Hannibal und der zweite punische Krieg

  • Hallo zusammen, ihr erinnert euch sicher an das folgende Thema, das wir vor ungefähr einem Jahr diskutiert hatten:


    Die Karthager und Hannibal


    Nun nach einem Jahr habe ich mich dazu entschlossen das Thema Hannibal und sein Krieg gegen die Römer etwas genauer zu beleuchten. Ich habe mir nahezu sämtliche antiken Quellen besorgt die das Thema Hannibal beleuchten. Livius, Fabius Pictor, Polybios, Plinius, Appian, Cassius Dio, Iustin, Nepos, Dionysios von Halikarnaß, Plutarch und eine Reihe moderner Historiker, sowie historischer Fachzeitschriften, etc. Unter anderem Baltrusch, Astin, Christ, Archäologischer Anzeiger, Grazer Beiträge, etc. Sie alle zu nennen würde den Rahmen sprengen und soll auch nur dazu dienen um euch zu zeigen, dass ich mich mit diesem Thema befasst und auseinandergesetzt habe. An der Uni habe ich mehrere Hausarbeiten dem Thema Hannibal gewidmet und auch meine Bachelorarbeit wird dieses Thema behandeln. Ich werde auf Zitate verzichten da es hier in diesem Text schlecht einfügbar ist (als Fußnote), werde aber ganz am Ende meine wichtigsten Quellen angeben. In dieser Reihe von "Texten" widme ich mich dem Thema Hannibal und dem zweiten punischen Krieg. Ich werde heute im Laufe des Tages den ersten Artikel dazu verfassen und möchte darum bitten, dass dieses Thema allein für mich zur Verfügung steht, dass ich dort meine Beiträge in einem fließenden Text verfassen kann. Ich werde anfangs einige Platzhalter einfügen und möchte die Moderatoren daher darum bitten, mir auch den Raum zur Verfügung stellen. Zur Diskussion, Anmerkungen, Kritik möchte ich ein eigenes Thema eröffnen, da ich sehr auf euer Feedback angewiesen bin und mich darüber freuen würde. Der Gedanke dieser Arbeit entstand dadurch, dass wir die Diskussion hatten, wieso Hannibal Rom nicht angegriffen und erobert hatte. Durch meine Nachforschungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dies eine Entwicklung gewesen ist die Hannibal von seinen frühen Kindheitsjahren bishin zu seinem Tod beschäftigt hat. Im folgenden werde ich versuchen, dies so gut es mir möglich ist darzustellen (Auch aufgrund der suboptimalen Zitier- und Fußnotenmöglichkeit). Wichtige, bzw. allgemeine Meinungen anderer Historiker und Autoren werde ich in Klammern festhalten, wodurch der Textfluss etwas gestört sein mag.


    Gegliedert ist das ganze etwa wie folgt:


    1. Hannibals Kindheit (dieses werde ich versuchen nur grob darzustellen, da es sonst zu viel wäre. Unterpunkte werde ich noch einfügen)




    2. Der Krieg des Hannibal
    2.1 Gründe und Ursachen des Krieges- Frage der Kriegsschuld
    2.2 Das erste Kriegsjahr 218
    2.3 Das zweite Kriegsjahr 217


    Wie die weitere Gliederung erfolgt hängt davon ab wie viel Umfang das ganze hat.


    Ich denke ihr könnt heute Abend mit dem ersten Beitrag rechnen. Es dauert etwas das ganze abzutippen.


    :)


    -Ma fi shajara hazzaha l hawa-


    Es gibt keinen Baum der noch nicht von einer Brise geschüttelt wurde-

  • 1. Hannibals Kindheit und der Krieg gegen die Söldner


    Hannibal (Die Gnade Baals) wurde im Jahre 247 v. Chr. als Sohn des karthagischen Feldherren Hamilkar mit dem Beinamen Barkas (Blitz) geboren. Der Name seiner Mutter ist nirgends überliefert. Neben zwei Töchtern war Hannibal der erste Sohn. Das Geschlecht des Hamilkar gehörte wahrscheinlich zu den alten Adelsgeschlechtern der Karthager, da der Name in mehreren Inschriften gefunden wurde und die Karthager die Angewohnheit hatten ihre Ahnenreihen in Inschriften zu verewigen. Als Hannibal das Licht der Welt erblickte führten die Karthager bereits 17 Jahre Krieg mit Rom. (Zur Geschichte des ersten punischen Krieges gehe ich nicht ein, da sie nichts mit dieser Ausführung zu tun hat und schildere nur kurz die Lage zu Hannibals Geburt.) Die Kämpfe auf Sizilien waren mit wechselhaften Erfolgen bis zum Jahr 247 verlaufen. Die Römer hatten, um Karthago entgegenzutreten eine Flotte entworfen. Als Neulinge in der Seekriegsführung waren sie frei von taktischen Zwängen der Seekriegsführung und verlagerten ihren Landkampf aufs Meer. Polybios berichtet uns, dass die Römer eine neue Waffe einsetzten, den corvus (Enterbrücke). Damit schlugen sie die Karthager bei der Seeschlacht von Mylai im Jahre 268 v. Chr. vernichtend. Doch dies war noch nicht alles für die Karthager. Im Jahre 256 landete ein römisches Expeditionsheer unter dem Konsul Regulus in Nordafrika. (Man vermutet den Landepunkt bei Aspis) Nach einer Niederlage der Karthager spürten diese am eigenen leib was es bedeutete den Feind im eigenen Land zu haben. Die Bevölkerung flüchtete in die Stadt, wo eine Hungersnot ausbrach, da die Versorgung ausblieb. Karthago war zu Friedensverhandlungen bereit. Doch Regulus Forderungen waren so übertrieben, dass bald der erneute Widerstand ausbrach. Der griechische Söldnerführer Xanthippos lehrte den Karthagern den richtigen Einsatz von Elefanten und brachte Regulus eine vernichtende Niederlage bei. Die Invasion war somit vorüber und die weiteren Kämpfe beschränkten sich auf Sizilien. Bis ins Jahr 250 konnten die Römer den größten Teil der karthagischen Besitzungen auf Sizilien erobern und belagerten Drepana und Lilybaion. Im Jahre 249 konnten die Karthager dann durch ihren Admiral Adherbal einen Seesieg über Rom erringen. Als die restliche römische Flotte dann durch einen Sturm zerstört wurde, gaben diese den Kampf zur See auf. Die Aussichten für eine erfolgreiche Beendigung des Krieges waren zu diesem Zeitpunkt günstiger für die Karthager.


    Dies war die Lage im Jahr 247 als Hannibal zur Welt kam. In diesem Jahr wurde ebenfalls sein Vater zum Oberbefehlshaber der Flotte ernannt. Er leitete die Operationen Karthagos bis zum Kriegsende im Jahre 241. Nach der erfolglosen Plünderung römischer Küstenstädte setzte sich Hamilkar auf dem Berg Heirkte fest und führte von dort aus Krieg gegen die Römer in Panormos. Es war ein Stellungskrieg, doch Entscheidendes vollbrachte Hamilkar nicht. Polybios erweckt den Eindruck als ob Hamilkar ein Meister des Kleinkrieges war, aber kein Stratege großer Schlachten. Im Frühjahr 243 verlagerte Hamilkar den Kriegsschauplatz zum Berg Eryx ohne ersichtlichen Grund. Er eroberte die Stadt, welche zwischen der Burg auf dem Gipfel mit einer römischen Besatzung und dem römischen Lager am Fuße des Berges lag. Somit wurde der Belagerer selbst zum Belagerten. Hamilkar wird als ein tollkühner, wagemutiger Mann geschildert. Nur so lässt sich nämlich erklären, dass er sich freiwillig in eine äußerst gefährliche Situation gebracht hat. Während diesen zweijährigen Kämpfen schaffte er es nicht die römische Besatzung aus der Burg zu vertreiben. Die Söldner die er angeworben hatte bereiteten ihm Probleme. Teils liefen sie zum Feind über, teils meuterten sie. Der Kampfeseifer konnte nur durch zusätzliche Geldversprechungen geweckt werden.


    Trotz der günstigen Ausgangslage gelang es Hamilkar nicht dem Krieg neue Impulse zu geben. Die Lage stagnierte und die Entscheidung wurde schließlich zur See gefochten. Die Römer besiegten die karthagische Flotte und Hamilkar war vom Nachschub abgeschnitten und auf Sizilien isoliert. Hamilkar war für die Lage mitverantwortlich. er hatte weder die Überlegenheit zur See nach der Schlacht von Mylai ausgenutzt, solange die Römer von der See verschwunden waren, noch sie mit Belagerungstechnischen Mitteln zur Aufgabe ihrer Positionen gezwungen. Sein langjähriges Verharren in Heirkte und Eryx schließen auf ein verbissenens, ja sogar starrsinniges Verhalten. Zähigkeit und Ausdauer, wichtige Eigenschaften bei der Verfolgung eines Ziels, können auch Zeichen des Unvermögens sein, eine Bilanz über Erfolg und Misserfolg zu ziehen. Auch bei Hannibal lassen während seines Italien Feldzuges solche Beobachtungen machen.


    Die Bedingungen des Friedensvertrages (Lutatiusvertrag) waren hart. Die Karthager mussten ihre Besitzungen auf Sizilien abgeben, eine Kriegskostenentschädigung in Höhe von 1000 Talenten sofort und weitere 2200 Talente in 10 Jahresraten zahlen. Die Vertragsunterzeichner verpflichteten sich den Machtbereich des anderen zu respektieren, dort keine Truppen anzuwerben und mit Bundesgenossen des anderen kein Bündnis abzuschließen. Für das wirtschaftlich und finanziell erschöpfte Karthago bedeuteten die Zahlungen eine große Belastung, zumal auf Einkünfte der sizilischen Besitzungen verzichtet werden musste. Auch die auf der Insel stationierten Söldner warteten auf ihren Sold.
    Nach dem Friedensschluss legte Hamilkar seinen Oberbefehl nieder, übergab das Heer Gisgo und kehrte nach Karthago zurück. Hannibal war bereits in einem Alter, in welchem er bleibende Erinnerungen hatte. Sollte er mit auf der Insel gewesen sein, dürfte ihn das Ende des Krieges wenig berührt haben. Hatte er seine Jugend jedoch in Karthago verbracht, dann dürfte das Ende des Krieges eher Anlaß zur Freude gewesen sein. Sein Vater konnte ihm nun endlich alle Heldentaten berichten, von denen ihm bisher seine Mutter erzählt hatte. Natürlich wies Hamilkar die Verantwortung für die Niederlage zurück. Nach Hamilkars Einstellung, kann man Schlussfolgern, dass er noch Jahrelang so hätte weiter kämpfen können. Aber die Versager von der Marine hatten das Ende erzwungen.


    Diese Einstellung könnte in der antiken Tradition zur Entstehung der Version geführt haben, das Barkas eigentlich sofort den Krieg wiederbegonnen hätte, wenn nicht der Söldnerkrieg dazwischengekommen wäre, eine evidente Erfindung, um Hamilkars Kriegsabsichten, die er angeblich auf seine Nachfolger vererbte zu belegen und ihm die alleinige Schuld am Ausbruch des zweiten punischen Krieges zuzuweisen. Hamilkar war ohne Kommando und ohne Heer. An der Ausgangslage, dem Fehlen einer Flotte und leeren Kassen, hatte sich nach seiner Rückkehr nichts geändert. Seine spätere Hinwendung nach Iberien und die Vernachlässigung des Flottenbaus in Karthago, der unerlässlich Voraussetzung für einen erneuten Waffengang mit Rom war, zumindest im Jahr 241, beweisen, dass Hamilkar keine Pläne zu einer Fortsetzung, bzw. eines Auflebens des Krieges gegen Rom hatte. Gisgo nschickte die Söldner in kleinen Kontingenten und in großen zeitlichen Abständen von Sizilien nach Karthago um seinen Landsleuten Zeit für die Erbringung der Gelder zu lassen. Man sollte die erste Gruppe bezahlen, sie entlassen und auf die nächste warten. Doch der Rat von Karthago entschied sich für eine andere Strategie. Sie versammelten alle Söldner innerhalb der Mauern Karthagos und wollten sie alle gleichzeitig bezahlen. Dem jungen Hannibal dürfte die schwierige Lage seiner Heimatstadt nicht bewusst gewesen sein. Er empfand die Anwesenheit der vielen Soldaten, die mit seinem Vater gekämpft hatten, sicherlich interessant. Aller Herren Völker waren hier in Karthago versammelt: Iberer, Kelten, Ligurer, Balearen, Griechen und Libyer. Das bunte Bild einer Hafenstadt dürfte wohl noch viel lebhafter geworden sein. Es herrschte eine babylonische Sprachverwirrung. Alle Sprachen des Mittelmeerraumes drangen in Hannibals Ohren, aber man konnte sich auch mit allen verständigen, da das lange und gemeinsame Lagerleben den Soldaten die Grundkenntnisse der punischen Sprache vermittelt hatte. Man verständigte sich untereinander in einem Durcheinander aus punisch, griechisch und den jeweiligen eigenen Sprachen.
    Die Kehrseite der Medaille dürfte der junge Hannibal wohl kaum wahrgenommen haben. Gewalttätige Soldaten, die es gewohnt waren sich zu nehmen was sie wollten waren an der Tagesordnung. Dies entging auch den Ratsherren nicht. Sie sahen ihren Fehler ein, bezahlten jeden Söldner mit einem Goldstück und bewogen sie zum Abzug nach Sikka, einer Stadt rund 150 km südwestlich von Karthago im Landesinneren, mit ihren Frauen, Kindern usw. Dort hatten sie genügend Zeit sich den ausstehenden Sold auszurechnen. Hanno der Große wurde vom Rat ermächtigt Verhandlungen mit den Söldnern zu führen. Er machte sie auf die schwere Lage Karthagos aufmerksam und versuchte sie herunterzuhandeln. Sie meuterten und führten ein Heer nach Karthago. Karthago wurde in Schrecken versetzt. Nun erwies es sich als Nachteil, dass sie sich ganz auf ihre Söldner verlassen hatten. Ein einsatzfähiges Bürgerheer war nicht vorhanden. Die militärische Schwäche wurde von den Söldnern ausgenutzt und zwang den Rat zu immer mehr Zugeständnissen. Hamilkar befand sich damals in einer schwierigen Situation. Er hatte den Söldnern hohe Versprechungen gemacht, die Karthago nicht erfüllen konnte. Seine innenpolitischen Gegner erhoben gegen ihn Klage. Er entging der Anklage, welche meistens mit einem Todesurteil endeten indem er sich mit Hasdrubal verbündete und eine seiner Töchter mit ihm vermählte. Hannibal, der zu dieser Zeit 7-8 Jahre alt war, wusste sehr wohl in welch großer Gefahr sein Vater schwebte. Die Bedeutung eines starken politischen Anhangs und die Unterstützung durch mächtige Freunde dürften ihm für immer bewusst geworden sein. Solche Freunde mussten gepflegt werden. Ein Grundsatz den Barkas seinen Söhnen beibrachte. Die Söldner planten nun einen Aufstand, welcher von Mathos (einem Lybier) und dem Kampaner Spendios angeführt wurde. Dieser Krieg, der sich zum Lybischen Krieg ausweitete sollte drei Jahre dauern, ehe die Karthager wieder Ruhe hatten. Hannibal erlebte wie seine Heimatstadt in größter Not alle Kräfte mobilisieren musste. Doch Karthago bewies, dass es in Zeiten größter Not zu höchsten Leistungen fähig war. Es wurden neue Söldner angeworben, ein Bürgerheer aufgestellt und der Kriegshafen von Karthago wieder in Betrieb genommen. Hanno der Große hatte den Oberbefehl. Der Hafen konnte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Betrieb genommen werden. Er war von einer doppelten Mauer umgeben und so angelegt, dass man durch den Handelshafen der vor ihm lag und die mit dem Kriegshafen verbundene 6 Meter lange Einfahrt keine Einsicht hatte. 220 Kriegsschiffe hatten darin Platz. In der Mitte befand sich die Admiralsinsel. Kaufleute und neu angeworbene Söldner trafen im Handelshafen ein, der durch eine 21 Meter breite Einfahrt mit dem Meer verbunden war.


    Von Hamilkar hören wir in der Phase des Söldnerkrieges nichts. Er war wohl Mitglied des Rates und unterstütze die Planungen und Vorbereitungen. Er kannte am besten die Stärken und Schwächen der Söldner, da sie viele Jahre unter ihm dienten. Beim Trainieren der Bürgertruppen dürfte man seinen Rat eingeholt haben und auch seine Mithilfe war wohl willkommen. Hanno konnte sich alleine gegen die Söldner nicht wehren. Deshalb wurde Hamilkar eine zweite Armee anvertraut, welcher die Feinde schlug und damit die Belagerung Karthagos aufhob. Die Freude dürfte im Hause Barkas wohl besonders groß gewesen sein. Eine weitere gute Nachricht, welche in Karthago eintraf war, dass Hamilkar eine Tochter dem Numiderfürsten Naravas zur Frau gab. Die Freude über diese Erfolge drängte wohl die Tatsache zurück, dass Hamilkar damals vernichtet worden wäre, wenn der Numiderfürst nicht die Fronten gewechselt hätte. Im Siege zeigte sich Hamilkar großzügig, er bot jedem Söldner Eintritt in sein Heer an. wer ablehnte durfte dennoch frei abziehen. Eine solche Haltung entsprach keineswegs dem Standardverhalten. Dieses Verhalten kam auch bei Hannibal in Italien zum Vorschein und es ist anzunehmen, dass er dies von seinem Vater hatte. Man konnte die Söldner jedoch nicht entscheidend Schwächen und es kam eine Diskussion über den Zusammenschluss der beiden Heere auf, um die Entscheidung herbeizuführen. In der Praxis war dies jedoch wirkungslos und die beiden Feldherren zerstritten sich bald. Gründe für den Streit werden uns nicht überliefert. In der Zwischenzeit eroberten die Söldner Sardinien und die Hafenstädte Utika und Hippakra fielen von Karthago ab und brachten den Söldnern die Möglichkeit zu Verstärkung. Karthago versuchte nun den Streit zwischen den beiden Feldherren zu lösen und überließ überraschend den Soldaten die Entscheidung, wer sie anführen sollte. Sie stimmten für Hamilkar, wohl nicht zuletzt wegen seiner Milde. Die Söldner rückten erneut nach Karthago vor und belagerten die Stadt. Karthago erhielt Unterstützung von Hieron II. von Syrakus, der nicht daran interessiert war, dass Karthago unterging und Rom übermächtig wurde, sondern die Politik einer ausgeglichenen Machtkonstellation verfolgte. Die Karthager nahmen auch römische Kaufleute gefangen, welche die Aufständischen unterstützten, da sie viele Gewinne dadurch erzielten. Das Verhältnis zu Rom wurde aber besser, als man einen Gefangenenaustausch abwickelte. Polybios lobte die Römer hierbei für ihre Großzügigkeit. In Wirklichkeit war diese Großzügigkeit jedoch reiner Eigennutz, da sie an einer Niederlage Karthagos nicht interessiert sein konnten. Wer sollte dann die Kriegsentschädigungen aus dem ersten punischen Krieg zahlen, wenn nicht Karthago?


    In Zeiten der großen Not musste dem Gott Baal Hammon ein Kinderopfer dargebracht werden. Und zwar von den adeligen Familien Karthagos. Vielleicht musste auch die Mutter Hannibals dieses Opfer darbringen? Eine solche Vermutung ist nicht unbegründet, zumal antike Quellen uns berichten, dass die Frau des Hamilkar zwar noch einen Sohn hatte (neben Hannibal und Hasdrubal), dessen Name aber verschwiegen wurde. Hannibal erlebte dieses Opfer auf alle Fälle mit vollem Bewusstsein. Über den Verlauf der Belagerung Karthagos erfahren wir keine Einzelheiten. Auf alle Fälle war es nun hilfreich, dass die Söldner es nie richtig gelernt hatten auf Sizilien. Es fehlte womöglich an Kenntnis und Material für Belagerungsgeräte. Auch war die Stadt ohne Flotte nicht zu nehmen. Hamilkar sperrte den Söldnern die Versorgungszufuhr aus dem Inland un es war gezwungen abzuziehen. Der Stellungskrieg wurde wieder zum Bewegungskrieg. Die aufständischen hatten laut Polybios höllische Angst vor den Elefanten und Reitern des Naravas. Hamilkar gelang es die Söldner einzukreisen und schlug diese vernichtend. Nun ergaben sich der Reihe nach die abgefallenen Orte. Das Heer des Karthagers rückte schließlich auf Tunis vor, wo immer noch eine bedeutende aufständische Armee lag. Tunis wurde belagert. Die Söldner schlugen diese jedoch zurück und im Rat erhob sich die Partei des Hanno um Hamilkar abzusetzen. Maneinigte sich jedoch auf einen Kompromiss und stockte die Verluste mit Bürgern Karthagos auf. Der Streit zwischen Hanno und Hamilkar wurde beigelegt und die Zusammenarbeit funktionierte. Mathos Heer wurde vernichtend geschlagen und der Söldnerkrieg oder Lybische Krieg fand nach drei Jahren ein Ende.


    Die Freude des Hamilkar war wohl nicht ganz ungetrübt, da er den Ruhm mit Hanno teilen musste. Hannibal muss mächtig stolz auf seinen Vater gewesen sein und trotz der Belastung, die der Krieg mit sich brachte dürfte sein Leben in ruhigen Bahnen verlaufen sein. Es ist gut vorstellbar, dass die Kinder in den Straßen Karthagos "Krieg gegen Söldner" spielten. Hannibal musste aber auch lernen. Er wurde sowohl auf phoinikische Art, als auch auf griechische Weise unterrichtet. Unsere Kenntnisse über die karthagische Bildung sind spärlich. Die Quellen geben so gut wie nichts preis. Julian beschrieb in seiner oratio, dass die Karthager ihre Kinder praxisnahe und frühzeitig zur Selbstständigkeit erzogen. Ihr Handeln orientierte sich am phoinikischen Sittenkodex. Bei einem Feldherren wie Hamilkar als Vater liegt es nahe, dass Hannibal bereits früh Fechten und Reiten lernte. Die wichtigste Aufgabe nun war die Rückeroberung Sardiniens von den Söldnern. Denn dort meuterten die Söldner ebenfalls und eroberten die Insel. Doch diese Herrschaft war nicht von langer Dauer. Die Sarden vertrieben die Söldner, welche von den Römern Hilfe zur Rückeroberung forderten. Damals verweigerten die Römer jedoch die Unterstützung. Im Jahre 238 v. Chr. traf man in Karthago Vorbereitungen zur Rückeroberung Sardiniens. Doch Rom folgte plötzlich dem Ruf der Söldner und besetzte die Insel. Die Rüstungen der Karthager als Vorwand nehmend erklärte Rom diesen den Krieg. Über die Gründe der Römer lässt sich nur spekulieren. Das neue politische Programm zur Gewinnung der tyrrhenischen See? Die nackte Gewinnsucht? Oder hatten evtl. offensivfreudige Kräfte in Rom das Ruder an ich gerissen? Es ist wohl eine Reihe von Gründen die hier zusammentrafen, aber der wirtschaftliche war wohl der gewichtigste. Karthago versuchte diese Missverständnisse der Kriegserklärung aus dem Weg zu räumen. Sie konnten nach den Belastungen des Söldnerkrieges keinen neuen Waffengang auf sich nehmen. Sie mussten sich letzten Endes den Forderungen Roms beugen und ein Zusatzabkommen des Friedensvertrags von 241 unterschreiben. Der Abtritt Sardiniens an Rom und eine weitere Zahlung von 1200 Talenten. Es war ein Vertrag, der ihnen von den Römern aufgezwungen wurde, der als "Knechtungsvertrag" in die fachlichen Kreise einging. Warum hielt sich Rom nicht mehr an die Bestimmungen des Lutatius Vertrag von 241, welche Polybios im Zuge des Söldnerkrieges so gelobt hatte? Fest steht, dass sie nicht mehr um die Zahlungen bangen mussten und den Karthagern nun ihr wahres Gesicht zeigten. Dies war ein bewährtes Mittel um weiteres Territorium zu erhalten und weitere Zahlungen zu fordern. Den Römern war außerdem bekannt, dass die Karthager die Einkünfte aus den lybischen Untertanengebieten, über die sie nun wieder verfügten, gewöhnlich zur Kriegsführung außer Landes benutzten und wollten deshalb die Gründung eines neuen Kriegsfonds verhindern und im Keim ersticken. Dies war jedoch ein klarer Vertragsbruch. Die Karthager waren empört und in ihren Augen war es Betrug. Nur der griechische Historiker Polybios geißelte die Römer dafür und bezeichnete dieses Verhalten als Vertragsbruch. Doch der Sieger bestimmt die Geschichte und so wurde das Bild für die Nachwelt verändert. Nicht die Römer sondern die Karthager waren Vertragsbrüchig. "Poeni foedifragi" nannte Livius die Karthager und es war eine geläufige Bezeichnung, welche man auch noch bei anderen Historikern fand. Um ja keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des römischen Vorgehens aufkommen zu lassen, nahmen römische Geschichtsschreiber eine kleine Änderung im Vertragstext von 241 vor und erklärten nachträglich die Abtretung Sardiniens zu einer Bestimmung des Friedensvertrags von 241.


    -Ma fi shajara hazzaha l hawa-


    Es gibt keinen Baum der noch nicht von einer Brise geschüttelt wurde-

    Einmal editiert, zuletzt von Antiochus IV ()

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