Europe Or Die

  • Auf der anderen Seite hast du dann für die Antike Karthago und einige mehr unterschlagen.
    Karthago auch nicht afrikanisch genug?

    Ich würde für die Antike gar nicht von Europa, Asien und Afrika sprechen, weil dabei zu sehr die heutige Welteinteilung mitschwingt. Besser fände ich es, wenn man vom Mittelmeerraum spricht. Karthago war eine phönizische Gründung und vermutlich wurde da, auch aufgrund des Handels, sehr viel aus den unterschiedlichsten Regionen. Sub-Sahara-Afrika ist davon ja durch die Wüste abgetrennt gewesen. Verbindungen nach Süden gab es meines Wissens v.a. zwischen Ägypten und Äthiopien, dort gab es ja dann auch wieder den Zugang vom roten Meer.



    durch ein wenig über den Tellerrand und eigenen Anstrengungen soviel an Wissen aneignen kann das man eigenen negative Meinungen (von was auch immer) zumindest teilweise überprüfen und infrage stellen kann

    Lesen kann man viel. Das bedeutet dann aber weder, dass man etwas auch tatsächlich weiß, noch, dass man das etwas dann auch noch verstanden hat oder gar die richtigen Fragen stellt.

    ___ ___ ___ ___ ___

    And before he died, Taran-Ish had scrawled upon the altar of chrysolite with coarse shaky strokes the sign of DOOM.

  • Also korrupte Regierungen in Afrika sollen einfach aufhören korrupt zu sein?

    Glaubst du Afrikas Situation verbessern zu können, ohne dass die Regierungen ihre Korruption beseitigen?


    Schulbildung ist ja bspw. kein Hexenwerk. In Preußen hat es angefangen unter Friedrich Wilhelm I mit der Schulpflicht für alle Kinder und Veteranen und Pfarrern als ersten Lehrern.

  • Du sagst es. Aber sie hätten heute ungleich bessere Möglichkeiten ihre Länder zu entwickeln, als Preußen diese im frühen 18. Jahrhundert hatte. Was war denn das Kapital der Preußen damals um 1717? Doch wohl vor allem ihre Mentalität, die ihnen half aus schlechten Bedingungen (Sand- und Moorböden) trotzdem einen prosperierenden Staat aufzubauen. Schritt für Schritt. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges lagen auch noch nicht lange zurück. Der Staat war verschuldet usw.. Bis dann ein König auftaucht, der mit der allgemeinen Verschwendung bricht und sparsam in den Staat investiert und reinvestiert.
    Auf Afrika übertragen hieße das heute: Teure Staatskarossen und Privatjets verkaufen, Schweizer Bankkonten schließen und Gelder zurück ins Land holen, Repräsentationsbauten verkaufen, die Kosten der Staatsführung minimieren. Gelder stattdessen in Dorfschulen und Arztpraxen investieren. Die Bauern zur Landgewinnung ermutigen durch finanzielle Anreize. Ehemalige Veteranen und Kämpfer als Bauern mit Land versorgen oder als Lehrer ausbilden und ihnen ein bescheidenes Einkommen zahlen. Korruption hart bekämpfen. Strenge Gesetze erlassen und diese konsequent durchsetzen. Straßen und Schienen ausbauen. Handelsverträge möglichst so gestalten, dass die Gewinne anteilig ins Land zurückfließen.

  • In Preußen gab es nicht viel zum ausbeuten. Nur Sand, Kiefern, arme Bauern und sumpfige Böden.


    Als Preußen dann wohlhabend wurde, hat es sich eine derart starke Armee aufgebaut, dass die Nachbarn wie Schweden, Österreich, Dänemark oder Frankreich es nicht mehr einfach so ausbeuten konnten. Ähnlich wie später Japan oder heute Israel das ja auch gemacht haben.

  • Die neue rechtspopulistische Regierung in Italien scheint ja ernst zu machen und hat zum ersten Mal einem Rettungsschiff - der Aquarius von Ärzte ohne Grenzen glaube ich - mit mehreren hundert Flüchtlingen an Bord das anlanden an einen italienischen Hafen verweigert. Zwar hat sich Spanien bereiterklärt die Menschen aufzunehmen, aber als eine generelle Erlaubnis für die Zukunft ist das sicher nicht zu verstehen.


    Bleibt abzuwarten, wie sich die Situation im Mittelmeer weiterentwickelt. Von der rechten Regierung in Rom braucht man sicher nichts erwarten. Teilweise kann ich Italien verstehen, es wurde ja schon Ewigkeiten mit dem Flüchtlingsproblem von den anderen EU-Staaten allein gelassen, aber auf der anderen Seite ist es natürlich inhuman.


    Aber mir würde es vielleicht auch ein stückweit auf die Nerven gehen, wenn mir Hilfsorganisationen aus aller Welt ständig tausende Migranten in meinen Häfen absetzen und dann wieder auf Meer schippern, um die nächsten tausend Migranten aufzuslesen, die die Schlepper auf dem Wasser positioniert haben.

  • Libyen haben wir (diesmal muss man Deutschland was den Krieg angeht mal ausnehmen) auch im Stich gelassen. Kurz den Diktator weggebombt und das reinste Chaos hinterlassen. Kommt jetzt nicht alle Tage vor, dass der Papst von KZs spricht. Außerdem sind diese Länder nicht Teil der EU und des Dublin-Abkommens.

  • Libyen haben wir (diesmal muss man Deutschland was den Krieg angeht mal ausnehmen) auch im Stich gelassen. Kurz den Diktator weggebombt und das reinste Chaos hinterlassen. Kommt jetzt nicht alle Tage vor, dass der Papst von KZs spricht. Außerdem sind diese Länder nicht Teil der EU und des Dublin-Abkommens.

    Das stimmt, aber die Seenotrettung hat ja mit dem Dublin Abkommen nichts zu tun. Um dieser gerecht zu werden würde es ausreichen die geretteten Menschen an den nächstgelegenen Hafen zu bringen auch wenn der in Lybien oder Tunesien liegt. Nirgendwo steht geschrieben das (in internationalen Gewässern) aus Seenot gerettete Menschen einen Anspruch darauf haben in ihr Wunschland gebracht zu werden.


    "Telling an atheist they're going to hell is as scary as a child telling an adult they're not getting any presents from Santa"

    -Ricky Gervais-


    "Arbeiten im Büro das ist wie Sex in der Ehe, am Anfang gibt man sich Mühe und hat Spaß und nach ein paar Jahren macht man immer das selbe und ist einfach nur froh wenn Feierabend ist"


    -Bernd Stromberg- :thumbsup:

  • Bei Afrika muss man stark differenzieren. Ich kann vor allem für die ökonomische und politische Situation sprechen. Diesbezüglich ist Afrika aber sehr eindeutig in drei Teile gespalten:


    - Nordafrika
    - Subsahara/Zentralafrika
    - Südafrika mit Anrainerstaaten (v.a. Namibia und Botswana).


    Nordafrika ist auf einem sehr guten Weg. Die Lebensumstände haben sich speziell in den Ländern des Maghreb (plusminus auch in Ägypten) in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert (höhere Einkommen, verbesserte Gesundheitssysteme, sinkende Geburtenraten, etc, etc.). Auch wirtschaftlich gehts da vorwärts, es wird investiert.


    Deshalb kann man vor allem Tuniesen, Marokko und Algerien eigentlich aus dem "Problembereich" im Sinne dieses Threats (Europe or die) ausklammern. Aus diesen Ländern ist nur schon aus demografischer Sicht nicht mehr sonderlich viel zu erwarten. Tunesiens Bevölkerung wird bsp. bald anfangen zu altern (ähnlich wie die Bevölkerungen der westeuropäischen Länder). Der Prozess nach dem Motto "Bessere Lebensumstände => sinkende Geburtenraten => Stabilisierung" beginnt in Nordafrika also bereits durchzudrücken. Oder anders formuliert: Solange es nicht zu einer Katastrophe kommt (bsp. Bürgerkrieg) wird der demografische Druck aus diesen Ländern - der jetzt bereits verhältnismässig marginal ist - weiter nachlassen, weil die Ökonomien dieser Staaten ihre Arbeitskräfte für den eigenen Markt brauchen. Auch nicht zu vernachlässigen ist der stetige Transfer von Geld der europäischen Maghreb-Diaspora in diese Staaten (v.a. aus Frankreich). Dasselbe gilt übrigens auch für die Türkei, die rein demografisch gar nicht mehr dazu in der Lage ist, ein Bedrohungsszenario für Europa darzustellen. Da kann der Erdogan poltern wie er will, für ein neues Osmanisches Reich fehlen ihm die potenziellen Soldaten...


    Ein "Brain Drain" ist nicht im Interesse dieser Staaten. Das regelt sich also wohl über kurz oder lang von selber. Ähnlich sieht es in Südafrika und seinen Anrainerstaaten aus, wobei der Staat Südafrika dort natürlich das Zugpferd dieser Entwicklung ist.


    Dazwischen präsentiert sich die Lage anders. Soweit ich es überblicken kann, existieren dort strukturelle, ethnisch-politische (basierend auf willkürlicher Grenzziehung während der Kolonialzeit) und (das wird oft vergessen) klimatische Probleme, die nicht so einfach zu lösen sind und die eine Entwicklung wie in Nordafrika oder Südafrika bremsen. Aber nicht verunmöglichen!


    Es gibt durchaus "bright glimpses", bsp. Staaten wie Gabun oder sogar das noch vor wenigen Jahren total bürgerkriegszerstörte Angola, die ein relativ hohes BIP und beeindruckende Wachstumsraten haben. Was ihnen aber noch fehlt ist schlichtweg die politische Erfahrung und vor allem die nötige Infrastruktur.


    Gabun ist beim BIP zum Beispiel auf Niveau von Argentinien, was aber fast niemand realisiert (die meisten Europäer meinen, dass da nur Dschungel und Ebola ist...)!


    Der relative Wohlstand verteilt sich aber leider nur sehr ungleichmässig, weil vorab vor allem jene profitieren, die im Ölgeschäft tätig sind. Das Land arbeitet aber rasant an der Diversifizierung, nicht zuletzt Dank Hilfe aus China. Die Chinesen vollbringen in Afrika generell eine enorme Aufbauarbeit, vor allem was die Infrastruktur angeht. In Europa wird das aber zumindest auf politischer ebene kaum gewürdigt, weil man gegenüber China derart mit moralisieren beschäftigt ist, dass man völlig den Blick für die Realität verloren hat.


    Angola wiederum ist eines der fruchtbarsten Länder der Welt. Es gibt Studien die belegen, dass Angola - mit einer einigermassen gut gesteuerten Agrarpolitik - einen grossen Teil der Bevölkerung des afrikanischen Kontinents ernähren könnte. Angola ist auf einem guten Weg: Es hat derzeit das höchste Wirtschaftswachstum Afrikas und die Regierung arbeitet daran, die bis anhin stark auf Erdöl und Landwirtschaft fokussierte Wirtschaft zu diversifizieren. Die Angolaner machen das sehr clever, aber halt auf ihre eigene Weise. Sie arbeiten mit China oder der USA in gleicher Weise zusammen, wie mit den europäischen Staaten. Sogar mit der ehemaligen Kolonialmacht Portugal hat sich ein positiver Transfer von Wissen und Know-How entwickelt, mehr als 20 000 Portugiesen sind in den letzten Jahren aus wirtschaftlichem Antrieb nach Angola ausgewandert (!). Und alles wunderbar unideologisch und moralinbasisch.


    Die Frage ist nun: Wie lässt sich das ausweiten?


    Ich bin davon überzeugt, dass es funktionieren wird und dass wir bereits mitten in diesem Prozess stecken, der Afrika letztlich viel schneller als alle denken vorwärts bringen wird. Ich teile die negativen Einschätzungen diesbezüglich nicht.


    Wie weitermachen?


    Einfach die Türe zuzuschlagen und nichts mehr zu tun wäre blödsinnig. Das ist reine Sandkasten-Theorie. Millionen an Hilfsgeldern via NGOs in diese Staaten zu transferieren ist aber auch dumm. Das führt nachweislich nicht zu nachhaltiger Entwicklung, diesen Tatbeweis haben 30 Jahre unkontrollierte und unreflektierte Entwicklungshilfe längst erbracht..


    Was hilft sind wirtschaftlich ausgewogene Kooperationsverträge, Handelsverträge und Investitionen (die sich auch reinvestieren).


    Heisst: Die erste Welt darf und muss in Afrika Geschäfte machen. Sie darf dabei sogar Profit machen (das gehört zur Marktwirtschaft dazu). In vielen Ländern Afrikas gibt es bereits sehr viele positive Beispiele dafür.


    Aber: Diese Kooperationen sollen verdammtnochmal endlich auf Augenhöhe stattfinden und zwar auch im öffentlichen Diskurs. Sprich: Nicht jede Firma, die in Afrika investiert und Geschäfte macht soll gleich automatisch in den Verdacht kommen, die arme Bevölkerung dort auszubeuten. Anders herum müssen die Europäer von ihrem hohen Ross herunterkommen und damit aufhören, Zentralafrika nur als dunklen Dschungel zu betrachten, in dem nur Kriege und Seuchen toben. Und sie müssen aufhören die Afrikaner zu bescheissen und zu benachteiligen. Das gilt nicht zuletzt auch für die EU.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!