Empire gespielt habe und naja das hier ist dabei rausgekommen. Der erste Teil der Geschichte, beschäftigt sich mit den letzten Schlachten zwischen Antikern und Wraith, ungefähr 10.000 Jahre vor Stargate.

















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      10.000 Jahre, bevor der erste Mensch seinen Fuß durch das Sternentor von Atlantis setzen sollte, flog ein einsames, lantianisches Kriegsschiff, am Rande der Pegasus-Galaxie, durch den Hyperraum. Es befand sich weit entfernt von der Front gegen die Wraith und ließ den Krieg immer weiter hinter sich, zumindest für eine Weile.
      Von Außen betrachtet, wirkte es wie ein typisches, lantianisches Schlachtschiff. Abgesehen von einigen kleineren Strahlengeschützen an den Seiten, ließen sich auf den ersten Blick keine weiteren Waffen entdecken. Die berüchtigte Feuerkraft der Schlachtschiffe, konnte man mit dem bloßen Auge nicht erkennen, denn sie ruhte, bis zu Beginn einer Schlacht, tief verborgen im Inneren. Im Gegensatz zu ihren Forschungsschiffen, wirkte das schmale, längliche Schiff beinahe rau und von einer simpleren, rückständigeren Bauart. Es ließen sich kaum Spuren der überlegenen Technologie entdecken, die unter der Oberfläche ruhte. Letztendlich blieben diese Raumschiffe nichts weiter als überdimensionale Waffen und als nichts anderes sahen die Lantianer sie. Neben den Abscheulichkeiten, die ihre Feinde in die Schlacht schickten, wirkten selbst diese Schiffe noch immer elegant.
      Das dunkelgraue, fast schwarze, Schlachtschiff, gehörte zu den größten, die sie jemals gebaut hatten. Erst vor weniger als einem Jahr, begann es seinen Siegeszug gegen die Wraith, aber schon jetzt, hatte es sich in der Pegasus-Galaxie einen Namen gemacht. Mit einer Länge von weniger als 3000 Metern, konnte die Invictus sich zwar nicht mit Giganten wie der Aurora messen, verfügte jedoch über die neuste und fortschrittlichste Technologie Lantia´s. Dieses Schiff, war in der Lage, eine ganze Flotte der Wraith im Alleingang zu vernichten.
      Über 500 Lantianer befanden sich an Bord der Invictus. Auf den ersten Blick, würde man sie für Menschen halten und einige von ihnen mit so einer Behauptung beleidigen, denn mit den Menschen, verband sie ihrer Meinung nach nicht mehr als ihr Aussehen. Erst wenn man genauer hinsah, bemerkte man etwas an ihnen, was sie von Menschen abhob, was sie von allen Wesen des Universums zu unterscheiden schien. Eine Ausstrahlung aus Überlegenheit und unerklärlicher Macht. Im Laufe der Jahrmillionen, war es den Lantianern gelungen, sich weiter zu entwickeln als die Menschheit es sich jemals erträumten könnte. Am auffälligsten aber, war dieses nie endende, wissbegierige Funkeln in ihren Augen. Keine bekannte Rasse, besaß ein tieferes Verständnis von den Geheimnissen des Universums oder verfügte über denselben Wissensdurst, der die Lantianer antrieb. Selbst in Tausenden von Jahren, sollte alleine die Erwähnung der Lantianer, die die Menschen später als Antiker bezeichneten, jedem Menschen in zwei Galaxien Ehrfurcht einflößen.
      So viel zu den Unterschieden zwischen Lantianern und Menschen, aber die Männer und Frauen auf der Brücke, hoben sich selbst von ihresgleichen ab. Die Besatzung an Bord der Invictus, konnte man als etwas besonderes bezeichnen, denn sie war im Durchschnitt einige hundert Jahre jünger als üblich. In einem Krieg, der so lange andauerte, wurden gute Piloten und Soldaten rar, selbst der Rat merkte das inzwischen. Die Invictus sah man als eine Art Experiment an, als ein sehr gewagtes Experiment. Der beste Nachwuchs, den die Lantianer aufbieten konnten, unter dem angeblich begabtesten Kapitän seiner Zeit. Aurelius Sverus. Aufgewachsen und geboren in der ewigen Stadt, Atlantis.
      Seit sie, vor einigen Stunden, von ihrem ursprünglichen Kurs abgewichen waren, bewegte Aurelius sich nicht mehr von seinem Platz auf der Brücke weg. Für den Flug durch den Hyperraum benötigte man ihn zwar nicht, aber so kurz vor einem Kampf, würde er so oder so keine Ruhe finden. Die Brücke befand sich direkt über dem Zentrum der Invictus. Ein blau leuchtendes Kraftfeld schirmte die Vorderseite vom Weltall ab und tauchte die Brücke in ein sanftes, hellblaues Licht.
      In der Mitte des weitläufigen Raumes, auf einem kleinen Podest, befand sich ein schwarzer Stuhl mit breiter, von verschlungenen Mustern überzogener, Rückenlehne. Das Zuhause von Aurelius. Der Kapitän der Invictus war Anfang zwanzig, wie die meisten Mitglieder seiner Mannschaft, und damit in den Augen der meisten Lantianer noch ein Kind, dem man in gewöhnlichen Zeiten niemals ein eigenes Schiff anvertraut hätte. Er hatte kurze, hellbraune Haare und strich sich immer wieder ungeduldig über die mitternachtsblaue Uniform, mit silbernen Streifen die über die Schultern verliefen. Zu seiner rechten saß eine junge Frau mit langen, dunkelroten Haaren, auf einem etwas tieferliegenden, unverzierten Stuhl und gab sich Mühe so zu tun, als würde es ihre gesamte Aufmerksamkeit erfordern die verschiedenen Bildschirme vor sich im Auge zu behalten. Die Bildschirmen schwebten als kleine Hologramme vor ihr, um sie die ganze Zeit über jedes noch so kleine technische Detail der Invictus auf dem Laufenden zu halten.
      Im Gegensatz zu ihrem Kapitän trug sie eine kurzärmelige Weste, darunter eine leichte Bluse und dazu eine enganliegende Hose, alles in der typischen Farbe der Lantianer. Strahlendes Weiß. Wie der Rest der Mannschaft, abgesehen von einer Ausnahme. Der Mann auf der linken Seite, hatte sich in einen schwarzen Umhang gehüllt, auf dem verworrene rote Runen leuchteten, die selbst andere Lantianer nicht entziffern konnten. Im Gegensatz zum restlichen Teil der Besatzung, wirkte er entspannt und machte es sich auf seinem Platz gemütlich. Die tief schwarzen Haare gingen ihm bis zu den Schultern. Inmitten der disziplinierten und in ihre Arbeit vertieften Besatzung, wirkte er völlig fehl am Platz, vor allem, da in seinen Augen permanent ein belustigtes und teilweise auch bedrohliches Funkeln lag. Um ihn herum flog ein Schwarm winziger, silberner Metallplättchen, von dem jeder der Anwesenden respektvoll Abstand hielt.
      „Wenn wir den Hyperraum verlassen, müssen wir auf der Stelle die Tarnung aktivieren.“ wiederholte Velius Acario zum gefühlt tausendsten Mal und klang dabei tatsächlich angespannt, was nur passierte, wenn er sich sicher war bald durch die Dummheit eines anderen zu sterben.
      „Schon verstanden. Ich aktiviere sie, bevor uns jemand bemerkt.“ versicherte der gelangweilte Kapitän ihm zum tausendsten Mal und versuchte halbherzig seine Bedenken endgültig zu zerstreuen.
      „Das wird nicht so einfach sein wie du denkst!“ begehrte sein Freund lautstark auf und scheuchte damit die Metallplättchen auf, die sich auf seinem Umhang niedergelassen hatten. Wenn du auch nur eine Sekunde zu lange brauchst, werden die Wraith uns in Stücke schießen, vor allem, da wir die Schilde abschalten müssen, um die Tarnung zu aktivieren.“
      „Ich weiß wie die Tarn...“ begann Aurelius entnervt, nur um sofort unterbrochen zu werden.
      „Wir können Schild und Tarnung nicht gleichzeitig aktivieren, da die dichte Schildmaterie unsere Tarnung verdrängen würde. Wenn wir also deinen Plan umsetzen wollen, müssen wir uns dem vollkommen Schiff unbemerkt nähern, sie dürfen nicht einmal ahnen dass wir in der Nähe sind. Auch wenn es noch immer viel leichter wäre, die Schilde zu aktivieren und das Basisschiff direkt anzugreifen. Es ist nur ein Schiff. Wir pulverisieren es mit einer Salve und leben glücklich bis ans Ende unserer Tage.“
      „Leichter, ungefährlicher, aber leider auch unendlich einschläfernd und viel zu kostspielig.“ erwiderte Aurelius. In seinen Worten lag immerhin die halbe Wahrheit. Eigentlich wollte er nur die neue Tarntechnologie testen. Die Invictus war das einzige Schlachtschiff, das seit kurzem über einen eigenen Tarngenerator verfügte. Munition zu sparen, sah er als einen netten Bonus an. „Wir sollten unseren neuen taktischen Vorteil nutzen. Wenn wir sie überraschen, benötigen wir statt 1000 Drohnen nur um die 100. Eines Tages, wirst du mir dankbar sein, weil ich unsere Munition nicht dauernd verschwende.“
      „Ach? Bin ich dir dankbar bevor oder nachdem wir explodiert sind, weil du mit deinem neuen Spielzeug angeben willst? Die Invictus ist ohne Schilde extrem verwundbar. Ein gut gezielter Schuss und sie bricht auseinander.“ Velius wollte noch etwas hinzufügen, aber schloss seinen Mund sofort wieder, als er Aurelius Blick sah. Wenn er nicht, während des Flugs, aus dem Schiff fliegen wollte, sollte er lieber still sein, also verschränkte er die Arme vor der Brust und gab sich vorerst geschlagen. „Ja, ja. Ich bin ja schon still.“ murmelte er beleidigt vor sich hin. Eine ganze Weile hielt die Ruhe an, bis Velius es für sicher hielt, mit der Diskussion genau dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte. „Weißt du...wenn du willst, kann ich dir noch mal erklären wie die Tarnung funktioniert oder am besten gleich das Schiff selbst steuern, nur um sicher zu gehen, dass du uns nicht alle umbringst.“
      „Danke, aber wie gesagt, ich weiß wie Tarntechnologie funktioniert, immerhin hat mein Großvater sie erfunden, nicht du. Ehrlich gesagt, wärst du dazu niemals fähig, deswegen durftest du seine Erfindung auch nur etwas verbessern.“
      „Genau aus diesem Grund, können die Ratsmitglieder dich nicht mehr ausstehen.“
      „Aus welchem Grund? Verachtung für deinen angeblich genialen Verstand?“
      „Pure, unverhohlene und aufreizende Arroganz.“
      „Tz. Musst du immer so ehrlich sein?“
      „Leider ja. Gehört zu meinen besseren Eigenschaften, neben meiner unerreichbaren Genialität, meinem Charme und natürlich meiner grenzenlosen Bescheidenheit.“
      „Die Mitglieder des Hohen Rates würden uns sofort austauschen, wenn sie uns so reden hören könnten.“ seufzte Aurelius verzweifelt. Zum Glück befand sich seit einigen Wochen kein Ratsmitglied mehr an Bord der Invictus, da man inzwischen selbst in Atlantis von den Fähigkeiten seiner Mannschaft überzeugt war. Ohne einen alten, verbohrten Mann, der die Pegasus-Galaxie schon ein paar Tausend Jahre mit seinem Gerede über Frieden, Selbstdisziplin und Ordnung nervte, ließ sich das Schiff deutlich besser führen.
      „Keine Sorge, das können sie nicht. Ich habe das Schiff, direkt nach unserem Aufbruch, gründlich nach jeder Art von Überwachungsgeräten abgesucht. Wir sind sicher.“ erklärte Velius voller Stolz.
      „Ernsthaft?“
      „Irgendjemand musste es tun und du warst anscheinend zu faul dafür!“ ein zufriedenes Grinsen stahl sich auf seine Lippen, als er an die dutzenden Vorrichtungen denken musste, die sich in seinem Zimmer und Labor befunden hatten. Einige davon hatte man sogar teilweise in eine andere Dimension versetzt, in der Hoffnung ihn täuschen zu können. „Das war ziemlich beleidigend von Oberhaupt Moros und deiner Mutter. Als würde ich sie nicht finden. Absolut lächerlich. Versuchen mich mit simplen Tarntricks zu verwirren, als wäre ich ein kleines Kind.“
      „Und ich soll arrogant sein...“ sagte Aurelius leise zu sich selbst. Erst danach, ging ihm auf, was Velius ihm gerade gesagt hatte und es lenkte ihn zum erstenmal seit Stunden von ihrem Ziel ab „Moment, warum sollte der Hohe Rat uns überwachen lassen? Immerhin sind wir auf ihren Befehl hin auf dieser Mission.“
      „Naja, wenn man es genau nimmt, wollen sie nicht uns überwachen, sondern nur mich.“
      „Ah, natürlich. Das erscheint mir logisch.“ murmelte Aurelius vor sich hin, augenblicklich wieder beruhigt, was bei seinem Freund nicht ganz so gut ankam.
      „Was meinst du damit? Glaubst du etwa, dass man mir nicht trauen kann?“ begehrte der junge Forscher empört auf. Seine Empörung steigerte sich noch deutlich, als Aurelius sich mit seiner Antwort einiges an Zeit ließ.
      „Natürlich kann man dir nicht trauen. Wer ist denn für die Vernichtung des Außenposten Vespere Anulon verantwortlich? Wer hat ein tödliches Virus auf den Planeten Aros losgelassen? Wer hat ein ganzes Sonnensystem...“
      „Ja, ja, schon gut. Ich habe es verstanden. Möglicherweise sind mir in der Vergangenheit ein paar kleinere Fehler unterlaufen, aber ich habe dadurch mehr gelernt, als du dir vorstellen kannst.“
      „Zum Beispiel?“
      „Das nächste Experiment führen wir auf einem Planeten durch den ich nicht ausstehen kann.“ erwiderte Velius bissig, drückte sich tiefer in seinen Sitz und streckte die Beine weit von sich.
      Aurelius schüttelte nur mit dem Kopf. Der Rat musste wirklich den Verstand verloren haben, auch wenn er Velius trotz allem irgendwie mochte. Er konnte zwar etwas exzentrisch sein, aber ohne ihn, wären die letzten Schlachten deutlich weniger glimpflich ausgegangen. Velius riskierte bei seinen Forschungen und Experimenten viel, nach Meinung mancher vielleicht zu viel. Dafür lieferte er auch spektakuläre Ergebnisse und genau das brauchten sie in ihrer Lage. Sie brauchte gigantische Fortschritte und mussten Risiken eingehen, leider verstanden dass viele Lantianer noch immer nicht. Es hatte letztendlich keinen Sinn, sich über Velius den Kopf zu zerbrechen. Stattdessen nutzte Aurelius die Zeit, um die winzigen Metallteilchen misstrauisch zu beäugen, welche noch immer um den Kopf des Forschers rasten. Aurelius wusste, dass sie aus Millionen mikroskopisch kleiner Maschinen bestanden, die noch zu ganz anderen Dingen in der Lage waren, als nur ein simples Spielzeug abzugeben.
      „Was ist denn jetzt schon wieder, Aurelius? Passt dir etwas nicht an meinen Naniten?“ platze es nach einer Weile aus Velius hervor, als er die säuerlichen Blicke seines Kapitäns bemerkte.
      „Die Dinger sind gefährlich. Sie sollten nicht frei durch mein Schiff fliegen.“ antwortete Aurelius ungehalten, ohne die schwebenden Metallplättchen aus den Augen zu lassen.
      „Alles was ich erfinde ist gefährlich, dafür bin ich da. Ist dir das bisher nicht aufgefallen?“
      „Noch etwas, was die Ratsmitglieder lieber niemals hören sollten.“
      „Keine Sorge. Das sind nur einfache, zu kleinen Platten verbundene, Nanozellen, die nicht in der Lage sind sich zu größeren oder komplexeren Objekten zu verbinden. Ich benutze sie nur gerne als automatischen Schild, falls ich keine Gelegenheit erhalte auf unsere Kräfte zurückzugreifen. Man kann auch gut mit ihnen die Langeweile vertreiben.“ erklärte der eigenwillige Wissenschaftler und ließ die Metallstücke in komplizierten Formationen über die Köpfe der Besatzung fliegen, wobei er sich große Mühe gab die anderen von ihrer Arbeit abzulenken. Einige schenkten seinen Spielzeugen genervte Blicke, für die meisten Männer und Frauen dagegen, war es nur ein weiterer ganz gewöhnlicher Tag an Bord der Invictus. Velius rief den Schwarm zu sich zurück, bevor er weitersprach, falls jemand auf die Idee kam sein neustes Spielzeug abzuschießen. „Außerdem solltest du dich an meine kleinen Freunde gewöhnen. Sie sind unser Schlüssel zum Sieg über die Wraith und du wirst dich, früher oder später, mit ihnen anfreunden müssen.“
      „Ich kann es noch immer nicht fassen, dass du den Rat dazu gebracht hast, deine neue, wahnwitzige Idee zu unterstützen. Nichts gegen dich, aber...was hat sie dazu gebracht einem Irren wie dir freie Hand zu gewähren?“ Beiden schoss, im selben Moment, die Antwort auf diese Frage durch den Kopf, doch keiner von ihnen sprach sie laut aus. Verzweiflung. Wie so viele ihrer neuen Projekte, schrie auch dieses Experiment nichts anderes als pure Verzweiflung in die Galaxie hinaus. Zum Glück entschied sich endlich jemand dazu ihre Unterhaltung zu beenden, bevor sie mit dem Thema fortfahren konnten.
      „Verschiebt euer Gespräch auf später, es ist sowieso pure Zeitverschwendung gewesen.“ unterbrach die rothaarige Frau ihr Gespräch und gab zum ersten Mal seit Stunden einen Laut von sich. Sie schenkte den beiden einen kurzen, genervten Blick. Normalerweise zeigte sie nichts als Respekt gegenüber ihren Vorgesetzten, selbst wenn ihr Vorgesetzter Aurelius hieß, aber ein paar Tage zusammen mit Aurelius und Velius auf einem Schiff eingesperrt zu sein, forderte langsam seinen Tribut. Weder der Kapitän, noch der Wissenschaftler, schienen sich an ihrem schroffen Verhalten zu stören. Mirena Zaniel diente schon seit dem ersten Scharmützel der Invictus als erster Offizier und Aurelius rechte Hand. Falls sie ihren gefürchteten, scharfen Befehlston aufsetzte, gab selbst Aurelius ihr nach. Die meiste Zeit über, wirkte sie allerdings ungefährlicher als ein Korb voller Katzenbabys, zumindest wenn man sie nicht reizte. Im Moment jedoch, wollte Mirena sich nur auf ihre Mission konzentrieren und fuhr lieber rasch fort, bevor einer der beiden etwas erwidern konnte, um sie ebenfalls in diese Unterhaltung zu zwingen. „Austritt aus dem Hyperraum in 30 Sekunden.“ sagte sie in ihrer typischen, monotonen Stimme, die sie immer benutzte, wenn sich ein Gefecht anbahnte.
      „Gut. Wir sollten beim Austritt weit genug von ihnen entfernt sein, damit sie uns nicht bemerken, aber falls doch...“
      „Zerlegen sie das Schiff in deutlich weniger als 30 Sekunden.“ beendete Velius brüsk seinen Satz für ihn.
      „Danke, für den Hinweis.“
      „Gern geschehen. Wenn du versagst, war es mein letzter Tipp.“
      „Ein guter Grund die Tarnung nicht zu aktivierten.“ versuchte Aurelius sich an einem letzten Scherz, bevor er Velius endgültig ausblendete. Seine Hände ruhten beide auf den runden Feldern, die auf den Armlehnen angebracht waren und aus einem weichen, farblosen Gewebe bestanden. Die Rückenlehne bewegte sich nach Hinten, so dass er mit geschlossenen Augen auf dem Kontrollstuhl lag. Sofort verblasste alles um ihn herum. Sämtliche Geräusche der Besatzung verschwanden, nur um im nächsten Augenblick, als eine Art weit entferntes Hallen, wieder aufzutreten. Er konnte ihre Worte noch immer verstehen, aber befand sie bildeten eher eine Art Hintergrundrauschen, das er zwar beachten musste, aber jederzeit drohte unter der Masse an neuen Empfindungen zu verschwinden.
      Die Sensoren der Invictus, bekamen seine neuen Sinne, verdrängten die alten vollständig und drängten sich, über alles andere hinweg, in den Vordergrund. Alles was die Invictus erfasste, schob sich in sein Sichtfeld, alles was die Sensoren ertasteten, konnte er spüren, als würde er es mit eigenen Händen berühren. Er fühlte kurz einen gewaltigen Druck auf der Brust, als sie den Hyperraum verließen. Ohne sich weiter damit aufzuhalten, dachte er daran sich zu tarnen, sich vor den Blicken seiner Feinde zu verbergen und das gigantische Schlachtschiff löste sich augenblicklich spurlos in Luft auf, noch bevor ihre Feinde sie bemerken konnten.
      Aus weiter Ferne, hörte er Mirena´s Stimme. Sie klang so leise, dass Aurelius sich kurz fragte, ob mit dem Stuhl etwas nicht stimmte, bis ihm aufging, dass seine erste Offizierin angefangen hatte zu flüstern. „Tarnung aktiviert. Keine verdächtigen Energiesignaturen des Basisschiffes. Sie scheinen uns nicht bemerkt zu haben und fahren ihre Waffen nicht hoch.“
      „Warum flüsterst du, Mirena?“ fragte Velius verwirrt von der Seitenlinie aus.
      „I-i-ich...w-was?“ Mirena brach verwirrt ab. Er schien sie völlig aus dem Konzept gebracht zu haben und ihre Wangen färbten sich unter seinen belustigten Blicken rosa, während sie hastig, so leise wie möglich, weitersprach. „Es erschien mir richtig zu sein. I-immerhin schleichen wir uns an...wir müssen leise sein.“
      „Glaub mir, so funktioniert die Tarntechnologie nicht. Du kannst so laut sein wie du willst, die Wraith werden dich nicht bemerken.“
      „A-aber...a-anschleichen...w-wir...“ stammelte Mirena vor sich hin, während ihr aufging, wie albern sie sich verhalten hatte, woraufhin ihr erst recht das Blut in die Wangen schoss.
      „Ich liebe es dich sprachlos zu sehen.“ kommentierte Velius ihre Reaktion belustigt „Du siehst viel niedlicher aus, wenn du einfach still bist, anstatt zu versuchen mir Befehle zu erteilen.“ Mirena fing sich wieder, kniff die Augen zusammen und schenkte ihm den finstersten Blick, den sie aufbieten konnte, auch wenn das seine Erheiterung nur noch verstärkte. „Oh, wenn Blicke töten könnten.“ stichelte er weiter, ließ es dann aber sein sie noch weiter zu ärgern. Er hing an seinem Leben.
      „Bringe uns näher ran.“ ertönte Aurelius laute Stimme, er konzentrierte sich zu sehr das Schiff, um an der kleinen Unterhaltung teilzunehmen. Kaum hatte er seinen Satz beendet, als die Invictus sich auch schon mit mit hoher Geschwindigkeit dem Ziel näherte.
      „Muss das sein? Wir können sie auch von hier aus zerstören.“ warf Mirena, mit einem nervösen Unterton in der Stimme, ein. Die Aussicht ungeschützt und offen auf den Feind zu zufliegen, gefiel ihr noch weniger als Velius, aber genau wie dieser, wurde auch sie von ihrem Kapitän ignoriert.
      „Sublichtmotoren auf minimale Leistung.“ kam es nach einer Weile wieder von Aurelius, als sie sich dem Schiff weit genug genähert hatten. Er konnte verstehen, wieso selbst Mirena so unruhig war, obwohl sie in gewöhnlichen Schlachten immer einen kühlen Kopf bewahrte. Ihr Volk arbeitete schon lange mit dieser Technologie, aber ein ganzes Schlachtschiff dieses Ausmaßes zu tarnen, stellte eine ganz andere Herausforderung dar, als die kleinen Abfang- und Transportschiffe. Sie wussten viel zu wenig über Sensoren und Aufklärung der Wraith, um sich völlig sicher sein zu können. Insgeheim rechnete Aurelius schon damit, dass das Basisschiff umgehend das Feuer auf sie eröffnete.
      Das Basisschiff glich in seinen Ausmaßen der Invictus, nur dass es um einiges massiger wirkte. 3000 Meter lang. Mehr als doppelt so breit und hoch wie das lantianische Schlachtschiff.
      Im Gegensatz zu ihnen, lebten die Wraith auf ihren größten Schiffen. Zehntausende von ihnen befanden sich auf jedem Basisschiff und zogen wie ein hungriger Heuschreckenschwarm durch die Pegasus-Galaxie. Die violette Oberfläche wirkte lebendig, als wäre es ein überdimensionales Monstrum, dass auf der Suche nach seiner nächsten Mahlzeit durch den Weltraum schwebte. Aurelius verspürte nichts als Abscheu bei dem Anblick. Je näher er an das Basisschiff herankam, desto mehr drängte alles in ihm danach sofort das Feuer zu eröffnen und das unheimliche Gewebe in Stücke zu sprengen.
      „Sind wir jetzt nah genug dran? Noch ein Stück und ich kann, von der Luftschleuse aus, auf das Basisschiff springen...du übertreibst es mal wieder.“ durchdrang Velius Stimme seine Gedanken und Aurelius ließ das Schiff noch im selben Moment anhalten. Sie schwebten inzwischen direkt neben dem ahnungslosen Basisschiff. Das reichte selbst Aurelius als Beweis für die Effektivität der Tarnung.
      „Drohnen bereit.“ verkündete Aurelius mit fester Stimme und gab die letzten Befehle weiter, bevor er sich vollständig auf die Gedankenkontrolle der Invictus konzentrieren wollte. „Tarngenerator ausschalten und Schilde hochfahren, so bald ich das Feuer eröffne.“ Es würde etwas dauern. Normalerweise konnten sie die Schilde jederzeit aktivieren, aber durch den neuen Tarngenerator, brauchten sie etwas Zeit, um zwischen Schild und Tarnung umzuschalten. Zeit, die sie nicht hatten, wenn die Wraith Gelegenheit zum Angriff erhielten.
      Seine Gedanken tasteten sich durch sein Schlachtschiff, bis zu einem der dutzenden Drohnenlager. Hunderte der tödlichen Geschosse stapelten sich in dem gut abgesicherten Raum. Sie wirkten wie fast einen Meter lange, goldene Kaulquappen, die in dem Moment hell zu strahlen begannen, in dem er seinen Verstand über sie gleiten ließ. Aurelius spürte das ungeduldige vibrieren der Drohnen, die nur darauf zu warten schienen, sich wie eine Säule aus goldenem Licht auf die verhassten Feinde zu stürzen, doch er startete sie nicht. Die Tarnung schien zu funktionieren und gleich sein erster Schlag, musste das Ziel vollständig vernichten. Er nutzte die Gelegenheit, um sich die größten Schwachstellen ihrer Feinde in Erinnerung zu rufen und seine gesamte Konzentration auf sie zu richten.
      Die Hangars, von denen aus sie ihre Jägerschwärme starteten erschienen ihm als das logischste Ziel. Während eines Frontalangriffs, würden seine Geschosse wirkungslos verpuffen ohne sie zu erreichen. Ein Basisschiff verfügte über hunderte Jäger, die sich notfalls für ihr Schiff opferten und in die Schussbahn warfen, um die wenigen Schwachstellen in der Hülle zu schützen. Wie Bienen schwärmten sie, während eines Gefechts, an genau diesen Stellen herum, um sie mit ihrer bloßen Masse zu verteidigen. Einen direkten Treffer, auf einen der kritischen Punkte zu landen, war in einer echten Schlacht nahezu unmöglich. Man musste sich, mit vielen hundert Drohnen, nach und nach durch das widerstandsfähige Gewebe sprengen und zu den wichtigen Systemen vorarbeiten.
      Als er sich auf sein Ziel festgelegt hatte, dachte er an nichts anderes mehr, als an die vollständige Vernichtung seiner Feinde. Die Invictus wurde sichtbar, im selben Moment, in dem rund 100 goldene Lichtkugeln aus dem Schiff schossen. Wie aus dem Nichts, erschien ihr Schiff direkt neben dem Basisschiff und stürzte die Wraith an Bord in heillose Verwirrung.
      Aurelius Verstand übernahm die völlige Kontrolle über die Drohnen. Sein Bewusstsein schien sich zu teilen und er nahm die Umgebung aus 100 unterschiedlichen Perspektiven wahr. Er befand sich in jeder einzelnen Drohne, die auf das Schiff zuraste, und zur selben Zeit noch immer an Bord der Invictus. Er steuerte jede ihrer Bewegungen, als wäre es sein eigener Körper und das natürlichste auf der Welt. Niemand in der lantianischen Flotte beherrschte die Drohnen so gut wie Aurelius. Die meisten Kapitäne, mussten sich auf die eingebauten, zielsuchenden Sensoren oder das Schwarmverhalten der Drohnen verlassen und steuerten eine größere Menge nur selbst, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Aurelius wusste, wovor sie sich fürchteten. Davor ihr Bewusstsein so weit zu verteilen bis es dünner und schwächer wird. Davor sich völlig im Kampf zu verlieren und letztendlich selbst für einen Teil des Schiffes zu halten.
      Er konnte spüren, wie der vordere Teil jeder Drohne immer heißer wurde, wie die Temperatur in den kleinen, lantianischen Wundergeschossen sich zu immer neuen Höhen aufschwang, die kein lebendes Wesen ertragen konnte. Die ersten Drohnen prallten auf die Oberfläche des Basisschiffes und stürzten sich auf die schwächsten Stellen. Sie nutzen ihre unvergleichliche Hitze, um das härtere Gewebe, das die zahlreichen Hangarbuchten schütze, zu schmelzen und sich tiefer in das Schiff zu fressen. Als sie weit genug vorgedrungen waren und an Schwung verloren, ließ er sie hochgehen. Sie rissen klaffende Löcher in die Außenhülle, rissen sie von Innen heraus auseinander und ließen es kinderleicht wirken einen Weg für die restlichen Drohnen zu öffnen. Etwa die Hälfte seiner Geschosse hatte er für die erste Welle verbraucht. Inzwischen waren nur wenige Sekunden vergangen, auch wenn es sich für ihn wie Minuten anfühlte. Ohne weiter Zeit zu verlieren, schossen die restlichen Drohnen auf die Löcher zu und suchten sich ihren Weg ins Innere. Ihre eingebauten Sensoren zeigten ihm die besten Ziele, legten ihm das ganze Innere des Schiffes offen. Einige ließ er vom Hangar aus weiterfliegen, in der Hoffnung, noch geeignetere Ziele zu finden.
      Das Basisschiff glich einem aufgescheuchten Wespennest. Hochgewachsene, weißhaarige Männer mit einer ungesund wirkenden, schleimigen, grünen Haut eilten durch die Gänge. Er sah tausende von ihnen, die durch das Schiff zu ihren Jägern in den unbeschädigten Buchten rannten, versuchten die Geschütze auszurichten oder irgendwie auf andere Art und Weise an einen Gegner zu gelangen, gegen den sie nichts mehr ausrichten konnten.
      Dabei wirkten sie nicht panisch oder verzweifelt, sondern vollkommen teilnahmslos. Ein Feind, der keine Angst verspürte, keine Zweifel, der kein Zögern kannte und bereit war, sich bedingungslos für seine Königin zu opfern. Selbst jetzt noch klammerten sie sich verbissen an ihre abscheulichen Leben, um eines Tages die Lantianer restlos zu vernichten.
      Ein zufriedenes Lächeln umspielte Aurelius Lippen, als er die letzten Drohnen im Inneren des Schiffes explodieren ließ. Sie stürzten sich auf die Jäger und ließen sie in Flammen aufgehen. Weitere Jäger wurden von den Explosionen erfasst. Eine Welle der Vernichtung breitete sich von den Hangars aus aus, fraß sich durch das gesamte, verletzliche Innere des Basisschiffes und bewegte sich unaufhaltsam durch das Schiff.
      Was sonst die erste Verteidigungslinie der Wraith-Schiffe bildete, entwickelte sich jetzt in rasender Geschwindigkeit zu einer gigantischen Kettenexplosion, die weitere empfindliche Systeme erfasste und nicht enden wollte. Das Basisschiff wurde von Innen heraus in Stücke gerissen, brach unter der Wucht tausender Explosionen auseinander, ohne einen einzigen Schuss abgeben zu können. Das gigantische Schiff, das sonst bei seinem Auftauchen ganze Planeten in Panik versetzt, wurde jetzt in wenigen Sekunden zu einem brennenden Wrack.
      Aurelius konnte es als einziger auf seiner Haut spüren. Unvergleichliche Hitze. Flammen die ungehindert über seine Haut...die Hülle der Invictus leckten, bevor sie erloschen. Kleinere Teile des feindlichen Schiffes kratzen bereits über die Panzerung, warfen sich als letzten Racheakt auf die reglos wartende Invictus und gaben Aurelius das Gefühl am ganzen Körper von winzigen Insekten gebissen zu werden. Ein kurzer Gedanke, nicht mehr als ein beiläufig gedachter Befehl. Augenblicklich sprang der Subraumantrieb an und brachte ihr Schlachtschiff so schnell wie möglich von dem untergehenden Feind weg.
      „Das war knapp...“ durchbrach Velius angespannt die Stille „Ohne die Schilde, hätte uns die Explosion beinahe in Stücke gerissen. Du warst viel zu unvor...“
      „Ist alles in Ordnung, Kapitän?“ würgte Mirena ihn besorgt ab und widerstand gerade so dem Drang, nach dem reglosen Arm des Kapitäns zu greifen.
      Aurelius öffnete blinzelnd die Augen und löste sich von der Invictus. Wie immer, verspürte er dabei in den ersten Augenblicken nichts als grenzenlose Leere, bis er sich wieder daran gewöhnte nur seinen eigenen Körper zu spüren und zu steuern. Der Kontrollstuhl brachte ihn wieder in eine aufrechte Position und er lächelte Mirena beruhigend an. „Mir geht es gut und dem Schiff auch. Eine kleine Explosion hätte nicht ausgereicht, um die Invictus zu zerstören.“
      „Stimmt. Noch vor der letzten Explosion, hätte uns ein Hagel aus Wrackteilen in Stücke gerissen.“ warf Velius beiläufig ein.
      „Kommt halt davon, wenn man sich zu sehr an die Schilde gewöhnt hat. Normalerweise wäre das Ausweichmanöver nicht nötig gewesen.“ erwiderte Aurelius unbesorgt. Er hatte sich zu sehr auf die Drohnen konzentriert und das Schiff beinahe zu spät aus der Gefahrenzone manövriert, das würde ihm nicht noch einmal passieren, aber genau dafür waren solche kleinen Scharmützel ja schließlich da. Besser er beging solche Fehler jetzt, als in der nächsten Schlacht. „Daran musst du übrigens dringend arbeiten. Wir können im Kampf nicht auf die Schilde verzichten. Unsere Schiffe wurden nicht dafür gebaut ohne auszukommen, wir brauchen sie.“ sagte er geistesabwesend in Richtung Velius, der ihn nur völlig entgeistert anstarrte, als hätte sein Kapitän endgültig den Verstand verloren.
      „Was soll ich daran deiner Meinung nach ändern? Soll ich die Naturgesetze für dich außer Kraft setzen? Hast du vielleicht noch andere völlig unmögliche und alberne Wünsche?“
      „Wie wäre es mit einer Maschine, die sämtliche Wraith-Schiffe in der Galaxie auf einen Schlag explodieren lassen könnte?“
      „Sehr witzig.“ Velius seufzte resigniert, dachte kurz nach und erklärte sich dann immerhin zu einer Art Kompromiss bereit „So bald wir an unserem Ziel sind, kann ich ein paar Modifikationen am Tarngenerator vornehmen, für die vor unserem Aufbruch keine Zeit mehr blieb. Dann sollte es möglich sein die Schilde, nach der Tarnung, schneller zu aktivieren, wir wären also nur noch ein paar Sekunden schutzlos. Am besten du verkneifst dir bis dahin weitere sinnlose Gefechte.“
      „Sinnlos? Wir haben einen Sieg errungen und unsere Feinde vernichtend geschlagen. Was soll daran sinnlos gewesen sein?“
      „Es gibt Milliarden von Wraith da draußen, falls dir das noch nicht aufgefallen ist.“ wies Velius ihn auf das Offensichtliche hin, denn manchmal glaubte er, dass sein Freund viel zu oft vergaß, wie viele Wraith in der Pegasus-Galaxie lauerten.
      „Und jetzt sind es ein paar Zehntausend weniger.“ entgegnete Aurelius schnippisch „Beruhig dich. Wir haben nur ein paar Stunden verloren und dafür ein feindliches Schiff vernichtet. Ein Feind weniger, um den wir uns in der nächsten Schlacht kümmern müssen. Die paar Stunden werden deine Mission schon nicht ruinieren.“
      „Darum geht es auch nicht! Wir sind darauf angewiesen, dass unser Zielplanet noch einige Monate unentdeckt bleibt, am besten ein ganzes Jahr und das geht nicht, wenn du wie ein Irrer um dich schießt! Mit jedem Schiff, dass wir zerstören, ziehen wir nur unnötig Aufmerksamkeit auf diesen Teil der Galaxie und wenn wir etwas nicht gebrauchen können, dann ist es Aufmerksamkeit. Wir sind zwar getarnt, aber unser Ziel ist es nicht. Irgendjemand wird dieses Basisschiff vermissen. Irgendjemand wird danach suchen und wenn wir Pech haben entdeckt er unseren Außenposten.“
      „Oder es war bloß ein einzelnes, verirrtes Schiff, auf der Suche nach einem Planeten mit frischer Nahrung. Sie verbringen sowieso den größten Teil ihrer Zeit damit, nach neuen Weidegründen Ausschau zu halten.“ versuchte Aurelius ihn irgendwie zu beruhigen und warf seinem ersten Offizier hilfesuchende Blicke zu.
      „Oder es war Teil eines größeren Netzwerk aus Spähern, die diesen Teil der Galaxie beobachten und nur darauf warten, dass wir irgendwo einen neuen Außenposten errichten.“
      „Musst du immer gleich so unfassbar pessimistisch werden? Wir haben ein feindliches Schiff zerstört, da sollte man sich freuen. Lass deine Naniten vor Freude tanzen, anstatt mir auf den Geist zu gehen.“
      „Setzt du gerade ernsthaft meinen Realismus, der übrigens bereits mehr für uns geleistet hat als du, mit Pessimismus gleich?“
      „Realismus? Alles was du gesagt hast, ist vollkommen unrealistisch! Wozu sollten die Wraith Basisschiffe für so ein Netzwerk verschwenden, wenn sie ihre Schiffe an der Front brauchen?“
      „Wieso nicht? Sie wollen jeden Winkel der Galaxie erkunden, auf ihrer Suche nach Nahrung und unseren Außenposten. Basisschiffe besitzen sie genug, um es sich leisten zu können ein paar aus dem Kampf abzuziehen und die Sensoren ihrer Kreuzer sind noch mieser, also völlig ungeeignet für so ein Netzwerk.“
      „Wow...“ war alles was im ersten Moment von Aurelius kam, der langsam keine Lust mehr auf die Übertreibungen des Wissenschaftlers hatte „So paranoid habe ich dich gar nicht in Erinnerung. Die Zeit in Atlantis hat dir nicht gut getan. Du warst zu oft mit deinen Forscherfreunden zusammen.“
      „Ich war nur zwei Monate in der Hauptstadt!“
      „Zwei Monate können reichen um jemanden zu ändern, vor allem zum schlechteren und das sollte bei dir nicht allzu schwer sein.“ verzweifelt wandte er sich an Mirena, die ihre Unterhaltung interessiert verfolgt hatte. „Will mein erster Offizier mir zufällig in einem aussichtslosen Gefecht beistehen?“
      „Velius hat recht und das wisst Ihr auch, Kapitän. Es war unnötig und viel zu gefährlich.“ schlug Mirena sich prompt auf die Seite des Wissenschaftlers und entlockte Velius damit ein zufriedenes Grinsen.
      „Na toll. Glückwunsch zu deinem Erfolg, Velius. Du hast Mirena mit deinem Pessimismus angesteckt.“
      „Es ist nicht seine Schuld, so gerne ich ihm auch widersprechen würde.“ verteidigte sie den völlig perplexen Velius. Er war es nicht gewohnt, dass Mirena für ihn sprach, selbst wenn er recht hatte. Normalerweise würde sie sich immer auf die Seite des Kapitäns stellen, nur um ihm eins auszuwischen. „Was wenn die Tarnung versagt hätte? Wir wären in einem sinnlosen Gefecht gestorben und mit uns auch unsere Mission. Ein zerstörtes Basisschiff bedeutet nichts, verglichen mit dem Erfolg unserer Mission.“
      „Jetzt fängst du auch schon damit an...“
      „Sind wir uns einig? Keine unnötigen Gefechte mehr?“ hakte sie misstrauisch nach und funkelte ihn von der Seite aus an, was gegen seinen Willen ein Lächeln auf seine Lippen zauberte. Sie machte sich Sorgen um ihn, wie sollte er da über den kleinen Verrat böse sein?
      „Keine unnötigen Gefechte mehr, versprochen.“ stimmte Aurelius gönnerhaft zu und machte sich bereit, mit der Invictus, wieder in den Hyperraum zu springen „Worauf warten wir eigentlich noch? Wir müssen eine Nervensäge abliefern, damit sie die Galaxie retten kann.“
      Die Galaxie retten. Eine Aufgabe, für die ein Schiff, selbst eine ganze Flotte, schon lange nicht mehr ausreichte, auch wenn Aurelius das niemals akzeptieren würde. Über 100 Jahre dauerte der Krieg gegen die Wraith bereits an und langsam begriffen selbst die Lantianer, dass sie dabei waren ihn zu verlieren. In ihrem Hochmut, und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber den anderen Völkern der Pegasus-Galaxie, hatten sie den Aufstieg der Wraith ignoriert, waren einer zeitraubenden Konfrontation über Jahrhunderte hinweg aus dem Weg gegangen. Krieg lag den Lantianern nicht im Blut. Sie waren Forscher, Gelehrte und etwas, was man, aus der eingeschränkten Sicht der Menschen, als Götter bezeichnen konnte. Für die meisten unter ihnen existierte nur ein Ziel. Ihre menschliche Hülle aufzugeben und auf einer höheren Ebene der Existenz zu wandeln. Aufzusteigen, zu Wesen aus purer Energie, die sich frei durch das Universum bewegen konnten und eins mit ihm waren. Langwierige, kriegerische Auseinandersetzungen halfen nicht bei diesem ehrgeizigen Vorhaben, genauso wenig, wie sie dabei halfen, die Geheimnisse des Universums bis ins letzte Detail zu ergründen.
      Doch eines Tages, konnten sie das Imperium der Wraith nicht mehr ignorieren. Auf der Suche nach Nahrung, schreckten die Wraith nicht einmal vor den Lantianern zurück und begannen nach und nach das lantianische Reich einzureißen. Auf jede zerstörte Flotte, folgte eine größere und auf jede siegreiche Schlacht, die ernüchternde Einsicht, dass man wieder nichts weiter als Zeit gewonnen hatte. Unaufhaltsam strömten die Wraith zu Milliarden durch die Pegasus-Galaxie. Ihre gigantischen Flotten zogen von Welt zu Welt. Immer auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen, neuen Planeten, die sie unterwerfen und zu ihren persönlichen Vorratslagern umwandeln konnte. Denn nichts begehrten die Wraith mehr, als die Lebensenergie der Menschen und Lantianer. Unzählige von ihnen, waren seit Beginn des Krieges, durch die Waffen der Lantianer gestorben und noch immer ließ sich die Plage nicht eindämmen, nur für kurze Zeit aufhalten, bevor die nächste Verteidigungslinie mit brachialer Gewalt überrannt wurde.
      Letztendlich trat ein, was die Lantianer befürchteten, weshalb sie dem Krieg so lange aus dem Weg gegangen waren. Sie begannen sich zu verändern. Aus Forschern, mussten Krieger werden. Aus Expeditionsschiffen, die geschaffen wurden, um verborgenes Wissen zu sammeln und unter den Völkern des Weltalls zu verbreiten, mussten mächtige Schlachtschiffe werden. Feder und Papier, wurden gegen das Schwert getauscht und die gesamte Gesellschaft der Lantianer, richtete sich darauf aus, nur noch für den Krieg zu leben. Die klügsten Köpfe des Universums, erfanden jetzt Waffen, eine zerstörerischer und schrecklicher als die vorherige. Ganze Planeten wurden entvölkert, während sie sich gegen einen unaufhaltsamen Feind stemmten und ein uraltes Volk das seit ewigen Zeiten für den Frieden lebte, begann sich in einem Strudel aus Gewalt für immer selbst zu verlieren.
      An der Mannschaft der Invictus dagegen, ging das Ausmaß dieser beunruhigenden Entwicklung vollends vorbei. Sie kannten nur den Krieg gegen die Wraith. Ihr ganzes Leben schon stand Atlantis unter Belagerung. Für sie war er etwas natürliches, etwas das ihnen mehr bedeutete, als die Suche nach den Geheimnissen des Universums oder der Aufstieg. Frieden war nur ein leeres, unbedeutendes Wort, mit dem sie wenig anfangen konnten und das für sie keine Bedeutung besaß. Sie beunruhigten die älteren Lantianer manchmal mehr, als die Wraith. Zu sehen, was die langen, verzweifelten Jahre des Krieges aus ihrem einst strahlenden Volk machten, ließ sie mehr verzweifeln, als die endlose Zahl ihrer Feinde.
      Jung, hitzköpfig und voller Hass auf die Wraith. Sie gehörten einer Generation von Soldaten und Kriegern an, die sich von den friedliebenden Prinzipien der Lantianer löste, um einen Krieg zu gewinnen, der von Jahr zu Jahr verzweifelter wurde. Auch wenn niemand im Hohen Rat diese Wahrheit gerne hörte, so mussten selbst sie zugeben, dass die Mannschaft der Invictus einen unmöglichen Sieg nach dem anderen errang. Ältere Lantianer sahen auf sie hinab, auf ihre Impulsivität, ihre unkontrollierte Leidenschaft, ihren Willen den Feind mit allen Mitteln zu zerschmettern, aber sogar sie erkannten, dass diese neue Generation ihre einzige Chance auf einen Sieg darstellte.
      Niemand an Bord der Invictus ahnte, dass sich der hundertjährige Krieg für den sie existierten, für den zu leben sie gelernt hatten, langsam aber sicher, seinem Ende entgegen neigte.

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      Ein Wraith Basisschiff


      Die Invictus bzw. ein Schlachtschiff derselben Klasse

      Falls es jemand liest der Stargate nicht kennt

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      Einen Tag, nach ihrer Ankunft auf Asuras, gingen Mirena und Aurelius über eine kleine Lichtung, die sich im Norden des Hauptkontinents befand. Während die Oberfläche von Lantia beinahe vollständig aus Wasser bestand, verfügte Asuras über 10 mal so viel Landmasse und war von dichten Wäldern bedeckt. Auf Lantia, bauten sie hauptsächlich Städte, die auf den Ozeanen schwammen. Das bisschen Festland ignorierten sie die meiste Zeit über, nach dem sie erkannten, dass sie in den letzten Millionen Jahren sämtliche nützlichen Rohstoffe aufgebraucht hatten. Noch ein Unterschied zwischen den beiden Planeten, denn Asuras verfügte laut ihren Bodenproben über reiche Erzvorkommen, unter anderem eine unerklärlich hohe Anzahl an Neutronium und Trinium. Beides Metalle, die sie für die meisten ihrer Projekte benötigten, unter anderem für die Außenhülle ihrer Schiffe.
      Dass man Velius geschickt hatte, anstatt eines Abbauteams und einigen Transportschiffen, stürzte Aurelius noch immer in heillose Verwirrung. Trinium und Neutronium, waren in der Pegasus-Galaxie, in den letzten Jahrtausenden, rar geworden und alleine der Krieg gegen die Wraith fraß nach und nach die letzten Reserven ihres Volkes auf. Was das anging, profitierten die Wraith erheblich von der Dauer des Krieges. Zwar wusste man nichts spezifisches über den Vorgang an sich, aber angeblich wuchsen die Schiffe ihrer Feinde aus ihrem eigenen genetischen Material, ohne dabei groß auf natürliche Ressourcen angewiesen zu sein. Sie benötigten nur genug Energie.
      Warum die Metallvorkommen auf Asuras unberührt blieben, würde Aurelius hoffentlich gleich herausfinden, denn Velius wollte heute sofort mit seinem Projekt beginnen. Drei dutzend Soldaten von der Invictus befanden sich schon seit fast zwei Wochen auf Asuras und hatten hier ihr Lager aufgeschlagen. Sie waren als Vorauskommando, durch das Sternentor, nach Asuras gereist. Die Invictus sollte nichts weiter tun, als getarnt um den Planeten zu kreisen und ihn zu bewachen. Im Falle eines unvorhergesehen Wraith Angriffs, sollten sie mit allem fertig werden. Niemand hielt es für wahrscheinlich, dass die Wraith ohne Grund eine Flotte aus mehreren Basisschiffen an den Rand der Galaxie sendeten und sonst gab es nichts, wovor ihre Schlachtschiffe sich fürchten mussten. Theoretisch hätte Velius auch gemeinsam mit den Soldaten durchs Tor gehen können, aber er musste sowieso noch einige Vorbereitungen treffen und hatte darauf bestanden, mit der Invictus zu fliegen. Vermutlich nur, weil es ihm Spaß machte Aurelius und Mirena in den Wahnsinn zu treiben.
      Abgesehen von den hastig errichteten Unterkünften der Soldaten, befand sich nur ein einziges Gebäude in dem kleinen Lager. Die Oberfläche der Wände bestand komplett auf glattem Metall. Von weitem erinnerte es an einen silbernen, glänzenden Würfel, den irgendjemand mitten auf die Lichtung geworfen hatte.
      Sie waren noch nicht weit gekommen, als Aurelius direkt vor einer jungen Soldatin mit kurzen, blonden Haaren stehen blieb, welche sie vor dem Metallwürfel erwartete.
      „Lucia, schön dich zu sehen.“
      „Kapitän.“ begrüßte sie ihn und neigte kurz respektvoll den Kopf vor ihm. Im Gegensatz zur normalen Besatzung, trugen die Männer und Frauen der Kampfeinheiten schwarze Uniformen, die sich ansonsten nicht groß von den herkömmlichen Uniformen unterschieden. Sie deutete ungefragt auf das kleinste Gebäude. „Acario befindet sich bereits die ganze Nacht da drin und wartet ungeduldig auf Sie. Seine Ausrüstung wurde vollständig aufgebaut und an einen Mithrae Core angeschlossen, danach...danach ist das Gebäude um ihn herum gewachsen. Keine Ahnung wie er das gemacht hat, aber immerhin mussten wir es nicht für ihn bauen.“
      „Er kann es ja kaum erwarten loszulegen.“ murmelte Mirena beunruhigt vor sich hin, den Blick ängstlich auf die weißen Mauern gerichtet, für den Fall, dass sie jeden Augenblick explodierten und eine gigantische Flammensäule das ganze Lager verschlang.
      „Niemand weiß was er die ganze Zeit macht und niemand traut sich nachzusehen.“
      „Wo steckt eigentlich Victoria? Erstaunlich, dass sie uns gestern nicht sofort an Bord der Invictus aufgesucht hat.“ fragte Aurelius, der genau wie Mirena nach einem Grund suchte, das Ende des Gesprächs möglichst lange hinaus zu zögern.
      „Auf einem Jagdausflug, schon seit zwei Tagen. Sie wird auch erst in ein paar Tagen zurück sein und Sie über die Lage informieren können. Bis dahin wird unser Statusbericht warten müssen.“
      „Kannst du ihr nicht sagen, dass wir hier sind? Wenn sie erfährt, dass wir endlich angekommen sind, wird sie sicher sofort zurückkommen.“
      Lucia fing an zu schmunzeln und hielt ihm eine winzige Scheibe aus rotem Kristall entgegen. Ein Kommunikationsgerät, das sich vorübergehend mit der Haut und dem Nervennetzwerk verband, so bald es mit ihr in Berührung kam. Wie die meiste lantianische Technologie, ließ es sich per Gedankenkontrolle aktivieren und erlaubte es den Trägern Gedanken über große Entfernungen auszutauschen, was es viel effektiver machte, als herkömmliche Kommunikationsgeräte. Victoria hasste es abgrundtief. Angeblich kratzte es furchtbar auf ihrer Haut und sie konnte es nicht für längere Zeit ertragen. Manchmal fragte er sich wirklich, wie ausgerechnet sie zur Vorzeigesoldatin der neuen Kampfeinheit werden konnte.
      „Und ich nehme an, du kannst den Lagebericht nicht für sie übernehmen, oder?“
      „Tut mir leid, Herr, aber so lebensmüde bin ich nicht.“ wehrte Lucia hastig ab, wobei sie sich panisch umsah, für den Fall, dass ihre Vorgesetzte gleich irgendwo auf die Lichtung sprang „Victoria freut sich schon seit einer Woche darauf, Euch Bericht zu erstatten, und wenn ich ihr das wegnehme...“
      „Na schön. Sag mir Bescheid, wenn sie wieder auftaucht.“
      „Ja, Herr.“ Lucia verneigte sich erneut, bevor sie verschwand.
      Mirena schnalzte missbilligend mit der Zunge. Sie hatten Victoria ganz klar gesagt, an welchem Tag sie mit der Invictus eintreffen würden und trotzdem war sie nicht hier. Außerhalb einer Schlacht, konnte man sich nicht auf sie verlassen. „Deine Schwester hat sich also mal wieder abgesetzt. Hoffentlich bleibt sie nicht zu lange verschollen, wir haben nicht vor ewig zu bleiben.“
      „Wollen wir es hoffen. Ich habe keine große Lust, den ganzen Planeten nach ihr abzusuchen, während Velius unbeaufsichtigt zurück bleibt.“ Aurelius überlegte kurz, ob es noch irgendeine Möglichkeit gab, das ganze zu verzögern und starrte dabei das quadratische Metallgebäude an. Leider ließ die rettende Idee noch auf sich warten. „Müssen wir eigentlich wirklich da rein gehen? Noch können wir zurück auf die Invictus und vom Orbit aus zusehen.“
      „Von dort aus sind wir zu weit entfernt, um irgendetwas zu erkennen oder um einschätzen zu können, ob Velius Erfolg hatte.“
      „Ach? Ich finde die Entfernung genau richtig.“
      „So schlimm wird es nicht werden und falls doch, rennen wir einfach zu den Ringen und verschwinden.“
      „Falls uns so viel Zeit bleibt...“ Mehr sagte er dazu nicht, sondern bereitete sich lieber darauf vor, gleich um sein Leben zu rennen.
      Gemeinsam betraten sie widerwillig das Gebäude. Beide sahen nichts außergewöhnliches, was sie etwas überraschte, immerhin erwarteten sie eines von Velius übertrieben ehrgeizigen Projekten. Stattdessen erwartete sie nur ein einfacher, geräumiger Raum nach lantianischer Bauart. Mitten im Raum, erhob sich eine Art Liege mit glatter, weißer Oberfläche und rotem Rand. Sie war etwa so lang und breit wie ein durchschnittlicher Lantianer. An einer Seite, befand sich eine Konsole, an der Velius sie bereits aufgeregt erwartete.
      „Da seid ihr zwei Schlafmützen ja endlich! Wurde auch Zeit, ich warte schon seit Sonnenaufgang auf euch!“ rief er ihnen fröhlich entgegen. Selbst sein Nanitenschwarm flog in heller Aufregung wie verrückt durch den ganzen Raum.
      „Hast du alles was du brauchst?“ übersprang Aurelius brüsk jede Art von Begrüßung.
      „Ja, ja, alles ist perfekt und jetzt stellt euch neben mir auf, haltet den Mund und seht einfach nur zu, wie ich den Krieg für uns gewinne.“
      „Können wir auch etwas weiter weg stehen?“ warf Mirena ein. Ihre Augen suchten schon die ganze Zeit über nach einer potentiellen Gefahrenquelle.
      „Weißt du, manchmal glaube ich, dass du einen etwas übertriebenen Hang zum dramatische hast. Als würden meine Forschungen jemals eine ernsthafte Gefahr für uns darstellen...“
      „Deine Forschungen sind nicht das Problem, sondern du. Ohne den Hohen Rat, hättest du schon längst unser Volk ausradiert, Pegasus entvölkert und wärst dabei die Galaxie mit irgendeinem selbst erschaffenen, wahnsinnigen Volk zu besiedeln.“
      „Daran habe ich tatsächlich schon gedacht. Es wäre relativ leicht sämtliches Leben in der Galaxie zu vernichten, deutlich leichter, als nur bestimmte Arten von Leben auszuradieren. Mit Sternentoren auf jedem bewohnten Planeten, ist es sogar ein Kinderspiel.“ Die Idee schien ihn für einige Zeit gefangen zu nehmen. Er starrte nachdenklich die Decke an und hatte sein wahres Projekt für den Augenblick vergessen. „Vielleicht wäre ein sauberer Neuanfang wirklich das beste für unsere Zivilisation. In Atlantis sollte ich mich eingehender mit der Materie beschäftigt. Ich spüre eine Menge unentdecktes Potential in der Idee.“
      „Danke, Mirena. Du hast uns gerade umgebracht und unser Volk ausgelöscht.“
      „H-hey! Das war keine Absicht...wer soll damit rechnen, dass Velius so etwas ernst nimmt!?“
      „So ziemlich jeder der ihn kennt.“
      Velius kam wieder zu sich, schüttelte kurz seinen Kopf und konzentrierte sich wieder auf seine derzeitige Aufgabe. „Wie auch immer, lasst uns endlich anfangen, bevor ich euch beide als erste auslösche.“
      „Da wäre noch eine Kleinigkeit, die ich erledigen muss. Warte kurz.“ Aurelius konzentrierte sich auf die Kommunikationskristalle und auf sämtliche Mitglieder seiner Mannschaft, um sie alle gleichzeitig zu erreichen. Alle hörten einige Sekunden später seine Stimme in ihren Köpfen widerhallen. „An die Besatzung der Invictus. Höchste Alarmstufe. Ich wiederhole, höchste Alarmstufe. Das ist keine Übung. Sucht umgehend Schutz im Wald und entfernt euch so weit wie möglich von Velius Forschungsgebäude. Wir werden jeden Moment die neuste Erfindung von Velius Acario aktivieren. Wer an seinem Leben hängt, sollte einen Weg suchen dieses arme, unschuldige Sonnensystem zu verlassen...so lange es noch existiert.“ Aurelius räusperte sich kurz zufrieden und schenkte Velius, zum erstenmal seit einer Weile, ein freundliches Lächeln „Das wars, wir können loslegen.“
      „Sehr witzig.“ spie Velius bissig aus, als er die Nachricht ebenfalls empfangen hatte.
      „Finde ich nicht. Wäre nicht das erste Sonnensystem, dass dir zum Opfer fällt.“
      „Musst du ewig auf der Sache mit dem schwarzen Loch herumreiten? Das ist über ein Jahr her!“
      „Und ich werde es dir noch in hundert Jahren vorhalten.“
      „Pff. Du musst endlich lernen zu vergeben und zu vergessen, ansonsten wirst du den Rest deines Lebens unausgeglichen bleiben und niemals den alles erfüllenden inneren Frieden finden können.“ griff Velius auf einen Satz der Aufstiegsfanatiker zurück, womit er Aurelius Laune endgültig nach unten zog.
      „Komme bisher ganz gut ohne zurecht, trotzdem mal wieder danke für den überflüssigen Ratschlag. Kannst du jetzt endlich anfangen?“
      „Denke schon. Die Kristalle sind alle richtig angeordnet, meine Programmierung ist fertig, Victoria´s Schlächter haben die Maschine mit genug rohem Neutronium gefüllt....da fällt mir ein, wo ist eigentlich Victoria?“ brach er verwirrt ab. Forschend sah er sich um, nur für den Fall, dass Victoria sich irgendwo versteckte, um ihn während seiner Arbeit zu erschrecken. Als er sie nirgends entdecken konnte, wirkte Velius überraschenderweise geknickt. „Ich nahm an, dass sie zusehen will, wie ich meinen genialen Erfolg feiere und mein überlegener Intellekt euch alle grün werden wird vor Neid, während ihr mich insgeheim für meine umwerfende Genialität verflucht. Das will se sicher nicht verpassen.“
      „Victoria kommt nicht, sie war klüger als Mirena und ich, deswegen wandert sie gerade in sicherer Entfernung durch die Wälder und jagt. Wenn du so weitermachst, schließe ich mich ihr gleich an, nur um von dir wegzukommen.“
      Velius entwich ein leises, enttäuschtes „Oh“ bei dem Mirena und Aurelius verwirrt die Augenbrauen nach oben zogen. „N-nicht...dass es mir so wichtig wäre ob sie hier ist oder nicht...es...es ist nur...sie könnte...“ stotternd brach er ab. Zum erstenmal seit langem, erlebten sie einen sprachlosen Velius, bevor es ihm gelang sich zu fangen und etwas sicherer weiterzureden „Wenn sie sieht, wie ich die Galaxie rette, wird sie vielleicht aufhören mich ständig zu belästigen. Es ist etwas nervig, die ganze Zeit überwacht zu werden. Ich würde meinen Schatten gerne loswerden und das geht nur, wenn ich sie davon überzeuge...“
      „Sei endlich still und fang an.“ würgte Aurelius seine wirren Ausreden herzlos ab.
      „Wie du willst.“ brummte Velius missmutig vor sich hin. Seine Begeisterung kehrte schnell wieder zurück, als er mit seiner Arbeit an der Konsole begann, obwohl er seinen schwunghaften Enthusiasmus vom Anfang verloren hatte. „Als erstes, eine kleine Einführung, in meinen komplexen Verstand. Nur so viel, dass ihr ansatzweise versteht, was ich hier entwickelt habe, mehr würde euch sowieso nur überfordern.“ begann er einen seiner gefürchteten, endlosen Vorträge. Beide ließen ein entnervtes Stöhnen hören und alles in ihnen drängte sie dazu, nach einem Fluchtweg zu suchen. „In den letzten Monaten, erkannte ich, wie rückständig und ineffizient unsere Vorgehensweise im Krieg gegen die Wraith ist. Statt mich weiter mit übergroßen Schlachtschiffen und Geschützen aufzuhalten, bin ich dazu übergegangen, immer kleinere und effektivere Waffen zu entwickeln. Irgendwann, wurden sie so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen waren. Aus einer von ihnen, ist letztendlich das hier entstanden.“ Noch während er sprach, bildeten sich auf der Oberfläche seines Gerätes, winzige Metallstückchen, die sich nach und nach zu immer größeren Gebilden zusammensetzten. Anfangs wirkten sie nur wie silberne Sandkörner, die verloren über das Gerät schwebten, bis sie sich zu einer glatten, faustgroßen Kugel zusammensetzten. „Fertig. Eine einfache, simple Formation. Perfekt um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.“
      „Und was genau sehe ich mir da an?“ fragte Aurelius vorsichtig nach. Sicherheitshalber hielt er respektvoll Abstand zu der Kugel, auch wenn sie bisher nicht besonders gefährlich wirkte.
      „Naniten. Wir setzen so ähnliche Nanoroboter bereits dafür ein unsere Schiffe zu reparieren. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, sie weiterzuentwickeln und zwar zu etwas völligen Neuem. Meine Naniten, sind dazu in der Lage, sich zu komplexen Gebilden zu verbinden, zu einem undurchdringlichen und effizienten Netzwerk. Das hier war nur ein Testlauf, um zu sehen, ob Victoria´s Schläger auch alles vernünftig aufgebaut haben, ohne meine Ausrüstung zu beschädigen.“ er ließ seine Hände sacht über die Konsole gleiten und die Kugel fiel in sich zusammen „Ich zeige euch jetzt, was passiert, wenn ich aus dem rohen Neutronium eine ausreichend große Anzahl Naniten erschaffe und ihnen befehle sich zu einem komplexeren Körper zu verbinden.“ Er erschuf, scheinbar aus dem Nichts, mehr und mehr Naniten, die wie flüssiges Silber in der Luft schwebten und sich ständig in Bewegung befanden. Langsam und sorgfältig, verlieh er dem Strom aus Naniten die gewünschte Form, bis sie einen silbernen, menschlichen Umriss bildeten. Dann verfestigte sich die Figur plötzlich, schien zu erstarren und sich in eine liegende Statue zu verwandeln.
      „Die einzelnen Nanitenzellen sind in der Lage miteinander zu kommunizieren, und erschaffen letztendlich ein unfassbar verworrenes und kompliziertes Netzwerk, das dem Zellgewebe eines echten Lebewesens ähnelt. Es ist vermutlich sogar unserem überlegen, da es so gut wie unmöglich ist die Verbindungen zu trennen. Heißt das Netzwerk ist in seinem endgültigen Zustand unzerstörbar.“ Kaum hatte er das ausgesprochen, fielen die Zellen kraftlos in sich zusammen, lange bevor sie sich zu einem größeren Körper formen konnten. „Mhm, die Verbindung ist noch nicht stark genug. Dauert nicht lange. Ich brauche nur noch etwas Zeit.“ Das ganze dauerte, trotz aller Versprechungen seitens Velius, noch immer ein paar Stunden, in denen die anderen beiden nur teilnahmslos zusahen, wie das silberne Metall sich langsam zu einem größeren Ganzen formte.
      „Fertig, die Verbindung zwischen den Zellen sollte jetzt halten.“ verkündete er irgendwann und freute sich innerlich, über die erstaunten Blicke der anderen. Auf dem Gerät, lag eine schlafende, junge Frau. Aurelius schätzte sie auf jünger als zwanzig und wusste noch nicht genau, was er von Velius Ergebnis halten sollte. Das Mädchen hatte einen beinahe bronzefarbenen Hautton und ebenmäßige, friedliche Züge, die es Aurelius schwer machten, sie sich als tödliche Waffe vorzustellen. „Ich präsentiere, die Rettung von Atlantis! Asura!“ Präsentierte er sein Werk hochtrabend und zeigte mit einer dramatischen Geste auf das unscheinbare, schlafende Mädchen.
      „Heißt der Planet nicht schon so ähnlich?“ warf Mirena zögerlich ein. Nebenbei, ging sie um das Gerät herum und betrachtete das Mädchen genauer. Wie schon Aurelius, konnte sie nichts ungewöhnliches feststellen. Die angebliche Wunderwaffe, wirkte wie eine gewöhnliche Lantianerin. Sie trug sogar eine ihrer weißen Uniformen.
      „Und? Ich bin halt etwas faul, wenn es um Namen geht. Sie wird sich schon nicht darüber beschweren. Jetzt hör auf dich an dem Namen festzubeißen und sag mir endlich, wie genial ich...autsch!“ Aurelius Hand schoss von alleine nach vorne, ohne dass er darüber nachdenken musste. Unkontrolliert krachte sie gegen den Hinterkopf des Wissenschaftlers und verpasste ihm einen heftigen Klaps. Velius brach verdutzt ab und drehte sich aufgebracht in seine Richtung „Was soll der Mist?“
      „Muss sie so gut aussehen? Du hättest ihr jede Gestalt geben können und entscheidest dich...dafür?“
      „Was gibt es an ihr auszusetzen? Sie ist doch absolut perfekt und...“ Aurelius Hand machte inzwischen was sie wollte und traf erneut Velius Hinterkopf, diesmal etwas weniger fest „Hey! Lass das endlich!“
      „Du sollst eine Waffe entwickeln und nicht unsere Zeit mit so etwas verschwenden!“ Als Aurelius erneut versuchte ihm auf den Hinterkopf zu schlagen, ließ Velius seinen Nanitenschwarm dazwischen gehen. Die winzigen, silbernen Roboter trennten und verbanden sich im Bruchteil einer Sekunde, bis sie ein halbes Dutzend spitze Metalldornen bildeten. Es gelang Aurelius nur knapp den Schlag abzubrechen und seine Hand hastig zurück zu ziehen. „Ernsthaft?“ fragte er, etwas beleidigt und funkelte die silbernen Dornen verächtlich an.
      „Ernsthaft. Und jetzt lass mich endlich ausreden, bevor du gleich wieder alles schlecht machst.“
      „Na schön. Rede. Schnell.“
      „Dieses Mädchen, ist der erste Asuraner. Sie ist der erste Replikator, den ich jemals erschaffen konnte.“
      „Glückwunsch, du hast dich selbst übertroffen. Die Wraith werden bestimmt genauso beeindruckt sein wie ich, wenn wir ihnen ein Androidenmädchen schicken.“
      „Das beeindruckende an ihr, ist nicht ihr Aussehen, sondern ihre Programmierung. Sie ist darauf programmiert sich unendlich zu replizieren. Alles was sie braucht, um aus dem Nichts eine Armee aufzubauen, ist Neutronium. Asuras verfügt über gewaltige Neutroniumvorkommen, aus denen sich eine ganze Zivilisation aufbauen lässt.“ erklärte Velius, gereizt darüber, dass niemand in der Lage war von alleine hinter die Genialität seiner Erfindung zu kommen „In ein paar Monaten, wird es Zehntausende ihrer Art geben, in einem halben Jahr Millionen und in einem Jahr Milliarden. Natürlich wird keiner von ihnen sich mit der echten Asura messen können. Sie werden immer nichts weiter sein, als simple Kopien, die nicht an das Original heranreichen, aber es werden viele sein, unglaublich viele. In einem Jahr, sollten sie den ganzen Planeten bevölkern und schon lange vorher stark genug sein, um uns im Kampf gegen die Wraith beizustehen.“ Langsam ging er um die Konsole herum, betrachtete die erste Asuranerin und musste sich zurückhalten, um sie nicht sofort aufzuwecken und mit ihr zu reden. Sie würde noch für einige Stunden schlafen, bis er sich sicher sein konnte, dass die Verbindungen zwischen den Zellen diesesmal hielten. „Asura weiß bereits, wie man Kriegsschiffe baut und mit ihrer umfassenden Kontrolle, über eine unendliche Zahl an Naniten, kann sie hunderte Schlachtschiffe herstellen. Natürlich bestehen diese dann aus gewöhnlichen Materialien und nicht aus Naniten. Asura verfügt jedoch über unbegrenzte Arbeitskräfte und wird sich das Material schon selbst beschaffen. Wir müssen sie nur hier aussetzen und warten, das ist alles.“
      „Sie weiß wie man unsere Schlachtschiffe nachbaut...“ Aurelius ließ sich den Klang dieses Satzes auf der Zunge zergehen und er hasste jedes einzelne Wort davon. Ihre Technologie, galt den Lantianern fast schon als heilig und sie wussten, dass die niederen Rassen nicht mit so viel Macht umgehen konnten. „das ist nicht gut, ganz und gar nicht gut. Diese Technologie ist nicht für andere Rassen bestimmt, selbst wenn man sie nach unserem Vorbild erschaffen hat. Diese Asura kann damit mehr Schaden anrichten als die Wraith.“
      „Die Schiffe der Asuraner verwenden alte, längst überholte Baupläne, die heute nicht mehr viel wert sind. Mit unseren jetzigen Kriegsschiffen, kannst du sie nicht vergleichen. Selbst vor 10.000 Jahren waren wir mit unseren Schiffen schon weiter als Asura es jetzt ist. Ihre Drohnen besitzen deutlich weniger Durchschlagskraft, ihre Antriebe sind langsam und ineffizient...von den Schilden will ich gar nicht erst anfangen. Es ist so, als würde ein Kind versuchen unsere Schlachtschiffe nachzuahmen.“
      „Also fliegen bald ein paar Schrotthaufen durch die Gegend. Die Wraith werde sich über die neuen Zielscheiben freuen anstatt vor Angst tot umzufallen.“
      „Sie kann vielleicht keine zweite Invictus bauen, aber ihre Schiffen werden noch immer allem überlegen sein, was die Wraith aufbieten können. Stell dir tausende schwächere Versionen unserer Schlachtschiffe vor. Jedes von ihnen, wäre noch immer in der Lage, es mit zwei oder mehr Basisschiffen aufzunehmen. Wir versuchen schon zu lange diesen Krieg nur mit besserer Technologie zu gewinnen, es wird Zeit, es endlich einmal mit purer Masse zu versuchen. Die Wraith sind damit ziemlich erfolgreich.“
      „Wir wären nicht mehr in der Unterzahl und könnten endlich zum Gegenangriff übergehen, ohne befürchten zu müssen dass die letzte freien Planeten in unserer Abwesenheit fallen. Zum erstenmal, seit Jahrzehnten können wir den Krieg zu ihnen tragen.“ schloss Mirena, die sich deutlich schneller mit der Idee anfreundete, in Zukunft diese Maschinen in den Kampf zu schicken. Ihr eigenes Volk, könnte sich dann endlich wieder ganz auf die Erforschung des Universums konzentrieren.
      „Mehr als das! Wir wären nach einer Weile sogar deutlich in der Überzahl! Wenn wir erst technologisch und zahlenmäßig überlegen sind, ist dieser Krieg ein Kinderspiel. Übrigens solltet ihr euch keine Sorgen darüber machen, was die Asuraner angeht.“ wehrte er rasch die aufkommenden Fragen seitens Aurelius ab, noch bevor dieser sie stellen konnte „Nach der Vernichtung der Wraith, können wir die Asuraner umprogrammieren und den Großteil abschalten. Der Rest kann zur Belohnung auf dem Planeten leben oder wir schalten sie alle ab, kommt darauf an wie der Rat sich entscheidet. Fürs erste aber, müssen sie sich so oft replizieren wie sie können. Bis sie eine angemessene Zahl erreicht haben, dürfen sie den Planeten sowieso nicht verlassen. Asura weiß nicht, wie man einen funktionierenden Hyperantrieb baut, also sitzt sie hier fest, bis wir wissen, ob wir ihr trauen können.“
      „Und dieses eine Mädchen, soll ein ganzes Volk erschaffen? Ein Volk dass größer ist, als das der Wraith und mächtig genug, um zu schaffen, was wir bisher nicht konnten? Du kannst dir hoffentlich vorstellen, wie unwahrscheinlich sich das anhört.“ zweifelte Aurelius weiterhin und wünschte sich, dass Velius lieber leichter zu kontrollierende Waffen erfinden würde, eine Waffe ohne eigenen Willen.
      „Nein, kann ich nicht, denn im Gegensatz zu dir, ist meiner Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt, ansonsten wären wir nicht hier.“ Velius seufzte verzweifelt, hielt sich eine Hand an die Schläfe und tat so, als würde Aurelius Sturheit ihm wahnsinnige Kopfschmerzen bereiten „Weißt du was dein Problem ist, Aurelius? Du besitzt einfach keine Fantasie. Du siehst Asura und denkst sofort, dass ich nur Schwachsinn von mir gebe, weil du mit einer beeindruckenderen Waffe gerechnet hast. Du kannst dir nicht vorstellen, zu was für einer Zerstörung meine Naniten in der Lage sind, wozu sie in der Lage sein werden, an dem Tag, an dem sie ihre endgültige Entwicklung erreicht haben. Vertrau mir. Sie ist die perfekte Waffe, dafür habe ich gesorgt. Wenn sie voll entwickelt ist und ich ihr den Angriffsbefehl gebe, wird sie nichts mehr aufhalten können.“ verkündete Velius, mit vor Stolz geschwellter Brust. Erst als die nachfolgende Stille etwas zu lange andauerte und die beiden ihm besorgte Blicke zuwarfen, erkannte er, was den beiden jetzt schon wieder Sorgen bereitete. „Damit meine ich die Wraith. Die Wraith besitzen nichts um sie aufzuhalten. Wir sollten noch immer in der Lage sein, sie jederzeit zu stoppen, auch wenn töten ihr im Blut...in der Programmierung liegt.“
      „Freut mich für uns.“ entgegnete Aurelius leise. Velius schien an alles gedacht zu haben und nahm sämtlichen Beschwerden sofort den Wind aus den Segeln, was Aurelius unglaublich aufregte. „Also schön, du hast mich zumindest ansatzweise überzeugt. Der Rat gibt dir eine Chance, also sollte ich es erst recht. Wir werden sehen, wie sich dein kleines Experiment entwickelt.“
      „Sehr gut.“ grinsend klatschte sich Velius in die Hände und sprang voller Tatendrang zurück zur Konsole. Der Hohe Rat, hatte Aurelius die Befugnis erteilt, das Experiment jederzeit zu vernichten, falls er es für gefährlich hielt. Mit der Zustimmung des Kapitäns, stand dem Siegeszug der Asuraner nichts mehr im Weg. „Es ist unbedingt erforderlich, sie noch eine Weile zu überwachen und vor allem zu beschützen. Asura ist im Moment sehr schwach, das wird auch noch eine Weile so bleiben. Sie muss sich erst an ihre neue Form gewöhnen und lernen ihre Fähigkeiten zu kontrollieren. Im Prinzip wäre es so, wie ein Neugeborenes ganz alleine zurück zu lassen. Dazu kommt, dass die Verbindung zwischen den Naniten noch sehr instabil ist, was eigentlich nicht passieren sollte.“ Seine Finger flogen über die leuchtenden Bedienfelder der Konsole. Er konnte es kaum erwarten, sich auf seine Arbeit zu stürzen und die Anwesenheit der anderen auszublenden. Leise vor sich hin murmelnd, fuhr er abgelenkt fort. „Das muss ich mir noch einmal genauer ansehen. Man hat mir verboten, auf Atlantis einen Prototypen zu erstellen, also ist sie mein erster, richtiger Versuch. Ich brauche noch ein bisschen, um einige kleinere Fehler auszumerzen. Gib mir ein bisschen Zeit für die Feinarbeit.“
      „Glaube nicht, dass uns so viel Zeit zur Verfügung steht. Die Wraith haben seit Wochen keine Offensive mehr gestartet, aber ihre Flotten befinden sich ständig in Bewegung und sammeln sich langsam.“
      „Laut unseren Informationen, gibt es wieder einmal interne Probleme, die weitere Großoffensiven verzögern.“ meldete Mirena sich zu Wort. Als erste Offizierin, beschäftigte sie sich eingehend mit den Berichten der lantianischen Aufklärungsstationen und Vorposten. Es gehörte zu ihren Aufgaben, die feindlichen Flottenbewegungen für ihren Kapitän zu überwachen und ihn ständig auf dem Laufenden zu halten. „Eine Königin alleine ist nicht in der Lage genug Schiffe aufzustellen, um einen Sieg zu erringen. Angeblich streiten sie sich schon seit einer Weile um einige Planeten, tief in ihrem eigenen Territorium. Die vorherige Besitzerin verstarb in der letzten Schlacht.“
      „Müssen wichtige Planeten sein, wenn die Königinnen sich dafür schon wieder gegenseitig zerfleischen.“ flüsterte Velius abgelenkt vor sich hin. Konsole und Asura erforderten seine ganze Aufmerksamkeit und er hörte nicht richtig zu. „Zwei Wochen, dann sollte sie weit genug entwickelt sein, um ohne uns auszukommen.“.
      „Und bis dahin machen wir was genau? Sitzen hier rum und beobachten sie?
      „Ich beobachte. Ihr geht Asura am besten aus dem Weg. Versucht so wenig wie möglich mit ihr zu reden.“ missmutig wandte er sich kurz von seiner Arbeit ab und funkelte Aurelius an „Vor allem du.“



      Die nächsten vier Tage, tigerte Aurelius ungeduldig durchs Lager. Am liebsten wäre er augenblicklich abgereist. Im Falle eines Angriffs der Wraith, konnte er von hier aus niemals rechtzeitig zurück in Atlantis sein. Untätig rumsitzen, gehörte nicht zu seinen Stärken. Jede Faser seines Körpers, schrie danach, den Kampf zu den Wraith zu tragen, aber das würde der Hohe Rat niemals erlauben. Inzwischen war seine Laune so mies, dass selbst Mirena ihm aus dem Weg ging. Erst als gegen Mittag eine zerkratzte Gestalt aus dem Dickicht rollte, zeichnete sich auf seinen Lippen ein Lächeln ab.
      Die junge Soldatin, war über eine Wurzel gestolpert und mitten auf der Lichtung gelandet. Hinter ihr schwebte etwas in der Luft, was wie ein toter Hirsch wirkte. Ein fast 5 Meter großer Hirsch mit hellgrünem Fell und gefährlich aussehendem Geweih, der knapp einen Meter über dem Boden hing. Genau wie Lucia, trug das Mädchen eine schwarze Uniform, allerdings wirkte ihre deutlich weniger ordentlich und herausgeputzt. Erde und einige hartnäckige Zweige, hatten sich an dem dunklen Stoff festgebissen und hingen teilweise sogar in ihren schulterlangen, braunen Haaren. An der Uniform selbst fehlten mehrere Knöpfe und sie trug ihre Uniformjacke deswegen die meiste Zeit über offen. Darunter hatte sie ein dünnes, hellblaues Hemd an. Auch wenn sie auf den ersten Blick etwas verwildert wirkte, war es unumstritten, dass sie gut aussah, jedenfalls wenn sie gerade nicht nach mehreren Tagen aus dem Gestrüpp stolperte. In ihrem Gang lag etwas leichtes, federndes, was dafür sorgte, dass sie bei jedem Schritt voller Energie und Lebensfreude wirkte. Alles in allem, wirkte sie wie das perfekte Gegenstück, zu Aurelius. Alleine schon die Tatsache, dass sie ständig lächelte und bei jeder Kleinigkeit vor Freude strahlte sorgte dafür, dass man sie niemals für Geschwister halten würde.
      „Aurelius!“ schwankend kam Victoria wieder auf die Füße, während sie gleichzeitig ihre Beute zu Boden gleiten ließ.
      Aurelius baute sich, mit vor der Brust verschränkten Armen, auf und musterte sie mit gespielter Ernsthaftigkeit. „Da bist du ja endlich, wurde auch Zeit.“ begrüßte er sie kurz. Sie hatte sich für fast eine Woche von der Gruppe abgesetzt, noch dazu einem fremden Planeten, er musste wenigstens so tun, als wäre er wütend darüber.
      „Tschuldigung. War etwas beschäftigt.“ überging sie seine düstere Stimmung und strahlte ihn grinsend an. Bevor Aurelius zu einer Standpauke ansetzen konnte, ließ sie den Hirsch ein kurzes Stück durch die Luft gleiten und direkt vor seinen Füßen zu Boden knallen. „Du musst unbedingt so einen probieren! So etwas gutes hast du sicher noch nie gegessen und er ist frisch erlegt. Ist mir auf dem Rückweg über den Weg gelaufen und ich dachte mir ´Was könnte Aurelius Laune besser heben, als ein schöner Braten´.“ als sie kurz Luft holte, setzte Aurelius dazu an etwas zu erwidern, aber kam gar nicht erst dazu. Victoria sprach zu schnell weiter „Die richtige Antwort wäre natürlich eine lantianische Schokoladen-Arenia-Torte gewesen. Leider gibt es auf dem ganzen Planeten keinen einzigen Areniabaum...und auch keine Schokolade. Glaub mir, ich habe überall gesucht. Dafür sind mir ein paar andere Früchte begegnet, aus denen man auch tolle Kuchen machen könnte. Ein paar davon muss ich mit nach Atlantis nehmen, damit wir sie auf dem Festland anbauen!“
      „Wenigstens einer von uns hatte seinen Spaß.“ brummte er nur vor sich hin. Wie immer, hatte sie es geschafft, einfach so lange zu reden, bis er es aufgab ihr böse zu sein.
      „Du etwa nicht?“ fragte sie überrascht. Als er den Kopf schüttelte, starrte sie ihn ungläubig an „Mir gefällt es hier. Es ist so schön ruhig und...“ verdutzt brach Victoria ab. Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Ihr Bruder war hier, das konnte nur bedeuten...Velius befand sich ebenfalls auf ihrem neuen Lieblingsplaneten! Der Zerstörer der Welten! Panisch stolperte sie einen Schritt auf Aurelius zu und sah ihn besorgt an. „Hat...hat der Wahnsinnige schon mit seinem Experiment begonnen?“
      „Er ist sogar schon seit zwei Tagen fertig.“
      „Oh...“ entwich es ihren Lippen. Unsicher tastete sie ihren eigenen Körper ab und sah an sich herunter. „Oh, gut. Ich lebe noch.“ stellte sie nach einer Weile erleichtert fest. Als nächstes, stampfte sie fest auf dem Boden auf, und atmete sichtlich entspannt auf, als nichts passierte. Keine Schluchten, die sich plötzlich auftaten. Keine ausbrechenden Vulkane, auseinanderbrechende Landmassen oder Flutwellen. Keine bestialischen Mutanten die zwischen den Bäumen auftauchen und die Sonne, befand sich auch noch an ihrem angestammten Platz. „Und der Planet ist auch noch da und sieht aus wie immer. Ich mag diesen Planeten, wäre schade gewesen, wenn er einem Irren zum Opfer fällt.“
      „Schätze ab und zu kann selbst Velius ein Experiment durchführen, ohne etwas zu zerstören.“
      „Wir werden sehen. Noch hat er meinen Planeten nicht verlassen.“
      „Dein Planet?“
      „Darf ich keinen eigenen Planeten haben? Ich meine, er gehört niemandem, deswegen sind wir ja hier.“
      „Tja, jetzt gehört er Velius neuem Projekt.“ erklärte Aurelius und berichtete ihr von Velius Plan, ein neues Volk zu erschaffen. Victoria hielt sich mit ihrer Meinung dazu zurück. Sie hielt sich generell aus Kriegsplanungen heraus. Ihrer Meinung nach, konnte sie sowieso nicht viel dazu beitragen und beschränkte sich aufs kämpfen, von daher begann sie unverzüglich mit ihrem Bericht.
      „Das Sternentor wurde erfolgreich zerlegt. Wir sind bereit die Einzelteile mit den Ringen auf die Invictus zu bringen und sicher zu verstauen.“ begann sie erstaunlich ruhig und sachlich „So bald wir verschwinden, gibt es keinen Weg mehr den Planeten zu verlassen. Diese Asura wird hier festsitzen. Falls sie sich als Bedrohung herausstellt, sollte sie nicht in der Lage sein uns oder die Menschen anzugreifen. Jedenfalls, als das Tor demontiert war, haben wir den ganzen Planeten gescannt. Auf dem westlichen Kontinent, lebten ein paar ziemlich bedrohliche Tierarten. Da wir nicht genau wussten, wie das Experiment aussieht, mussten wir sie auslöschen.“
      „Ich nehme an es ist schwierig nach möglichen Bedrohungen zu suchen, wenn man keine Ahnung hat, was man beschützen soll.“
      „Richtig, aber wir sollten sämtliche Gefahren auf Asuras beseitigt haben. Solange Velius neues Projekt nicht so groß ist wie eine Maus, sollte es in der Lage sein hier zu überleben.“ nachdenklich legte sie eine kleine Pause ein, bevor sie hinzufügte „Außer natürlich die Wraith entdecken sie, oder hat unser teuflisches Genie das auch mit eingeplant?“
      „Hat er. Du kennst ihn ja, er denkt an alles...naja, zumindest meistens. Sie werden diese Asura nicht finden, behauptet er zumindest. Ob er recht hat, werden wir hoffentlich nicht rausfinden. Der Planet ist unbewohnt und ihre Lebenszeichendetektoren sollten Naniten nicht aufspüren können.“
      „Dann mussten wir noch kleinere Überwachungsstationen rund um das Gebiet aufbauen, dazu mit den Torschiffen einen kleinen Satelliten im Orbit aussetzen. Velius plant den Planeten, von Atlantis aus, rund um die Uhr überwachen. Dazu noch sämtliche Neutroniumadern finden und die Stellen mit speziellen Sendern markieren, die er uns vorher gegeben hat. Wir konnten nicht den ganzen Planeten danach absuchen, aber auf diesem Kontinent genug Neutronium finden, um selbst ihn zufriedenzustellen.“ beendete Victoria ihren Bericht. Während Aurelius noch darüber nachdachte, wie sich Velius Projekt womöglich entwickeln konnte, streckte sie sich und gähnte müde. „Wie auch immer, ich brauche endlich wieder ein richtiges Bett. Wir sehen uns, Aurelius.“
      So unvorhergesehen, wie sie reingeschneit war, tauchte sie auch wieder ab. Er sah nur noch, wie sie gleich einem Wirbelwind durch die gelangweilten Soldaten rauschte. Ihre Beute ließ sie liegen, in der Hoffnung, dass ihre Leute sich darum kümmerten.
      Aurelius wollte hinter ihr her und sie zwingen, ihren Müll selbst irgendwo kühl zu verstauen, aber dann erregte etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Velius Experiment, hielt direkt auf ihn zu. Bisher hatte er noch kein einziges Wort mit Asura geredet. Meistens saß sie nur irgendwo und starrte in die Luft. Abgesehen von Velius, ging die Mannschaft ihr aus dem Weg. Aurelius stand diese Option gerade nicht mehr zur Verfügung. Die erste Asuranerin, hatte ihn fast erreicht und hielt zielstrebig auf ihn zu. Erst seit sie wach war, fiel ihm auf, dass ihre roten Augen wie zwei funkelnde Rubine wirkten. Vermutlich etwas künstlerische Freiheit von Velius. Er liebte es, wenn seine Erfindungen etwas aus der Masse herausstachen.
      „Hallo.“ begrüßte sie ihn zurückhaltend, als sie direkt vor ihm stehenblieb und ihn neugierig betrachtete. Aurelius antwortete nicht, stattdessen musterte er sie mindestens so prüfend, wie sie ihn. Asura wirkte wie ein normales, lantianisches Mädchen. Sie bewegte sich normal, ihre Stimme klang normal und abgesehen von ihren Augen, gab es nichts, was sie vom Rest ihres Volkes unterschied. Trotzdem konnte er spüren, dass sie keine von ihnen sein konnte. Jeder von ihnen, erkannte echte Lantianer auf den ersten Blick, sie konnten eine lose, unterschwellige Verbindung fühlen. Eine Verbindung, die bei Asura fehlte. Sie mochte vielleicht so aussehen, aber für Aurelius blieb sie trotzdem nur eine unbedeutende Kopie. „Es freut mich dich kennenzulernen, Aurelius Sverus. Bruder von Oberon Sverus, dem ehemaligen Kommandanten der lantianischen Flotte, Sohn von Ratsmitglied Melia, aus dem Hause der Naruner, und Kapitän der Invictus.“ fuhr sie fort, als er nach einer ganzen Weile noch immer schwieg.
      „Anscheinend hat Velius deinen Kopf nur mit überflüssigen Informationen gefüllt. Er hätte den Speicherplatz lieber für etwas vernünftiges verwenden sollen.“ entgegnete er ungehalten.
      „Was?“ irritiert sah sie ihn an und wusste nicht, wie sie auf seine schroffe Art reagieren sollte.
      „Er hat auch behauptet du wärst intelligent, anscheinend hat er sich da geirrt.“
      „Ahhh...ich verstehe jetzt, was mein Meister meinte.“ Ihre Miene hellte sich auf, der Schleier aus Verwirrung lichtete sich und Asura begann zurückhaltend zu lachen. Es klang hell und fröhlich, wie das Lachen eines echten, lebendigen Wesens
      „Und was genau, hat dein Meister über mich gesagt?“ hakte Aurelius sofort nach.
      „Nur, dass ich nicht mit dir reden sollte. Er meinte, du wärst immer schlecht gelaunt, weil du es nicht akzeptieren kannst, dass unser Volk dabei ist zu verschwinden und eines Tages nicht mehr existieren wird.“ begann sie in einem belehrenden Tonfall zu erklären und merkte nicht, wie Aurelius Augen sich mit jedem Wort zu kleineren, zornigen Schlitzen verzogen „Laut Meister, bist du trotz deiner Jugend bereits viel zu verbittert und lässt deine Angst, vor unserem Untergang, an den Lantianern in deiner Umgebung aus, da du nicht in der Lage bist etwas daran zu ändern. Eines Tages, wird auch der letzte von uns verschwunden sein, unsere letzte Stadt als Ruine auf dem Meeresgrund liegen und niemand sich mehr an uns erinnern. Selbst wenn wir die Wraith besiegen, liegt dieser Tag nicht mehr in weiter Ferne. Mehr und mehr von uns sterben oder entschließen sich dazu, den Weg des Aufstiegs zu gehen. Das weißt du und doch versteckst du dich davor.“
      „Ah...das hat er gesagt, ja?“ er wollte schon seine eigene Meinung über Velius loswerden, bis ihm aufging, was sie gerade gesagt hatte „Du weißt was der Aufstieg ist?“
      „In meinem Kopf, befindet sich die vollständige Datenbank von Atlantis. Ich weiß alles, was unser Volk jemals wusste, selbst Dinge, die für viele von uns längst in Vergessenheit geraten sind. Ich weiß, dass mehr und mehr von uns den Unannehmlichkeiten und Schmerzen dieser Welt entfliehen. Sie steigen zu einer höheren Form der Existenz auf, beginnen eine Reise, die ihnen letztendlich sämtliche Geheimnisse des unendlichen Universums offenbart. Es ist das große Ziel, eines jeden Lantianers, diesen Zustand der vollkommenen Perfektion zu erreichen und im Einklang mit den Energien des Universums zu existieren.“
      Ihm gefiel nicht, wie sie ständig ´unser Volk` sagte. Glaubte diese Ansammlung aus Neutronium tatsächlich, sie wäre eine echte Lantianerin? Die felsenfeste Überzeugung, mit der sie davon sprach, ließ sogar ihn fast vergessen, dass sie keine von ihnen war. Velius sollte sie lieber schnell in ihre Schranken weisen und ihr klarmachen, was sie war. Eine Waffe. Mehr sollte sie niemals sein und das musste sie auch begreifen.
      „Dir kann das egal sein. Der Aufstieg ist etwas, was außerhalb deiner Reichweite liegt. Du wirst dazu nie in der Lage sein, also hör auf dir darüber den Kopf zu zerbrechen.“ platzte es brüsk aus ihm heraus. Er hasste Waffen, die reden konnten.
      „Wieso nicht?“ hauchte sie überrascht und legte den Kopf schief, um ihn verwirrt anzublinzeln. „Was braucht man noch für den Aufstieg? Die Datenbank enthält keine genauen Informationen dazu, welche Grundvoraussetzungen man für diese unbeschreibliche und endlose Reise benötigt, nur wie man sie beginnt und den Vorgang einleitet.“
      „Tut mir leid, ich habe mich noch nie wirklich damit beschäftigt.“
      „Tatsächlich? Deine Mutter ist eine Naruner. Ihr seid für eure spirituellen Kräfte berühmt. Nach allem was ich weiß, widmet dein Bruder sich derzeit seinen abschließenden Meditationen und Ritualen, die es ihm letztendlich erlauben, seiner sterblichen Hülle zu entfliehen und als pure Energie zu existieren. Ich hatte angenommen, dass du am besten über diesen Vorgang informiert sein musst.“
      „Bist du nicht noch viel zu jung, um dir über den Aufstieg Gedanken zu machen? Immerhin existiert du jetzt seit etwa vier Tagen.“
      „Also spielt das Alter eine bedeutende Rolle?“ Asura saugte jedes einzelne seiner Worte begierig in sich auf und war jetzt erst recht versessen darauf, sich ausführlicher mit ihm zu unterhalten „Faszinierend...wie alt muss man sein, um den Aufstiegsprozess einleiten zu können? Gibt es eine ungefähre Altersgrenze? Wie wird sie berechnet, bei einem Volk, dass so lange lebt? Richtet es sich nach dem tatsächlichen Alter oder nach der inneren Reife, danach wie weit man bereits entwickelt ist? Wenn man nur ein umfassendes Verständnis für das Universum braucht, sollte das Alter keine Rolle spielen, jedenfalls dachte ich das. Wozu gibt es diese Altersgrenze und kann man sie irgendwie umgehen?“
      „So war das nicht gemeint.“ resigniert seufzend wünschte Aurelius sich auf einen anderen Planeten.
      „Das Thema gefällt dir nicht.“ stellte sie mit ernster Stimme fest und wusste gleichzeitig nicht, was sie von Aurelius halten sollte. Er wirkte so viel anders, als alles, was sie über Lantianer wusste.
      „Fällt dir das jetzt erst auf?“
      „Es gab einige Anzeichen für deine Abneigung, gegenüber diesem Thema, aber ich bin noch nicht gut darin, die erhaltenen Informationen schnell und effektiv auszuwerten. Ich werde Velius bitten das zu überprüfen und...“
      Aurelius verdrehte die Augen. Langsam hatte er genug. Barsch schnitt er ihr das Wort ab und nahm jetzt endgültig kein Blatt mehr vor den Mund. „Wozu? Es ist nicht deine Aufgabe, die Gefühle anderer Leute einzuschätzen oder aufzusteigen. Du bist eine Waffe und sollst einen Krieg für uns führen, mehr nicht. Konzentriere dich darauf, nicht auf Dinge, die jenseits deiner Möglichkeiten liegen.“
      „Keine Sorge. Ich bin mir meiner Aufgabe durchaus bewusst. Aber eines Tages, sind die Wraith Vergangenheit und unser Volk benötigt keine Waffen mehr. Wenn es so weit ist, kann sich jeder von uns endlich der Suche nach seinem inneren Frieden widmen und eins mit dem Universum werden.“
      „Aha, viel Glück.“
      „Danke, Kapitän Aurelius Sverus. Ich wünsche dir ebenfalls viel Glück, in deinem Kampf.“
      Damit verließ sie ihn endlich. Vermutlich eilte sie zu Velius und beschwerte sich über den großen, bösen Kapitän, aber das interessierte Aurelius wirklich. Er stand nur nachdenklich auf der Lichtung und sah ihr nach, während er leise etwas vor sich hinmurmelte „Eines muss ich Velius lassen. Seine künstliche Lantianerin, ist eindeutig lantianischer als ich...“

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    • Eine Woche nach ihrem Aufbruch von Asuras, schmollte Velius mies gelaunt vor sich hin. Inzwischen hatte er gleich zwei Gründe gefunden, um auf so ziemlich jede Person an Bord der Invictus wütend zu sein. Zum einen vermisste er seine Kreation und hasste es sie für eine Weile aus den Augen zu verlieren, zum anderen vermisste er etwas die Anerkennung für seinen Plan. Es war ihm gelungen eine neue, künstliche Lebensform zu erschaffen, die schon bald sämtliche Wraith mit purer Masse überrennen würde und trotzdem tat vor allem Aurelius so, als hätte er einen Fehler begangen. Eines Tages, würden sie seine Überlegenheit anerkennen und ihm dankbar sein, bis dahin, lag er halb auf seinem Sitz und würdigte niemanden eines Blickes.
      „Mir ist langweilig.“ kam es leise von ihm, ohne irgendwen bestimmtes anzusprechen.
      Keiner der Anwesenden, fühlte sich genötigt ihm zu antworten. Velius wollte schon die Augen schließen und versuchen eine Weile zu schlafen, als direkt neben seinem rechten Ohr Victoria´s gut gelaunte und aufgeweckte Stimme erklang: „Wie schrecklich. Soll ich dich etwas ablenken?“ Velius schreckte aus seinem Halbschlaf auf und versuchte zu der unheilbringenden Stimme Abstand zu gewinnen, wobei er beinahe das Gleichgewicht verlor und von seinem Sitz fiel. Im letzten Moment fing er sich wieder, drehte zornig den Kopf zur Seite und funkelte eine breit grinsende Victoria an. „Oh, hat der arme Irre sich erschreckt...tut mir leid. Ich wusste nicht, dass das Böse inzwischen so ängstlich geworden ist. Meinst du das funktioniert auch bei den Wraith?“
      „Was willst du eigentlich hier? Auf der Brücke, sind nur richtige Besatzungsmitglieder erlaubt.“ fauchte er zornig und schenkte ihr einen stechenden, finsteren Blick.
      „Willst du damit etwa sagen, dass ich für dich kein richtiges Mitglied bin?“
      „Ja, ganz genau das sage ich. Hör mir einfach in Zukunft besser zu, falls dein winziges Hirn es dir überhaupt erlaubt, meinen Worten zu folgen.“antwortete Velius schnippisch und wusste noch im selben Moment, dass er dabei war, etwas unglaublich dummes zu sagen. Leider ließ ein Velius sich nicht mehr aufhalten, wenn er einmal angefangen hatte zu sprechen. „Du bist ein Tier, ein Monster, dass wir ab und zu auf die Wraith werfen, um sie etwas abzulenken. Die Drohnen bezeichne ich ja auch nicht als Kameraden.“
      „Da wir bei richtigen Besatzungsmitgliedern sind...was genau war noch gleich deine Position an Bord oder dein Rang? Ah richtig, du hast keinen, weil der Hohe Rat dir keinerlei Verantwortung anvertrauen will. Seien wir ehrlich, hättest du nicht hin und wieder auch eine brauchbare Idee, hätte der Rat dich schon längst verbannt oder im Ozean von Lantia versenkt.“
      „Ich brauche keinen Rang, um zu wissen, dass ich weit über euch unterentwickelten Kreaturen stehe.“ behauptete er eingeschnappt.
      „Verstehe.“ flüsterte Victoria leise vor sich hin.
      „Tatsächlich? Erstaunlich! Zum erstenmal in deinem ganzen Leben, scheinst du tatsächlich etwas zu verstehen! Ein Wunder ist geschehen!“ Velius ließ ein unterdrücktes Prusten von sich hören und wandte sich an seinen Kapitän. Dadurch bemerkte er nicht, wie Victoria ihn anstarrte, ansonsten hätte er den Mund gehalten und sich entschuldigt. „Aurelius? Wir müssen unbedingt dem Hohen Rat von dieser einzigartigen Entdeckung berichten. Mars Ultor besitzt tatsächlich so etwas wie ein Geh...“ abrupt brach er ab und ihm blieben die Worte im Hals stecken. Er spürte den Sitz nicht mehr unter sich. Ein rascher Blick nach Unten, zeigte ihm, dass er wirklich lernten sollte, wann es besser war den Mund zu halten. „H-hey...was soll das werden?“ brachte er mit erstickter Stimme heraus so gute er es kopfüber noch konnte. Die Leiterin der Kampfeinheit, ließ ihn über nahe der Decke kreisen. Anfangs wedelte Velius noch hilflos mit Armen und Beinen, bis sie ihn zwang regungslos seine Strafe zu akzeptieren. „Lass mich sofort runter, du wahnsinnige Hexe!“
      „Vielleicht, wenn du lieb bitte sagst und anerkennst, dass ich weiter entwickelt bin als du es jemals sein wirst.“ kam es leise und bedrohlich von ihr zurück. Es kostete sie keinerlei Anstrengung ihn in der Luft zu halten. Nebenbei ging sie zu ihrem Bruder, welcher das gesamte Geschehen konsequent ignorierte. Victoria konnte selbst ihm unheimlich sein, wenn jemand dumm genug war sie zu reizen.
      „Niemals! Lass mich runter oder ich sorge dafür, dass du Atlantis nicht mehr lebend erreichst!“ warf Velius mit leeren Drohungen um sich. Er konnte nicht einmal einen Finger rühren, wenn Victoria es ihm nicht erlaubte.
      „Oh nein, jetzt habe ich aber Angst. Obwohl ich auch etwas neugierig bin. Wie will der allmächtige Velius mich wohl vernichten?“ fragte sie ihn neugierig. Erwartungsvoll und ohne eine Spur von Angst, sah sie ihn an und fand nichts, wovor sie sich fürchten musste. „Na los, ich warte. Vernichte mich.“
      Für einen Augenblick, starrten sie einander nur intensiv an, während in Velius Kopf die Gedanken nur so rasten. Letztendlich kam er zum Schluss, dass es nur einen Weg gab sie zu besiegen und sich zu befreien. Mühsam drehte er in der Luft seinen Kopf in Richtung Kontrollstuhl und begann so laut zu rufen wie er konnte. „Aurelius! Halte diese Irre endlich auf!“
      Victoria lehnte sich gemütlich an den Kontrollstuhl ihres Bruders, während sie Velius eher beiläufig immer schneller durch die Gegend schweben ließ.
      „Aurelius!?“ schrie er immer verzweifelter, als Victoria ihn auf die Decke zurasen ließ.
      „Lass ihn in Ruhe, Victoria.“ brummte der Kapitän halbherzig und stoppte zumindest die Deckenaktion. Für die übliche Rangelei der beiden, hatte er nicht einmal einen müden Blick übrig, auch wenn Velius wie immer zu viel Lärm machte. Noch immer ließ Victoria den arroganten Forscher über ihren Köpfen seine Kreise ziehen, bis ihm langsam aber sicher schlecht wurde und er alles andere als gesund aussah.
      „Nicht witzig! Helft mir gefälligst, bevor sie mich umbringt!“ versuchte Velius erneut, von irgendwem etwas Mitleid zu erhaschen.
      „Käpt´n?“ meldete sich jetzt auch Mirena zu Wort und Velius glaubte schon, dass die rothaarige Offizierin ihm zur Hilfe eilte. „Empfange Subraumübertragung.“
      Auf der Stelle, ließ Victoria den Forscher auf seinen Platz zurück plumpsen.
      „Von einem unserer Schiffe?“
      „Ja, Energiesignatur der Aurora. Sie senden vom 2. Lantea Sektor aus.“ erklärte Mirena, während sie ihn wartend ansah. Damit befand die Aurora sich nahe an Atlantis, weniger als zwei Stunde von ihrer derzeitigen Position entfernt. Unwahrscheinlich, dass eine feindliche Flotte sich so weit in ihrem eigenen Gebiet befand. Unwahrscheinlich, aber nicht völlig unmöglich. Augenblicklich richtete Aurelius sich auf dem Kontrollstuhl auf und nickte ihr kurz zu.
      In der Luft vor ihm bildete sich ein blauer Holobildschirm, in dessen Zentrum er ein perfektes Gegenstück zu seiner Brücke sah, nur dass auf dem Kontrollstuhl ein Mann mit kurzen, schneeweißen Haaren saß. Menschen hätten ihn auf Anfang 60 geschätzt. Sein genaues Alter wusste selbst Aurelius nicht. Talos Nargus, galt als der erfahrenste Kapitän der lantianischen Flotte. Er gehörte auch zu einer kleinen Gruppe, die bereits vor tausenden von Jahren, versuchte den Hohe Rat zu einem Feldzug gegen die Wraith zu überreden. Ohne Erfolg. Für lange Zeit, fiel er bei den anderen älteren Lantianern in Ungnade, die in ihm einen Kriegstreiber und Unruhestifter sahen. Erst als allen klar wurde, welche Gefahr die Wraith darstellten, wurde sein Ansehen wiederhergestellt und Talos das Kommando über die Aurora übergeben, das größte lantianische Schlachtschiff, dass jemals gebaut wurde.
      „Es ist mir eine Ehre, Sie zu sehen, Kapitän Nargus. Ich nehme nicht an, dass Sie uns auf dem Heimweg begleiten möchten, oder?“ begrüßte Aurelius ihn erstaunlich höflich und respektvoll. Trotz ihres massiven Altersunterschieds, verstanden die beiden Kapitäne sich, während Aurelius sonst jeden älteren Lantianer in wenigen Sekunden verärgern konnte.
      „Ehrlich gesagt, wird sich Ihre Rückkehr nach Atlantis noch etwas verzögern müssen.“ überging Talos eine förmliche Begrüßung und seine ernste Miene, sorgte dafür, dass Aurelius Hände sich angespannt um die Armlehnen des Kontrollstuhls verkrampften „Eine Flotte der Wraith hat unseren Außenposten auf Ternos angegriffen. Es ist ihnen bislang glücklicherweise nicht gelungen in den unterirdischen Gebäudekomplex einzudringen oder die inneren Schilde zu überwinden, aber sie halten das Tor besetzt und hindern uns an der Evakuierung.“
      „Dann müssen wir uns durch ihre Flotte schlagen, die Belagerung zerschlagen und unsere Leute rausholen.“
      „Das haben wir vor, nur könnten wir dabei etwas mehr Feuerkraft gebrauchen.“
      „Über wie viele feindliche Schiffe reden wir?“
      „So weit wir wissen, handelt es sich um 15 Basisschiffe und doppelt so viele Kreuzer.“ legte Talos ihm dir ganze Situation in allen Einzelheiten dar. Inzwischen hatte selbst Victoria so etwas wie Haltung angenommen und lehnte nicht mehr gelangweilt am Kontrollstuhl. „Helia besteht darauf, auf Verstärkung zu warten. Ratsoberhaupt Moros hat ihr das Kommando für diese Operation übertragen.“ Keine gute Nachricht, schoss es Aurelius durch den Kopf. Talos mochte er, aber Helia...er wusste nicht, wen er unausstehlicher fand, die Wraith auf die Kapitänin der Tria„Moros hat darauf bestanden, dass wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln angreifen. Leider befinden sich außer uns keine Kriegsschiffe in Reichweite.“ Eine übereilte Entscheidung, die Moros sonst nicht üblich sah. Ratsoberhaupt Moros galt zwar seit kurzem auch als Oberkommandierender der lantianischen Flotte, hielt sich jedoch meistens aus dem Krieg heraus. Wie die meisten Lantianer, wollte er damit nicht viel zu tun haben. Dass Moros sich mal dazu herabließ persönlich einen Befehl zu erteilen, verlieh der simplen Rettungsmission etwas...ungewöhnliches. „Wir müssen unsere Leute aus dem Außenposten holen und ihre Forschungsarbeit sichern, das hat höchste Priorität. Ihre Forschung ist mindestens so bedeutend, wie die von Velius Acario und könnte den Krieg ebenfalls zu unseren Gunsten wenden. Falls diese neue Technologie jedoch in die Hände der Wraith fällt...“
      „Verstanden. Wir stoßen so schnell wir können zu Ihnen und die Invictus schließt sich dem Angriff an.“ stimmte Aurelius ohne Umschweife zu. Sofort setzten sich erste Teil seiner Mannschaft in Bewegung, um die Invictus gefechtsbereit zu machen „Gemeinsam mit der Tria, sollte es uns leicht fallen, ihre Reihen zu durchbrechen. Gegen drei Schlachtschiffe werden sie machtlos sein.“
      „Danke, wir wissen die Hilfe zu schätzen.“ der ältere Kapitän nickte ihm zu und schenkte ihm ein freundliches Lächeln „Mein erster Offizier, wird Ihnen die Koordinaten für den Treffpunkt übermitteln. Ein kleines System, nur wenige Minuten von Ternos entfernt. Wir springen von dort aus alle gemeinsam in den Hyperraum.“
      „Jawohl, Kapitän.“
      „Wir besprechen den Rest gemeinsam mit Helia. Beeilen Sie sich, Sverus.“ Damit beendete Talos das kurze Gespräch und der Bildschirm verschwand wieder. Zurück ließ er eine fast greifbare Anspannung, die sich vor jeder Schlacht ausbreitete und das gesamte Schiff einzuhüllen schien.
      „Mirena?“
      „Setze Kurs auf die erhaltenen Koordinaten.“
      „Gut.“ Aurelius wandte sich ihr ab und verrenkte den Hals, damit er seine Schwester ansehen konnte „Und Victoria?“
      „Anwesend!“
      „Ja, ich weiß...“ murmelte er gereizt und rieb sich das Ohr, in welches sie mit voller Lautstärke gebrüllt hatte „Egal, bereite einfach nur deine Kampfeinheit vor. Wenn wir nach der Schlacht runter auf den Planeten wollen, brauchen wir sie.“
      „Es bleibt vielleicht nicht genug Zeit, um die Rituale vollständig auszuführen. Wir werden sicher nicht in der Lage sein, mit maximaler Kraft zu kämpfen.“
      „Versuch einfach das beste rauszuholen.“
      „Verstanden!“ rief sie wieder aus voller Kehle, bevor sie davonrauschte und ihre Einheit sammelte.
      Sie hatte kaum die Brücke verlassen, als neben ihm Velius auch schon erleichtert aufatmete. Mit, vor Schmerzen verzerrten Gesicht, rieb er sich abwechselnd beide Schultern und versuchte noch immer, sich von Victoria´s kleinem Angriff zu erholen. „Danke, dass du sie weggeschickt hast. Ohne diese teuflische Nervensäge, ist alles gleich viel entspannter. Selbst die Luft wirkt besser, wenn Victoria sie nicht mit ihrer puren Bosheit vergiftet.“
      „Schön dass ihr zwei euch versteht.“
      „Hey! Hast du mir überhaupt zugehört?“
      „Nicht wirklich.“ Aurelius dachte tatsächlich gerade über etwas anderes nach. Ternos. Der Name sagte ihm etwas und es dauerte nicht lange, bis es ihm wieder einfiel. Es handelte sich nicht nur um einen gewöhnlichen Außenposten. „Liegt auf Ternos nicht die geheime Forschungstation deines Freundes?“
      „Wir sind keine Freunde! Ich hasse ihn mindestens so sehr, wie diese dämonische Schwester von dir!“ begehrte Velius hasserfüllt auf und ersann in seinem Kopf bereits neue Waffen, mit denen er selbst jemanden wie Victoria vernichten konnte.
      „Ach? In Atlantis hängt ihr doch ständig zusammen und redet ununterbrochen miteinander. Wenn ihr gerade nicht arbeitet, ist es kaum möglich, euch für eine Weile zu trennen oder zum verstummen zu bringen.“
      „Ja, weil wir uns die ganze Zeit darüber streiten wie dämlich und völlig unmöglich alle seine Erfindungen sind. Janus und ich sind Erzfeinde, mehr nicht.“ entgegnete Velius schnippisch und ließ ein leises, beleidigtes „Pff“ hören. Janus war ein deutlich älterer Wissenschaftler, mit dem Velius öfters aneinandergeriet. Theoretisch hatte Janus ihn ausgebildet, auch wenn Velius das stur leugnete. Sein Verstand war zu genial, um eine Ausbildung zu benötigen. Im Gegensatz zu Janus, war er bereits perfekt und allwissend auf die Welt gekommen...zumindest in seiner eigenen, kleinen Welt.
      „Woran arbeitet er im Moment?“
      „Janus? Keine Ahnung. Er war in letzter Zeit nicht besonders gesprächig wenn es um seine Forschungen ging und ich hatte genug mit der Programmierung von Asura zu tun. Alles was ich weiß ist, dass er seine Forschungen auf dem Gebiet der Zeitreisen auf Eis legen musste, weil der Hohe Rat ihm einen speziellen Auftrag erteilte.“ Velius zeigte nicht viel Interesse an dem Gesprächsthema. Gelangweilt vor sich hin gähnend, verschränkte er die Arme hinter dem Kopf und machte es sich gemütlich. Für den bevorstehenden Kampf brauchte man ihn nicht und die Anwesenheit von Talos, beruhigte ihn. Aurelius würde sich nicht daneben benehmen, nicht heute. „Falls wir ihn lebend von dem Planeten holen kannst du ihn selbst fragen, aber es muss wichtig sein, wenn selbst Helia und Talos hier sind.“
      „Was immer es ist, es muss wichtig sein. Wenn wir so viele Schiffe zusammenziehen, nur um einen kleinen Überfall abzuwehren, muss mehr dahinterstecken.“
      „Ich weiß worauf du hinaus willst.“ führte Velius schläfrig seinen Gedanken weiter „Falls es wirklich nur 20 Basisschiffe sind, sollten die Tria und Aurora es auch alleine schaffen. Wozu brauchen sie uns?“
      „Außer Helia hatte mal wieder keine Lust uns und Talos die ganze Wahrheit zu sagen. Sie liebt ihre Geheimnisse und noch mehr liebt sie es, andere damit in den Wahnsinn zu treiben.“



      Kurze Zeit später, verließen sie den Hyperraum in einem unbedeutenden und unbewohnten Sonnensystem. Eines von der Sorte, die gerne einmal Velius Experimenten zum Opfer fielen. Zum Glück, befand sich die Invictus nicht deswegen hier.
      Vor ihnen warteten bereits die Tria und die Aurora auf sie. Beide wirkten vom Aufbau her identisch und unterschieden sich auch kaum von der Invictus, abgesehen von ihrer Größe. Aurelius spürte, dass sie ihn erwarteten. Mithilfe des Kontrollstuhls, nahm er Verbindung zu den anderen Kapitänen auf. Im nächsten Moment, befand sein Geist sich teilweise an einem anderen Ort. Er war umgeben von den anderen beiden Kapitänen. Sie alle schienen sich gegenüberzustehen, konnten einander sehen, hören und spüren, als befänden sie sich im selben Raum.
      „Wurde auch Zeit. Noch langsamer und wir wären ohne Sie aufgebrochen, Sverus.“ begrüßte Helia ihn, mit ihrer üblichen gleichgültigen Stimme. Genau wie Talos, trug sie eine strahlend weiße Uniform. Sie war eine, äußerlich junge, Frau mit lockigen, hellbraunen Haaren, die ihr bis weit über die Schultern fielen. Immer wenn Aurelius sie traf, sah Helia´s Gesicht absolut gleich aus. Verschlossen, ernst, ein wenig abgehoben von der normalen Welt und mit einem Hang zur vollkommenen Gleichgültigkeit, gegenüber so ziemlich allem. Kurz gesagt, sie war die perfekte Lantianerin, für die diese Ebene der Existenz keine große Rolle mehr zu spielen schien.
      Aurelius entschloss sich dazu, ihre Unhöflichkeit zu übergehen. Einen Streit konnte er auch noch nach der Schlacht anfangen. „Gibt es Neuigkeiten von Ternos?“
      „Nicht viele.“ meldete Talos sich zu Wort, obwohl er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte, als er sah, wie viel Mühe Aurelius sich gab ruhig zu bleiben „Alles was wir wissen ist, dass die Wraith ohne Vorwarnung aufgetaucht sind. Selbst unsere modernsten Langstreckensensoren konnten sie nicht entdecken. Sämtliche Frühwarnsysteme haben versagt.“
      Helia nickte ihm beiläufig zu, die dunklen Augen noch immer fest auf Sverus gerichtet. Sie gehörte nicht unbedingt zu seinen größten Fürsprechern. Vielleicht lag es einfach daran, dass Aurelius sich in der Vergangenheit Mühe gegeben hatte, so viele Befehle wie möglich...anders auszulegen oder komplett zu ignorieren. Wenigstens hielt Helia sich nicht lange mit Aurelius auf, sondern konzentrierte sich lieber, auf ihre Aufgabe. „Der Angriff erfolgte so schnell, dass es keinem einzigen unserer Leute gelungen ist nach Atlantis zu entkommen. Typisches Angriffsmuster der Wraith. Sie haben das Tor genau in dem Moment angewählt, in dem ihre Schiffe den Hyperraum verließen. Seit dem halten sie die Gegend um das Tor besetzt und befestigen es. Wir wollten einige getarnte Torschiffe von Atlantis aus durch schicken, mussten den Plan jedoch aufgeben. Immer wenn wir das Tor aktivieren, eröffnen sie umgehend das Feuer.“
      „Und erwischen mit ihrem blinden Sperrfeuer jedes Schiff dass wir schicken, egal ob getarnt oder nicht.“ fügte Aurelius nachdenklich hinzu.
      „Ja, es ist uns nicht einmal gelungen eine Aufklärungssonde an ihnen vorbei zu schleusen. Das Tor ist für uns keine Option, daher hat der Rat alle Schiffe geschickt, die sich in der Nähe befanden. Leider rechnete niemand mit einem Angriff, so nahe an Atlantis und unsere Kräfte sind zu weit verteilt. Mehr Unterstützung werden wir nicht erhalten.“
      Aurelius nutzte ihre Pause, um über alles nachzudenken und sich gründlich zu überlegen, was er sagte, bevor er weitersprach. „Bleiben noch immer die Ringe. Wir müssen nur nah genug an den Planeten ran. Die Reichweite der Ringe ist zwar begrenzt, aber sollte ausreichen, damit wir nicht zu nah ran müssen. Selbst 15 Basisschiffe können gefährlich werden, wenn es ihnen gelingt uns einzukreisen oder ein paar glückliche Treffer zu landen und das dürfte nicht schwierig sein, wenn wir blindlings auf den Planeten zufliegen.“
      „Daran haben wir schon gedacht. Laut unserem letzten Kontakt zu Janus, ist es den Wraith bereits gelungen die Ringplattform zu besetzen.“ schmetterte Helia seinen Einfall ab. Ein winziges, gefährliches Zucken in ihrem Gesicht, zeigte deutlich, dass sie keine Lust hatte Zeit mit seinen Vorschlägen zu verschwenden und nur endlich hören wollte dass er sie begleitete „Ein Teil des Außenposten wurde rasch überrannt und befindet sich fest in ihrer Hand. Janus und die meisten aus seinem Forschungsteam, konnten sich in das weit verzweigte Tunnelsystem retten. Dort befindet sich auch sein eigentliches Labor, gut gesichert.“
      „Besteht eine Chance, dass der Außenposten bereits überrannt wurde? Die Wraith haben uns einmal überrascht, vielleicht wissen sie auch einen Weg in die Tunnel.“ Aurelius dachte nicht daran, es ihr leicht zu machen. Er würde das Gespräch so lange fortsetzen, bis sie jedes noch so kleine Detail aus Helia quetschen konnte, einfach nur um sie zu ärgern und ihr vielleicht eines Tages irgendein Gefühl zu entlocken.
      „Die Wraith stören unsere Kommunikation, wenn wir versuchen den Außenposten zu kontaktieren, aber wir sind uns sicher, dass die tiefergelegenen Teile der Basis noch immer sicher sind. Janus Forschung war zu gefährlich, als dass wir ihn in Atlantis lassen konnten, aber wir haben alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Tunnelnetzwerk, verfügt über automatische Verteidigungsanlagen, eine eigene Kampfeinheit, mehrere Schilde und dazu ausreichend Energie. Könnte eine Weile dauern, bis die Wraith einen Weg finden ins Innere zu gelangen.“
      „Bleibt nur noch eine Frage, die mich beschäftigt, seit Talos mich kontaktiert hat. Sollten die Aurora und die Tria nicht in der Lage sein, mit dem Feind alleine fertig zu werden? Wir haben schon größere Flotten mit nur zwei Schiffen besiegt.“
      Helia verdrehte ungeduldig die Augen. Selbst sie wusste inzwischen, dass er sie nur nerven wollte und nicht wirklich an den Informationen interessiert war. Trotzdem hoffte sie, dass er wenigstens bei diesem Teil ihres Gesprächs aufmerksam zuhörte. „Wir brauchen Sie und die Invictus nur als Absicherung, für den Fall, dass wir mit unseren Vermutungen richtig liegen. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber falls wir recht behalten, können wir ein zusätzliches Schiff gut gebrauchen.“
      „Vor etwa drei Wochen, ist es unseren Tiefenraumsensoren gelungen, eine Wraithflotte aus einigen hundert Schiffen zu entdecken, die vom Gebiet der Königin aus Kurs auf Ternos setzte. Allerdings ist die Flotte bereits nach wenigen Stunden von unserem Radar verschwunden. Atlantis hat nach ihr gesucht, aber sie ist nicht wieder aufgetaucht.“ eröffnete Talos dem jungen Kapitän, da er das Gespräch endlich voranbringen wollte. Verwirrt runzelte Aurelius seine Stirn und wusste nicht, was er von dieser Offenbarung halten sollte. Mit ihrer überlegenen Technik, konnten sie die Flottenbewegungen der Wraith, in diesem Teil der Galaxie, genau verfolgen. Dazu kam die primitive Hyperraumtechnologie der Wraith-Schiffe. Jeder Angriff auf das Kerngebiet ihres restlichen Reiches, bemerkten die Lantianer schon Wochen im Voraus. Ohne diesen Vorteil, wären sie nicht in der Lage, die letzten geschützten Planeten alle zu verteidigen. „Wir nahmen an, dass sie den Hyperraum verlassen und den Angriff abgebrochen haben, um sich zurückzuziehen. Wäre nicht der erste Angriff, der durch innere Streitigkeiten zusammenbrach. Zu der gesichteten Flotte, gehörte auch eine Vorhut aus 15 Basisschiffen und 30 Kreuzern. Das alleine reicht vielleicht noch nicht als Beweis, doch wir sollten vorsichtig sein. Der Zeitpunkt ihrer Ankunft und ihre Zahl passen einfach zu gut, um es als einen Zufall abzutun.“
      Aurelius überschlug im Kopf die Zeit, die ein Basisschiff für den Weg nach Ternos brauchte. Die Allianz der besagten Königin herrschte über einige dutzend Planeten mitten im Gebiet der Wraith. Drei Wochen passte gut, viel zu gut. „Wenn es dieselbe Vorhut ist, die sich schon vor drei Wochen auf dem Weg nach Ternos befand, wird die eigentliche Flotte nicht weit entfernt sein. So bald sie eintreffen und ebenfalls mit der Belagerung des Planeten beginnen, sinken unsere Chancen drastisch, noch einen Weg zu finden Janus zu retten. Mithilfe der Invictus, sollte es uns gelingen, die Vorhut rasch zu besiegen und wieder zu verschwinden bevor ihre Hauptflotte eintrifft. Wir müssen uns beeilen.“ setzte Talos mit eindringlicher Stimme nach und gab sein trotziges Verhalten auf. Jede Sekunde zählte, er konnte Helia auch noch später in den Wahnsinn treiben.
      „Ihr Schiff, besitzt die stärksten Schilde, es wird unseren Angriff anführen. Versuchen Sie, ihr Feuer auf sich zu ziehen, wir erledigen den Rest.“ begann Helia die letzten Kleinigkeiten zu erklären, auch wenn Aurelius ihr kaum noch zuhörte. In Gedanken, befand er sich bereits mit seinen Drohnen mitten in der feindlichen Flotte und ließ nichts als Wracks zurück. Die Vorhut klang nach einem leichten Ziel für ihre überlegene Feuerkraft. „Wer als erstes ihre Linien durchbricht, wird sämtliche Torschiff aussenden, zusammen allen verfügbaren Soldaten. Sie schlagen sich zu Janus durch und bringen ihn zurück zu den Schiffen. Wenn alle wieder zurück an Bord sind, lassen wir uns zurückfallen. Wir können kein Risiko eingehen. Atlantis ist auf unsere Schiffe angewiesen.“
      „Ich halte mich schon zurück, keine Angst.“ erwiderte Aurelius, mit einem erwartungsvollen Grinsen im Gesicht, bevor er sich auf sein Schiff zurück zog. Kaum hatte er sich vom Kontrollstuhl gelöst, als er auch schon spürte, wie alle ihn anstarrten. Die Mannschaft, hatte das Gespräch über die Bildschirme verfolgt. Auch Victoria befand sich inzwischen wieder auf der Brücke und wartete auf neue Befehle. Aurelius warf einen raschen Blick zu Velius. „Sieht so aus, als steckt dein Freund in Schwierigkeiten.“
      „Zum letzten Mal, er ist nicht mein Freund!“ begehrte dieser entnervt auf und verschränkte beleidigt die Arme auf der Brust. In Momenten wie diesen, kam Velius ihm einfach nur wie ein trotziges, kleines Kind vor.
      „Wie auch immer. Er muss ziemlich wichtig sein, ansonsten würde Helia niemals so leichtfertig vorgehen, ohne zu wissen, wo die richtige Flotte sich befindet. Wir müssen uns beeilen. Bring uns in Position, Mirena.“
      „So gut wie erledigt.“ kam es blitzschnell von seiner ersten Offizierin zurück und sie manövrierte die Invictus ein gutes Stück vor die beiden anderen Schlachtschiffe.
      „Ich hätte nicht gedacht, dass die Wraith sich uns unbemerkt nähern können. Bisher konnten sie sich noch nie an unseren Tiefraumsensoren vorbeischleichen. Langsam lernen diese widerlichen Insekten für meinen Geschmack etwas zu viel dazu.“
      „Eigentlich ist ihr Trick gar nicht so kompliziert.“ ließ Velius sich zu einer Erklärung herab. Im Gegensatz zu Aurelius, beunruhigte ihn das alles kein bisschen. „Es müsste so ähnlich funktionieren wie unsere Tarnung, nur um ein vielfaches schwächer. Für unsere Sensoren, existieren ihre Schiffe nicht, zumindest nicht auf diese Entfernung. Auf kurze Distanz, sollten wir sie ganz normal orten und sehen können.“
      „Wenn sich diese Technologie auch unter den restlichen Fraktionen der Wraith verbreitet, wird es schwierig unsere letzten Kolonien und Stützpunkte zu halten. Schon jetzt halten wir sie mehr schlecht als recht auf. Sie könnten uns mit einer Reihe von Scheinangriffen weglocken und jederzeit unbemerkt, einen Großangriff auf Atlantis starten, während wir sinnlos durch die Galaxie fliegen.“
      „Nicht unbedingt. Wir müssen in Atlantis nur mehr Energie auf die Tiefraumsensoren umleiten, das sollte unser Problem beheben. Es ist nicht mit unserer Tarntechnologie zu vergleichen. Sie haben nur einen Weg gefunden, von unseren derzeitigen Bemühungen nicht bemerkt zu werden. So bald wir unsere Sensoren etwas aufrüsten und ein paar kleinere Modifikationen vornehmen, sollten sie sensibel genug sein.“ Velius ließ alles einfach klingen, trotzdem zweifelte Aurelius daran, dass es so leicht sein sollte den neuen Vorteil der Wraith auszugleichen „Ein zweites Mal wird dieser kleine Trick nicht mehr funktionieren. Der Außenposten muss ihnen viel bedeuten, wenn sie ihren neuen Trumpf schon so schnell ausspielen. Theoretisch hätten sie damit auch direkt Atlantis angreifen können, stattdessen nutzen sie es für eine simple Forschungsstation von Janus.“
      Mirena sah ihn kurz verwundert an und fragte sich, ob er endgültig den Verstand verloren hatte. Selbst eine Flotte aus ein paar hundert Schiffe, konnte nicht hoffen Atlantis zu erobern. „Atlantis ist ohne Zweifel in der Lage eine feindliche Flotte abzuwehren, selbst ohne uns. Die Stadt musste früher schon oft alleine standhalten, weil unsere Schiffe in Kämpfe verwickelt waren.“
      „Vielleicht...es ist trotzdem seltsam.“
      „Schön, dann denk darüber nach, wieso sie hier sind. Hast du wenigstens etwas zu tun. Victoria?“ Aurelius wandte sich an seine Schwester und ignorierte den, tief in Gedanken versunkenen, Wissenschaftler. Wenn Velius sich mit seinem angeblichen Rätsel beschäftigte, konnte er in der Schlacht keine dummen Zwischenrufe von sich geben. „Sorge dafür, dass deine Soldaten und Piloten sich zum Hangar begeben. Falls wir als erste den Planeten erreichen, will ich keine Zeit verlieren. Ihr müsst sofort mit allem was wir haben starten. Ich versuche euch so gut ich kann mit den Drohnen Rückendeckung zu geben.“
      „Wir holen Janus schon da raus, kein Problem für uns. Die Nereiden sind wie immer bereit die Wraith vom Angesicht der Pegasus-Galaxie zu tilgen. Wir werden auf sie niedergehen, wie...“
      „Du wirst doch wohl nicht ernsthaft daran denken, in einem winzigen Torschiff da raus zu fliegen, oder?“ erstickte Velius ihren begeisterten Vortrag gleich im Keim „So bald die Schlacht in vollem Gang ist, sind tausende Jäger unterwegs, die sich alle auf unsere winzigen, hilflosen Schiffe stürzen werden. Die reißen euch in Stücke!“ Velius richtete sich in seinem Sitz auf und beugte sich so weit er konnte zu Aurelius rüber. Eindringlich sah er seinen Kapitän an und sprach rasch weiter, bevor Victoria ihn umbringen konnte. „Sag auch etwas dazu, Aurelius, immerhin ist sie deine Schwester! Du solltest ihr nicht erlauben...“
      „Halt die Klappe, Velius.“ durchschnitt die kalte, schneidende Stimme von Victoria die Luft. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, schenkte sie ihm einen letzten, finsteren Blick und begab sich auf den Weg zum Hangar, während Velius ihr überrascht hinterher sah.
      Mirena und Aurelius blinzelten sich verblüfft an. Zwar stritten die beiden sich oft, aber Victoria klang für gewöhnlich nicht so eiskalt, wenn er sie mal wieder nervte. Eigentlich sollte sie einfach nur zurück nerven. Velius drehte sich seufzend wieder zu ihm und verschränkte dann, wie üblich, die Arme hinter dem Kopf, seinen Blick ausdruckslos auf die Decke gerichtet. „Die Wraith auf dem Planeten, tun mir jetzt schon leid. Hoffentlich sind die Tria oder Aurora schneller als wir, damit die armen Kerle eine Chance haben.“
      „Du machst dir doch nur Sorgen, dass Victoria etwas passiert, weil du in deinem Inneren weicher bist, als wir alle zusammen.“ stichelte Mirena von der Seite aus, als sie die Invictus zum Stillstand brachte.
      „Hey, das ist nicht wahr! Ich mache mir wirklich ernsthafte Sorgen um die Wraith! Der Hohe Rat hat ihr nicht umsonst den Beinamen ´Mars Ultor` gegeben. Wenn man sie und ihre Hunde einmal von der Leine lässt, sind sie wie ein tosender, unberechenbarer Sturm! Der ganze Planet tut mir leid und ich mag Planeten, also muss ich wenigstens versuchen ihn zu retten!“
      „Sieht so aus, als wären die anderen in Position.“ bemerkte Aurelius und ignorierte Velius wie gewöhnlich. Tria und Aurora reihten sich hinter ihnen ein. „Wir springen so nah ran wie wir können. Seid darauf gefasst, sofort angegriffen zu werden.“
      Es war wirklich alles andere, als ein langer Sprung. Nach wenigen Sekunden, verließen sie den Hyperraum wieder und befanden sich nicht mehr weit von Ternos entfernt. Vor ihnen lag ein kleiner, unauffälliger Planet. Einer unter tausenden in der Pegasus-Galaxie. Niemand hatte auch nur einen Blick für ihn übrig, alle Blicke galten den wartenden Wraith. Wie erwarteten, befanden sich 15 Basisschiffe zwischen ihnen und Ternos, dazu doppelt so viele Kreuzer. Die Kreuzer wirkten wie Miniaturversionen der mächtigen Basisschiffe. Mit weniger als 900 Metern Länge, ließ nur ihre Masse sie bedrohlich wirkten. Diese kleineren Begleitschiffe, setzten die Wraith hauptsächlich ein, um die Menschen der Galaxie zu versklaven oder zwischen ihren Weidegründen zu patrouillieren. In einer echten Schlacht, hielten selbst 100 Kreuzer nicht mit einem lantianischen Schlachtschiff mit.
      „Wraith-Schiffe gesichtet, befinden sich knapp außerhalb unserer Schussweite.“ meldete Mirena gewohnheitsmäßig. Ihre wichtigste Aufgabe bestand darin, das völlig Offensichtliche zu wiederholen. Nur für den Fall, dass Aurelius etwas übersah, während er sich mit der Gedankenkontrolle verbunden hatte.
      „Halte einfach auf sie zu. Wir fliegen direkt in ihre Formation.“
      Mirena nickte und warf mit einem beiläufigen Gedanken die Subraumaggregate an. Erst später würde Aurelius die wichtigsten Aufgaben übernehmen, bis dahin steuerte Mirena die einfacheren Systeme mit ihrer Version des Kontrollstuhls. Anfangs bewegte sich das massige Schlachtschiff noch träge und behäbig auf die Wraith zu, aber nach einigen Sekunden, nahm es deutlich an Geschwindigkeit zu. Erwartungsvoll wandte sie sich an ihren Kapitän, während die feindlichen Schiffe sich ebenfalls auf sie zubewegten.
      „Drohnen?“
      „Noch nicht.“ wehrte Aurelius ruhig ab. Drohnen setze er erst ein, wenn sie sich in ernsthafter Gefahr befanden. „Geschütze bereit machen. Feuert mit allem, was wir haben. Konzentriert euer Feuer auf die Schiffe an ihrer linken Flanke. Wir helfen der Tria auf ihrem Weg.“
      „Befinden uns in Reichweite. Alle Geschütze bereit.“ Seitlich an der Invictus, waren vier Strahlengeschütze montiert. Sie feuerten hochexplosive und stark konzentrierte Energie. Orange leuchtende Geschosse aus Energie flogen in kurze Abständen auf ihre Feinde zu. Die ersten Schüsse, schienen beinahe wirkungslos an der massiven Panzerung abzuprallen. Das Gewebe, aus dem die Basisschiffe bestanden, war extrem dicht und ließ sich selbst mit ihren mächtigsten Geschützen nur schwer durchdringen, doch noch wollte Aurelius ihre wertvollen Drohnen nicht verschwenden, und das brauchte er auch nicht. Sogar das äußere Gewebe eines Wraith-Schiffes, hielten dauerhaftem Beschuss und Hitze nicht ewig stand. Nach und nach arbeiteten sie sich weiter vor, bis die ersten Basisschiffe explodierten.
      Mirena behielt die Feindschiffe mit den Sensoren die ganze Zeit über im Blick und verfolgte jede Aktion der Wraith. „Waffen der Basisschiffe aufgeladen. Wraith erwidern das Feuer.“ Überall aus den Basisschiffen und Kreuzern, schossen große, blaue Energiestöße auf sie zu. Nicht viel konnte der geballten Feuerkraft so vieler Schiffe standhalten. An den übermächtigen Schilden der Invictus aber führte kein Weg vorbei und alle Geschosse wurden völlig von ihnen absorbiert. Es zeigte sich nur kurz ein roter Schimmer um die Invictus herum, der sofort wieder verschwand. Alle drei Schlachtschiffe zeigten sich nach den ersten Salven unbeeindruckt und hielten weiter auf den Planeten zu. „Schilde halten stand. Ihre Feuerkraft reicht nicht aus, um uns Schaden zuzufügen.“
      „Wie erwartet. Sie verteilen ihre Anstrengungen zu sehr auf uns drei. Wir sollten gewinnen, ohne Probleme mit den Schilden zu kriegen.“
      „Sie senden ihre Jäger aus!“ verkündete Mirena, mit alarmierter Stimme. Aus den Seiten der Schiffe, tauchten sie zu hunderten auf und bildeten einen dichten Schwarm, der rasch auf die Invictus zuhielt. Zu Beginn des Krieges, verachteten die Lantianer diese kleinen Wraith-Schiffe und beachteten sie nicht weiter, ein fataler Fehler. Ein Wraith-Jäger, hatte eine Länge von etwas mehr als 10 Metern und erinnerte an einen violetten Pfeil. Die schmale Spitze, konnte sich durch die stärksten Panzerungen bohren, falls die Piloten sich zu Selbstmordangriffen entschieden. Bisher war es den Lantianern nicht gelungen, eigene Jäger zu entwickeln, die ganz mit der überlegenen Geschwindigkeit mithalten konnten. Ein einzelner Jäger war nutzlos, hundert ein kleines Ärgernis, aber in den großen Schlachten, stürzten sie sich zu tausenden auf die lantianischen Schlachtschiffe.
      „Ignoriert sie. Wir müssen nur die Jäger vernichten, die uns bis hinter ihre Formation verfolgen, alle anderen sind unwichtig. Die Schilde werden sie abhalten.“ Aurelius machte sich nicht wirklich Sorgen. Alle Jäger, die ihnen dann noch auf den Fersen waren, würde er mit den Drohnen ausschalten und ihren Torschiffen einen sicheren Weg auf den Planeten bahnen, den Rest erledigten sie nebenbei. Auch die Jäger brachten keine unerwartete Wendung mehr in der Schlacht, oder eher in dem kurzen Massaker. Entlang der Invictus, aktivierten sich dutzende, kleinere und von der Mannschaft per Gedanken gesteuerte Geschütztürme, die kurzen Prozess mit allen Jägern machten, die sich zu nahe an das Schiff heranwagten. Die Aufgabe der Jäger lag meistens darin, sich auf einen bereits geschwächten Feind zu stürzen und ihn endgültig zu erledigen. Zu Beginn einer Schlacht waren sie nutzlos.
      Aurelius beachtete sie auch nicht weiter, genau wie er die Wraith vor ihnen ignorierte. Er ließ Mirena das Feuer noch immer auf die Flanken konzentrieren. Aurora und Tria würden dort durchbrechen, während er sich später noch um die restlichen Schiffe kümmerte. „Alles was sie tun können, ist zu versuchen, ihr ganze Kraft auf ein Schiff zu richten und zu hoffen, dass sie wenigstens einem unserer Schlachtschiffe Schaden zufügen können. Alles andere...“ Noch während er diese Worte aussprach, entschieden die Wraith sich tatsächlich dafür, ihre Strategie zu ändern, allerdings verhielten sie sich mal wieder vollkommen unvorhersehbar. Sämtliche Wraith wendeten gleichzeitig und machten ihnen den Weg zum Planeten frei. „Oder sie hauen einfach ab.“ fügte Aurelius mit belegter Stimme hinzu, da er nicht wusste, was er davon halten sollte.
      „Alle feindliche Schiffe haben aufgehört zu feuern und ziehen sich zurück.“ fasste Mirena die Situation zusammen und warf ihm erwartungsvolle Blicke zu „Soll ich ihnen folgen? Wir sind deutlich schneller als sie.“
      „Nein, wir halten weiter auf den Planeten zu.“
      Mirena folgte seinen Anweisungen, warf jedoch immer wieder unruhige Blicke zu den Sensoren, die ihre Feinde überwachten. „Sie sammeln sich außerhalb unserer Reichweite und warten.“
      „Sie wissen, dass sie zu wenige sind, um gegen unsere Schiffe zu bestehen.“ Aurelius sagte es zwar nicht gerne, aber ihre Feinde trafen meistens taktisch vernünftige Entscheidungen, deutlich öfter als der Hohe Rat. Alles wäre so viel einfacher, wenn die Wraith sich auch wie wilde Tiere verhalten würden. Einige Königinnen liebten es mit dem Kopf durch die Wand zu stürmen, andere dagegen waren hinterlistiger, verschlagener und auf ihre bösartige Art und Weise sogar intelligent. Falls man Insekten als intelligent bezeichnen konnte.
      Aurelius sah zu, wie die Tria bereits einiges an Vorsprung gewonnen hatte. Die Aurora dagegen, reihte sich neben der Invictus ein und beide wandten sich bedrohlich den wartenden Wraith zu.
      „Schade, Helia ist vor uns da.“ beschwerte er sich enttäuscht, bis er sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besann. Die Tria kam in der Zwischenzeit zum Stillstand. Nicht lange und die ersten Torschiffe verließen ihren Hangar. Sie machten sich ohne Umschweife auf den Weg zur Planetenoberfläche. Von seiner Position aus, wirkten sie nur wie winzige, leuchtende Punkte, die dabei waren in die Atmosphäre von Ternos einzudringen. Jedes Schlachtschiff, verfügte über mehr als ein dutzend Torschiffe, falls sie auf Planeten landen mussten. Im Weltall, setzen sie die kleineren Schiffe selten ein, da die Wraith-Jäger ihnen leicht tausend zu eins überlegen sein konnten.
      Als er sich sicher war, dass nichts ihre Rettungstruppe noch aufhalten konnte, wandte er sich an die Besatzung auf der Brücke. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Wraith bemerken, was wir vorhaben und ihre Position verlassen. Wir bleiben hier und halten sie auf, während die Tria sich um den Rest...“ Aurelius verstummte abrupt und seine selbstsichere Miene, fiel für einen kurzen Moment in sich zusammen, bevor es ihm gelang, sich zu fangen und von der Überraschung zu erholen. Der gesamte Bereich hinter der angeschlagenen Vorhut, leuchtete in grellem grün und blau. Neue Schiffe sprangen aus dem Hyperraum und bauten sich vor den Lantianern auf. Schon jetzt zeigten ihre Sensoren mehr als 100 Basisschiffe und Kreuzer, während noch immer weitere Ternos erreichten. Die endlose Flut aus Wraith, ebnete erst nach einigen Minuten ab und spie immer weiter die vermisste Wraith-Flotte aus. Es war nicht die größte Flotte, die Aurelius je gesehen hatte. Einige der Schlachten, in denen er früher kämpfte, übertrafen diese paar hundert Feinde um einiges. Im Verlauf des Krieges, hatten sie tausende Wraith-Schiffe zerstört, doch immer mithilfe einer echten Flotte oder der endlosen Feuerkraft von Atlantis selbst. Zu wissen, dass sie nur zu dritt kämpfen mussten, ließ die Zahl der Feinde um einiges beeindruckender wirken.
      „Können wir deinen, zweifellos genialen, Plan vielleicht noch einmal kurz überdenken?“ meldete Velius sich, zum erstenmal seit Beginn der Schlacht, zu Wort. Wie immer wenn er sein Leben in Gefahr sah, war der Forscher hellwach und wollte jetzt plötzlich mitreden. Zu seinem Pech, hatte Aurelius gerade keine Geduld für ihn.
      „Sei still.“ zischte der junge Kapitän und verband sein Bewusstsein mit dem Kontrollstuhl. Helia und Talos erwarteten ihn bereits. „Sieht so aus, als hätten wir die vermisste Flotte gefunden.“ begann er ohne Umschweife. Schon jetzt hörte er im Hintergrund, wie Mirena´s Stimme ihm berichtete, dass sie Wraith sich langsam näherten.
      „Leider.“ antwortete Helia besorgt „Es sind zu viele für uns. Gegen eine solche Übermacht, können wir nicht gewinnen. Wir müssen nach Atlantis, die Flotte versammeln und sie mit gesammelter Stärke auslöschen.“
      „Helia hat recht. Mit nur drei Schiffen stehen unsere Chancen sie zu besiegen gleich 0. Es wird Zeit zu verschwinden. Wir sind gescheitert. Retten wir was wir können.“ stimmte Talos ihr ohne Widerworte zu. Im Gegensatz zu Aurelius, wusste er, dass sie die Wraith nicht unterschätzen sollten.
      „Wir müssen sie nicht besiegen, sondern nur lange genug aufhalten, damit wir die Rettungsaktion, wie geplant, durchführen können. Helias Leute müssten sich bereits auf dem Planeten befinden und befinden sich auf dem Weg zur Forschungsstation.“ ging Aurelius energisch dazwischen. So einfach rannte er nicht davon! Vor allem nicht so lange sich eine ihrer Kampfeinheiten auf dem Planeten befand. Sie konnten ihre Leute nicht ohne Kampf zurücklassen. Sie mussten es wenigstens versuchen, egal was es sie kostete. „Wir wehren sie ab, bis Janus und die anderen sich sicher an Bord der Tria befinden. Nur ein bisschen Zeit, mehr brauchen wir nich. Kämpfen wir mit voller Kraft, müssten wir sie für eine Weile abwehren können, bevor wir in den Hyperraum verschwinden.“
      Einige Sekunden, sagte niemand etwas. Helia musterte ihn nachdenklich. Hohe Chancen, rechnete Aurelius sich nicht aus und irrte sich, zu seiner eigenen Überraschung. „Es...könnte funktionieren.“ gab sie, letztendlich nach, auch wenn sie noch immer ihre Vorbehalte hatte. Leider konnte sie sich nicht die Zeit nehmen, noch lange darüber nachzudenken.
      „Ihr solltet lieber schnell eine Entscheidung treffen. Die ersten Basisschiffe halten direkt auf uns zu.“ drängt Aurelius sie weiter. Er war sich selbst nicht sicher, ob sie lange genug aushalten konnten, aber er wollte sich nicht ohne Kampf zurückziehen. Die Wraith wollten Ternos? Dann sollten sie dafür bluten.
      „Gut, wir bleiben.“ stimmte sie zu und sofort löste sich der winzige Anflug an Unsicherheit auf ihrem Gesicht in Luft auf. Helia setzte dafür ihren üblichen Befehlston auf. „Sverus, Nargus, werft ihnen alles entgegen was ihr habt. Ich kümmere mich darum, dass keines der kleineren Schiffe den Planeten erreicht. Verhaltet euch defensiv. Versucht sie so lange wie möglich von uns abzulenken. Am besten ihr zieht Energie von den unwichtigen Systemen ab und verstärkt eure Schilde.“
      „Verstanden.“ antworteten beide Kapitäne zur gleichen Zeit, bevor sie sich wieder in ihre eigenen Schiffe zurückzogen.

      Zeichenbegrenzung und keine Doppelposts direkt hintereinander möglich, daran hatte ich nicht gedacht ^ ^
      Wollte es nur noch schnell posten bevor ich los will. Damit gibt es den Rest des Kapitels wohl erst nach den Feiertagen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Vanidar ()

    • Aurelius befand sich gerade erst wieder auf seiner Brücke, da bestürmte Mirena ihn schon von der Seite und wirkte so, als wollte sie ihm diese dämliche Idee am liebsten sofort ausreden. „Ist es wirklich die beste Idee, zu bleiben? Wir sind mindestens eins zu hundert unterlegen.“
      „So viel Energie wie möglich auf die Schilde umleiten, selbst aus den Strahlenwaffen. Nutzt alles was wir haben, damit sie dem Beschuss standhalten.“ gab Aurelius kurz angebunden seine Befehle, ohne auf ihre besorgten Worte zu reagieren.
      „Auch aus dem Kontrollstuhl?“
      „Nein, den brauchen wir noch.“ Aurelius Hände ruhten auf den Armlehnen. Die Rückenlehne begann zu leuchten und im nächsten Augenblick, verließ er seinen eigenen Körper. Wurde wieder eins mit seinem Schiff. „Drohnen bereit.“
      Seine tonlose Stimme, sorgte bei der rothaarigen Offizierin dafür, dass ihr ein kalter Schauer den Rücken herunterlief. Er klang, als befände sich der größte Teil seines Ichs, nicht mehr in seinem Körper, sondern an einem weit entfernten Ort, während sich in ihm nur noch ein winziger Rest befand, der gerade so alles am Leben erhielt. Er machte ihr immer Angst, wenn er sich zu sehr auf die Verbindung zur Invictus einließ. Manchmal wirkte er dann auf sie, wie ein völlig anderer Mensch. Sie wusste, dass er mit ihr redete, konnte sich aber nicht dazu durchringen, ihm zu zuhören. Seit einiger Zeit, sorgte sie sich mehr und mehr um ihren Kapitän...nein, nicht um ihren Kapitän. Es ging ihr um etwas anderes, etwas, dass nichts mit dem Krieg zu tun hatte. Es ging um ein wichtiges Versprechen, dass er ihr vor ihrer Abreise gab und an das er sich nicht mehr halten konnte, falls er heute starb. Andererseits...wenn die Invictus unterging, starb sie auch und konnte nicht mehr wütend oder deprimiert sein. Wirklich aufheitern konnte sie dieser Gedanke nicht.
      „Mirena?“ Aurelius gereizte Stimme, riss sie aus ihren düsteren Gedanken „Hast du mich verstanden?“
      „W-was?“
      „Das ist kein guter Zeitpunkt, um sich ablenken zu lassen, Mirena. Konzentriere dich auf deine Aufgabe.“
      „V-verstanden. Tut mir leid. Ich musste nur gerade an dein Versprechen denken und daran...“
      „Ich überlasse dir die Kontrolle über die Steuerung der Invictus.“ er ließ sie nicht ausreden, sondern würgte Mirena augenblicklich ab. Er wollte im Moment nichts von ihr hören, was ihn ablenken konnte. „Versuch ihren Geschossen auszuweichen, so gut es geht. Halte dich dabei immer in der Nähe der Aurora, sollten sie es schaffen uns zu trennen, gehen wir unter.“
      „Das ist ein Schlachtschiff und nicht gerade dafür gebaut wendig zu sein, vor allem da ich den Großteil der Energie für die Schilde nutzen muss.“ Außerdem musste sie dafür sorgen, dass der Weg zur Tria versperrt blieb. Im Weltall nicht unbedingt die leichteste Aufgabe.
      „Versuch es einfach. Ich muss mich konzentrieren.“ lautete sein letzter Befehl, dann tauchte er ab. Aurelius spürte, wie sein Puls sich beruhigte. Er verspürte keine Aufregung mehr, keine Furcht und keine anderen störenden Empfindungen oder Gedanken, die ihn von der Schlacht ablenken konnten. Es gab nur noch ihn, die Invictus und endlos viele Feinde, die es zu vernichten galt. Auf seinen Befehl hin, brauch eine goldene Säule aus der Invictus hervor. Tausende Drohnen schwirrten aus den Luken an der Vorderseite. Mit brachialer Gewalt riss er die vordersten Schiffe auseinander. Selbst die mächtigsten Wraith-Schiffe, brachen unter der puren Wucht. Die Masse aus Drohnen alleine, reichte schon aus und anfangs ging er nicht gerade mit viel Fingerspitzengefühl vor.
      Nach den ersten Basisschiffen, hatte Aurelius sich genug an die Gedankensteuerung gewöhnt, um den Strom aus goldenen Lichtern aufzuteilen. Mehr und mehr Drohnen, lösten sich aus der Masse heraus. Sie bildeten ihre eigenen Schwärme und verteilten sich. Ein dutzend solcher glühenden Drohnenschwärme warf sich der feindlichen Flotte entgegen. Aurelius übernahm mit jeder Sekunde mehr Drohnen selbst. Flog sie, als wären sie winzige Schiffe, die er als Pilot sicher durch feindliches Feuer und Wraith-Jäger steuerte. Kaum eine seiner Drohnen wurde abgefangen oder erreichte nicht ihr Ziel. Nicht lange und er spürte seinen richtigen Körper nicht mehr. Alles in ihm richtete sich auf die Steuerung der Drohnen aus. Sein Verstand verteilte und verlor sich in der puren Masse aus vernichtenden Geschossen.
      Je länger der Kampf andauerte, desto mehr behindert die Wraith sich gegenseitig. Mit jedem vernichteten Schiff, entstanden explodierende Trümmerfelder, die eine zusätzliche Gefahr darstellten und es ihnen unmöglich machten, die beiden Schlachtschiffe gänzlich zu umschließen. Sie waren gezwungen, sich durch die Reste ihrer eigenen Schiffe zu schießen, bevor sie die Invictus überhaupt erreichen konnten. Seine Drohnen dagegen, kümmerten sich nicht um die Wrackteile. Geschickt manövrierte er die Schwärme durch das entstehende Trümmerfeld und ließ sie sich auf die Schiffe dahinter stürzen. Inzwischen befanden sich die schnellsten Kreuzer über oder unter der Invictus und nahmen sie entweder unter Beschuss, oder hielten auf die Tria zu.
      Mit einem kleinen Teil seines Verstandes, konzentrierte Aurelius sich auf die tausenden Jäger, denen es ebenfalls nicht schwer fiel den Trümmern auszuweichen. Winzig im Vergleich zur Invictus und trotzdem konnten sie selbst für die mächtigsten Schiffe eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Wie Mücken umkreisten sie die Invictus oder stürzten sich in Kamikaze-angriffen direkt auf die Schilde, um diese an bestimmten Stellen weiter zu schwächen. Inzwischen flogen die Jäger direkt an der Invictus so eng beieinander, dass jede Drohne eine immense Bresche in ihre Reihen schlug. Aurelius musste nur eines der Schiffe zur Explosion bringen und schon riss es mehrere andere mit in den Tod.
      Sämtliches Zeitgefühl ging ihm verloren. Nach einer Weile, die sich für ihn wie Stunden anfühlte, bemerkte Aurelius, wie der goldene Strom aus todbringenden Geschossen langsam versiegte. Seine brachialen Attacken ebneten ab. Die meisten Schwärme existieren nicht mehr oder hatten so stark an Zahl abgenommen, dass sie nicht bis ins Innere der größten Schiffe vordringen konnten. Ohne ständig neue Zerstörung anzurichten, arbeiteten die Wraith sich rasch durch die Trümmer zur Invictus durch. Mirena´s Stimme, lieferte ihm neue Informationen hinsichtlich ihrer Lage, die ihm noch weniger gefielen. Es ließ sich schwer sagen, wie viele Feindschiffe bisher ihren Drohnen zum Opfer fielen, doch es machte auch keinen Unterschied. Für Aurelius, ließ sich kein Ende der Schlacht erkennen und ihre Zerstörungskraft nahm deutlich ab. Es gelang ihm kaum noch, die Masse an Kreuzern zurück zu halten, gegen die Basisschiffe ging er nicht einmal mehr vor.
      Irgendwann, hatten die Wraith endlich ein freies Schussfeld auf die Invictus. Keine Überreste ihrer gefallenen Brüder versperrten mehr den Weg und dutzende Basisschiffe richteten ihre gesamte Feuerkraft auf die Schlachtschiffe.
      Den anderen Lantianern, erging es in der Zwischenzeit nicht viel besser. Mit ihren älteren und leistungsschwächeren Schilden, drohte die Aurora schon jetzt jeden Augenblick zu fallen. Ersten Jägern gelang es, die immer dünner werdenden Schilde zu durchbrechen. Sie nahmen empfindliche Systeme aus kurzer Distanz unter Beschuss. Selbst die Tria drohte hinter ihnen gegen die pure Masse aus feindlichen Jägern und Kreuzern unterzugehen. Es waren einfach zu viele Feinde. Die Invictus und Aurora, konnten sie nicht alle aufhalten.
      Aurelius konzentrierte sich wieder auf die Invictus, um die er sich genau so viele Sorgen machte. Ihre Schilde waren gefährlich geschwächt. Schon jetzt konnte er spüren, wie sie unter jedem Treffer erzitterten und dünner wurden. Rotes Flimmern lag ständig um sie herum und flackerte bedrohlich. Das Schiff konnte dem konzentrierten Beschuss nicht mehr lange aushalten. Ihre Panzerung, sollte sie vielleicht noch kurz schützen, aber lantianische Schiffe waren nicht dafür geschaffen, ohne Schilde zu kämpfen. Ein Treffer an der richtigen Stelle, konnte das Ende der Invictus bedeuten. Selbst wenn sich die Drohnenlager, wie durch ein Wunder, wieder auffüllten, würde das an ihrer Lage nicht mehr viel ändern. Die Invictus kassierte zu viele Treffer. Auch die überlegene Schildtechnologie der Lantianer kannte ihre Grenzen und steuerte mit jeder Sekunde weiter darauf zu.
      Aurelius gab sich Mühe, sein Schiff so gut er konnte zu beschützen. Seine Gedanken rasten, sein Bewusstsein verteilte sich mehr und mehr auf die Drohnen, versuchte mit ihnen sein Schiff irgendwie zu entlasten. Irgendwann übernahm er sogar die manuelle Kontrolle über die Schilde. Er versuchte ihre restliche Energie aus dem Mithrae Core so effektiv wie möglich zu nutzen und verhinderte damit wenigstens, dass ihr Schutzschild in sich zusammen fiel. Er zog Energie vom gesamten Schild ab. Näherten sich feindliche Geschosse, versuchte er die Schilde genau an den betroffenen Stellen zu verstärken und hoffte damit etwas Energie zu sparen. Vergeblich. Egal wie sehr er sich bemühte, ihren Schilden ging die Energie aus. Aurelius spürte, wie der Schildgenerator unter der Belastung ächzte und an einigen Stellen anfing so heiß zu laufen, dass selbst die Triniumlegierung begann zu schmelzen.
      Eher unterbewusst, stellte er wieder eine Verbindung zu Helia und Talos her, als ihm klar wurde, dass er nicht mehr viel tun konnte. „Ich will ja nicht ungeduldig wirken, aber wie lange noch, bis wir endlich verschwinden können?“ begann er ohne Umschweife. Die beiden Kapitäne, wirkten erschöpft, genau wie er und es dauerte etwas, bis seine Worte zu ihnen durchdrangen.
      Helia bemerkte ihn als erste und antwortete ihm mit rauer, abwesend wirkender Stimme. Im Gegensatz zu Aurelius, kostete es die beiden deutlich mehr Anstrengung, den Kontrollstuhl zu benutzen und gleichzeitig mit ihm zu kommunizieren. „Meine Leute sind am Boden auf heftigen Widerstand gestoßen. Sie können nicht schnell genug zu ihren Schiffen zurück und haben sich inmitten der Wraith fest gekämpft. Sie brauchen mehr Zeit, um ihre Mission zu erfüllen.“
      „Viel mehr Zeit werden sie nicht kriegen.“ war Halos ein, dem es endlich gelang sich ihrem Gespräch anzuschließen „Unsere Schilde stehen kurz davor zusammen zu brechen. Wir müssen uns zurückziehen so lange wir noch können. Wenn es so weitergeht, ist nur eine Frage der Zeit, bis ihre Jäger unseren Hyperantrieb zerstören. Dann sitzen wir hier fest, zusammen mit ein paar Millionen hungriger Wraith.“
      „Rückzug genehmigt. Bringen Sie ihr Schiff aus der Schusslinie.“
      „Wir sind schneller als sie. Ich kann vielleicht einen Teil ihrer Flotte weglocken, bevor wir in den Hyperraum springen.“ Talos kappte die Verbindung und kurz darauf bemerkte Aurelius, wie die Aurora sich schwerfällig in Bewegung setzte und von Ternos und der Schlacht entfernte. Ein kleiner Teil der Flotte folgte dem Schlachtschiff, aber letztendlich änderte es nichts.
      „Sverus, wie steht es um die Invictus?“ fragte Helia ungeduldig.
      „Wir können lange genug standhalten, damit Ihre Torschiffe es zurück schaffen. Ich leite auch Energie aus der Drohnenkontrolle in sie um und denke dass es reichen sollte, um...“ noch während die Worte aus seinem Mund kamen, spürte er kleinere Explosionen auf der Außenhülle. Irgendetwas hatte ihre Schutzschilde durchdringen. „Vielleicht auch nicht.“ sagte er gereizt zu sich selbst und wünschte sich die ganze lantianische Flotte her, dann könnten sie die Wraith allesamt vernichten.
      Mirena´s laute Stimme drang zu ihm durch. Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, doch er konnte deutlich einen Anflug von Panik heraushören. Aurelius hätte ihre Gefühle geteilt, wenn die Gedankenkontrolle ihm Zeit für so etwas lassen würde. „Jäger sind durch den geschwächten Schild gedrungen und haben sich mit ihrer Masse auf die Invictus gestürzt! Die Explosionen richten Schaden am ganzen Schiff an!“ Jetzt wusste er wieso Mirena so besorgt klang. Dutzende der lästigen, kleinen Schiffe, stürzten sich auf die Schwachstellen und krachten mit voller Wucht gegen die Hülle des mächtigen Schlachtschiffes. Aurelius konzentrierte sich sofort wieder auf die Schilde und gab sich Mühe keine weiteren Jäger durch die entstehenden Lücken zu lassen. „Erheblicher Energieverlust in mehreren Sektionen. Kapitän! Wir müssen hier weg oder sie reißen uns in Stücke!“ kam es wieder von Mirena und er konnte es im selben Moment auch spüren, er wollte es nur nicht wahrhaben. Er sollte vor den Wraith davonlaufen, nur weil sie 100 zu 1 überlegen waren? Etwas in ihm weigerte sich und er zögerte damit den Befehl zu geben. Sie konnten sicher noch einige Minuten standhalten. Mit etwas Glück reichte es, um Helia´s Kampfeinheit genug Zeit zu erkaufen. Er sollte sich einfach mehr Mühe geben. Stärker versuchen, die Schilde zu halten, selbst wenn es sie alles an Energie kostete, was sie noch aufbieten konnten. Plötzlich spürte er seinen Körper wieder. Eine Hand hatte sich auf seinen Arm gelegt. Zusammen mit Mirena´s immer verzweifelter Stimme, riss es ihn aus seiner Lethargie.
      Aurelius meldete sich wieder beim Kapitän der Tria. „Tut mir leid, Helia. Unsere Schilde stehen ebenfalls kurz davor zusammenzubrechen. Uns geht die Energie aus. Noch ein paar Minuten und es wird mir unmöglich sein in den Hyperraum zu springen.“
      „Wir ziehen uns nach Atlantis zurück.“ beschloss Helia endlich. Er konnte Schweißperlen auf ihrer Stirn glänzen sehen. Ihr ging es nicht viel besser als ihm und der Tria sicher auch nicht. Sie hätten schon lange verschwinden sollen. „Mission abbrechen! Bringt eure Schiffe da weg und zieht euch in den Hyperraum zurück!“ Augenblicklich zog sie sich zurück und ließ ihn wieder alleine.
      „Wenn das so einfach wäre...“ murmelte Aurelius, mehr zu sich selbst. Es sollte wirklich nicht so leicht sein. Inzwischen stand es um ihre Energieversorgung so schlecht, dass er einige Energie aus den Schilden abziehen musste, um den Hyperraumantrieb zu starten. Ihre Schilde begannen zu flimmern, bevor sie sich an einigen Stellen im hinteren Bereich auflösten und die Invictus verwundbar zurück ließen. Noch im selben Moment, schlugen die ersten blauen Energiegeschosse der Basisschiffe in der gepeinigten Invictus ein. Er fühlte, wie die Triniumhülle an den getroffenen Stellen schmolz und brach.
      Aurelius öffnete ein Hyperraumfenster. Schon in der nächsten Sekunde, befanden sie sich im Hyperraum und ließen die Wraith zurück.
      Erleichtert löste er sich vom Kontrollstuhl. Um ihn herum befanden mittlerweile deutlich weniger Mannschaftsmitglieder als noch zu Beginn der Schlacht. Der Rest musste versuchen den Schaden zu begrenzen. Wenigstens die Brücke hatte die Schlacht gut überstanden, auch wenn das Kraftfeld, welches sie vor den Weiten des Weltalls schützte, gefährlich flackerte. Abgesehen davon, gab es noch eine winzige, beunruhigende Kleinigkeit. Ein schrilles, durchdringendes Geräusch. Feuer...oder ihr Schiff stand kurz vor der Explosion, der Alarm konnte ehrlich gesagt vieles bedeuten und keine noch so beschönigende Interpretation bedeutete etwas gutes für sie.
      „Mirena, kümmere dich darum.“ befahl er mit matter Stimme und versuchte verzweifelt die überwältigende Müdigkeit von sich abzuschütteln. Sein erster Offizier, nickte ihm hastig zu und sprintete dann, gefolgt von einem Teil der Besatzung, von der Brücke.
      Sämtliche Anspannung der Schlacht, fiel von Aurelius ab und wurde durch eine Erschöpfung ersetzt, die drohte ihn zu übermannen. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass Velius ihn die ganze Zeit über durchdringend anstarrte und dann mit seiner Lieblingsbeschäftigung anfing. Nerven. „Irre ich mich, oder hätte das besser laufen sollen?“ begann Velius ein Gespräch, auf das niemand außer ihm die geringste Lust verspürte.
      „Wenigstens leben wir noch, hoffentlich lässt sich das über Helia und Talos auch noch sagen. Es wirkte zumindest so, als hätten sie es in den Hyperraum geschafft. Sie haben vorher weniger Schaden davongetragen als wir.“ Die letzten Schüsse hatten sie nicht zerstört, mehr konnte Aurelius nicht erwarten, wenn sie ohne Schutzschilde getroffen wurden. Ohne erkennbaren Grund, verstummten die ohrenbetäubenden Sirenen auf einen Schlag und sorgten dafür, dass Aurelius Laune sich wieder etwas aufhellte. „Oh, der Alarm hat aufgehört. Gutes Zeichen. Mirena hat die Lage anscheinend unter Kontrolle gebracht.“
      „Nein, ich habe ihn nur abgeschaltet, weil er nervt. Ich weiß auch ohne diesen Krach, dass wir in Schwierigkeiten stecken.“ murmelte Velius vor sich hin. Vor ihm schwebten mittlerweile mehrere Holobildschirme, die ihm genau das zeigten, was er sehen wollte. Genau wie beim eigentlichen Kontrollstuhl, waren auch Velius Offiziere mit dem Schiff verbunden, obwohl wenn sie nur über eine deutlich begrenzte Kontrolle verfügten.
      „Na schön, da du unbedingt mal wieder über unseren drohenden Tod reden willst, lass dich nicht davon abhalten und fasse die Schäden zusammen. Offensichtlich sind wir nicht tot und das Schiff kann noch fliegen, also immerhin etwas.“
      „Jaaaa...zu viel mehr ist es auch nicht mehr in der Lage“ kam es langsam und genervt von Velius zurück. Wie um seine Worte zu unterstreichen, flogen ihnen aus einer der Wände Funken entgegen, während es gleichzeitig weit entfernt gefährlich rumorte. „Die letzten Treffer, haben uns am meisten mitgenommen. Es befinden sich zahlreiche Löcher im Rumpf, dazu sind die Lebenserhaltungssysteme ziemlich angeschlagen, drei von vier Geschütze wurden vollständig abgerissen und treiben irgendwo im All rum und die Subraumaggregate würden uns um die Ohren fliegen, falls wir versuchen, mit mehr als minimaler Geschwindigkeit zu fliegen.“ Velius nahm sich einen Moment, um Luft zu holen, bevor er die Liste weiter abarbeitete „Unsere Drohnenkontrolle wurde pulverisiert. Mehrere Drohnenlager und die Abschussanlagen sind beschädigt oder...nicht mehr da. Verluste in der Besatzung gibt es anscheinend keine. Unsere Heiler kümmern sich im ganzen Schiff um Verletzte, aber die Besatzung hielt sich hauptsächlich im Hangar und in der Nähe der Brücke auf. Ach ja, da wäre noch unser Schildgenerator. Er ist völlig durchgebrannt und teilweise geschmolzen, aber das sollte kein Problem darstellen.“
      „Tatsächlich nicht? Ein geschmolzener Generator klingt für mich nach einem ziemlich großen Problem...“
      „Gut, es wäre ein Problem, wenn der Schildgenerator noch da wäre, aber glücklicherweise, wurde er von den Wraith in winzige Stücke gesprengt und ich mache mir nicht gerne um etwas Sorgen, was nicht mehr existiert.“ erwiderte Velius sorglos und tastete weiter auf den Bildschirmen herum. Am schlimmsten stand es noch immer um ihre Energieversorgung. Sie mussten den Rat dringend um einen neuen Mithrae Core bitten. Die unscheinbare Energiequelle galt zwar als ein Wunderwerk lantianischer Technologie, doch dem Beschuss so vieler Basisschiffe standzuhalten, hatte es beinahe komplett verbraucht, immerhin versorgte es die Invictus schon seit einem Jahr mit Energie. Mit einem vollen, unbenutzten Mithrae Core, wäre es ihnen möglich gewesen noch einige Zeit auszuhalten.
      „Wir müssen so schnell wie möglich wieder kampfbereit sein. Wie lange brauchst du, um Schilde und Drohnenkontrolle wieder hinzukriegen?“
      „Ähm...hast du mir gerade zugehört? Der Schildgenerator ist hinüber! Kaputt! Zerstört! Vernichtet! Er existiert nicht mehr!“
      „Und du wirst ihn reparieren, so wie du alles reparieren kannst. Hör auf darüber zu jammern wie unmöglich es ist und fang endlich an, das erspart uns beiden viel Zeit.“
      „Ich kann nichts reparieren, was nur noch ein Haufen Asche ist. Die letzten Schüsse haben in dem Teil der Invictus, in dem sich der Generator befand, nichts weiter als klaffende Löcher hinterlassen. Sei froh, wenn wir den Weg bis nach Atlantis überleben. Die Schiffshülle ist so instabil, dass wir jederzeit auseinanderbrechen könnten und es nicht einmal schaffen irgendwo zu landen, ohne beim Eintritt in die Atmosphäre zu verglühen. Ganz zu schweigen von weiteren, potentiellen Explosionen und Feuern, die jederzeit ausbrechen und uns alle umbringen könnten. Wenn wir ohne weitere Zwischenfälle in Atlantis ankommen, grenzt das schon an ein Wunder.“
      „Ja, ja. Und so bald wir da sind, wirst du die Invictus wieder kampfbereit machen. Noch haben wir genug Zeit, um nach Ternos zurückzukehren und einen zweiten Versuch zu starten. Ternos liegt zum Glück nah genug an Atlantis.“
      „Wie wäre es, wenn wir erst einmal versuchen, lebend zurück nach Atlantis zu kommen? Danach können wir uns noch immer den Kopf über zukünftige Schlachten zerbrechen und darüber, wie ich aus Luft einen Schildgenerator zaubere.“
      Velius widmete sich wieder seinen Bildschirmen und gab sein bestes, die Energieversorgung in den wichtigen Systemen aufrecht zu erhalten. Trotz seines Verhaltens, gab Aurelius sich keiner Illusionen hin, auch wenn er die bittere Wahrheit nicht bereitwillig akzeptierte. Selbst ihre besten Techniker, in Atlantis, würden Wochen brauchen, um die Invictus wieder einsatzbereit zu kriegen. In der Zwischenzeit, konnten die Wraith ungehindert mit einer ganzen Armee auf Ternos landen und den Außenposten überrennen.