Chinas Frühling? Eine rote Sonne geht auf?

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    • SnaxeX schrieb:

      John, machst du dich da nicht selber etwas fertig, wenn du bewusst dir die ganze Zeit solche Meldungen anschaust? Ich mein, in Österreich gibts keine einzigen Infizierten und auch keine weitere Rückholaktionen, von daher sehe ich da relativ entspannt - sollen die Leute sich ruhig alle anstecken bei uns, aber wenn die Todesrate nicht hoch ist (was man ja mittlerweile gemerkt hätte, wenn dem nicht so wäre) - was soll ich mir da groß Gedanken machen?

      Versteht mich nciht falsch, für die Betroffenen in China, die nicht rausgehen dürfen, eine mangelnde Versorgung haben und darunter schwer leiden ist das natürlich kacke - so wie es aber jedes, größere Ereignis ist (egal ob Krankheit, Sturm etc.). Ich seh aber jetzt nicht, wie dasselbe bei uns passieren soll, alleine die Menschendichte in China ist ja wesentlich höher als bei uns. Von daher...
      ... hast du dich nicht genügend mit den Zahlen auseinandergesetzt. ;)

      Ist es denn deiner Meinung nach eine Lösung, offizielle Zahlen einfach zu ignorieren? Inwiefern löst das jetzt was? Außer dass es dabei hilft, unangenehme Gedankengänge zu verdrängen?

      Dass mich das „fertig machen“ würde, ist ja eine Zuschreibung von dir. Ich bin zur Zeit, was mich persönlich betrifft, ziemlich gelassen, wundere mich aber dennoch über die ausgeprägten Scheuklappen in unserer Gesellschaft. Frei nach dem Motto: „Solange wir das Ganze harmlos nennen, bleibt es auch harmlos.“ Mir stellt sich aber die Frage, warum du davon ausgehst, dass mich das fertig machen würde? Projizierst du da vielleicht deine eigene tieferliegende Furcht etwas auf mich?

      Auf der einen Seite warnt die WHO vor einer Pandemie und spricht von einer Gefahr für die Welt. Das Robert-Koch-Institut warnt vor einer Pandemie und einer Überforderung der Gesundheitssysteme selbst in entwickelten Ländern. Parallel dazu gehen uns bereits jetzt global die Medikamente in allen möglichen Bereichen aus. Es gibt einen globalen Mangel an medizinischer Schutzbekleidung. Ganze Produktionsketten in der Wirtschaft liegen bereits lahm. Auf der anderen Seite ist auch in Zahlen bisher keine irgendwie geartete Rückläufigkeit der Seuche zu erkennen. Ganz im Gegenteil, die Infiziertenraten und Todeszahlen steigen tagtäglich immer schneller an und übertreffen all zu häufig die Prognosen der vorherigen Schätzungen. Und das ist keine Dramatisierung, sondern schlichtweg der aktuelle Zahlenstand (Der vermutlich sogar nur die Spitze des tatsächlichen Problems darstellt, wie die WHO vermutet.).
      Dann zum Thema die Todesrate sei nicht hoch. Du meinst 2,3% Sterberate wäre nicht viel? Bei 16 Patienten sind das 0 Tote. Kein Grund zur Sorge. Bei 60.000 ca. 1380 Tote. (Bedauerlich, aber ist ja weit, weit weg in China...) Bei hypothetischen 40 Millionen Infizierten in Eurasien wären es bereits 920.000 Tote. Und bei sagen wir mal global 2 Milliarden Infizierten wären es bereits 46 Millionen Verstorbene, bei jetziger offizieller Sterberate. Das wäre dann schon verdammt viel. Zumal die Überlebenden momentan in China (wie Studien nahelegen) häufig auch nur durch extrem aufwändige intensivmedizinische Maßnahmen wie mehrfache Dialyse/Blutwäsche, künstliche Beatmung usw. gerettet werden konnten und teilweise trotzdem bleibende Schäden behalten haben. Und es sterben auch nicht nur alte Menschen. Der jüngst verstorbene Arzt, der zuerst vor dem Virus warnte war gerade mal 34 Jahre alt. Man muss zudem davon ausgehen, dass in Afrika oder Indien und Südamerika die Gesundheitssystem noch viel weniger gut auf einen Ausbruch reagieren könnten, was dann vermutlich auch eine deutlich erhöhte Todesrate dort zur Folge hätte inklusive einer erhöhten Gefährdung Europas durch die unerkannte Verbreitung des Virus über illegale Einwanderungsrouten.
      Solange es keine konkreten Anzeichen dafür gibt, dass sich die globale Ansteckungsrate deutlich verringert, ist es einigermaßen blauäugig, sich mit den derzeit noch niedrigen hiesigen Fallzahlen zu beruhigen, wie du das im Beispiel Österreichs da machst. Das sagt im Grunde noch gar nichts aus, außer, dass die Zeit eben noch nicht weit genug vorangeschritten ist, um der Seuche zur weiteren Ausbreitung zu verhelfen. Wir sind ja gerade mal erst in der 11. Woche, seitdem die Krankheit überhaupt zum ersten Mal durch Ärzte bei Patienten beschrieben und erkannt wurde. Daran erkennt man auch, wie schnell sich die Seuche aktuell bereits verbreitet. In weniger als 11 Wochen hat sie bereits nahezu jeden Kontinent erreicht.
      Das Einzige womit man sich vielleicht zur Zeit noch beruhigen kann ist, dass die Seuche außerhalb Chinas noch nicht die kritische Infiziertenmenge erreicht zu haben scheint, die für ein exponentielles Ansteigen der Fälle auch dort sorgen würde. Andererseits ist aber womöglich auch noch gar nicht jeder Fall in Afrika, Indien oder sonstwo auf der Welt bekannt, weil dort schlichtweg die Tests zur Analyse und Bestimmung gar nicht vorliegen. Gerade die bisherige Nichtverbreitung nach Afrika muss verwundern, in Anbetracht der zehntausenden chinesischen Leiharbeiter, die dort im Namen Chinas riesige Infrastrukturprojekte aus dem Boden stampfen. Schon in China reichen die Testmittel zur Bestimmung des Virus ja bisher nicht aus und die USA haben kürzlich festgestellt, dass ihre Tests nur unzureichend funktionieren und das Virus in 1/3 der Fälle garnicht erkennen. In Afrika gibt es vielfach schlichtweg keine Tests und ob in Indien bspw. jedem Toten „Unberührbaren“ auf der Straße genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird, darf man schon bezweifeln.

      Die Tatsache, dass bisher nur eine Person in Österreich und nur 16 Personen in Deutschland infiziert sind, ist für sich genommen also leider noch kein Grund die Seuche als harmlos zu betrachten, sondern ist bisher wohl eher auf den bisherigen noch sehr knappen Zeitfaktor von nur 11 Wochen zurückzuführen und auch die fehlenden Toten in Europa fallen hier noch vollkommen in den statistischen Rahmen der bisherigen chinesischen Zahlenwerte und stellen nicht etwa eine positive Abweichung davon dar.

      Maßgeblich wird es letztlich sein, ob es China gelingt, die Ausbreitung tatsächlich zu stoppen. Danach sieht es zur Zeit leider immer weniger aus. Maßgeblich wird es darüberhinaus dann sein, ob es zumindest dem Ausland lange genug gelingt, eine Verbreitung über Chinas Grenzen hinaus zu verhindern. Das gelingt bisher teilweise, es sind aber deutliche Zweifel bezüglich unerkannter Dunkelziffern angebracht. Zudem Seuchen historisch bisher kaum an Landesgrenzen halt gemacht haben. Hat die Weltgemeinschaft aber Erfolg, werden wir einen Stillstand beim Anstieg der internationalen Fälle beobachten und schließlich auch einen Rückgang in China. Dann wird die Welt Glück gehabt haben. Misslingt hingegen die Begrenzung der Verbreitung, werden wir vermutlich spätestens bis zum Ende des Jahres, wenn die kalte Wetterperiode wieder beginnt, eine sprunghafte dann globale Ausdehnung in verschiedenen Teilen der Welt erleben, welche dann die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vermutlich ebenso hart treffen wird, wie die Gesundheitssysteme selbst. Das kann man aber eben erst in einem halben bis einem Jahr beurteilen.

      Sollte Letzteres eintreten, also die befürchtete Pandemie, kannst du trotzdem beruhigt sein, weil du höchstwahrscheinlich dennoch zu den 97,7% gehören wirst, die das Ganze vermutlich (nach jetzigen Zahlen) bei guter medizinischer Versorgung überleben werden (Vermutlich dann im Gegensatz zu vielen Betroffenen in bspw. Afrika.). Und trotzdem könnten wir dann alle eine gesellschaftliche und globale Krisensituation erleben, wie wir sie bisher in unserer Lebensspanne nach dem Zweiten Weltkrieg so noch nicht erlebt haben. Wobei dann die Frage ist, ob die Krankheit selbst oder schon die möglichen Begleiteffekte (bspw.: überforderte Gesundheitssysteme, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Angst vor Ansteckung, Versorgungsengpässe, Produktionsausfälle, Arbeitslosigkeit, Unruhen usw.) unser Leben stärker beeinflussen werden, als wir das bisher so kennen. Kannst du im Prinzip aber alles auch jetzt schon in China beobachten. Von daher...
      "Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten."
      Otto Wels, Reichstagsrede vom 23.März 1933.

      Lingua Tertii Imperii - Notizbuch eines Philologen
    • John schrieb:


      Überhaupt muss ich sagen, dass sich die globale Solidarität und Symphatiebekundungen mit dem chinesischen Volk leider sehr in Grenzen halten. Die Chinesen kämpfen gerade für uns alle. Und ein bisschen mehr öffentliches Beileid angesichts der Opferzahlen wäre durchaus angemessen. Immerhin sind die Chinesen wichtige Geschäftspartner und man könnte sagen DIE Hochkultur schlechthin. Würde das ganze in den USA passieren, lägen bestimmt schon Blumensträuße vor der Botschaft.
      Wundert mich nicht wirklich. Im Moment ist die Gesellschaft nicht auf Feinfühligkeit ausgerichtet. Werden ja in sorgfältiger Regelmäßigkeit immer wieder über die Menschenrechtsverletzungen der führenden Hochkultur berichtet. Damit es ja keiner vergisst. Da wird dann nur der "Konkurrent" China gesehen...der uns irgendwann die Luft abschnürt und Arbeitsplätze klaut.

      Geschäftspartner? Ja Hauptsache der rollende Rubel überlebt nCoV. :) Ansonsten können uns die chinesischen Völker ja egal sein.

      Und solange zwischen "Gut" und "Böse" und schwarz und weiss unterschieden wird, ist es halt bequemer -trotz eines Herrn Trump- die Blumen vor die US-Botschaft zu legen....sollte es dafür Gründe geben.

      Ironie, Sarkasmus und Co. sind beabsichtigt.



      Ich gehe nicht euren Weg - ihr seid mir keine Brücken.
      - Friedrich Nietzsche -