Konflikt um Bergkarabach

  • Vor allem bezweifle ich bei dem ganzen, dass Armenien aufgeben wird, da sie einen zweiten Völkermord bzw. ethnische Säuberungen befürchten. Die Armenier werden sich so gut sie können widersetzen.

    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
    aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."
    - Albert Einstein


    "Kirche und Naturwissenschaften haben soviel miteinander zu tun wie Gruppensex und Bratkartofflen"
    -Werner Gruber

  • Ein russische Hind Helikopter soll im armenischen Luftraum, nahe der Grenze zu den umkämpften Gebieten, durch Manpads abgeschossen worden sein. Der Helikopter hat einen russischen Militärkonvoi begleitet.


    Meldung laut Russischen MoD in verschiedenen russischen Medien.


    Edit: Azerbaidschan hat den Abschuss offiziell bestätigt, und sich bei Russland entschuldigt.

  • Anscheinend steht die armenische Enklave Bergkarabach kurz vor dem Fall. Die Hauptstadt Stepanakert ist angeblich weitgehend evakuiert worden. Die Armenier hätten in den vergangenen Wochen große Verluste durch aserbaidschanische Drohnenangriffe zu verzeichnen und seien kaum noch in der Lage das Gebiet zu halten. Die zweitgrößte Stadt Bergkarabachs sei bereits in den Händen Aserbaidschans.

  • Was mich etwas schockiert hat, ist wie egal dieser Krieg der Weltöffentlichkeit zu sein scheint. Online findet man gefühlt alle paar Tage mal einen Artikel. In den TV-Nachrichten (die ich derzeit zugegebenermaßen nur unregelmäßig verfolge) scheint das Thema auch kaum präsent.


    Aber es wirkt jetzt so, als hätte die technologische Überlegenheit sich für Aserbaidschan ausgezahlt, es gab bei Beginn der Kämpfe ja durchaus Zweifel am Erfolg des Angriffs.

  • Naja, Armenien hatte die Enklave Bergkarabach ja völkerrechtswidrig von Aserbaidschan erobert und den verbindenden Landstrich besetzt. Das ist nie international anerkannt worden. Schwierige Kiste. Da regierte defacto das Recht des Stärkeren.

  • Naja, Armenien hatte die Enklave Bergkarabach ja völkerrechtswidrig von Aserbaidschan erobert und den verbindenden Landstrich besetzt.


    Bergkarabach hat sich 1991 nach (zu diesem Zeitpunkt noch geltenden) sowjetischem Recht von Aserbaidschan unabhängig erklärt.


    Somit hat Aserbaidschan völkerrechtlich eigentlich keinerlei Anspruch auf die Region.

  • Aber es wirkt jetzt so, als hätte die technologische Überlegenheit sich für Aserbaidschan ausgezahlt, es gab bei Beginn der Kämpfe ja durchaus Zweifel am Erfolg des Angriffs.

    Aserbaidschan hat neben einem 4 mal so hohen BIP (dank Öl- und Gasvorkommen) auch eine dreimal so große Bevölkerung und dazu noch die Unterstützung der Türkei, die fleißig Waffen und Söldnern liefert.
    Daraus hat sich eine in den vergangenen Jahren immer größer werdende militärische Überlegenheit ergeben, und scheinbar hat der Diktator von Aserbaidschan sich jetzt entschieden, diese einzusetzen, und hat sich dafür wahrscheinlich auch das OK aus dem Kreml geholt.
    In der Situation Armenien möchte man dann echt nicht sein, eigentlich hatte man dort durchaus auf Russland als Schutzmacht gesetzt, diesem Bündnis hat man auch eine Annäherung an die EU geopfert.

  • Bergkarabach hat sich 1991 nach (zu diesem Zeitpunkt noch geltenden) sowjetischem Recht von Aserbaidschan unabhängig erklärt.


    Somit hat Aserbaidschan völkerrechtlich eigentlich keinerlei Anspruch auf die Region.

    Sowohl die OSZE, als auch die EU, als auch die UNO sehen das anders. Alle drei betrachten Bergkarabach als legitimen Teil Aserbaidschans und haben Armenien mehrfach aufgefordert, die „Okkupation“ zu beenden und Bergkarabach an Aserbaidschan zurückzugeben. Die sogenannte „Republik Arzach“ ist nie offiziell anerkannt worden (übrigens selbst von Armenien nicht).
    Das erklärt, warum der Westen hier derart still hält. Im Grunde sieht man es wohl so, dass Aserbaidschan einen eigenen Landesteil zurückerobert, der ihm widerrechtlich genommen wurde. Zudem liefert Aserbaidschan Öl und Erdgas via Pipeline in die EU.

  • Sowohl die OSZE, als auch die EU, als auch die UNO sehen das anders. Alle drei betrachten Bergkarabach als legitimen Teil Aserbaidschans und haben Armenien mehrfach aufgefordert, die „Okkupation“ zu beenden und Bergkarabach an Aserbaidschan zurückzugeben. Die sogenannte „Republik Arzach“ ist nie offiziell anerkannt worden (übrigens selbst von Armenien nicht).
    Das erklärt, warum der Westen hier derart still hält. Im Grunde sieht man es wohl so, dass Aserbaidschan einen eigenen Landesteil zurückerobert, der ihm widerrechtlich genommen wurde. Zudem liefert Aserbaidschan Öl und Erdgas via Pipeline in die EU.

    Stimmt zwar, aber vermutlich gibts danach erstmal groß angelegte Vertreibungen der ehemaligen Einheimischen. Ich kann schon verstehen, dass die Armenier dort wenig Bock darauf haben unter einer Diktatur zu leben, in der ethnische Minderheiten scheiß egal sind. Der Genozid an den Armeniern ist auch nicht vergessen. Natürlich haben die sich dann eher Armenien zugehörig gefühlt.

  • Jo. Andererseits haben die Armenier die Aserbaidschaner in den 90ern ebenfalls vertrieben. Tendenziell neigen wir glaube ich zu Sympathien, weil Armenien eben christlich, Aserbaidschan aber muslimisch ist. Das beste wäre, beide Seiten könnten einen Frieden und Aussöhnungsprozess beginnen. Aber das lässt die Mentalität vor Ort wohl noch nicht zu. Und die Republik Arzach ist nie international anerkannt worden.

  • Jo. Andererseits haben die Armenier die Aserbaidschaner in den 90ern ebenfalls vertrieben. Tendenziell neigen wir glaube ich zu Sympathien, weil Armenien eben christlich, Aserbaidschan aber muslimisch ist.

    Die Abneigung gegenüber Azerbaidschan ist aber auch dadurch begründet, dass die Türkei am Krieg beteiligt ist und die Türken in den letzten Jahren nie einen Hehl daraus gemacht haben, wie abgrundtief sie die Armenier hassen und wie toll sie den Völkermord an diesen immer noch finden.


    Alle Armenier in Bergkarabach verbrennen momentan ihre Häuser und fliehen, weil die türkischen Söldner anrücken und drohen, jeden Armenier zu ermorden, der nicht rechtzeitig fliehen konnte.

  • Jo. Andererseits haben die Armenier die Aserbaidschaner in den 90ern ebenfalls vertrieben.

    Was genau so scheiße ist, aber die aktuelle Situation in keiner Form besser macht.

    Tendenziell neigen wir glaube ich zu Sympathien, weil Armenien eben christlich, Aserbaidschan aber muslimisch ist.

    Mag sein, dass das eine Rolle spielt. Aber ich glaube die Internationalen Sympathien würden auch nicht bei einem Diktator liegen, der von einem zweiten Möchtegerndiktator mit Waffen und Söldnern unterstützt wird und auf dem besten Weg zu Vertreibung und Völkermord ist, wenn er ein Christlicher Diktator wäre.
    Wenn auf dem Berg in Mehrheit Muslime leben würden die um ihr leben fürchten müssen weil die Armenier sie massakrieren und vertreiben wollen, fände ich es zumindest ebenso schlimm.


    Mag ja sein, dass Aserbaidschan hier völkerrechtlich nur sein Gebiet verteidigt, die Menschen auf beiden Seiten gestorben sind oder alles verlieren hätten vermutlich trotzdem weiterhin den Status Quo bevorzugt.

  • Die Aserbaidschaner haben mit Hilfe der Türkei einen modernen Drohnen-Krieg geführt. Auf den offiziellen Videos kann man sehen, wie sie armenische Panzer, Artillerie, Bunker, Fahrzeuge, Stellungen, Munitionsdepots und Infanterietrupps nahezu verlustfrei zu Dutzenden, wenn nicht sogar tausenden, mit Drohnenraketen in die Luft sprengen. Die Armenier ahnen meistens nicht einmal etwas von den Drohnenangriffen. Vernichtung aus heiterem Himmel. Die Aserbaidschaner und Türken haben ihre Lektion aus der US-Kriegführung gelernt. Der Krieg muss für die Armenier der Horror gewesen sein. Praktisch kaum eine Möglichkeit ihrer Seite, sich dagegen zu schützen, weil sie offenbar kein Mittel gegen die Drohnen hatten.


    Hat die Bundeswehr dagegen etwas flächendeckend in der Hand? Ich denke diesen Konflikt werden sich die globalen Militärstrategen noch sehr genau ansehen. Ein neuer Blitzkrieg. Ob Griechenland und die griechische Marine aktuell ausreichend gegen solche Kriegsführung vorbereitet ist? - Das könnte für Erdogan auch nur ein äußerst erfolgreicher Testlauf gewesen sein.


    https://www.meta-defense.fr/de/2020/10/12/Türkische-Drohnen-erhalten-eine-Satellitenverbindung-und-ziehen-Kunden-an/


    Offenbar rüsten die Russen nun Armenien ebenfalls mit modernen Drohnen und Drohnenabwehr nach.


    https://www.tagesschau.de/ausl…-drohnen-raketen-101.html

  • Bei der Bedeutung der Drohnen wäre ich erstmal skeptisch. Zu Aufklärungszwecken sind sie natürlich genial (und wurden in dieser Rolle von beiden Seiten eingesetzt), als Waffenträger können sie aber nichts, was man mit anderen Systemen (Jagdbomber, Hubschrauber, Artillerie) nicht ebenfalls erreichen könnte, sie machen es halt teils billiger als bemannte Flugzeuge.


    Armenien hatte halt allgemein das Problem, dass die Azeris mit deutlich mehr und deutlich moderneren Waffensystemen angetreten sind, seien es Panzer, Artillerie oder eben Luftfahrzeuge (bemannt und unbemannt).




    Was die Bundeswehr angeht: Der Gepard wurde Anfang der 2000er aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, das Heer hat damit gegen diese Kategorie von Ziel eigentlich nur noch tragbare Flugabwehrraketen vom Typ Stinger. Bei der Luftwaffe sieht es hingegen deutlich besser aus, ein Ziel wie die türkische TB2 (die von Aserbaidschan eingesetzte Kampfdrohne) wäre für einen Eurofighter leichte Beute, wenn man nicht gleich die Flugplätze ausschaltet, von denen sie operieren.

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