Beiträge von IWST

    Bin schon gespannt, wie die Panzerhaubitzen sich schlagen werden. Wenn ich mich nicht täusche, wäre es der erst Einsatz deutscher schwerer Waffen in einem konventionellen Krieg (also exklusive der türkischen Invasion Nordsyriens, und den arabischen Truppen im Jemen) in der jüngeren Vergangenheit.

    Die Sache mit Litauen würde ich auf jeden Fall auch im Auge behalten. Erinnert ein wenig an die Berlin-Blockade im Kalten Krieg, mit dem Unterschied, dass nur bestimmte Güter blockiert werden, und der Seeweg nach wie vor offen steht, um diese Güter zu transportieren. Also eher etwas, was die Versorgung Kaliningrads teurer macht, und keine existentielle Bedrohung für die dortige Bevölkerung.

    Nichtsdestotrotz ist unklar, wie Russland reagieren wird. Die Logik würde sagen, mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen Litauen. Ein militärischer Versuch, einen Korridor zu erkämpfen, wäre für die russische Armee in ihrem derzeitigen Zustand glatter Selbstmord, also eher keine gute Entscheidung.
    Allerdings war die russische Führung dieses Jahr nicht sonderlich gut darin, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Ich wüsste nicht, wieso es sich im Multiplayer anders verhalten sollte, als wenn der Host die DLCs auf andere Weise erworben hat.
    In EU IV habe ich das schon mal ausprobiert (nachdem Paradox an diesem 9 Jahre alten Spiel immer noch weiter arbeitet, steht das jetzt bei 37 DLCs, davon 14 Expansions), das Kündigen geht recht unkompliziert, wenn man das Datum nicht übersieht (in dem Fall läuft es dann nen Monat länger).

    Für HoI IV ist die Anzahl der DLCs nicht ganz so groß (6 Expansions in 6 Jahren) , und teilweise sind sie regional fokussiert (Battle of the Bosporus oder Death or Dishonour z.b. drehen sich primär um südosteuropäische Nationen und bringen nicht wirklich nennenswerte Gameplay Mechaniken für den Rest), die Kosten Nutzen Rechnung ist also eine andere als bei EU IV, aber wenn man es nicht so oft spielt, kann sich das Abo definitiv auszahlen.

    Zuviel Verschwörungstheorie?

    Meiner Vermutung nach ein bisschen zu viel.
    Es wird definitiv mehr geliefert als offiziell bekannt ist, ein gutes Beispiel dafür sind die norwegischen M109 Panzerhaubitzen deren Lieferungen erst 2 Wochen nach Ankunft in der Ukraine offiziell bekannt gegeben wurde.

    Allerdings bezweifle ich, dass die inoffizielle Anzahl der schweren Waffen die offizielle Menge um mehr als 30 % übersteigt.
    Liese sich auch schwer verbergen.
    Was schon eher möglich ist, ist, dass die Pläne für zukünftige Waffenlieferungen deutlich größer sind als offiziell bekannt, aber hier noch mehr Zeit für die Ausbildung nötig ist, und die ukrainische Logistik, die gerade im Osten und Süden des Landes durch russische Luft- und Raketenangriffe in Mitleidenschaft gezogen wurde, erst in die Lage versetzt werden muss die ganzen Waffen mit Munition und Ersatzteilen zu füttern.

    Im Grund wird aber erst die Zukunft zeigen, wie viele Waffen der Westen an die Ukraine bereits geliefert hat, und wie viele noch folgen werden.


    Ähnlich übrigens mit den Soldaten und Waffen, die Russland seinen Truppen in der Ukraine noch zuführen kann.
    Die Situation dort scheint, da Putin noch immer vor einer Generalmobilmachung zurückschreckt, nämlich immer schwieriger zu werden.
    Mittlerweile gibt es in der russischen Armee eine Debatte, die Ausbilder in den Kampf zu schicken, was zwar kurzfristig einige ziemliche toughe Soldaten bringen würde, aber mittel- und langfristig den Nachschub neuer Soldaten massiv erschweren würde, siehe deutsche und japanische Luftwaffe im 2. Weltkrieg, oder die Panzerdivision Lehr.

    In den Separatistengebieten drehen die Russen mittlerweile auch jeden Stein zweimal um, dort wird alles zwischen 18 und 65 mobil gemacht, dass in der Lage ist, eine Waffe zu halten.
    Erinnert fast etwas an den Volkssturm.
    Nur dass der Volkssturm besser bewaffnet war!!!
    Die hatten nämlich immerhin zu ihren alten Repetiergewehren auch das eine oder andere 1. Weltkriegs MG und eine nennenswerte Anzahl an Panzerfäusten.
    Die mobilgemachten Einheiten der Volksrepubliken Donezk und Luhansk hingegen haben nur Mosin-Nagant Repetiergewehre (eingeführt im Jahr 1891), und kaum MGs oder Panzerabwehr-Waffen.
    Jetzt stellt sich die Frage, ob das so ist, weil die russische Armee ihnen nicht vertraut, oder ob in den vergangenen 30 Jahren tatsächlich so viele Kalaschnikows auf dem Schwarzmarkt verkauft worden sind, dass jetzt nicht mehr genug in den Arsenalen sind.
    Beides ist möglich, aber zweiteres wäre eine mögliche Erklärung, wieso Putin noch keine Mobilmachung in Russland verkündet hat.

    Stimme zu, dass man die Beschaffung dringend in Erwägung ziehen sollte.
    MGCS wird planmäßig erst 2035 fertig, bisher gibt es noch nicht einmal einen Prototypen (das Ding, das auf den Ausstellungen gezeigt wird, ist ein "Technology Demonstrator" mit Leopard 2 Wanne und Leclerc Turm). Es ist durchaus realistisch anzunehmen, dass es zu Verzögerungen kommt, Lieferbeginn 2040 wäre also nicht unwahrscheinlich, zu dem Zeitpunkt wäre der Leopard 2 61 Jahre alt (zum Vergleich, der Leopard 1 war 38 Jahre lang bei der Bundeswehr im Einsatz).
    Wenn MGCS überhaupt zustande kommt, wenn bei den nächsten französischen Präsidentschaftswahlen 2027 Le Pen gewinnen sollte, würde das schwierig werden, und auch sonst ist nicht auszuschließen, dass er ein ähnliches Schicksal erleiden könnte, wie der Kampfpanzer 70.

    Klar ist auch der KF51 Panther bisher vermutlich noch nicht serienreif und wie gut er genau ist, wird sich erst in der Erprobung herausstellen müssen, aber er ist auf jeden Fall deutlich modernerer, eher ein Leopard 3 als ein Leopard 2A9, während er gleichzeitig denselben Antriebsstrang verwendet, was logistisch vorteilhaft ist (die 130mm Kanonen ist es nicht, aber wenn gewünscht wird es wohl möglich sein, vorerst eine 120mm Kanone zu verbauen, und dann später, wenn diese notwendig wird, auf die 130mm Kanone umzurüsten für die er ja Platz hat. Ähnlich wie beim M1 Abrahams dessen erste Version eine 105mm Kanone hatte, bevor er auf 120mm umgestellt wurde, oder der T-64 der von 115mm auf 125mm umgestellt wurde)

    Solche Artilleriesysteme wären aber aus der Luft gut angreifbar. Die Ukraine ist dazu wohl nicht in der Lage. Ist die russische Luftabwehr so gut? Offenbar hat keine der beiden Seiten sie derzeit.

    Gibt mehrere Faktoren:
    1: Die ukrainische Luftwaffe war schon vor dem Konflikt bereits nicht übermäßig gut ausgestattet, und hat im Verlauf der Krim Annexion, dem Krieg im Donbass seit 2014 und schließlich durch die russischen Raketenangriffe zu Beginn des Krieges im Februar große Verluste erlitten, die sie nicht adäquat ersetzen konnte.
    2: Die russische Luftwaffe ihrerseits ist zwar ziemlich inkompetent, in einem Konflikt mit der NATO würde es ihr gehen wie den Japanern beim "Great Marianas Turkyes Shoot" aber nicht völlig inkompetent, sodass sie aufgrund ihrer massiven zahlenmäßigen und technologischen Überlegenheit die Luftüberlegenheit (wenn auch keine Lufthoheit) über dem Osten der Ukraine erringen konnte.
    3: Bodengestützte Flugabwehr. Einer der wenigen Punkte, wo die russische Armee weltweit führend ist. Das bedeutet nicht, dass sie unbesiegbar ist, aber sie haben ein relativ großes integriertes Flugabwehrnetz. So etwas ist knackbar, aber nur wenn der Gegner über ausreichende SEAD (surpression of enemy air defence) Kapazitäten verfügt.
    Das ist aber eine relativ teure Fähigkeit, sowohl in Sachen Material als auch in Sachen Training.
    Die Anzahl der Luftwaffen, die das können ist, sehr beschränkt:

    • US Air Force
    • US Navy
    • Die israelischen Luftstreitkräfte

    Die deutsche Luftwaffe, die italienische Luftwaffe sowie die russischen Luftstreitkräfte haben ebenfalls gewisse Fähigkeiten in diesem Bereich, aber wie man über Libyen und der Ukraine gesehen hat, können diese es nur mit relativ schwachen Gegnern aufnehmen, es fehlt ihnen teils die Anzahl, teils die Kompetenz, um ein robustes integriertes Flugabwehrnetz auszuschalten.

    Zitat von Dimitri Medwedew - Telegram - 07.06.2022 - In Bezug auf „den Westen“.

    „Ich werde oft gefragt, warum meine Telegram-Posts so hart sind. Die Antwort ist: Weil ich sie hasse. Sie sind Bastarde und Abschaum. Sie wollen unseren Tod, den Tod Russlands. Und solange ich lebe, werde ich alles tun, um sie verschwinden zu lassen.“



    Und genau deshalb hat er ein Weingut in Italien, heuert für seine Villen italienische Architekten an, hat er seine Jacht im Westen bauen lassen, trägt er französische Markenkleidung und sündteure westliche Uhren, und deshalb wohnt auch sein Sohn in den USA (Korrektur: wohnte, vor ein paar Tagen haben die ihm das Visum entzogen, eventuell ist der Herr Papa deshalb so sauer).

    Deatheye 's Punkt mit der medizinischen Versorgung ist in der Tat sehr relevant.
    Gibt da recht interessante Zahlen aus den USA über das Verhältnis der überlebenden Verwundeten zu den Gefallenen (inklusive denen, die es ins Lazarett geschafft haben, aber dort ihren Verletzungen erlegen sind). Während der Weltkrieg lag das Verhältnis zwischen 2,5:1 und 3:1 (ohne Gasopfer, hier überlebten deutlich mehr), im Koreakrieg bereits bei 3,5:1, in Vietnam bei 4:1 und in Afghanistan und Irak zwischen 8:1 und 10:1.
    Hier muss man zwar anmerken, dass die amerikanische Lufthoheit während der späteren Kriege eine wichtige Rolle spielte, dadurch konnten sie nämlich Verwundete per Helikopter in relativ kurzer Zeit in einen OP-Saal bringen, zudem waren viele Gefechte nur von kurzer Dauer, da die meisten amerikanischen Verluste dort durch Mienen/IEDs und Hinterhalte zustande kamen.
    Aber wie man an den ukrainischen Zahlen sieht, erlauben die Errungenschaften der modernen Medizin auch ohne Lufthoheit eine Rate von 5:1 bis 8:1.


    Gibt aber natürlich auch andere Einflussfaktoren.
    Zum Beispiel der Umstand, dass die Ukrainer dort relativ gut eingegraben sind, Schützengräben mögen altmodisch wirken, aber gegen Artillerie sind sie nach wie vor äußerst nützlich, auch weil die russische Artilleriemunition seit dem 2. Weltkrieg nicht so stark weiterentwickelt wurde (haben nach wie vor fast nur Aufschlagzünder, statt wie bei vielen westlichen Granaten Entfernungszünder, die über dem Boden auslösen und von oben Schrapnell auf das Ziel herabregnen lassen).
    Ebenfalls erwähnenswert wäre dann noch der Umstand, dass es neben besserer persönlicher Schutzausrüstung im Vergleich zum 2. Weltkrieg viel mehr gepanzerte Truppentransporter gibt. Die sind zwar auch verwundbar, aber nicht so verwundbar wie Infanterie in Bewegung es wäre.

    Oder auch der von Black Templar und Deathey angesprochene Fakt, dass die Zahlen geringer sind, hier spielt zusätzlich der Aspekt eine Rolle, dass sich der Trend zwischen dem 1 und 2. Weltkrieg fortgesetzt hat, dass Einheiten nicht mehr so dicht beieinander stehen (der Vergleich zu den Massenanstürmen des 1. Weltkrieg ist hier besonders krass, aber auch seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Trend etwas fortgesetzt).

    Zwar mobilisiert die Ukraine, und plant bis Juli 1 Million Mann unter Waffen zu haben, allerdings hat sie nicht genügend schwere Waffen, um die alle in ein Umfeld wie den Donbass zu schicken, zumal dort ja, wie ebenfalls von Deatheye angesprochen, schlicht die nötige Versorgung fehlt, primär, weil Russlands Luftwaffe und Raketentruppe im Osten der Ukraine ziemlich viele Munitions- und Treibstoffdepots bombardiert haben.


    Bezüglich der Situation an der Front:
    Russlands Offensive geht möglicherweise bereits der Schwung aus. Einerseits ist der Vormarsch bei der versuchten Kesselbildung extrem langsam, laut US-Geheimdienstangaben 500 bis 1000 Meter pro Tag, was für die Bildung eines Kessels vermutlich zu langsam ist, andererseits haben sie sich scheinbar in Sjewjerodonezk verspekuliert, noch Mitte der Woche waren sie kurz davor, die Stadt vollständig einzunehmen, die Ukrainer hielten nur noch 20%, dann gab es allerdings eine ukrainische Gegenoffensive, und aktuell hält die Ukraine wieder 50% der Stadt.

    Auch bei Geschützen handelt es sich theoretisch um NATO Standards.
    Bei Artillerie und Panzern definitiv, bei den Kampfpanzern sind teils sogar die Kanonen identisch.

    20mm Kanonen, wie sie auf Marder und Wiesel verbaut sind, sind nicht ganz so standardisiert, hier gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Ausführungen, wobei wie sich nach ein wenig Recherche herausstellt, auch die französische Marine und das südafrikanische Heer ihre eigenen Maschinenkanonen mit 20x139mm Munition verwenden, neben Griechenland und diversen südamerikanischen und asiatischen Kunden der deutschen Maschinenkanonen.

    Was die 35mm Kanonen des Gepard angeht: hier ist die Oerlikon KDA von Rheinmetall Air Defence im Einsatz. Wenn ein Land Flakpanzer oder gezogene Flak hat, die nicht aus sowjetischer Produktion ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es dieselben Kanonen, und daher auch kompatible Munition einsetz. Und zwar nicht nur in Europa (z.B. auch in Österreich, der Schweiz, Polen, Griechenland, Rumänien, Zypern und der Türkei), sondern auch Südamerika (Argentinien, Brasilien), dem Nahen Osten (sämtliche Golfstaaten + Jordanien, Ägypten und der Iran) und auch im Fernen Osten (Japan, Südkorea, und sogar die Volksrepublik China).
    Was auch das Argument mit der Schweizer Neutralität etwas alt aussehen lässt, den Südkorea ist seit 1950 offiziell im Kriegszustand, ebenso die Golfstaaten, Zypern seit seiner Gründung, der Iran seit der islamischen Revolution etc. und Länder wie die Türkei und die VR China halten seit Jahrzehnten fremdes Territorium besetzt.

    Bezüglich der militärischen Lage an der Front:
    Ja, die ukrainischen Truppen dort sind gerade in einer recht schwierigen Situation, es kann durchaus sein, dass sie dort einiges an Land verlieren und eventuell einzelne Einheiten eingekesselt werden.
    Aber man muss es im Kontext sehen. Der eigentliche russische Plan für den Donbass war deutlich ambitionierter, ist aber gescheitert, das was sie jetzt machen ist gewissermaßen eine Minimalvariante.

    271-donbas-versuchte-kessel

    Zur Veranschaulichung eine grobe Karte:
    Die linke Linie ist das, was internationale Beobachter befürchtet haben, als Russland Ende März begann, seine Truppen in den Donbass zu verlegen.

    Die mittlere Linie ist ungefähr (habe das unter Ende glaube ich etwas zu weit links angesetzt) der Kessel, den Russland dann ab Mitte April zu bilden versuchte, und am 9. Mai abgeschlossen haben wollte.
    Der Vorstoß ist gescheitert.
    Die rechte Linie stellt dann den potenziellen Kessel dar, den Russland jetzt zu bilden versucht.

    Nicht gut für die Ukraine, aber auch nicht für Russland, wenn die Kapazitäten der russischen Armee weiter so schrumpfen, wird sie ziemliche Probleme bekommen, sobald mehr ukrainische Reservisten und westliche Waffen die Front erreichen.


    Und bezüglich der russischen Kapazitäten gibt es auch interessante Nachrichten aus Russland.
    Die Verfügbarkeit von (Berufs-)Soldaten:

    Die Duma will das Alterslimit für neue Berufssoldaten aufheben. Bisher lag es bei 40, erst wollten sie es auf 45 erhöhen, jetzt gleich komplett aufheben.
    Dazu passend ist, dass am Samstag ein weiterer russischer General ums Leben gekommen ist, der 63-Jährige pensionierte (er war Zwangs-pensioniert worden, nachdem er mit einer Su-27, die er unerlaubt geflogen hatte, nach unerlaubten Kunstflug-Manövern abgestürzt war) Generalmajor
    Kanamat Botashev starb, als er ein Su-25 Erdkampfflugzeug pilotierte und über der Ostukraine abgeschossen wurde.
    So jemanden setzt man eigentlich nur in ein Kampfflugzeug, wenn man entweder zu wenige Piloten oder zu viele Flugzeuge hat.
    Bei der Bundeswehr ist das Höchstalter für Kampfjet-Piloten übrigens 41.


    Bezüglich des Materials hat Menderon erwähnt, gelesen zu haben, Russland würde T-64 an die Front verlegen. Das ist nicht ganz korrekt, es handelt sich um T-62.
    Der Unterschied im Namen mag gering wirken, der Unterschied in der Praxis ist gewaltig.

    Der T-64 ist gewissermaßen der Vater der modernen russischen und ukrainischen Panzer, 125mm Glattrohrkanone mit Autolader, Komposit-Panzerung, und nach wie vor in modernisierten Varianten bei den ukrainischen Streitkräften im Dienst. Bei ähnlichen Modernisierungen ist ein T-64 einem T-72 klar überlegen, und einem T-80, der ein T-64 mit Gasturbine ist, ebenbürtig.
    Bis zur Einführung von Leopard 2 und M1 Abrahams über 10 Jahre nach seiner in-Dienst-Stellung war er übrigens auch allen westlichen Kampfpanzern klar überlegen, weshalb die Sowjetunion ihn auch nie exportierte.

    Der T-62 ist dagegen aus dem T-54/55 entwickelt worden, dessen Entwicklung im Jahr 1945 begann. Er hat zwar auch eine Glattrohrkanone, allerdings 115mm und manuell geladen, seine Panzerung besteht rein aus Stahl, und sein ganzes Feuerleitequipment ist massivst angegraut. Nicht nur dass, im Gegensatz zu manch anderem sowjetischen Panzer ist er extrem unzuverlässig, vor allem sein Motor ist notorisch für seine zahlreichen Gebrechen.

    Dass Russland so etwas ausgräbt, und das tut es, mittlerweile ist ein damit beladener Zug in Melitopol angekommen, sagt möglicherweise einiges darüber aus, wie der Zustand der angeblich 11 000 T-72, T-80 und T-90 in den Reserve-Lagern der russischen Armee ist.


    Das alles bedeutet nicht, dass Russland den Krieg sicher verlieren wird, der Ausgang ist nach wie vor offen, aber ich denke, Panik vor einem Kollaps der ukrainischen Armee dürfte, zu diesem Zeitpunkt, nicht angebracht sein.

    Auf eine Generalmobilmachung treffen die von dir genannten Punkte definitiv zu, Russland hat nicht (mehr) genügend einsatzfähige Waffensystem um alle seine Reservisten auszurüsten.

    Für eine Teilmobilmachung von ca. 100 000 Mann dürfte es aber in den meisten Bereichen reichen, ausgenommen mal Versorgung-LKWs, in dem Fall müsste man sich halt näher an den eigenen Nachschubdepots und Bahnhöfen halten, ein zweiter Vorstoß auf Kiew ist damit eher unwahrscheinlich.
    Sehr wohl aber würde es im Donbass und in der Südukraine helfen, vor allem um sich einer möglichen ukrainischen Gegenoffensive entgegen zu stemmen.

    Derzeit ist Russland nämlich an dem Punkt, wo ihnen neben Transport-LKWs vor allem die Infanteristen ausgehen. Die Bataillonstaktischen Gruppen des russischen Heeres und der Fallschirmjäger hatten schon zu Kriegsbeginn zu wenig Infanterie (teils in einem Bataillon ähnlich viele Infanteristen wie andere Armeen in einem Zug), und die horrenden Verluste haben die Situation noch weiter verschärft.
    Raketen und Drohnen werden zwar auch knapp, aber die sind "Luxus", bzw. "force multiplier" (die relativ wenig Nutzen haben, wenn keine Bodentruppen da sind, um die Vorteile zu nutzen).
    Die horrenden Panzer-Verluste sind natürlich ebenfalls ein schwerer Schlag. In der Zeit, die man für eine Teilmobilmachung und die Kurse für die Panzerfahrer (von den Besatzungen der abgeschossenen Panzer haben ja nicht ganz so viele überlebt, hier fällt Russland gerade die Geringschätzung von Soldatenleben durch, die UDSSR auf den Kopf) benötigt, dürfte es aber möglich sein, einen Teil der veralteten Panzer aus den Depots halbwegs einsatzbereit zu machen.


    Bezüglich Leopard 1:
    Ich bilde mir ein, die wollte Deutschland in die Ukraine schicken.
    Das Polen die nicht will wundert mich nicht, der Leopard 1 ist auf dem modernen Schlachtfeld bestenfalls ein Feuerunterstützungsfahrzeug, duellfähiger Kampfpanzer ist das keiner mehr. Die Feuerleitanlage und Geschwindigkeit mag zwar recht nett sein, aber die Panzerung schützt ihn mit Ach und Weh vor Maschinenkanonen, während die eigene Hauptwaffe nicht in der Lage ist, auf normale Kampfentfernung einen T-64, T-72 oder T-80 zu durchschlagen, die würden maximal mit den uralt T-55 und T-62 fertig werden, wenn Russland verzweifelt genug sein sollte, die auszugraben.

    Der Unterschied ist wahrscheinlich ein anderer. Während sich die führenden Politiker in den USA öffentlich hin stellen und ihr Morden als God bless America verkaufen, indem sie der Welt vorlügen, es ginge dabei darum Frieden und Wohlstand zu bringen, spielt der Russe dagegen schon immer mit offenen Karten. Ich wusste schon als sechsjähriger Junge, dass ein Menschenleben in Russland nichts wert ist, Menschen dort zu Tausenden in Gulags zu Tode gequält werden und in Bezug auf die Brüdervölker der Leitspruch gilt: Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.

    Ich weiß ja nicht, ob du verfolgst, was die sowjetische und russische Propaganda so von sich geben, aber Russland verkauft sein Morden ja genauso als Marx/God Bless Russia und spielen der Welt vor, es ginge um Frieden, Schutz vor dem Faschismus und Wohlstand.
    Dass du diese Lügen schon als sechsjähriger durchschaut hast, dürfte primär damit zusammen hängen, dass dort Realität und Propaganda noch deutlich weniger zussamen passen.
    Denn bei all dem Mist, den die Amerikaner bauen, von dem, was Russland so aufführt, sind sie meilenweit entfernt. Sei es bei den Ländern in die sie einmarschieren (Sadams Irak war ein mörderisches Terrorregime, das selbst nicht in ein, sondern in zwei Nachbarländer einmarschiert ist, Serbien hat ethnische Säuberungen in Bosnien und im Kosovo durchgeführt, während Georgien und die Ukraine Demokratien sind, die nicht in ihre Nachbarländer einmarschiert sind, um dort Zivilisten abzuschlachten), sei es beim Umgang mit Zivilisten der Gegenseite (ja, die Amerikaner hatten viel zu oft eine "erst schießen dann fragen" Einstellung, aber es gab genauso ernsthaftes Bemühen, zivile Opfer zu vermeiden, während bei Russland, trotz Beteuerung nur Präzisionswaffen einzusetzen, die niemals nie Zivilisten treffen, teils ganze Viertel platt macht, teils gezielt Krankenhäuser und Flüchtlinge wegbombt), oder sei es im Umgang mit den eigenen Leuten (die USA leben gegenüber ihren Soldaten die "leave no man behind" Einstellung, die russische Armee belädt ihre LKWs lieber mit gestohlenen Waschmaschinen als mit toten Kameraden).

    . Eine Einkesselung der ukrainischen Verbände sei nun nicht mehr unmöglich.

    Anzumerken sei hierbei, dass es sich um eine abgespeckte Einkesselung handelt. Ursprünglich wollten die Russen die ukrainischen Truppen durch einen Vorstoß bei Izyum in einem relativ großen Gebiet (~200x100km) einkesseln, dieser Versuch ist aber stecken geblieben, sodass sie sich jetzt auf einen Vorstoß über Popasna fokussieren, um von dort aus ukrainische Truppen in einem deutlich kleineren Gebiet (~40x30km) einzukesseln.
    Definitiv nicht gut für die Ukraine, ebenso die hohen Verluste, aber auch weit entfernt vom worst case Szenario.

    Insbesondere, weil der russischen Armee die Luft bzw. die Soldaten auszugehen beginnen, mittlerweile wird in der Duma darüber diskutiert, das Alter für neue Berufssoldaten von 40 auf 45 zu erhöhen. Zwar könnte Russland (teil-)mobilmachen und damit die Lücken stopfen, aber so etwas dauert einige Zeit, und wenn es ohne gröbere Konsequenzen machbar wäre, hätte Russland das schon vor 2 Monaten tun müssen, anstatt wertvolle Zeit zu verschwenden, Zeit, die die Ukrainer nutzen, um ihrerseits Reservisten auszubilden, und ihre Soldaten mit dem neuen westlichen Equipment vertraut zu machen.
    Natürlich hat die Ukraine ihrerseits Probleme, z.b. die russische Artillerie und Luftwaffe, sowie Raketen-Schläge gegen ihre eigene Nachschub-Infrastruktur, aber dennoch ist die Situation heute insgesamt deutlich weniger kritisch, also vor einem Monat, auch wenn sich in den letzten Tagen gerade mehrere schlechte Nachrichten aneinander reihen.

    Weiß jemand was genaueres zu den Vorgängen rund um die Schlangeninsel? Da haben beide Seiten ja in den letzten Tagen Erfolge vermeldet. Wobei die Ukrainer auch fleißig Drohnenvideos gezeigt haben. Weiß man, was genau dabei rumgekommen ist?

    Genaues nicht wirklich, nachdem es eine recht kleine Insel ohne zivile Bevölkerung ist, ist die Informationslage dürftig.

    Was fest steht, ist, dass die Russen versuchen, zusätzliche Truppen dort zu stationieren, während die Ukrainer eben das mit Drohnen und Flugzeugen zu verhindern versuchen.
    Russland hat dabei, durch Videos und Audioaufnahmen belegt, empfindliche Verluste erlitten.
    Über die ukrainischen Verluste ist nicht viel bekannt, aber dass die Russen statt Videos von der Zerstörung ukrainischen Geräts die ukrainischen Videos mit neuen Untertiteln versehen und die eigenen Verluste als ukrainische Verluste hinstellen, deutet darauf hin, dass die Sache eher einseitig sein könnte.
    Auch wenn die Ukraine derzeit nicht die Mittel hat, die Insel zurückzuerobern, macht sie doch den Russen dort das Leben ziemlich schwer.

    Und gibt es Schätzungen zur ukrainischen Mobilmachung? Bei einer Bevölkerung von 44 Millionen müsste man ja theoretisch Millionen in die Schlacht werfen können. Praktisch braucht es dafür natürlich auch die Ausrüstung und Logistik. Aber wie weit ist man damit? Kämpfen im Moment neben regulären Soldaten "nur" Freiwillige und Reservisten, oder werden Männer aktiv in den Dienst gepresst?

    Die Ukraine hat prinzipiell die Mobilmachung verkündet, allerdings gibt es da gewisse einschränkende Faktoren.

    Die Ausrüstung und Logistik hast du bereits angesprochen, ein weiterer Punkt ist die Ausbildung, immerhin hatte die Ukraine vor 2014 die Wehrpflicht ausgesetzt, und hat daher "weiße Jahrgänge", aber auch von den Reservisten, die noch gedient haben, brauchen wohl die meisten ein Auffrischungstraining.
    Mittlerweile sind bereits einige dieser Reserve-Einheiten bereit, aber das Ganze ist ein Prozess. Dementsprechend ist es auch so, dass es keine Zwangseinziehung von Wehrpflichtigen gibt, da man noch auf absehbare Zeit damit beschäftigt sein wird, diejenigen auszubilden und auszurüsten, die sich freiwillig gemeldet haben.
    Wobei freiwillig in dem Fall ein breiter Begriff ist. Neben Leuten, die sich völlig aus eigenem Willen gemeldet haben, gibt es solche, die von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, und solche, die gezögert haben, bis sie gesehen haben, dass ihre Überlebenschancen als Zivilisten womöglich sogar geringer sind, wenn die Russen in ihrer Region einfallen (in Butscha hatte die russische Armee ja gezielt alle männlichen Zivilisten in wehrfähigem Alter ermordet, während in anderen Regionen ukrainische Zivilisten von der russischen Armee zwangsrekrutiert werden, um als Kanonenfutter zu dienen).

    Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung, im Einklang mit Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen. Dies lässt den besonderen Charakter der Sicherheits- und Verteidigungspolitik bestimmter Mitgliedstaaten unberührt.

    Die Parteien vereinbaren, daß ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, daß im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

    Der EU Artikel 42 ist hier relativ schwammig. Man kann "alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung" recht breit auslegen, besonders wenn dann noch die Einschränkung da ist, dass der "besonderen Charakter der Sicherheits- und Verteidigungspolitik bestimmter Mitgliedstaaten unberührt" bleibt.
    Im Grund können die einzelnen Regierungen das also auslegen, wie sie wollen. Ein Präsident Macron kann sagen, Frankreich wird Truppen schicken, wenn Finnland angegriffen wird, eine potenzielle Präsidentin Le Pen könnte sagen, Frankreich ist außerstande, etwas anderes als "Thoughts and Prayers" zu schicken.


    Der Artikel 5 der NATO hat zwar im 2. Teil eine ähnliche Formulierung, allerdings gibt es hier zusätzlich den 1. Teil, wonach ein bewaffneter Angriff auf ein Land, ein bewaffneter Angriff auf alle ist. Soll heißen, wenn jemand im Nordatlantik ein norwegisches Kriegsschiff versenkt, muss Frankreich, das so behandeln, als ob der Angreifer ein französisches Kriegsschiff versenkt hätte.

    Den Russen sind Verluste egal, bzw, in einem Land dieser Größe mit zensierter Presse, wer soll davon erfahren?

    Da kommen keine 2 Soldaten aus dem selben Dorf, keine 1000 Soldaten aus der selben Stadt.

    Ich befürchte, da muss du noch eine Null an die Zahl dranhängen. Der Mensch hat doch noch nie was in der Roten Armee gezählt. Die Russen hatten doch schon im Zweiten Weltkrieg den größten Blutzoll unter allen Kombattanten zu verzeichnen. Der Mensch als Wegwerfmaterial gehört in Russland daher wohl schon zum kulturellen Gedächtnis.

    Der BBC hatte da eine Dokumentation zu einer Fallschirmjägereinheit.
    Da kommen durchaus mal ganze Einheiten aus einer Kleinstadt, die Leute erfahren davon.
    Was sie natürlich nicht haben, ist das große Ganze, aber dennoch führt es zu einem gewissen Druck auf die Regierung.
    Noch kann sie den großteils ignorieren, auch wenn offen ist, wie dies in Zukunft aussehen wird, auch im sowjetischen Afghanistan-Krieg ist der Druck der Angehörigen erst langsam gewachsen.

    Der politischen und militärischen Führung sollten die Verluste aber dennoch nicht egal sein, den Russland ist nicht die Sowjetunion.
    Das russische Heer hat, wie zu Beginn des Krieges schon mal vor jemandem erwähnt, 280 000 Mann, ~die Hälfte davon Wehrpflichtige.
    Solange Russland nicht mobilmacht, können die aber nicht in großer Zahl in den Krieg geschickt werden. Damit bleiben nur mehr die Berufssoldaten übrig, da kommen zusätzlich zu denen vom Heer zwar noch Fallschirmjäger und Marineinfanterie hinzu, insgesamt kommt Russland damit aber nur auf eine Zahl zwischen 240 000 und 260 000.
    Und davon kann wiederum nur ein Teil an der Front eingesetzt werden (Offiziere in Stäben in Moskau, Ausbilder für die Wehrpflichtigen, Kommando- und Verwaltungspersonal für Militärbasen, Kontingente in Syrien, Georgien, Zentralasien, Armenien, Moldawien usw.).
    Da fallen dann auch 10 000 Tote und 30 000 Verwundete massiv ins Gewicht.
    Die Auswirkungen sind bereits sichtbar, teilweise werden Panzer mit 2 Mann Besatzung ins Gefecht geschickt, Infanterie-Gruppen haben oft nur 5 oder 6 statt 9 Mann etc.

    Ohne Mobilmachung wird die derzeit laufende Offensive im Donbass Russlands letzte große Offensive in diesem Krieg werden, weil sie danach einfach nicht mehr die Soldaten für großangelegte Offensiven haben.
    Wenn Russland mobil machen sollte, kann sich das natürlich wieder ändern, aber nicht von heute auf morgen.
    Einerseits, weil die Ausbildung der Wehrpflichtigen zu wünschen übrig lässt, und die deren Wehrdienst schon länger zurückliegt erst einige Monate Auffrischungstraining benötigen, sondern auch wegen der bisherigen Verluste.
    Denn die Berufssoldaten, vor allem die Berufes-Offiziere und Unteroffiziere die da sterben, hätten ja eigentlich eine Art Gerüst darstellen sollen, um die Wehrpflichtigen zu effektiven Einheiten zu formen.
    Das ist halt etwas schwer, wenn die Berufskomponente derart ausgedünnt ist, dass musste bereits die KuK Armee im 1. Weltkrieg feststellen.

    Putin und sich irgendwo entschuldigen, das finde ich jetzt doch sehr merkwürdig. Was hat es damit auf sich? Glaubt Putin sein eigenes Nazigeschwafel tatsächlich und fühlt sich so mit Israel moralisch verbunden? Oder unterstützt Israel irgendwie Russland im Krieg (z.B. durch Geheimdienstinformationen)?

    Israel hat bisher versucht neutral zu bleiben und als Vermittler zu agieren, unter anderem weil die israelischen Luftschläge gegen Islamisten in Syrien deutlich leichter sind, wenn sie mit den russischen Truppen dort halbwegs auskommen.
    Wenn Lawrow es allerdings schaffen/geschafft haben sollte, diese Haltung zu verändern, stünde die Möglichkeit von israelischen Waffenlieferungen an die Ukraine im Raum (Israel hat nach Lawrows Kommentar bereits durchblicken lassen, dass es keine Einwände hätte, falls europäische Nutzer israelischen Materials dieses an die Ukraine weitergeben würden). Und das kann Russland nicht wirklich gebrauchen, immerhin hat Israel doch beträchtliche Bestände an modernen Waffen, und die russische Armee würde es nicht sonderlich schätzen, auf der falschen Seite dieser Waffen zu landen. (dabei geht es nicht primär um Panzer wie den Merkava, der für das Gelände der Ukraine eventuell suboptimal ist, sondern um Dinge wie die extrem weitreichende Spike-Antipanzer-Rakete, diverse Flugabwehr-Systeme, Drohnen, Anti-Raketen Rüstsätze für europäische Panzermodelle etc.)

    Das ist eben der entsprechende Punkt. Der Zeitgeist in vielen US-Bundesstaaten ist derzeit eben so. Wenn die gesellschaftliche Mehrheit dort ein Verbot der Abtreibung unterstützt, ist logisch, dass sich das auch irgendwann in den Gerichten widerspiegelt.

    Eigentlich nicht.
    Seit das Urteil in den 70ern gefällt wurde, ist die Anzahl der Abtreibungsgegner sogar zurückgegangen.
    Deshalb sind ja viele Amerikanerinnen so verärgert, das ist eine Minderheit, die dank eines veralteten Wahlsystems, Wählerunterdrückung und skrupelloser politischer Tricks seitens der Trumpikaner Posten an den entscheidenden Stellen besetzen konnte.

    Zu Dänemark und den Niederlanden finde ich nichts bezüglich Mannschaftstransportpanzer.

    Dänemark, Niederlande

    Zu Norwegischer Artillerie ist mir nichts bekannt,

    Gibt da bisher noch keine definitive Bestätigung, aber es gibt etliche Berichte, dass die norwegische Armee M109 Panzerhaubitzen aus ihren Lagern holt, und für den Transport vorbereitet.

    Und das mit dem kaputt sparen ist halt der Punkt, man kann eben nur schicken was man auch selber hat oder was man zumindest nicht selber vermissen würde, es ist klar dass Länder wie die USA oder die Briten wo die eigenen Armeen aus historischen Gründen einen höheren Stellenwert besitzen, eben doch größeres Material locker machen können als Deutschland.

    Die Slowakei hat ihre komplette Langstrecken-Flugabwehr geschickt.
    Polen 20% seiner Kampfpanzer, obwohl es eine Grenze zu Russland hat, und die Ersatzfahrzeuge erst 2025 eintreffen werden. Die Slowenen denken darüber nach, den Großteil ihrer Kampfpanzer zu schicken.
    Es ist durchaus eine Frage des Willens.
    Zumal ja Unterstützung der Ukraine dazu beiträgt, dass die potenzielle Bedrohung, der Deutschland sich im Ernstfall gegenüber sehen würde, für die nächsten Jahre kleiner sein wird, da Russland einige Zeit brauchen wird, die Verluste zu erstzen.

    Dabei habe ich gerade von den großen NATO Ländern wie UK, Frankreich, Italien und den USA eigentlich nichts gehört oder gesehen was Deutschland nicht auch tuen würde, auch diese Länder haben der Ukraine bis jetzt so gut wie keine schweren Waffen geliefert, mit Ausnahme der USA aber auch dort nur sehr begrenzt und beispielsweise keine Kampfpanzer, die aber jeder von Deutschland einfordert.

    Infanteriewaffen hat Deutschland durchaus geliefert, aber bei schweren Waffen sind andere Länder eindeutig vor Deutschland.

    Polen und Tschechien haben über 200 Kampfpanzer und knapp 100 Schützenpanzer geliefert, Slowenien will ebenfalls Kampfpanzer liefern.
    Die Briten Spähpanzer.
    Die Amerikaner, Briten, Niederländer und Dänen Mannschaftstransportpanzer.
    Die Amerikaner, Briten, Franzosen, Polen, Tschechen, Niederländer, Norweger, Kanadier, Australier und sogar Esten Artillerie.
    Flugabwehrwaffen, die größer als schulter-gestüzte Werfer sind, haben bisher die Slowaken (ihr komplettes Arsenal an S-300, wodurch sie jetzt selbst keine Langstrecken-Flugabwehr mehr haben), Tschechen, Briten, und noch langem langem Zögern und herumlavieren auch Deutschland geliefert, bzw. versprochen.

    Das wäre kein Thema, wenn wir von Belgien, Litauen oder Portugal reden würden.
    Wir reden aber von der mit Abstand größten Volkswirtschaft Europas.
    Deutschlands Wirtschaft ist fast doppelt so groß wie die der Polen, Tschechen, Niederländer, Dänen, Slowaken, Slowenen und Esten zusammen.

    Ok, Deutschland hat die Bundeswehr in den letzten Jahrzehnten ziemlich tot gespart, und die Strukturen im Verteidigungsministerium sind extrem ineffizient, sodass es nicht ganz so viel verfügbares Material gibt, wie von einem Land dieser Größe zu erwarten wäre, aber es ist nicht so, dass Deutschland von niemandem gewarnt worden wäre, dass es seinem Militär mehr Beachtung schenken sollte.


    Edit: Ach ja: und Sergei Lawrow ist einem Interview ein wenig Amok gelaufen:

    "Lawrow erklärte in einem italienischen TV-Interview am Sonntag, es sei egal, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jüdisch sei - dies widerspreche nicht der russischen Sichtweise, dass die Ukraine "entnazifiziert" werden müsse. "Seit langem hören wir die weisen Juden sagen, die größten Antisemiten seien die Juden selbst", sagte Lawrow. Er glaube sogar Hitler habe eine jüdische Herkunft gehabt "

    Als Kontext: Diese Verschwörungstheorie kommt von Hans Frank, Generalgouverneur im besetzten Polen, als er in Nürnberg versucht, die Schuld am Krieg und den Verbrechen nach oben und zu den Juden abzuschieben.
    Israel, das bisher eher neutral war, hat die Aussagen aufs Schärfste verurteilt, und den russischen Botschafter ins Außenministerium zitiert, mal schauen, ob da noch mehr kommt.


    Aus militärischer Sicht kommen die Russen weiterhin nur langsam und nur dank des exzessiven Einsatzes von Artillerie voran, während die ukrainischen Gegenangriffe zunehmen.
    Mit dem Einkesseln der ukrainischen Truppen im Osten dürfte es bei einer Vormarschgeschwindigkeit von 5km pro Woche jedenfalls schwierig werden.
    Gestern dürfte der russische Generalstabschef Valery Gerasimov nur knapp einem ukrainischen Artillerieschlag entgangen sein, wobei es widersprüchliche Bericht gibt, ob er verletzt wurde, oder ob es schon weg war, als der Kommandoposten zerstört wurde, und General Nr. 9 oder 10 ums Leben kam.

    Hat denn irgendjemand von uns aktuell eine Vorstellung davon, wie viele Panzer Russland unter Kriegswirtschaftsbedingungen derzeit wöchentlich bauen kann? Womöglich mit chinesischer Hilfe?

    Bauen? Derzeit? Da stimme ich Black Templar zu, die werden eher wenig Neues bauen, wenn überhaupt, bei ihren aktuellen Modellen sind sie zu sehr von Teilen aus dem Westen abhängig. Sie werden natürlich gerade daran arbeiten, die Produktion umzustellen, das wird aber wohl noch einige Zeit dauern (siehe Halbleiter- und jetzt Kabelbaumkrise in der europäischen Autoindustrie), sei es, ob man die aktuellen Modelle mit behelfsmäßigen Ersatzteilen baut (Monate, und geringe Zahlen), man wieder auf ältere Modelle umstellt (Jahre, dafür dann größere Zahlen), oder beginnt die Komponenten selber herzustellen (halbes Jahrzehnt).
    Da hilft in dem Fall auch eine Kriegswirtschaft nichts, wenn man die Dual-User Industrie nicht hat, aus der man qualifizierte Arbeitskräfte und Maschinen abziehen kann, und das ist in Russland großteils der Fall, dann gibt es Limits.

    Die primäre Quelle für neues russische Material dürften für die nächsten Monate und Jahre also die Depots sein.
    Was problematisch genug ist, wenn man bedenkt, was für gewaltige Mengen da noch eingelagert sind, auch wenn ~90% davon erst aufwendig instand gesetzt werden müssen, weil in den letzten 3 Jahrzehnten die zuständigen Offiziere massenhaft Komponenten auf dem Schwarzmarkt verkauft haben.

    Man kann vermutlich durchaus davon ausgehen, dass, Nordkorea auf verschiedenen Wegen (Spionage, Schwarzmarkt oder direkte Hilfe) einzelne Sub-Systeme aus Russland, China und dem Iran bekommen hat.

    Man kann vermutlich davon ausgehen, dass das Ding leistungsfähiger ist, als die T-62 Klone, die nach wie vor die Masse der nordkoreanischen Panzertruppe stellen.
    Wie weit ist die Frage, bisher hat man ja nur die Bilder, kann brauchbar sein, kann ein potemkinscher Panzer sein.
    Wobei die Panzerabwehrraketen auf der Seite des Turms darauf hindeuten könnten, dass die Entwickler der Kanone eventuell nicht zu 100% vertrauten, beziehugnsweise nicht in der Lage waren, Raketen zu entwickeln die durch das Rohr abgefeuert werden können.