Tierversuche & Tierschutz

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  • Zülzer hat meines Wissens nach auch mit Tierversuchen gearbeitet, sein Patient hatte Nebenwirkungen und ist nach Absetzen des Mittels verstorben. Banting und Best haben das Extraktionsverfahren und die Aufreinigung verbessert und dann an Hunden getestet.
    Ansonsten ist es schwierig die Entwicklung von Insulin und Sulfonylharnstoff zu vergleichen. Die positive Wirkung von letzterem wurde eher zufällig erkannt und dann wohl durch Tierversuche bestätigt.
    Ansonsten zeigen deine Beispiele doch schön was sich schon getan hat und wie die Entwicklung weitergeht. Solche Experimente wären nicht mehr möglich bzw würden einer genauen Begutachtung unterzogen werden. Und die Entwicklung geht weiter.
    Wäre der Diskussion vielleicht zuträglich wenn du weniger polemisch und persönlich werden würdest.

    "Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muß die Gegend verlassen, wo sie gelten."
    Johann Wolfgang von Goethe
    (1749 - 1832)


    "Auf Wunsch des Schiedsrichters wurde den Zuschauern beim WM-Finale 1930 untersagt, Revolver zu tragen."

  • Das ist der Punkt. Schnell und billig. Also wenn das ganze ohne Tierversuche langsamer und teuere ist, stellt das schon garkeine Alternative dar, selbst wenn es möglich wäre. Seh ich das richtig?


    In etwa mag das stimmen, denn Medikamente werden auch verkauft. Und es gibt Patienten, die darauf warten. Schon heute dauert die Zulassung im besten Fall zehn Jahre, durchschnittlich wahrscheinlich eher 15. Wenn Morgen vormittag der Durchbruch erzielt wird und man die Mechanik und Wirkweise von HI-Viren versteht, dauert es Jahre, bis ein Impfstoff auf dem Markt ist ( nebenbei werden den auch nur Patienten in reichen Ländern erwerben können ). Millionen von AIDS-Kranken werden diesen Impfstoff gar nicht zu Gesicht bekommen.


    Und nein: es stellt keine Alternative dar, weil täglich Menschen sterben und diese Menschen darauf angewiesen sind, daß Tiere für sie sterben, so hart das klingt.


    Zitat

    Wäre der Diskussion vielleicht zuträglich wenn du weniger polemisch und persönlich werden würdest.


    Hätte ich übrigens auch nichts dagegen.

  • Zitat

    Was willst Du mir damit sagen? Daß einige / viele Wissenschaftler mit ihren Thesen danebenlagen und grob gesagt Mist gebaut haben und man die Erkenntnisse aller anderen deswegen nicht beachten soll?


    Ist das nicht offensichtlich was ich damit sagen will? Du bist doch der festen Überzeigung das ohne Tierversuche medizinischer Fortschritt kaum möglich ist. Aber das ist schlicht falsch. Es geht auch ohne Tierversuche. In diesem Fall waren Tierversuche sogar kontraproduktiv oder schlicht überflüssig, und das ist kein Einzelfall.


    Zitat

    Nein. Die Tierversuche haben alle Theorien bestätigt und man ging in die nächste Phase über, den Tests an Menschen, diese führten zum Desaster.


    Man schätzt, daß etwa 85% der wesentlichen Arzneimittel-Risiken, die seit Contergan auftraten, nicht aufgrund von Tierversuchen vorhergesagt wurden und auch nicht vorhergesagt werden konnten. So zumindest meine Informationen. Von daher vewundert mich das nicht wirklich. Wiso auf das Ergebnis eines Tierversuches warten der sowiso kaum Aussagekraft hat? Aber es geht noch besser. Tierversuch "erfolgreich", und Medikament trotzdem tötlich. Gibts auch einige Beipsiele dafür. Aber egal, solange man immer noch eine höhrer Wahrscheinlichkeit hat als die Frau im Astrokanal, kann man darauf nicht verzichten.


    So, ich finde diese Diskussion hat langsam ihren toten Punkt erreicht, zumindest bei mir. Es scheint mir so als würden hier einige in ganz anderen moralischen Gefilden durch die Gegend segeln als ich. Ich habe mich in den letzten Tagen etwas mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Zugegebnermaßen mehr mit der Kontra-, als mit der Pro-Fraktion, dennoch hab ich mir auch dort einiges zu Gemüte geführt. Es mag sein das meine Ausführungen hier und da etwas überspitzt oder gar polemisch gewesen sein mögen, das gebe gern zu, dennoch war das kaum zu vermeiden wenn ich mit gewissen Einstellungen hier konfrontiert werde. Ich bin eigentlich kein ausgewiesener Tierfeund, habe selbst kein Haustier und bin auch kein Vegetarier, aber wie das Leid von Tieren, Lebewesen oder von mir aus auch Kohlenstoffeinheiten 2ter Klasse, oder wie auch immer, aufgewogen werden, als wären es Autoreifen, Ziegelsteine oder Altpapier, ist mir ein Rätsel und wird mir wahrscheinlich auch immer eines bleiben.


    Vieles was heute mit Medikamenten aus Tierversuchen behandelt wird, ist einfach nur die Folge unseres (häufig falschen) Lebenstils oder Umwelteinflüssen die wir selbst herbeigeführt haben, und keine Geisel Gottes. Aber wie immer wird dem schnellen, und vorallem leichten Erfolg so ziemlich alles geopfert, und dabei meine ich nicht nur die Tiere, sondern auch Eigenschaften die uns eigentlich von dem was wir da quälen, testen und töten unterscheiden sollte. Aber wie auch immer, ich kann, werde und muss schlussendlich eure Einstellung tolerieren.


    Schlussendlich möchte ich noch ein Zitat von Immanuel Kant posten, das vielleicht auch ein wenig den tieferen Sinn hinter der Fragestellung "Tierversuche, ja oder nein?" verdeutlicht, und mich damit aus der Diskussion verabschieden:


    "Die Grausamkeit gegen die Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegengesetzt!"


    Gruss D-FenZ.

  • Ist das nicht offensichtlich was ich damit sagen will? Du bist doch der festen Überzeigung das ohne Tierversuche medizinischer Fortschritt kaum möglich ist. Aber das ist schlicht falsch. Es geht auch ohne Tierversuche. In diesem Fall waren Tierversuche sogar kontraproduktiv oder schlicht überflüssig, und das ist kein Einzelfall.


    Ich glaube Dir, daß das kein Einzelfall war. Wenn man sich auf die Suche macht, wird man noch mehr Fälle finden, wo Tiere unnötig gestorben sind und die Erkenntnisse zu nichts oder gar zu falschen Ergebnissen geführt haben. Das ist in meinen Augen aber kein Argument dagegen. Und wie geht es ohne Tierversuche? Auf diese Erklärung bin ich gespannt.




    Zitat

    Es scheint mir so als würden hier einige in ganz anderen moralischen Gefilden durch die Gegend segeln als ich.


    Warum? Weil es hier Vertreter gibt, die Tierversuche zwar nicht gutheißen, aber für nötig erachten? Nichts anderes habe ich oder auch Einbauschrank verlauten lassen, lies doch mal bitte nach. Du hast die Moral für Dich gepachtet?


    Nenne mir doch bitte mal eine Möglichkeit, ein Medikament zu entwickeln, zu prüfen, zu testen und ohne Gefahr für den Menschen auf den Markt zu bringen, welches völlig ohne Versuche an Tieren auskommt. Man kann ein Vorgehen als falsch oder ethisch verwerflich bezeichnen, wenn man nachgewiesenermaßen Alternativen dazu aufweisen kann, diese aber aus diversen Gründen nicht genutzt werden. Doch es gibt keine Alternativen, falls ja, da bin ich gespannt. Ansonsten stimme ich Dir mit dem toten Punkt der Diskussion zu.


    Auch habe ich ein wenig das Gefühl, daß beim Begriff "Tierversuch" manchen sofort das Bild eines Schimpansen, der an Elektroden hängt vor Augen kommt oder das eines Hundes, dem man Nagellack in die Augen träufelt. Das ist scheiße und auch meines Erachtens nach völlig unnötig und falsch. Habe selber zwei Katzen verloren, die nachts von Tierfängern geklaut wurden. Wovon ich hauptsächlich rede, sind die tausende von Labormäusen oder Ratten, die den überwältigenden Anteil ausmachen. Genetische Grundlagenforschung ist ohne Mäuse, Ratten, E.coli oder Hefen, Zellkulturen etc. noch nicht einmal ansatzweise vorstellbar. Vielleicht solltest Du dich einmal schlau machen, wie Experimente in Laboren überhaupt geplant, durchgeführt und verifiziert werden. Es gibt einfach keine Modelle, die in vitro Versuche in Mäusen ersetzen können, das kann man drehen und wenden wie man möchte. Will man eine Krankheit verstehen, muß man sie in Modellen simulieren. Entweder bleibt die Forschung, wie wir sie heute kennen, da stehen wo sie ist und wir werden nie Mittel gegen Krankheiten finden, die heute noch nicht heilbar sind oder wir designen Wirkstoffe am Rechner, suchen uns billige Studenten, die sich nebenbei etwas verdienen möchten, und probieren diese einfach aus.


    Ein weiteres Beispiel: man vermutet, daß das Fehlen eines bestimmten Proteins zum Ausbruch eines bestimmten Krankheitstyps führt. Man kennt die Gensequenz und auch das Chromosom, auf dem sich dieses Gen befindet ( was schon ein sehr einfaches Beispiel ist, denn meistens kennt man die Sequenz noch nicht einmal ). Unsicherheitsfaktor bei dieser Sache: man weiß nicht, ob dieses Protein alleine die Krankheit verursacht oder ob es sich um ein Wechselspiel / Interaktion mehrerer Proteine handelt. Also versucht man, dieses Protein zu isolieren, in E. colis zu exprimieren und Antikörper dagegen herzustellen. Jetzt handelt es sich bei diesem zu untersuchenden Protein aber um ein humanes, d.h. wenn man es in einem Bakterium wie E. coli exprimiert, ist es einfach nicht das gleiche ( Unterschiede würden jetzt zu weit führen ). Also muß man es zusätzlich in einem eucaryontischen Modellsystem exprimieren, hier kommen die Hefen in´s Spiel. Man kann nun in Zellextrakten dieses Protein mittels Antikörpern nachweisen, hat aber keine Ahnung, was das Fehlen oder auch das Überangebot des Proteins im lebenden Organismus für eine Auswirkung hat. Also arbeitet man mit Knock-Out-Mäusen, bei denen dieses Gen ausgeschaltet wurde und untersucht, welche Auswirkung dieses hat. Vermutet man mehrere Proteine dahinter oder ein Zusammenspiel mehrerer, muß man die Sache natürlich dementsprechend anpassen und wiederholen. Tatsache ist: es gibt keine Computersoftware, die die komplexen physiologischen und genetischen Zusammenhänge in einem Säugetier vollständig simulieren kann. Teilbereiche können von Bioinformatikern berechnet und dargestellt werden, das ist aber leider nur ein Bruchteil dessen, was in einem solch komplexen Organismus wie ein Säugetier einen darstellt, überhaupt passiert. Gäbe es die, würden die Forscher weltweit auf Tierversuche verzichten und könnten ein zigfaches an Daten einfach errechnen lassen. Gerade die Pharmaindustrie würde Millionen, ach was Milliarden für solch eine Simulation bezahlen, da vertrau ich auf die Raffgier der Menschen.


    Interessanter Lösungsansatz hier:


    Zitat

    DT40 kann sicher nicht alle 'knock-out' Experimente in Tieren ersetzen, da zum Beispiel Genfunktionen im Zusammenhang mit komplexen Krankheiten nicht vollständig in Zellkultur aufklärbar sind. Dennoch haben die Arbeiten mit DT40, die oft in den weltbesten Zeitschriften publiziert werden, dazu geführt, dass knock-outs in Mäusen nicht automatisch als einzig sinnvolle Experimente in Angriff genommen werden. Die neue Einstellung von Forschern, den Nutzen von Tierexperimenten kritisch zu überdenken, wird sicherlich auch in der Öffentlichkeit Anerkennung finden und am Ende die Akzeptanz von solchen Tierexperimenten verbessern, die zum Verständnis und für die Behandlung von Krankheiten noch immer notwendig sind.


    http://www.bionity.com/news/d/40545/


    Jean-Marie Buerstedde kenne ich übrigens persönlich, arbeitet an der GSF in Neuherberg.


    Aus einem Wiki-Eintrag:


    Zitat

    Die Maus (Mus musculus) und die Ratte (Rattus norvegicus) werden vor allem in der biomedizinischen Grundlagenforschung genutzt. Hierzu sind von beiden Arten eine Reihe von Inzucht-Linien gezüchtet worden. Diese sind teilweise durch eine besondere Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen gekennzeichnet und werden dann als Tiermodelle für diese Erkrankungen verwendet. Hierzu zählen beispielsweise die NOD-Maus (Non-Obese Diabetic Mouse) und die BB-Ratte für den Typ-1-Diabetes oder die SHR-Ratte (Spontaneous Hypertension Rat) für den essentiellen Bluthochdruck. Spezielle Mausstämme ohne Thymus sind aufgrund der fehlenden zellulären Immunabwehr für die Krebsforschung und die experimentelle Transplantationsmedizin von Interesse. Durch gezielte Deaktivierung eines Genes in sogenannten Knockout-Mäusen und durch die Kreuzungszüchtung von congenen Linien kann die Funktion eines einzelnen Gens beziehungsweise eines kleinen Genabschnitts genauer untersucht werden.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Modellorganismus

  • Jetzt seh ich mich doch nochmal genötigt was zu schreiben ;).


    Ich bin zur persönlichen Überzeugung gelangt das unsere Diskussion in die falsche Richtung geht. Du postest sicherlich fundierte Fakten, bist von deiner Meinung überzeugt und kannst das auch stichhaltig belegen. Ich versuche das ganze zu wiederlegen indem ich ebenfalls Fakten poste die zeigen sollen das es auch ohne Tierversuche geht, bzw. den Nutzen dieser Tierversuche stark anzweifeln. Diese "Spiel" können wir bis zum Sankt Nimmerleinstag fortführen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen, bis vielleicht auf die Tatsache das die Gräben nur noch tiefer werden als diese ohnehin schon sind.


    Deshalb wil ich nochmal auf einen Punkt kommen, der mir eigentlich viel wichtiger war als die kalten Fakten, und das Abwägen von Nutzen bzw. Unnutzen von Tierversuchen. Wie ist eigentlich der moralische Status von Tieren und Menschen?


    Hier möchte ich kurz einen Artikel zitieren:


    "Die Antwort auf die Frage, ob Tierversuche ethisch vertretbar sind, ergibt sich nicht schon daraus, dass sie für viele Menschen (beispielsweise für Verbraucher oder Patienten) nützlich, vielleicht sogar lebensrettend, sind. Vielmehr muss gefragt werden, ob und inwiefern der menschliche Nutzen tierisches Leiden und Sterben rechtfertigt. Das hängt entscheidend davon ab, welchen moralischen Status Tiere im Vergleich zum Menschen haben."


    Und das ist denke ich der Punkt. Und das meine ich mit "in anderen moralischen Gefilden segeln". Ich habe da einfach andere Ansichten wie ihr, die mir es vielleicht nicht erlauben Tierversuche zu tolerieren. Ich will das ganze nicht bewerten, was vielleicht mein Versuch, und damit auch mein Fehler war. Denn wo zieht man die Grenze, ist ein Fötus schon ein Mensch, kann man Tiere (und auch Menschen) in Kategorien einteilen, höherstufen oder abwerten etc. Das sind alles Fragen die schwer, garnicht oder nur von einem selbst und in Eigenverantwortung zu beantworten sind.


    Ich habe meine Grenze gezogen, und diese denke ich auch begründet und vielleicht auch schon zu ausschweifend behandelt. Ihr habt eure gezogen, und das ebenfalls begründet. Und ich denke damit hat sich die Diskussion erschöpft. Man muss versuchen hier einen Konsenz zu finden, und der sieht im Moment nunmal so aus wie ihn aktuelle Richtlinien und Verordnungen darlegen. Damit kann man zufrieden sein oder eben auch nicht. Ich bin es nicht, und das trotz des wissens das es auch viel schlimmer aussehen könnte, und sicherlich Fortschritte in Sachen Tierrechte/Tierethik oder wie man es auch nennen mag, gemacht wurden.


    Gruss D-FenZ.

  • "Die Antwort auf die Frage, ob Tierversuche ethisch vertretbar sind, ergibt sich nicht schon daraus, dass sie für viele Menschen (beispielsweise für Verbraucher oder Patienten) nützlich, vielleicht sogar lebensrettend, sind. Vielmehr muss gefragt werden, ob und inwiefern der menschliche Nutzen tierisches Leiden und Sterben rechtfertigt. Das hängt entscheidend davon ab, welchen moralischen Status Tiere im Vergleich zum Menschen haben."


    Ich denke nicht, daß Du andere Ansichten vertritts wie wir ( Du meinst wahrscheinlich Einbauschrank und mich damit ), nur leider hatte sich die Diskussion ein wenig festgefahren, da stimme ich Dir zu.


    Zum Zitat oben: welchen Status haben Tiere im Vergleich zum Menschen. Da dies eine ethische Frage ist, können diese auch nur Menschen beantworten und die Antwort hängt meines Erachtens nach eindeutig von Faktoren ab, in denen sich der Mensch im Moment seiner Antwortgebung befindet. Gesunde Tierversuchsgegner können im Falle einer Erkrankung und eines mittels Tierversuchen gefundenen Medikamentes ganz schnell ihre Meinung ändern, da bin ich mir sicher.


    Zum Moralstatus an sich: jeder hier würde zwangsläufig ( oder aus dem Bauch raus ) ein Tier "höher" bewerten als eine Pflanze. Das macht man instinktiv, weil höhere Tiere Verhalten zeigen, Schmerz empfinden können ( gut, hängt auch von der Entwicklung ab ) und Pflanzen stehen auf deutsch gesagt nur "dumm" rum. Wer empfindet denn allen Ernstes Gewissensbisse, wenn er eine lästige Mücke erschlägt? Wer hat schon mal mit dem Auto ein Reh angefahren? Du siehst: die Sache ist nicht so einfach. Vielmehr würde ich nach dem Respekt vor dem Leben an sich fragen und das ist schon weitaus komplexer.

  • Weil wir kürzlich ja so intensiv über das "Schächten" diskutiert haben:


    Hier mal ein Beispiel für westlichen Umgang mit Tieren. Kann sich jeder selbst die Frage beantworten, ob wirtschaftliche Gründe besser sind, als religiöse Gründe. Da finde ich Schächten eigentlich ziemlich harmlos.


    ZEIT: Oberverwaltungsgericht: Kükenschreddern bleibt erlaubt.

    Das Oberverwaltungsgericht Münster billigte das Töten der Tiere, sofern dafür ein vernünftiger Grund vorliege, teilte der Senat mit. Die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken sei für die Brütereien mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand verbunden, lautet die Urteilsbegründung.




    Für die Produktion zum Beispiel von Frühstückseiern züchten die Betriebe Legehennen. Die dafür bevorzugte Hühnerrasse ist darauf getrimmt, möglichst viele Eier in kurzer Zeit zu legen. Bei der Zucht sortieren die Agrarunternehmen männliche Küken aus, da sie keinen Nutzwert haben – und auch für die Mast nicht genügend Fleisch ansetzen würden. Dadurch werden in Deutschland pro Jahr schätzungsweise 50 Millionen männliche Küken getötet.

    Es ist mir nicht klar, ob die Küken vorher betäubt werden. Lesen konnte ich davon jedenfalls nichts.


  • Isst jemand von euch Hähne? Nein? Sollen die Küken dann sanft in den Schlaft gewiegt werden bevor man ihnen das Genick bricht? Mit welcher Begründung sollte Schächten erlaubt bleiben, Schreddern aber nicht?


    Das ist doch auch so eine scheinheilige Diskussion die in den Medien hochgepuscht wurde, einfach weil Küken niedlich sind und schreddern fies klingt. Ich kenne mich da nicht aus, also hierzu bitte Einwürfe, aber gibt es denn eine schnelle und effektive Alternative die besser für die Tiere ist? Ich hab bisher über keine gelesen, also geht es ja wohl nur um die Effizient der bestehenden Maschinen? Man sollte also in jedem Fall die Tötungsquote auf 100% steigern und die Geschwindigkeit erhöhen und die Qualen für die Tiere zu minimieren oder?


    Denn falls es nicht darum geht und man generell gegen das schreddern ist, wäre die Lösung ja ganz einfach: Nur noch bestimmtes Fleisch kaufen von dem man die Herkunft genau kennt, dementsprechend teurer oder aber auf Fleisch verzichten. Wenn das alle machen würden die sich jetzt über das schreddern empören, dann gäbe es das Problem nicht.

  • Denn falls es nicht darum geht und man generell gegen das schreddern ist, wäre die Lösung ja ganz einfach: Nur noch bestimmtes Fleisch kaufen von dem man die Herkunft genau kennt, dementsprechend teurer oder aber auf Fleisch verzichten. Wenn das alle machen würden die sich jetzt über das schreddern empören, dann gäbe es das Problem nicht.

    Ich für meinen Teil lebe seit geraumer Zeit nach dem Motto weniger ist mehr. Ganz auf Fleisch kann ich nicht verzichten aber dafür gibt's eben nur noch 1-2x die Woche Fleisch das beim Metzger gekauft wird wo man im zweifelsfall alles bis zum Bauern zurück verfolgen kann. Fleisch von Lidl oder Aldi kommt nicht mehr auf den Tisch. Wenn man sich damit mal auseinander setzt hat man nicht mehr wirklich Lust auf Fleisch von den Discountern. Ich hab da auch eher das Problem mit der Tierhaltung als mit der Tötung der Tiere.


    Wenn alle auf weniger aber auf Qualitativ besseres Fleisch achten würden, würde sich sicher auch vieles an dem kranken Mastsystem ändern.


    PS: Da es hier um die "Abfallküken" ging, was denkt ihr was mit den ganzen "Abfallkälbern" bei der Milchproduktion passiert. Ein Kuh gibt nur Milch wenn sie "schwanger" ist. Will jetzt aber nicht zu weit ausholen mit der Milchproduktion.

  • Das Video ist wohl aus den USA. Geschreddert wird aber auch hier. Kam gestern in den Nachrichten.


    Bob hat aber nicht ganz unrecht. Sowas lässt sich bei der Massentierhaltung kaum verhindern.


    Zu den Discountern:
    500g Hühnerbrustfilet kosten da etwa zwischen 3,95
    € und 4,95 €. Preise von Lidl. Was kostet das dann beim Metzger? Hat jemand da Erfahrungswerte? Kann mich nicht erinnern überhaupt mal rohes Geflügelfleisch bei einem Metzger hinter der Theke gesehen zu haben, obwohl doch. Puten fürs Grillen gabs mal.


    Ich sehe das kritisch. Ich glaube viele Arbeitslose, Rentner usw. hätten durchaus ein Problem, wenn Fleisch bzw. Lebensmittel deutlich teurer würden.

  • Was kostet das dann beim Metzger? Hat jemand da Erfahrungswerte? Kann mich nicht erinnern überhaupt mal rohes Geflügelfleisch bei einem Metzger hinter der Theke gesehen zu haben, obwohl doch. Puten fürs Grillen gabs mal.



    Ich sehe das kritisch. Ich glaube viele Arbeitslose, Rentner usw. hätten durchaus ein Problem, wenn Fleisch bzw. Lebensmittel deutlich teurer würden.

    Da meine Mutter kein Schweinefleisch essen kann, wegen starken Rheuma-Problemen kauft Sie praktisch nur Geflügel (und selten Rind), auch zum Grillen, und meistens beim Metzger (eine Metzgertheke in einem türkischen Supermarkt hier).
    Die Preise sind gut, auch wenn Ich die genauen gerade nicht zur Hand habe. Werden später nachgereicht, sobald Ich meine Mutter erreiche.


    Die Sache mit den Schredder-Küken ist doch, das Ihr Fleisch praktisch gleich schmecken würde, Sie aber etwas länger brauchen um Schlachtgewicht zu erreichen. Ich bin fast sicher, das manche Leute auch etwas mehr bezahlen würden um Ihr gewissen zu erleichtern. Genauso wie manche ausschließlich grünen Strom nutzen oder auf ein eigenes Auto verzichten aus dem gleichen Grund.


    Gruß

  • Die Sache mit den Schredder-Küken ist doch, das Ihr Fleisch praktisch gleich schmecken würde, Sie aber etwas länger brauchen um Schlachtgewicht zu erreichen. Ich bin fast sicher, das manche Leute auch etwas mehr bezahlen würden um Ihr gewissen zu erleichtern. Genauso wie manche ausschließlich grünen Strom nutzen oder auf ein eigenes Auto verzichten aus dem gleichen Grund.

    Es gibt schon Betriebe, die ihre Eier und ihr Hühnerfleisch genau damit bewerben, nämlich dass die Hähnchen genauso mit aufgezogen werden. Vergleich mit den BIO-Eiern oder Freilandhaltung. Ist dann halt aber etwas teuerer.

  • Isst jemand von euch Hähne?

    Ja. Hähne, Hühner, etc. - Broiler im Osten, Grillhähnchen im Westen, Brathendl im Süden etc.; das sind dann Hühnerrassen, die so gezüchtet wurden, dass sie besonders viel Fleisch ansetzen. Die geschredderten Kücken sind die männlichen Exemplare von Hühnerrassen, die speziell zum Eierlegen gezüchtet worden sind. D.h. Fokus wurde auf die Fähigkeit Eierlegen gerichtet. Die Legehennen legen dann so viele Eier, dass sie gegen "Lebgensende" an Knochenschwund leiden. Es wurden auch Hühnerrassen gezüchtet, die einen Kompromiss darstellen, mehr Fleisch als ein Legehuhn, mehr Eier als ein Fleischhuhn, aber eben von beiden nicht so viel, wie die jeweils spezialisierten Exemplare. Setzt sich aber scheinbar nicht durch, wegen der Kosten.



    Ganz auf Fleisch kann ich nicht verzichten aber dafür gibt's eben nur noch 1-2x die Woche Fleisch das beim Metzger gekauft wird wo man im zweifelsfall alles bis zum Bauern zurück verfolgen kann.

    Was kostet das dann beim Metzger? Hat jemand da Erfahrungswerte? Kann mich nicht erinnern überhaupt mal rohes Geflügelfleisch bei einem Metzger hinter der Theke gesehen zu haben, obwohl doch. Puten fürs Grillen gabs mal.

    Gibt es schon beim Metzger: Putenkeule, -schnitzel, -brustfilet, -rollbraten, -hack und Hühnerschenkel, -schnitzel, -brustfilet, -innereien etc.; auch diverse Aufschnitte und Streichwürste aus dem Fleisch. Allerdings kann man das auch nicht immer auf den Bauernhof zurückverfolgen. Kein Metzger kann mit dem Sortiment auf das er spezialisiert ist sämtliche Kundenansprüche abdecken, er wird daher auch vieles bei Großbetrieben kaufen und anbieten, gerade was Wurst angeht. Bei Fleisch kann man immerhin noch darauf schauen, dass es von regionalen Erzeugern kommt.

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    And before he died, Taran-Ish had scrawled upon the altar of chrysolite with coarse shaky strokes the sign of DOOM.

  • Ja. Hähne, Hühner, etc. - Broiler im Osten, Grillhähnchen im Westen, Brathendl im Süden etc.; das sind dann Hühnerrassen, die so gezüchtet wurden, dass sie besonders viel Fleisch ansetzen. Die geschredderten Kücken sind die männlichen Exemplare von Hühnerrassen, die speziell zum Eierlegen gezüchtet worden sind. D.h. Fokus wurde auf die Fähigkeit Eierlegen gerichtet. Die Legehennen legen dann so viele Eier, dass sie gegen "Lebgensende" an Knochenschwund leiden. Es wurden auch Hühnerrassen gezüchtet, die einen Kompromiss darstellen, mehr Fleisch als ein Legehuhn, mehr Eier als ein Fleischhuhn, aber eben von beiden nicht so viel, wie die jeweils spezialisierten Exemplare. Setzt sich aber scheinbar nicht durch, wegen der Kosten.


    Gibt es schon beim Metzger: Putenkeule, -schnitzel, -brustfilet, -rollbraten, -hack und Hühnerschenkel, -schnitzel, -brustfilet, -innereien etc.; auch diverse Aufschnitte und Streichwürste aus dem Fleisch. Allerdings kann man das auch nicht immer auf den Bauernhof zurückverfolgen. Kein Metzger kann mit dem Sortiment auf das er spezialisiert ist sämtliche Kundenansprüche abdecken, er wird daher auch vieles bei Großbetrieben kaufen und anbieten, gerade was Wurst angeht. Bei Fleisch kann man immerhin noch darauf schauen, dass es von regionalen Erzeugern kommt.

    Im Fernsehen habe ich einmal eine Doku gesehen in der es um Fleisch, Mast etc ging. Die "Modernen Masthühner" wachsen so schnell das die Knochen gar nicht hinterherkommen mit dem Wachsen. Die Hühner können sich gar nicht mehr allein auf einer ganz normalen Hühnerstange halten weil der Knochenbau so weich ist.


    Die meisten Metzgereien beziehen ihr Fleisch aus den Städtischen Großschlachtereien, die wenigsten Schlachten noch selber. Aber es reicht schon wenn man bei den Regionalen Metzgern mal auf die HP schaut um zu sehen ob er seine Fleischquellen angibt. Bei den Metzgern die in der Hinsicht Transparent sind kaufe ich mein Fleisch. Wobei es 100% Sicheheit natürlich nicht gibt ausser man betreibt selber Viehzucht und schlachtet selber.

  • So nochmal grobe Preise für Metzgergeflügel.


    Puten-Schenkel, mariniert und vorbereitet zum Grillen zwischen 4 u. 5 € pro Kilo, wo dann noch Knochen mit drin sind.
    Hühner oder Puten-Spieße mit Brustfleisch ebenfalls Grillfertig etwa 8 € pro Kilo.
    Anderer Kram, je nach Stück dazwischen.


    Wurst etc. holt man eher abgepackt, und das ist etwas teurer wie Schwein.


    Gruß

  • Geht es dabei nicht auch um Eier?


    Ein grossteil der produzierten Eier landet afaik in der Industrie um weiterverarbeitet zu werden (Nudeln, Kuchen, Fertigessen usw. ). Während es beim Endkunden auf ein paar cent pro Ei nicht so ankommt, geht es bei der industrie um bruchstücke von cents die darüber entscheiden was er wo kauft, was eigentlich immer Käfighaltung bedeutet.


    Wenn man als Endkunde ein Zeichen gegen das schreddern von Küken und quälerische Tierhaltung setzen will, reicht es nicht, hochwertigeres Fleisch bzw. Eier aus dem Dorf (in meinem Heimatdorf kaufen wir die immer beim Schuster ...) zu kaufen.


    Man müsste auf alles verzichten wo Eier drin verarbeitet werden.

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