Soziales Gewissen - Die soziale Frage

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    • John schrieb:

      Verpackungsloser Einkauf bei Lebensmitteln hieße:

      - komplizierterer Transport und Lagerung
      - Angabe von Inhaltsstoffen und Verfallsdaten wird schwierig
      - Verantwortung für Haltbarkeit und Zustand der Ware hätte wieder der Händler vor Ort und nicht mehr der Hersteller
      - Verunreinigungen und Schädlingsbefall sind deutlich eher möglich.
      -Haltbarkeit insgesamt dürfte abnehmen.
      - Hersteller hätten keine Gelegenheit mehr, ihr Produkt über Markenkennzeichnung besonders zu vermarkten.

      usw. usf.

      Paradiesische Zustände, wenn man es aus der ökologischen Perspektive betrachtet. :thumbup:
      Ich finde prinzipiell eine solche Entwicklung begrüßenswert, da man dringend wieder lernen sollte auf regionale und saisonale Produkte zurückzugreifen. Der klassische Wochenmarkt würde sich wieder zu einem täglichen Markt entwickeln.
      Bzgl. der Hygiene, der Qualitätserhaltung durch und Verpackungen aus Plastik oder Deklaration von Inhaltsstoffen kann ich deinen Einwand teilweise teilen.
      Ich denke aber, dass man in der Praxis aber ganz schnell seine Händler des Vertrauens finden wird als auch die „schwarzen Schafe“ erkennen würde.
      Mein Fleisch kaufe zu 70% auch nur noch bei zwei Schlachtern meines Vertrauens.
      Einen verpackungslosen Einzelhandel stelle ich mir sehr positiv vor. Und die Enkel meiner Enkel freuen sich bestimmt über eine einigermaßen intakte Umwelt in 150Jahren. :)


    • Da kann man nicht viel zu sagen. Die Menschen welche eine Stadt am Leben (wörtlich) halten, ziehen weg, weil sie sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten können. Läuft :thumbdown:

      Trifft auch auf andere Bereiche zu, wie Erzieher, Polizisten, Postboten und was weiß ich noch alles.
      "Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite."

      Yoda
    • @Fairas
      Ach was dem neoliberalem Mantra zufolge sind die doch schlicht alle selber Schuld. Hätten sie halt was anständiges gelernt und sich weitergebildet dann könnten sie jetzt auch mit entsprechendem Einkommen im Hipsterparadies leben. Wer braucht schon solche "Minderleister" wie Erzieher, Polizisten, Sanitäter, Pflegepersonal oder sonstiges Gesockse.
      Bänker, Anwälte und Manager sind der heiße Scheiß den mann heute braucht, denn als Leistungsträger und Elite der Gesellschafft kann mann dann auch ordentlich die Puppen tanzen lassen. :roba:

      ps. mein Beitrag könnte Spuren von Sarkasmus enthalten :pfeif:

      Edit: Aus der Kategorie "Unseren täglichen Fachkräftemangel gib uns heute":

      spiegel.de/wirtschaft/unterneh…eftemangel-a-1228397.html

      Besonders "schön" ist die Sichtweise der Handwerkskammer wie das Problem zu lösen sei.
      Zitat: "Über viele Jahre haben sich zu wenig Jugendliche für eine Lehre im Handwerk entschieden." Notwendig sei ein Bewusstseinswandel: "Einer beruflichen Ausbildung muss wieder die Wertschätzung unserer Gesellschaft entgegengebracht werden, die ihr gebührt."

      Genau Schuld ist nämlich alleine die Gesellschaft die einfach nicht genügend Wertschätzung gegenüber einer Berufsausbildung aufbringt und nicht etwa die Ausbildungsbetriebe selbst die ihrer "Wertschätzung" in Form von miesen Arbeits/Ausbildungsbedingungen und schlechter Bezahlung ja deutlich ausdruck verleihen. :lehrer: :facepalm:

      "Arbeiten im Büro das ist wie Sex in der Ehe, am Anfang gibt man sich Mühe und hat Spaß und nach ein paar Jahren macht man immer das selbe und ist einfach nur froh wenn Feierabend ist"


      -Bernd Stromberg- :thumbsup:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Flo78 ()

    • Ich denke es ist ein Geben und Nehmen. Es fangen halt tatsächlich immer mehr junge Menschen eher ein Studium an als eine Ausbildung. Allerdings ist das Problem nicht die Zahl der Bewerber insgesamt, hab jetzt keine aktuellen Zahlen aber hier die von 2017:

      statistik.arbeitsagentur.de/Na…ungsstellenmarkt-Nav.html

      Wie man sehen kann, gibt es insgesamt sogar etwas mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Somit klappt eigentlich nur die Verteilung nicht.

      Das Problem fängt für mich beim Schulsystem an. Wenn ich einen Hauptschulabschluss mit 4,0 mache, steht da "ausreichend". Ausreichend für was? Einen Ausbildungsplatz findet man damit wahrscheinlich nicht :unsure:
      Aber das ist im Grunde das Selbe wie ganz oben, es gibt vermutlich zig Leute die nur ein 2,0er Abitur haben aber 10mal bessere Ärzte wären als der ein oder andere 1,0er-Schnösel.

      Solange man genug von den "Besten" hat, funktioniert ja alles prima. Wenn nicht, hat man grob zwei Optionen: Schulsystem verbessern, damit wieder mehr von den "Besten" rauskommen oder die Anforderungen senken und mal schauen ob man auch mit Absolventen aus der zweiten und dritten Reihe noch was anfangen kann.

      Und es sind, wie Flo bereits angesprochen hat, die Bedingungen oft wirklich mies. Das fängt schon bei den Umständen an. Ein Handwerksbetrieb irgendwo im ländlichen Raum wo es weder ÖPNV noch Internet gibt, hat da naturgemäß schon mal mehr Schwierigkeiten seine Stellen zu besetzen. Das liegt es dann wirklich ein bisschen an der Gesellschaft. Entweder lassen wir diese ländlichen Regionen komplett vor die Hunde gehen oder es wird in Infrastruktur investiert. Sowas kostet Geld. Jeder Betrieb auf dem Land der schließen muss, weil ihm die Arbeitskräfte ausgehen, bedeutet weniger Steuereinnahmen für die Gemeinden und am Ende dann noch weniger Investitionen. Das Geld muss also von den Ländern oder vom Bund kommen.

      Dann die Betriebe selber. In der Theorie muss die Ausbildungsvergütung nicht top sein. Wenn es eine gute Ausbildung ist. Fühlt sich ein Lehrling hingegen nur wie eine billige Arbeitskraft, wird das in der Regel nicht funktionieren. Ein weiteres Probleme sehe ich bei den Anforderungen, habe ich oben beim Thema Schule im Grunde bereits erwähnt. Ich hatte mich nach der Schule selbst auf mehrere Ausbildungen beworben, Junge was man da teilweise alles können musste. Gefühlt sollte man privat schon drei Studiengänge absolviert haben um die Ausbildung anfangen zu dürfen.
      Da müssen die Betriebe dringend mal in der Realität ankommen. Der neue Azubi ist kein Arbeitstier, er hat die letzten 15-17 Jahre nur Party gemacht, sich drei Wochen vor der Abschlussprüfung kurz mal angestrengt und hat auch die nächsten 3-5 Jahre noch vor Party zu machen, zumindest mal an den Wochenenden.

      Ah und was ich vergessen habe, auch in den Städten verschlechtern sich die Lebensbedingungen. Es gibt meistens zwar Internet aber schon der ÖPNV wird schnell sehr teuer, 50, 70 oder mehr Euro für ein Monatsticket sind da keine Ausnahme. Von den Mieten müssen wir gar nicht reden... Im klassischen Modell wohnt man während der Ausbildung noch bei den Eltern und lässt sich durchfüttern. Im realistischen Modell wohnen die Jugendlichen eventuell zwar auch noch bei den Eltern, die sind allerdings Geringverdiener oder Alleinerziehend und erwarten, dass der frischgebackene Azubi seinen Anteil zum Lebensunterhalt beiträgt. Muss der aber aus Gründen in eine eigene Wohnung wird das mit so einer durchschnittlichen Ausbildungsvergütung schwierig. Der Erste der mir jetzt mit Bafög kommt wird erschossen, ich musste selbst erleben wie "darauf angewiesen sein" und "es bewilligt bekommen" nicht ein und das selbe sind ;(

      Die Einzigen die noch schlimmer dran sind als das Handwerk sind die sozialen Berufe. Als Pfleger musste man noch vor kurzem Schulgeld bezahlen um überhaupt eine Ausbildung machen zu dürfen. Als Erzieher geht man erstmal drei Jahre auf eine Schule und verdient überhaupt nichts. Zumindest in BW, ich glaube das ist je nach Bundesland unterschiedlich. Auch bei uns gibt es inzwischen ein Modell wo man bereits während der Ausbildung Geld bekommt. Muss sich nur noch eine Kita finden die sich das leisten kann...

      Am Ende ist es tatsächlich die Gesellschaft (die Betriebe sind Teil der Gesellschaft), die sich fragen muss was ihr diese "einfachen" Berufe im Handwerk und im sozialen Bereich wert sind. Nur die Ärzte und Ingenieure gut zu bezahlen hat ne Zeitlang anscheinend ganz gut funktioniert, doch ich denke jetzt ist langsam mal Zeit für ein Umdenken :lehrer:
      "Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite."

      Yoda
    • Möchte zu Fairas Auflistung noch einen Punkt hinzufügen:
      Junge Frauen spielen immer noch eine fast gegen Null Interessensgruppe in vielen Handwerksberufen, mit Ausnahme der Friseure.

      Das liegt zum Einen daran, dass die Arbeitsbedingungen in Kleinbetrieben keine Frauen vorsehen und zum Anderen häufen sich Frauen halt immer noch auf eine Handvoll weniger Ausbildungsgänge. Gründe dafür sind fehlende Vorbilder, gesellschaftlicher Konsens und wiederum die Arbeitsbediungen und -zeiten.
    • Moin,

      mehr Lohn für notleidende Handwerker wird nicht förderlich sein. Damit gehen nur die Dienstleistungskosten in die Höhe und hätte Firmenschließungen zur Folge. Es müssen aber wieder Rahmenbedingungen geschaffen werden damit man von dem Lohn ordentlich leben kann, ua. bezahlbarer Wohnraum und ÖPVN.

      Farvel - Like
      Militem aut monachum facit desperatio

      Guds hjælp, Folkets kærlighed, Danmarks styrke