Sinn und Unsinn der Hartz-Reformen

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    • Flo78 schrieb:

      Sprach der Mann der das "faule Harzerpack" zur Zwangsarbeit abkommandieren will
      Von "faule Harzerpack" habe ich nie gesprochen. Im Gegenteil. Ich schrieb weiter oben, dass es mit Hartz4 bestimmt nicht immer einfach ist. Es wurde aber davon gesprochen, dass diese Leute "arm" seien. Unter "arm" verstehe ich deutlich was anderes.

      Und die "Zwangsarbeit" soll sich auf einen beschränkten Zeitraum in einer Notsituation beschränken, in der helfende Hände im Krankenhaus, auf dem Feld, im Supermarkt, bei der Müllabfuhr usw. fehlen. Wie TauPandur schon schrieb, kann es auch ein gutes Gefühl sein, in so einer Notsituation zu helfen und seinen Teil beizutragen.

      Auf freiwilliger Basis wäre dies natürlich noch besser, bevor aber die Versorgung in Deutschland im schlimmsten Fall zusammenbricht, sollten solche Maßnahmen möglich sein.
      Ich sehe keinen Sinn darin, dass zum Beispiel Hartz4-Bezieher zu Hause in der Wohnung hocken und ihre staatlichen Leistungen beziehen, während Hilfe in bestimmten Bereichen benötigt wird. Wer gesund ist und keine Einschränkungen hat, sollte helfen.


      Flo78 schrieb:

      Und der Stammtischklassiker des "wir vergleichen unser reiches Industrieland mit ein paaar Entwicklungsländern um unsere absurden Forderungen zu untermauern" darf natürlich auch nicht fehlen.
      Merk dir das gut wenn die nächste Gehaltsverhandlung mit deinem Chef ansteht und er dir 5€ die Stunde bietet mit dem Verweis darauf das die Mehrheit in Indien, Afrika oder Bangladesch ja schließlich auch deutlich weniger verdient und du damit schließlich auch nicht verhungerst
      Meine Ausführungen bezogen sich klar auf die Aussage, die Menschen in Deutschland sind "arm". Es mag mit Sicherheit Einzelschicksale geben, die durch das Raster fallen. Wir leben aber in einem Sozialstaat. 99,99% derjenigen, die wirklich wollen, bekommen eine Wohnung, Geldleistungen von Staat, haben eine Heizung, Telefon und können sich was zu essen kaufen. Hier ist ist nieman arm. Wer darüber meckert verhöhnt in meinen Augen die Mehrheit der Menschen in Indien, Afrika oder Bangladesch und sollte einfach mal dankbar, dass man in Deutschland geboren ist.
      Das ist menschenverachtend den Leuten in Indien, Afrika oder Bangladesch gegenüber.
    • Andragoras schrieb:

      Von "faule Harzerpack" habe ich nie gesprochen. Im Gegenteil.
      Die Funktionsweise von Abführungszeichen ist dir bekannt ?

      Andragoras schrieb:

      Hier ist ist nieman arm.
      Äh doch sogar jede Menge schau dir mal die offiziellen Zahlen an, nur weil es woanders den Menschen noch schlechter geht heißt das nicht das es bei uns keine Armut gibt. Aber da sind wir wieder an dem Punkt wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann wenn das tatsächlich der einzige Anspruch an unser angeblich so tolles und überlegenes Wirtschaftssystem ist das niemand verhungern und unter der Brücke leben muss.

      Andragoras schrieb:

      Wer darüber meckert verhöhnt in meinen Augen die Mehrheit der Menschen in Indien, Afrika oder Bangladesch und sollte einfach mal dankbar, dass man in Deutschland geboren ist
      Niemand hat einen Einfluß darauf wann und wo er geboren wird insofern ist es ein wenig schwierig dafür jemandem dankbar zu sein aber froh bin ich auf jeden fall das ich in Deutschland geboren wurde.

      Andragoras schrieb:

      Das ist menschenverachtend den Leuten in Indien, Afrika oder Bangladesch gegenüber.
      Menschenverachtend ist für mich die ärmsten und schwächsten Menschen im Lande zu Zwangsarbeiten zwingen zu wollen nur weil mann seit Jahrzehnten zu geizig ist ausreichend entsprechende (Fach)kräfte einzustellen und ordentlich zu bezahlen.

      "Arbeiten im Büro das ist wie Sex in der Ehe, am Anfang gibt man sich Mühe und hat Spaß und nach ein paar Jahren macht man immer das selbe und ist einfach nur froh wenn Feierabend ist"


      -Bernd Stromberg- :thumbsup:
    • Natürlich gibt es Armut in Deutschland, besonders Kinder von Alleinerziehenden sind davon betroffen. Dazu gibt es reichlich Studien und da kommt der Staat seinen Pflichten auch nicht nach. Was bringt es diesen Kindern auf lange Sicht, dass die Familie ALGII und eine Wohnung gestellt bekommt, wenn es für diese Kinder keine notwendigen Bildungsangebote gibt und sie dadurch nie aus dieser Mühle heraus kommen?

      So züchtet man Generationen von Hilfeempfängern heran und spaltet die Gesellschaft.
    • Flo78 schrieb:

      Die Funktionsweise von Abführungszeichen ist dir bekannt ?
      Nein. Abführungszeichen sind mir nicht bekannt. :D

      Spaß beiseite:
      Du benutzt die Anführungszeichen zwischen zwei Wörtern und stellst diese in einem Zusammenhang, den ich nicht benutzt habe. Jemand der Harzt4 bekommt, ist für mich nicht grundsätzlich faul. Jeder Mensch ist anders und in jeder Gruppe gibt es "Faule" oder "Fleißige" usw.

      Flo78 schrieb:

      Äh doch sogar jede Menge schau dir mal die offiziellen Zahlen an, nur weil es woanders den Menschen noch schlechter geht heißt das nicht das es bei uns keine Armut gibt. Aber da sind wir wieder an dem Punkt wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann wenn das tatsächlich der einzige Anspruch an unser angeblich so tolles und überlegenes Wirtschaftssystem ist das niemand verhungern und unter der Brücke leben muss.
      Über die Definition von "Armut" kann man sich wochenlang streiten. Ich denke, hier liegen wir eigentlich nicht weit auseinander. Den Umgang damit sehen wir halt anders.
      Ich finde die Argumentation schwierig, sich auf der einen Seite möglichst eine einheitliche Welt zu wünschen, in der alle Menschen gleich sind und auf der anderen Seite den Maßstab von "Armut" auf Deutschland bezogen zu sehen und den Rest der Welt (Indien, Afrika oder Bangladesch usw.) damit auszublenden.
      Das ist für mich Rosinenpickerei.
      Wenn man die ganze Welt als Maßstab sieht, dann gehört jeder Harzt4 Empfänger eher zum reichen Teil der Weltbevölkerung. Und der Reichtum der westlichen beruht zum großen Teil auf Kosten von Ländern wie Indien, Somalia oder Bangladesch.

      Flo78 schrieb:

      Niemand hat einen Einfluß darauf wann und wo er geboren wird insofern ist es ein wenig schwierig dafür jemandem dankbar zu sein aber froh bin ich auf jeden fall das ich in Deutschland geboren wurde.
      Richtig. Aber wieso ist es schwierig dankbar zu sein? Ist doch ganz einfach. Ich gebe es ehrlich zu, dass ich nicht mit jemanden aus Indien oder Somalia tauschen möchte. Ich bin sehr dankbar in Deutschland geboren worden zu sein.

      Flo78 schrieb:

      Menschenverachtend ist für mich die ärmsten und schwächsten Menschen im Lande zu Zwangsarbeiten zwingen zu wollen nur weil mann seit Jahrzehnten zu geizig ist ausreichend entsprechende (Fach)kräfte einzustellen und ordentlich zu bezahlen.
      Sehe hier keinen Zusammenhang.
      Im Prinzip schreibst du gerade, dass Hartz4 Leute Fachkräfte sind und nur auf eine entsprechende Stelle in einem Unternehmen warten?
      Wenn Menschen einen ordentlichen Schulabschluss haben und sich halbwegs bemühen, dann war bis vor Ausbruch der Cornona-Krise die Chance recht gut einen ansprechenden Job zu finden. Oft scheitert es daran, dass die Schulleistungen nicht entsprechend waren oder die Bereitschaft fehlt sich örtlich zu verändern. Den Leuten ist dann aber nicht zu helfen und die sollen froh sein, in Deutschland zu leben und noch Harzt4 zu bekommen.

      Und selbst ungelehrnte Kräfte können verdammt viel Geld verdienen. Aus meinem näheren Umfeld sehe ich, was zum Beispiel Schweißer verdienen. Ich habe einen Hochschulabschluss und verdiene unwesentlich mehr.

      Oder das Bespiel Opel: Da hatten die meisten Mitarbeiter ein Eigenheim, weil da sehr gut verdient worden ist. Und ich spreche von den "normalen" Arbeitern am Band. Wo ist denn Opel heute? Hast du denn einen teuren Opel gekauft und die "armen" Mitarbeiter unterstützt und zur Rettung von Opel beigetragen? Oder gehst du ins Autohaus mit dem Ziel möglichst ein gutes Angebot zu bekommen?

      Auf der einen Seite wollen alle viel verdienen, auf der Seite sollen die Produkte aber schön günstig bleiben. Da brauche ich kein Mathe studiert zu haben um zu verstehen, dass dies nicht funktionert.


      Gaius Bonus schrieb:

      Was bringt es diesen Kindern auf lange Sicht, dass die Familie ALGII und eine Wohnung gestellt bekommt, wenn es für diese Kinder keine notwendigen Bildungsangebote gibt und sie dadurch nie aus dieser Mühle heraus kommen?

      So züchtet man Generationen von Hilfeempfängern heran und spaltet die Gesellschaft.
      Da muss ich was zu sagen.
      Ich habe zwei Kinder, die zur Grundschule bzw. noch in die Kita gehen.
      Regelmäßig werden helfende Hände gesucht für verschiedene Aktionen, die kein Geld kosten, sondern bei denen einfach ein paar helfende Hände gebraucht werden. Wer ist da immer am Start und wer fehlt auffällig regelmäßig, obwohl Zeit vorhanden wäre?
      Die normal Berufstätigen, Teilzeitkräfte aber auch berufstätigen Alleinerziehenden schaffen es in der Regel irgendwie sich Zeit freizuschaufeln und zu helfen.
      Fast nie sieht man Leute, von denen man weiß, dass das Geld knapp ist (Harzt4) und auch (leider) von Menschen mit Migrationshintergrund. Ist jetzt nur mein Eindruck von zwei Einrichtungen, aber es bestätigt den Eindruck beim Austausch mit Leuten aus anderen Stadtteilen und Städten.
    • Andragoras schrieb:

      Im Prinzip schreibst du gerade, dass Hartz4 Leute Fachkräfte sind? Wenn Menschen einen ordentlichen Schulabschluss haben und sich halbwegs bemühen, dann war bis vor Ausbruch der Cornona-Krise die Chance recht gut einen ansprechenden Job zu finden. Oft scheitert es daran, dass die Schulleistungen nicht entsprechend waren oder die Bereitschaft fehlt sich örtlich zu verändern.
      Oder es scheitert eben daran das in vielen Bereichen nach wie vor nicht die Löhne bezahlt werden die nötig wären, siehe gerade den Bereich Pflege im Krankenhaus oder Altenheim.
      Aber nicht nur da überall wurden und werden seit den Agenda2010 und Harz "Reformen" die Löhne massivst gedrückt oder stagnieren und alles was der Wirtschaft dazu einfällt ist "Fachkräftemangel" zu brüllen und von der Politik zu fordern die möglichst billig aus dem Ausland heranzuschaffen damit man ja keine Löhne erhöhen muss. Ich bin es ehrlich gesagt leid weil ich das auch hier schon tausendfach diskutiert habe und immer noch diese selber Schuld weil "schlechte Schulnoten" nichts "ordentliches gelernt" usw. Argumente kommen die in den allermeisten Fällen schlicht nicht stimmen.
      Pflegekräfte habe ich schon genannt aber warum herrscht denn wohl seit Jahren auch im Handwerk (die Industrie ist tatsächlich eine Ausnahme) Lehrlings und Facharbeitermangel ? Weil mann von dem was mann da verdient heute schlicht nicht leben kann außer mann wohnt im letzten Provinzkaff im tiefsten Osten wo die Lebenshaltungskosten noch wie 1990 sind. Also gehen heute lieber alle studieren in der Hoffnung dann einen besser bezahlten Job zu bekommen. Aber selbst das ist ja keinerlei Garantie mehr, auch Akademiker hangeln sich heute von einem befristeten Job zum nächsten, "Generation Praktikum" lässt grüßen.

      Andragoras schrieb:

      Auf der einen Seite wollen alle viel verdienen, auf der Seite sollen die Produkte aber schön günstig bleiben. Da brauche ich kein Mathe studiert zu haben um zu verstehen, dass dies nicht funktionert.
      Da die meisten Konsumgüter heute eh in Asien produziert werden stimmt deine Argumentation sowieso nicht. Andererseits wer soll denn die teuren exklusiv in Deutschland produzierten Güter wie Autos kaufen wenn alle nur noch so wenig verdienen ? Denn Autos kaufen nun mal keine Autos wie schon Henry Ford wusste.

      "Arbeiten im Büro das ist wie Sex in der Ehe, am Anfang gibt man sich Mühe und hat Spaß und nach ein paar Jahren macht man immer das selbe und ist einfach nur froh wenn Feierabend ist"


      -Bernd Stromberg- :thumbsup:
    • Flo78 schrieb:

      Oder es scheitert eben daran das in vielen Bereichen nach wie vor nicht die Löhne bezahlt werden die nötig wären, siehe gerade den Bereich Pflege im Krankenhaus oder Altenheim.
      Aber nicht nur da überall wurden und werden seit den Agenda2010 und Harz "Reformen" die Löhne massivst gedrückt oder stagnieren und alles was der Wirtschaft dazu einfällt ist "Fachkräftemangel" zu brüllen und von der Politik zu fordern die möglichst billig aus dem Ausland heranzuschaffen damit man ja keine Löhne erhöhen muss. Ich bin es ehrlich gesagt leid weil ich das auch hier schon tausendfach diskutiert habe und immer noch diese selber Schuld weil "schlechte Schulnoten" nichts "ordentliches gelernt" usw. Argumente kommen die in den allermeisten Fällen schlicht nicht stimmen.
      Irgendwie haust du hier gerade gefühlt 1.000 Themen in 3,5 Sätze. Da weiß man gar nicht wie man darauf ordentlich antworten soll. Aber ich versuche es mal.
      In bestimmten Bereichen wird bestimmt nicht gut genug gezahlt (zum Beispiel Pflegekräfte), da möchte ich dir auch gar nicht wiedersprechen.
      Ich frage aber noch mal mal: Was willst du? Du siehst doch, was jeden Monat von deinem Gehalt an deine Krankenkasse geht (oder warst du Lehrer? - Sorry, habe ich gerade nicht im Blick). Wenn wir diese Kräfte besser bezahlen wollen und nach Möglichkeit die 85-jährigen Corona-Kranken, dann kostet das Geld. Und dies meine ich bestimmt nicht menschenverachtend (wie es mir zum Teil unterstellt wird), sondern das ist Fakt.
      Das ist die Entscheidung, die jede Gesellschaft für sich treffen muss.

      Ansonsten gibt es gügend Berufe, in denen Fachkräfte gesucht werden, aber keinen den Job machen will. Zum Beispiel Bäcker: Da muss man halt früh aufstehen und arbeitet zeitlich an seinem privaten Umfeld vielleicht vorbei. Aber es ist ein gut bezahlter und in der Regel sicherer Job.


      Flo78 schrieb:

      Pflegekräfte habe ich schon genannt aber warum herrscht denn wohl seit Jahren auch im Handwerk (die Industrie ist tatsächlich eine Ausnahme) Lehrlings und Facharbeitermangel ? Weil mann von dem was mann da verdient heute schlicht nicht leben kann außer mann wohnt im letzten Provinzkaff im tiefsten Osten wo die Lebenshaltungskosten noch wie 1990 sind. Also gehen heute lieber alle studieren in der Hoffnung dann einen besser bezahlten Job zu bekommen. Aber selbst das ist ja keinerlei Garantie mehr, auch Akademiker hangeln sich heute von einem befristeten Job zum nächsten, "Generation Praktikum" lässt grüßen.
      Wenn ich sehe, was auf einer Handwerker-Rechnung an Lohn-Kosten abgerufen werden, kann ich nur widersprechen. Und ich glaube nicht, dass der Chef von dem kleinen Handwerksbetrieb um die Ecke sich auf Kosten seiner 3 Mitarbeiter die Taschen voll macht. Bis vor Corona hat das Handwerk super volle Auftragsbücher gehabt. Versuche doch mal einen guten Handwerker zu finden? Teilweise muss man ja schon als Bittsteller auftreten, weil Handwerker wegen kleineren Dingen nicht mehr rauskommen, da auf den Großbaustellen mehr Geld verdienst werden kann.

      Flo78 schrieb:

      Da die meisten Konsumgüter heute eh in Asien produziert werden stimmt deine Argumentation sowieso nicht. Andererseits wer soll denn die teuren exklusiv in Deutschland produzierten Güter wie Autos kaufen wenn alle nur noch so wenig verdienen ? Denn Autos kaufen nun mal keine Autos wie schon Henry Ford wusste.
      In Deutschland wird auch immer noch genügend produziert, nicht mehr so viel wie vor 20 Jahren, aber es wird produziert.
    • TauPandur schrieb:

      Wer in einer Notsituation, obwohl zur Arbeit fähig, dazu nicht willig, ist für mich ein riesen Arschloch und gehört sanktioniert. Wir anderen tuen auch unseren Teil.
      Wurde doch erst höchstrichterlich festgestellt, dass HarzIV nur bis zu einem bestimmten Grad gekürzt werden kann, weil Existenzminimum.

      Aber nehmen wir mal an man würde alle die aktuell nicht arbeiten, seien es arbeitslose, freigestellte, Flüchtlinge, Pensionäre etc. zwangsverpflichten, dann wäre es dennoch nicht so einfach wie man sich das vorstellt. An kritischer Infrastruktur würde ich zwangsverpflichtete schon mal nicht einsetzen, also Krankenhäuser fallen für mich da raus, da ist das Risiko, dass jemand der da nicht sein will scheiße baut, viel höher als der Nutzen.
      Irgendwo auf einem Feld vielleicht unproblematischer, aber auch da müsste man dann stark sortieren, die Leute mit körperlichen Gebrechen oder die zur Risikogruppe gehören müsste man raus lassen und das würde das Teilnehmerfeld schon mal sehr stark ausdünnen, denn die meisten die nicht Arbeiten tun das ja nicht weil sie wirklich gerne Zuhause rumhängen. Die die wirklich nicht arbeiten möchten, werden sich aber auch weiterhin davor drücken können, sei es durch Krankschreibung oder in dem sie halt Sanktionen in Kauf nehmen. Am Ende bleiben dann die, die es auch freiwillig gemacht hätten + ein paar sehr demotivierte Arbeiter. Von den sozialen Aspekten abgesehen, würde sich das denn wirklich lohnen? Oder sogar so lohnen, dass man dafür das Grundgesetz ändern sollte wie angeregt? Ich glaube kaum.

      In meinen Augen wäre es da wesentlich sinnvoller alle benötigten Helferstellen zentral zu registrieren und allen die in Frage kommen ein Schreiben zuzusenden, mit der Bitte sich freiwillig zu melden, sofern es die eigene Situation zulässt und das was dort verdient wird dann auch nicht oder nicht voll auf Arbeitslosengeld/Hartz IV anzurechnen, bzw. für Leute die nur freigestellt sind irgendwie anders steuerlich zu begünstigen. Dann sortiert sich das von ganz alleine.
    • Fairas schrieb:

      Immer schön auf die ärmsten der Armen eindreschen.
      Wie Andarogas schon schrieb, es ist erstmal eine Frage was arm ist. Abgesehen davon das man es in Deutschland als Arbeitsloser, lässt man die Staaten mit dicken Ölvorkommen außer acht gibt es kaum ein Land wo es einem als Arbeitlosem besser geht. Gerade als Langzeitarbeitslosen. In vielen Ländern ist es nämlich so das man nur eine gewisse Zeit Arbeitslosengeld bekommt und danach auf Nahrungsmittelkarte oder die "Hand in den Mund" umgestellt wird.
      Interessant auch das arm == wenig Geld bedeutet.
      Schau mal Fairas, ich verdiene gut und stehe dazu. Dafür hab ich sehr unregelmässige Arbeitszeiten, ggf. Rufbereitschaft, muss wenn mein Arbeitgeber das sagt am nächsten Morgen in irgend einer anderen Stadt in Europa zur Verfügung stehen, Weiterbildungen besuchen etc. Der Job ist jeden Tag psychisch und manchmal physisch fordernd.
      Im Moment bin ich z.B. von meinem Arbeitgeber in die Isolation geschickt worden - weil ich nicht verheiratet bin und keine Kinder hab, der Betrieb muss nämlich weiter laufen. In den letzten 3 Wochen habe ich genau 3 Mal einen Fuß vor die Tür gesetzt. Dafür bekomme ich zusätzliches Geld, arbeite aber fast jeden Tag. Auch an den Wochenenden.
      Du stehst 9 oder 10 Uhr auf, schaust dir erstmal die "Heute-Show" von Gestern an, schreibst dann in irgendeinem Forum Beiträge und schaust ob irgendwer mit dir streiten mag. Kannst rausgehen wann du magst, kannst tun was du magst. Kannst den ganzen Tag zocken oder Fernsehschauen.
      Musst einmal im Monat zum Amt und ggf. mal zu einer Maßnahme.
      Du bekommst die gleiche medizinische Versorgung wie ich, obwohl ich den maximalen Satz in die gesetzliche einzahle.
      Sag mir mal ganz ehrlich - wer von uns Beiden ist das arme Schwein?

      Fairas schrieb:

      Warum brauchen Unternehmen eigentlich Wirtschaftshilfen vom Staat? Warum geben die (Groß-)Aktionäre nicht einfach ihre Gewinne zurück die sie in den letzten Jahren abgeschöpft haben? Weil Solidarität und so.
      Weil diese Großaktionäre z.B. große Pansionsfonds sind die mit den Aktiengewinnen die Rente von Menschen finanzieren die Jahr(zente)lang in diese Fonds eingezahlt haben. Möchtest du z.B. amerikanischen Rentnern, die in der Suprimekrise eh schon stark gelitten haben, nun noch die Reste wegnehmen?
      "Solidarität" von Seiten der Alten die durch Corona eh schon am härtesten gebeutelt werden?
      Du siehst, einfache Lösungen fordern ist nicht immer einfach, auch auf "linker" Seite nicht.

      Flo78 schrieb:

      Da bin ich ganz bei dir aber das geht ja schon beim "normalen" Arbeitnehmer los der von seinem Chef permanent zu spüren bekommt das er ja eigentlich nur ein überflüssiger Kostenfaktor ist den mann gerne bei der nächsten Gelegenheit los werden möchte. Mir erschließt sich aber auch nicht ganz wie mann einem Harzer das Gefühl des gebraucht- und geschätztwerdens geben will in dem mann ihn zu etwas zwingt was er gar nicht möchte.
      Man kann kündigen. Es wurden bis vor kurzem überall Leute gesucht. Soll dieser Chef halt sehen wie er kommt. Habe jetzt auch schon bei einigen Unternehmen gearbeitet, in der Studienzeit auch bei Kaufland Regale eingeräumt und getan was ich tun musste um über die Runden zu kommen.
      Es ist schon seltsam. Diesen beschworenen "Arschlochchef", habe ich fast nie erlebt. Ein Chef ist eben auch ein Mensch, wenn mal was zurückkommt was nicht so nett ist, dann kann auch ein Chef mal einen schlechten Tag haben, sich Sorgen machen oder einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden sein.

      Flo78 schrieb:

      Hm also der Mindestlohn in der Pflege beträgt irgendwas um die 11,30 €, unser Lidl vor Ort zahlt seinen ungelernten Kasierern und Kasiererinnen 12 € da glaube ich kaum das irgend jemand auf den "Geschmack kommt" im Altenheim zu arbeiten und das erklärt auch warum die Mitarbeiter beim Lidl immer noch zur arbeit erscheinen während Spahn verzweifelt versucht Pflegepersonal in Osteuropa und Asien anzuwerben.
      Warum machen dann eigentlich Leute diesen Job? Komisch, ein Freund von mir arbeitet als Pflegekraft. Hat als Pflegehelfer angefangen und tatsächlich Mindestlohn verdient. Mitlerweile hat er X Weiterbildungen gemacht und verdient signifikant mehr. Natürich will ich das Lohndumping nicht in Abrede stellen. Aber hier wäre vor allem der Staat gefragt. Immerhin kontrolliert er Pflegeheime und komischerweise bekommt auch das letzte Gammelheim bei der Kontrolle eine "1-".
      Hier wäre es vielleicht erstmal nicht verkehrt beim Staat mit dem eisernen Besen durchzukehren und die Angestellten und Beamten die für die Kontrolle und Aufsicht über das Pflegewesen zuständig sind zu entlassen. Aber "schlechte" Pflegeheime sind staatlich wohl auch garnicht gewollt.

      Gaius Bonus schrieb:

      Das sollte dann aber genau so für die Leute gelten, die Kindergeld vom Staat kassieren.
      Kindergeld soll auch einkommensschwachen Familien die Möglichkeit auf Kinder geben und ist keine unmittelbare Unterhaltssicherung. Übrigens erbringen die Kinder idr. auch die "Gegenleistung" und gehen zur Schule oder in den Kindergarten, nennt sich SchulPFLICHT. Daran könnten sich auch die Elten halten.

      Flo78 schrieb:

      Menschenverachtend ist für mich die ärmsten und schwächsten Menschen im Lande zu Zwangsarbeiten zwingen zu wollen nur weil mann seit Jahrzehnten zu geizig ist ausreichend entsprechende (Fach)kräfte einzustellen und ordentlich zu bezahlen.
      In meiner Firma, in der ganzen Branche (Energieversorgung) wird gut gezahlt und selbst ausgebildet. Wir finden keine Leute. Bzw. die wenigen die wir finden sind auch für simple Arbeiten etc. nicht zu gebrauchen weil sie komplett unzuverlässig sind. Mehr als gut ausbilden und gut bezahlen geht kaum.
      Ich denke mal das die Energiewirtschaft nicht die einzige Branche ist der es so geht.

      Gaius Bonus schrieb:

      Natürlich gibt es Armut in Deutschland, besonders Kinder von Alleinerziehenden sind davon betroffen. Dazu gibt es reichlich Studien und da kommt der Staat seinen Pflichten auch nicht nach. Was bringt es diesen Kindern auf lange Sicht, dass die Familie ALGII und eine Wohnung gestellt bekommt, wenn es für diese Kinder keine notwendigen Bildungsangebote gibt und sie dadurch nie aus dieser Mühle heraus kommen?
      Komisch, die Meisten hier sind doch auf eine staatliche Schule gegangen - oder? Und aus den Meisten hier ist was geworden. Liegts ggf. nicht am Geld sondern an den Elten die mit dem Kind am Abend noch die Hausaufgaben machen oder eine Doku anschauen statt das Kind vor der PSX oder der X-Box abzuladen um dann selbst Ruhe zu haben? Wir leben in einer Zeit der Informationsschwemme. Man muss eher aussortieren was man haben will, statt zu wenig zu haben.
      Aber für Bücher, Fernseher und jetzt das Internet gilt immer eine Grundregel: "Die Dummen machts dümmer, die Klugen klüger."

      Imperator Bob schrieb:

      Wurde doch erst höchstrichterlich festgestellt, dass HarzIV nur bis zu einem bestimmten Grad gekürzt werden kann, weil Existenzminimum.
      Jop, aber um 30% kann es gekürzt werden. Und ein HarzIVler der z.B. absichtlich Schäden anrichtet kann auch darüber hinaus wie jeder andere Mensch gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Arbeitslose sind arbeitslos, nicht unzurechnungsfähig.

      Imperator Bob schrieb:

      Aber nehmen wir mal an man würde alle die aktuell nicht arbeiten, seien es arbeitslose, freigestellte, Flüchtlinge, Pensionäre etc. zwangsverpflichten, dann wäre es dennoch nicht so einfach wie man sich das vorstellt. An kritischer Infrastruktur würde ich zwangsverpflichtete schon mal nicht einsetzen, also Krankenhäuser fallen für mich da raus, da ist das Risiko, dass jemand der da nicht sein will scheiße baut, viel höher als der Nutzen.
      Es ging um Arbeitslose. Und ja, bei der Armee hat das mit dem Zwangsverpflichten gut geklappt und komischerweise wollten am Ende der Dienstzeit so viele dabei bleiben das die Armee immer auswahl zwischen vielen potentiellen Soldaten hatte die sich weiter verpflichten wollten. Warum soll es hier anders sein?

      Imperator Bob schrieb:

      In meinen Augen wäre es da wesentlich sinnvoller alle benötigten Helferstellen zentral zu registrieren und allen die in Frage kommen ein Schreiben zuzusenden, mit der Bitte sich freiwillig zu melden, sofern es die eigene Situation zulässt und das was dort verdient wird dann auch nicht oder nicht voll auf Arbeitslosengeld/Hartz IV anzurechnen, bzw. für Leute die nur freigestellt sind irgendwie anders steuerlich zu begünstigen. Dann sortiert sich das von ganz alleine.
      Solange die Hilfskräfte dann finanziell nicht besser gestellt sind als die Leute die den Job jeden Tag, qualifiziert und freiwillig tun, spräche nichts dagegen.

      Beste Grüße

      TauPandur
      DIESER BEITRAG WURDE MASCHINELL ERSTELLT UND IST OHNE UNTERSCHRIFT GÜLTIG
    • TauPandur schrieb:

      In meiner Firma, in der ganzen Branche (Energieversorgung) wird gut gezahlt und selbst ausgebildet. Wir finden keine Leute. Bzw. die wenigen die wir finden sind auch für simple Arbeiten etc. nicht zu gebrauchen weil sie komplett unzuverlässig sind. Mehr als gut ausbilden und gut bezahlen geht kaum.
      Ich denke mal das die Energiewirtschaft nicht die einzige Branche ist der es so geht.
      So sieht es aus. 2-3 Millionen Arbeitslose/Harzt4 heißt ja nicht, dass Firmen nicht einstellen wollen. Die haben häufig nicht die entsprechenden Qualifikationen und/oder sind nichtnin der Lage sich diese anzueignen.
      Ist ja schön einfach auf die Regierung oder die Firmen zu schmipfen. Das man aber auch selber in seine Bildung investieren kann - und wenn es nur Zeit ist - wird gerne ausgeblendet. Es wird niemand an eine Tür klingeln und einem einen Job anbieten. Da muss man schon selbst aktiv werden.
    • TauPandur schrieb:

      Es ging um Arbeitslose. Und ja, bei der Armee hat das mit dem Zwangsverpflichten gut geklappt und komischerweise wollten am Ende der Dienstzeit so viele dabei bleiben das die Armee immer auswahl zwischen vielen potentiellen Soldaten hatte die sich weiter verpflichten wollten. Warum soll es hier anders sein?
      Da hast du ne komplett andere Altersstruktur und Lebenssituation wenn die Leute eingezogen werden und Mehrheit der eingezogenen hat den Dienst an der Waffe verweigert und stattdessen Zivildienst gewählt. Man hatte ja durchaus eine Wahl, auch dann bezüglich Zivildienststelle. Und wenn man keine Kosten wegen Unterbringung hat, dann ist das was man als junger Mensch bekommt auch nicht so wenig. Und ja auch da gab es mehr als genug Leute die sich gedrückt haben, mal davon abgesehen, dass da ziemlich viel Bürokratie dahinter gesteckt hat um das ganze zu organisieren.

      Letztendlich, wenn Stellen frei und dem Arbeitsamt gemeldet sind sind, dann kann die Bundesagentur für Arbeit ja bereits jetzt verlangen, dass man sich darauf bewirbt. Tut man es nicht, drohen Sanktionen. Es gibt hier bereits einen mehr oder weniger funktionierenden Mechanismus, gibt schon Gründe warum die die länger arbeitslos sind es sind und nein, in der Regel nicht weil sie keinen Bock haben und der Gesellschaft nichts zurückgeben wollen. Klar könnte man die Leute auch von Feldjägern abholen und aufs Feld karren lassen, unterm Strich ist das aber doch nicht mehr als Polemik, vom mangelnden Nutzen abgesehen.

      Wer jetzt Zuhause rumsitzt, egal ob arbeitslos oder nicht, kann sich ja gerne melden, es wird genug geben die solche Hilfsdienste als Dienst an der Gesellschaft sehen werden und es gerne machen. Wenn ich freigestellt wäre, würde ich es mir auch überlegen, Landwirtschaft gibts z.B. hier in der Umgebung auch genug die Hilfe brauchen. Zivildienst hab ich auch gemacht, also weiß zumindest ein bisschen was darüber was eine Hilfskraft so alles machen kann und wie viel Arbeit man damit den Pflegekräften alltäglich abnehmen kann. Aber aktuell kann ich mich über mangelnde Arbeit nicht beschweren, ich mache seit ich aus dem Urlaub zurück bin Überstunden und da werden sicher noch mehr folgen, ein Hoch auf die kritische Infrastruktur :rolleyes:
    • Imperator Bob schrieb:

      Da hast du ne komplett andere Altersstruktur und Lebenssituation wenn die Leute eingezogen werden und Mehrheit der eingezogenen hat den Dienst an der Waffe verweigert und stattdessen Zivildienst gewählt.
      Um so besser, da sind dann durch den Zivildienst ggf. schon Vorerfahrungen in der Pflege vorhanden.
      Ich sehe es halt als WIN-WIN-WIN, der Arbeitslose bekommt eine Tätigkeit mit Sinn und mehr Geld, die Gesellschaft weniger Tote und die Pfleger in Krankenhäusern und Altenheimen werden etwas entlastet. Gerade in einer Notsituation verstehe ich nicht wie man sich dagegen sperren kann.


      Imperator Bob schrieb:

      Es gibt hier bereits einen mehr oder weniger funktionierenden Mechanismus, gibt schon Gründe warum die die länger arbeitslos sind es sind und nein, in der Regel nicht weil sie keinen Bock haben und der Gesellschaft nichts zurückgeben wollen.
      Jeder lernt solche Leute ab und an mal kennen - Langzeitarbeitslose. Es ist natürlich nur mein sehr eigener subjektiver Eindruck. Klar gibt es die wirklich Kranken die nicht mehr können die ph/ps fertig sind, meist um die 50+ und nach X Jobwechseln oder harter körperlicher Arbeit, für diese Gruppe hab ich volles Verständnis. Aber ehrlich gesagt hat es unterhalb dieser Alterskohorte fast immer hat es vor allem mit Bequemlichkeit, Angst oder Drogen/Sucht zutun. - Wie gehabt, vollkommen subjektiver Graswurzelblick von mir.


      Imperator Bob schrieb:

      Klar könnte man die Leute auch von Feldjägern abholen und aufs Feld karren lassen, unterm Strich ist das aber doch nicht mehr als Polemik, vom mangelnden Nutzen abgesehen.
      Warum wäre das eigentlich bei Soldaten (Reservisten) ok, bei anderen nicht? Wenn man Wehrdienst geleistet hat, ist man ob man will oder nicht Reservist, als Zivildienstleistender ist man nach dem Dienst raus aus der Nummer. Ist das fair? Es ist eine zivile Krise, da kann man dann auch die Leute mit Vorbildung ranziehen.


      Imperator Bob schrieb:

      ich mache seit ich aus dem Urlaub zurück bin Überstunden und da werden sicher noch mehr folgen, ein Hoch auf die kritische Infrastruktur
      Jo, als IT-ler hat man in der Regel die Arschkarte. Wenns läuft regt sich das Managment über die "viel zu hohen IT Kosten" auf und wenn dann alles auf HomeOffice umgestellt wird (und das binnen weniger Tage passieren muss) ist die IT natürlich schuld wenn es irgendwo mal nicht hundert Prozent rund läuft. Von daher, durchhalten, kannst die Überstunden ja sicher bald abfeiern.

      Beste Grüße

      TauPandur
      DIESER BEITRAG WURDE MASCHINELL ERSTELLT UND IST OHNE UNTERSCHRIFT GÜLTIG
    • Imperator Bob schrieb:

      Wer jetzt Zuhause rumsitzt, egal ob arbeitslos oder nicht, kann sich ja gerne melden, es wird genug geben die solche Hilfsdienste als Dienst an der Gesellschaft sehen werden und es gerne machen. Wenn ich freigestellt wäre, würde ich es mir auch überlegen, Landwirtschaft gibts z.B. hier in der Umgebung auch genug die Hilfe brauchen. Zivildienst hab ich auch gemacht, also weiß zumindest ein bisschen was darüber was eine Hilfskraft so alles machen kann und wie viel Arbeit man damit den Pflegekräften alltäglich abnehmen kann. Aber aktuell kann ich mich über mangelnde Arbeit nicht beschweren, ich mache seit ich aus dem Urlaub zurück bin Überstunden und da werden sicher noch mehr folgen, ein Hoch auf die kritische Infrastruktur

      Genau dies meine ich ja im Prinzip.
      Zwangsmaßnahmen sollten immer an letzter Stelle stehen. Optimal wäre es natürlich, wenn die Leute, die aktuell oder schon länger Zeit haben, sich freiwillig melden würden. Wenn nicht genügend Helfer vorhanden sind, sollten Zwangsmaßnahmen ergriffen werden.

      In meiner Familie habe ich zwei Ärzte, die in der Schweiz arbeiten. Die sind auch von Zwangsmaßnahmen betroffen: Urlaub gestrichen, Urlaubssperre und Aufhebung der gesetzlichen Arbeitszeit und Ruhezeiten, bis die Krise überwunden ist.
      Ist für die Personen nicht schön, aber in der aktuellen natürlich nachvollziehbar. Wird das aber breit in der Öffentlichkeit diskutiert? Nein!
      Aber wenn z.B. Lehrer oder Harzt4-Empfänger in Deutschland in einer Notsituationen helfen sollen, da wird erst mal dagegen diskutiert.
    • @Andragoras

      Kannst gerne die Fertigstellung der Jahresendnoten, die Vorbereitungen für den Online-Unterricht, die Ausarbeitung eines Klausurenvorschlags für das Abitur im Mai und die Korrekturen von Klausuren und Klassenarbeiten, die einige Lehrer*innen noch rumliegen haben, gerne übernehmen. Nebenbei darfst du dann auch gerne meine drei Kinder betüdeln ( 2 davon im Kita-Alter)
      Dann gege ich aufs Feld oder in die Klinik.

      Wie kommst du eigentlich immer auf den Gedanken, dass Lehrer zuhause rumsitzen und Eier schaukeln. Wenn du Ahnung von diesem Beruf hättest, dann wüsstest du, dass Lehrer 50% ihrer Arbeitszeit eh im Homeoffice verbringen. Lehrer sind gerade nicht arbeitslos!
    • @ Lord Wolhynia

      Mit "Lehrer" meine ich ja auch nicht dich persönlich.
      Es gibt aber genügend Lehrer ohne Kinder und/oder Lehrer an Grundschulen. Die haben bestimmt mehr Zeit als du jetzt.
      Dazu gibt es in Deutschland die verschiedensten Schulformen, wo aktuell halt nicht so viel ansteht.
      Hast du nicht selber geschrieben, dass einige deiner Kollegen zum Gesundstelefon "versetzt" worden sind?
      Nein, ich bin bestimmt kein Experte und ich gehe nicht davon aus, dass man 100% der Lehrer zeitlich zu 100% versetzen kann. Wenn aber 5-10% möglich sind, dann sollte man diese Ressource nutzen.
    • Sorry erstmal, ich lese aktuell nur sehr selektiv mit, zu viel Corona-verwandte Themen auf einmal gehen mir zu sehr auf die nerven :wacko:

      TauPandur schrieb:

      Warum wäre das eigentlich bei Soldaten (Reservisten) ok, bei anderen nicht? Wenn man Wehrdienst geleistet hat, ist man ob man will oder nicht Reservist, als Zivildienstleistender ist man nach dem Dienst raus aus der Nummer. Ist das fair? Es ist eine zivile Krise, da kann man dann auch die Leute mit Vorbildung ranziehen.
      Ich bin der letzte der behaupten würde, dass das alte System aus Wehrdienst und Zivildienst jemals fair war. Wehrgerechtigkeit war praktisch zu keinem Zeitpunkt gegeben. Ein Grund von mehreren warum es die Wehrpflicht auch nicht mehr gibt ;)

      TauPandur schrieb:

      Von daher, durchhalten, kannst die Überstunden ja sicher bald abfeiern.
      Ja danke, werde ich. Ich meine aktuell kann man ja doch sehr froh sein wenn der eigene Job hat der aktuell nicht auf der Kippe steht und bei dem man auch sicher arbeiten kann. Erst kürzlich gesehen wie die Zalando Mitarbeiter dicht gedrängt im Bus zur Arbeit gefahren sind, da ist nichts mit Abstand halten.

      Andragoras schrieb:

      In meiner Familie habe ich zwei Ärzte, die in der Schweiz arbeiten. Die sind auch von Zwangsmaßnahmen betroffen: Urlaub gestrichen, Urlaubssperre und Aufhebung der gesetzlichen Arbeitszeit und Ruhezeiten, bis die Krise überwunden ist.
      Ist für die Personen nicht schön, aber in der aktuellen natürlich nachvollziehbar. Wird das aber breit in der Öffentlichkeit diskutiert? Nein!
      Aber wenn z.B. Lehrer oder Harzt4-Empfänger in Deutschland in einer Notsituationen helfen sollen, da wird erst mal dagegen diskutiert.

      TauPandur schrieb:

      Ich sehe es halt als WIN-WIN-WIN, der Arbeitslose bekommt eine Tätigkeit mit Sinn und mehr Geld, die Gesellschaft weniger Tote und die Pfleger in Krankenhäusern und Altenheimen werden etwas entlastet. Gerade in einer Notsituation verstehe ich nicht wie man sich dagegen sperren kann.
      Bitte nicht falsch verstehen, ich habe überhaupt nichts dagegen das Arbeitslose auf dem Feld oder im Krankenhaus arbeiten, denn dann sind sie nicht mehr arbeitslos :rolleyes:
      Nur bei euch und insbesondere Andragoras klang es irgendwie nach das Faule Pack aufs Feld schaffen wo es nützlich ist, Grundgesetz? Ach egal, kann man ändern. Es macht für mich schon einen Unterschied ob es nach Zwangsarbeit oder Arbeitsvermittlung klingt. Wir leben immerhin in einer freiheitlichen Gesellschaft, dass sollte sich auch in so einer Situation nicht einfach so ändern lassen.

      Urlaubssperre und angeordnete Überstunden sind übrigens etwas, womit man in der Arbeitswelt auch so rechnen muss. Streichen von Urlaub wäre normal schon wesentlich problematischer, aber Flüge etc. werden vermutlich schon vorher gestrichen worden sein, sodass die persönlichen Auswirkungen geringer sein sollten als sonst.

      Die Einschränkung von Ruhezeiten und die Aufweichung des Arbeitsschutzes hingegen halte ich für sehr problematisch. Ein Arzt der Burnout bekommt, ein LKW Fahrer der einen Unfall baut und die Altenpflegerin deren Immunabwehr so im Keller ist dass Sie sich sofort was holt sind sicher nicht das was man aktuell braucht. Ja, solche Krisen benötigen Maßnahmen, aber sie müssen angemessen und verhältnismäßig sein. Wir haben es hier zwar mit einer ernsten Krankheit zu tun, aber sie könnte auch noch wesentlich schlimmer sein.
    • Imperator Bob schrieb:

      Bitte nicht falsch verstehen, ich habe überhaupt nichts dagegen das Arbeitslose auf dem Feld oder im Krankenhaus arbeiten, denn dann sind sie nicht mehr arbeitslos
      Nur bei euch und insbesondere Andragoras klang es irgendwie nach das Faule Pack aufs Feld schaffen wo es nützlich ist, Grundgesetz? Ach egal, kann man ändern. Es macht für mich schon einen Unterschied ob es nach Zwangsarbeit oder Arbeitsvermittlung klingt. Wir leben immerhin in einer freiheitlichen Gesellschaft, dass sollte sich auch in so einer Situation nicht einfach so ändern lassen.
      "Faules Pack" habe ich nie so gesagt und gemeint.
      Vielleicht habe hierzu eine extremere Meinung als andere. Eine Krise kann man versuchen als Chance zu sehen und Dinge zu verbessern, die man die letzten Jahre nie angepackt bzw. nur auf kleiner Flamme ein Thema verfolgt hat.
      Ich habe z.B. die Hoffnung, dass Themen wie Digitalisierung und HomeOffice stärker verangetrieben werden. Ich sehe ja selbst in meinem Umfeld, dass HomeOffice für viele heißt, dass man mit dem Laptop auf der Couch sitzt und vielleicht mal eine Email beantwortet. Jetzt sehen diese Leute (teilweise Entscheider) vielleicht mal, dass man genauso gut von zu Hause wie im Büro arbeiten kann.

      Auch das Grundgesetz ist erstmal ein Stück Papier. Ein sehr wichtiges Stück Papier, aber ein Dokument, welches man ändern kann und auch sollte, weil Gesellschaften sich entwickeln.

      Freiwilligkeit ist immer besser. Ich vertrete aber die Meinung, dass in Notsituationen vom Staat bezahlte Gruppen (Harzt4, Beamte) da eingesetzt werden können, wie gerade Hilfe benötugt wird.
      Jetzt kann man mich gerne wieder steinigen. Ich finde weiter gut, wenn in einer normalen Situation zum Beispiel Harzt4-Bezieher 1x die Woche durch den Park gehen und Müll einsammeln. Für mich ist die Geldleistung Harzt4 eine Art Lohn des Staates, von der man eine Gegenleistung erwarten kann.
      Und die Gegenleistung kann nicht erbracht wenn (Achtung: Bewusste Überspitzung!!! Harzt4 ungleich "Faules Pack") man 7 Tage der Woche erstmal gemütlich um 11 Uhr aufsteht, eine Runde fernseh schaut und dann seine Zeit in Foren verbringt.

      Meine Meinung muss man nicht teilen, es ist aber meine Meinung!


      Imperator Bob schrieb:

      Urlaubssperre und angeordnete Überstunden sind übrigens etwas, womit man in der Arbeitswelt auch so rechnen muss. Streichen von Urlaub wäre normal schon wesentlich problematischer, aber Flüge etc. werden vermutlich schon vorher gestrichen worden sein, sodass die persönlichen Auswirkungen geringer sein sollten als sonst.

      Die Einschränkung von Ruhezeiten und die Aufweichung des Arbeitsschutzes hingegen halte ich für sehr problematisch. Ein Arzt der Burnout bekommt, ein LKW Fahrer der einen Unfall baut und die Altenpflegerin deren Immunabwehr so im Keller ist dass Sie sich sofort was holt sind sicher nicht das was man aktuell braucht. Ja, solche Krisen benötigen Maßnahmen, aber sie müssen angemessen und verhältnismäßig sein. Wir haben es hier zwar mit einer ernsten Krankheit zu tun, aber sie könnte auch noch wesentlich schlimmer sein.
      Unter normalen Umständen hast du vollkommen recht.
      Aber wer möchte denn verantworten, dass die Sterblichkeit in der aktuellen Situation im 20% höher ist, weil der Arzt nach 8h Feierabend macht und dann ein langes Wochenende mit 3 Tagen Urlaub macht? Die Staaten (hier die Schweiz) haben doch gar keine andere Möglichkeit.
      Genau diese Frage habe ich doch schon in ähnlicher Form vor 3 Wochen in den Raum geworfen. Was ist eine Gesellschaft bereit zu "opfern" (Wirtschaft, Arbeitsrechte usw.) um das Leben von tendenziell 85+-jährigen zu retten. Wenn der Arzt statt 12h jetzt 14h am Tag arbeitet und er dadurch 2 85+-jährige mehr rettet, ist dies gewünscht und vertretbar dem Arzt gegenüber?
      Genau solche Fragen habe ich in den Raum geworfen und gleich "menschenverachtend" und schlimmer "Nazi" vor den Kopf geworfen bekommen.

      Man sollte dieses ganze Thema versuchen sachlich zu sehen, auch wenn es schwer fällt, da es um Menschenleben geht. Ich möchte aber nicht entscheiden müssen, wo die Grenze ist zwischen möglichst viele Leben retten und Einschränkungen von Wirtschaft, Arbeitsrechten, Grundrechten usw. Aber in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

      Versucht mal ohne Emotionen das Thema zu betrachten.
    • Andragoras schrieb:



      Auch das Grundgesetz ist erstmal ein Stück Papier. Ein sehr wichtiges Stück Papier, aber ein Dokument, welches man ändern kann und auch sollte, weil Gesellschaften sich entwickeln.

      Freiwilligkeit ist immer besser. Ich vertrete aber die Meinung, dass in Notsituationen vom Staat bezahlte Gruppen (Harzt4, Beamte) da eingesetzt werden können, wie gerade Hilfe benötugt wird.
      Jetzt kann man mich gerne wieder steinigen. Ich finde weiter gut, wenn in einer normalen Situation zum Beispiel Harzt4-Bezieher 1x die Woche durch den Park gehen und Müll einsammeln. Für mich ist die Geldleistung Harzt4 eine Art Lohn des Staates, von der man eine Gegenleistung erwarten kann.
      Und die Gegenleistung kann nicht erbracht wenn (Achtung: Bewusste Überspitzung!!! Harzt4 ungleich "Faules Pack") man 7 Tage der Woche erstmal gemütlich um 11 Uhr aufsteht, eine Runde fernseh schaut und dann seine Zeit in Foren verbringt.
      Das Grundgesetz ist nicht nur ein wichtiges Papier, sondern auch nicht dehnbar oder gar zu verändern. Denn so wie es ist, ist es gut. Dafür sind mal Menschen gestorben irgendwann. Wenn man davon ausgeht ein Grundgesetz zu ändern, laiert man auch ganz schnell viele andere Gesetze aus, welche dann nicht mehr so funktionieren.

      Zu deinem zweiten Punkt, kann ich Dir sagen, dass ich dir hier und da Recht geben muss. Ich war selbst 5 Jahre lang HartzIV Empfänger. Damals war diese Hochwasserphase in der Ex-DDR. Irgendwie waren mehrere Ortschaften Landunter. Zu diesem Zeitpunkt warf mir mein persönlicher Ansprechpartner auf dem Jobcenter vor, dass ich faul sei und einfach nur keinen Job suchen würde. Ich bot ihm an mir ein Ticket zu bezahlen, dann würde ich helfen Sandsäcke zu schleppen damit die Menschen in trockenen Häusern leben könnten. Dafür wurde aber auch nur wenig Verständnis gezeigt. Es ist eben auch so, dass so ein Ansprechpartner eine gewisse Menge an Arbeitsuchenden unter sich haben muss, ansonsten ist er nicht mehr notwendig. Dann kann es ihm schnell passieren, dass er auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz nehmen muss. Es kam innerhalb dieser 5 Jahre damals bei mir mal vor, dass ich über 6 Monate nicht ein Schreiben vom JC erhalten hatte und ich dann stattdessen einfach selbst hin bin. Wollte mir daraus auch keinen Strick drehen lassen von denen.
      _____________________________
      Solange du dich bemühst, andere zu beeindrucken, bist Du von dir selbst nicht überzeugt. Solange Du danach strebst, besser als andere zu sein, zweifelst Du an deinem eigenen Wert. Solange Du versuchst, dich größer zu machen, indem du andere kleiner machst, hegst Du Zweifel an deiner eigenen Größe. Wer in sich ruht, braucht niemandem etwas beweisen. Wer um seinen Wert weiß, braucht keine Bestätigung. Wer seine Größe kennt, lässt anderen die ihre.
      -Verfasser unbekannt
    • Andragoras schrieb:

      "Faules Pack" habe ich nie so gesagt und gemeint.Vielleicht habe hierzu eine extremere Meinung als andere. Eine Krise kann man versuchen als Chance zu sehen und Dinge zu verbessern, die man die letzten Jahre nie angepackt bzw. nur auf kleiner Flamme ein Thema verfolgt hat.
      Ich habe z.B. die Hoffnung, dass Themen wie Digitalisierung und HomeOffice stärker verangetrieben werden. Ich sehe ja selbst in meinem Umfeld, dass HomeOffice für viele heißt, dass man mit dem Laptop auf der Couch sitzt und vielleicht mal eine Email beantwortet. Jetzt sehen diese Leute (teilweise Entscheider) vielleicht mal, dass man genauso gut von zu Hause wie im Büro arbeiten kann.

      Auch das Grundgesetz ist erstmal ein Stück Papier. Ein sehr wichtiges Stück Papier, aber ein Dokument, welches man ändern kann und auch sollte, weil Gesellschaften sich entwickeln.

      Freiwilligkeit ist immer besser. Ich vertrete aber die Meinung, dass in Notsituationen vom Staat bezahlte Gruppen (Harzt4, Beamte) da eingesetzt werden können, wie gerade Hilfe benötugt wird.
      Jetzt kann man mich gerne wieder steinigen. Ich finde weiter gut, wenn in einer normalen Situation zum Beispiel Harzt4-Bezieher 1x die Woche durch den Park gehen und Müll einsammeln. Für mich ist die Geldleistung Harzt4 eine Art Lohn des Staates, von der man eine Gegenleistung erwarten kann.
      Und die Gegenleistung kann nicht erbracht wenn (Achtung: Bewusste Überspitzung!!! Harzt4 ungleich "Faules Pack") man 7 Tage der Woche erstmal gemütlich um 11 Uhr aufsteht, eine Runde fernseh schaut und dann seine Zeit in Foren verbringt.

      Meine Meinung muss man nicht teilen, es ist aber meine Meinung!


      Imperator Bob schrieb:

      Urlaubssperre und angeordnete Überstunden sind übrigens etwas, womit man in der Arbeitswelt auch so rechnen muss. Streichen von Urlaub wäre normal schon wesentlich problematischer, aber Flüge etc. werden vermutlich schon vorher gestrichen worden sein, sodass die persönlichen Auswirkungen geringer sein sollten als sonst.

      Die Einschränkung von Ruhezeiten und die Aufweichung des Arbeitsschutzes hingegen halte ich für sehr problematisch. Ein Arzt der Burnout bekommt, ein LKW Fahrer der einen Unfall baut und die Altenpflegerin deren Immunabwehr so im Keller ist dass Sie sich sofort was holt sind sicher nicht das was man aktuell braucht. Ja, solche Krisen benötigen Maßnahmen, aber sie müssen angemessen und verhältnismäßig sein. Wir haben es hier zwar mit einer ernsten Krankheit zu tun, aber sie könnte auch noch wesentlich schlimmer sein.
      Unter normalen Umständen hast du vollkommen recht.Aber wer möchte denn verantworten, dass die Sterblichkeit in der aktuellen Situation im 20% höher ist, weil der Arzt nach 8h Feierabend macht und dann ein langes Wochenende mit 3 Tagen Urlaub macht? Die Staaten (hier die Schweiz) haben doch gar keine andere Möglichkeit.
      Genau diese Frage habe ich doch schon in ähnlicher Form vor 3 Wochen in den Raum geworfen. Was ist eine Gesellschaft bereit zu "opfern" (Wirtschaft, Arbeitsrechte usw.) um das Leben von tendenziell 85+-jährigen zu retten. Wenn der Arzt statt 12h jetzt 14h am Tag arbeitet und er dadurch 2 85+-jährige mehr rettet, ist dies gewünscht und vertretbar dem Arzt gegenüber?
      Genau solche Fragen habe ich in den Raum geworfen und gleich "menschenverachtend" und schlimmer "Nazi" vor den Kopf geworfen bekommen.

      Man sollte dieses ganze Thema versuchen sachlich zu sehen, auch wenn es schwer fällt, da es um Menschenleben geht. Ich möchte aber nicht entscheiden müssen, wo die Grenze ist zwischen möglichst viele Leben retten und Einschränkungen von Wirtschaft, Arbeitsrechten, Grundrechten usw. Aber in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

      Versucht mal ohne Emotionen das Thema zu betrachten.

      Ein längere Arbeitszeit für Ärzte und Pflegekräfte hat zwei negative Auswirkungen:

      - es erhöht deren Risiko sich zu infizieren anzustecken, schwer zu erkranken und zu versterben (ist in China, Italien, UK und USA häufiger vorgekommen/ China hat das Problem gelöst indem Massenhaft Krankenhauspersonal aus anderen Provinzen nach Hubei geschickt wurde)

      - es sterben mehr Patienten durch vermeidbare Fehler

      Das ist eine populistische Maßnahme, die den gegenteiligen Effekt. Statt mehr Menschen zu versorgen und evtl. zu retten reduzierst du nachhaltig deine Kapazitäten durch ausfälle.

      Dazu gibt es Alternativen.

      Wir haben eine relativ große Reserve an ausgebildeten Pflegekräfte, die irgendwann den Job hingeschmissen haben, weil die Arbeitsbedingungen (Zeiten, Druck, Geld) unter normalen Umständen schon zu schlecht sind.

      Das Problem ist nicht erst seit Corona die zu geringe Anzahl der Personen, die in dem Beruf arbeiten. Warum nicht den Personalschlüssel grundsätzlich erhöhen, und den Beruf attraktiver machen?
      "There is no need to die on the road. You can always do homeoffice."
      - Proverb in Bangladesh
    • Loon schrieb:

      Andragoras schrieb:

      Auch das Grundgesetz ist erstmal ein Stück Papier. Ein sehr wichtiges Stück Papier, aber ein Dokument, welches man ändern kann und auch sollte, weil Gesellschaften sich entwickeln.

      Freiwilligkeit ist immer besser. Ich vertrete aber die Meinung, dass in Notsituationen vom Staat bezahlte Gruppen (Harzt4, Beamte) da eingesetzt werden können, wie gerade Hilfe benötugt wird.
      Jetzt kann man mich gerne wieder steinigen. Ich finde weiter gut, wenn in einer normalen Situation zum Beispiel Harzt4-Bezieher 1x die Woche durch den Park gehen und Müll einsammeln. Für mich ist die Geldleistung Harzt4 eine Art Lohn des Staates, von der man eine Gegenleistung erwarten kann.
      Und die Gegenleistung kann nicht erbracht wenn (Achtung: Bewusste Überspitzung!!! Harzt4 ungleich "Faules Pack") man 7 Tage der Woche erstmal gemütlich um 11 Uhr aufsteht, eine Runde fernseh schaut und dann seine Zeit in Foren verbringt.
      Das Grundgesetz ist nicht nur ein wichtiges Papier, sondern auch nicht dehnbar oder gar zu verändern. Denn so wie es ist, ist es gut. Dafür sind mal Menschen gestorben irgendwann. Wenn man davon ausgeht ein Grundgesetz zu ändern, laiert man auch ganz schnell viele andere Gesetze aus, welche dann nicht mehr so funktionieren.
      Zu deinem zweiten Punkt, kann ich Dir sagen, dass ich dir hier und da Recht geben muss. Ich war selbst 5 Jahre lang HartzIV Empfänger. Damals war diese Hochwasserphase in der Ex-DDR. Irgendwie waren mehrere Ortschaften Landunter. Zu diesem Zeitpunkt warf mir mein persönlicher Ansprechpartner auf dem Jobcenter vor, dass ich faul sei und einfach nur keinen Job suchen würde. Ich bot ihm an mir ein Ticket zu bezahlen, dann würde ich helfen Sandsäcke zu schleppen damit die Menschen in trockenen Häusern leben könnten. Dafür wurde aber auch nur wenig Verständnis gezeigt. Es ist eben auch so, dass so ein Ansprechpartner eine gewisse Menge an Arbeitsuchenden unter sich haben muss, ansonsten ist er nicht mehr notwendig. Dann kann es ihm schnell passieren, dass er auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz nehmen muss. Es kam innerhalb dieser 5 Jahre damals bei mir mal vor, dass ich über 6 Monate nicht ein Schreiben vom JC erhalten hatte und ich dann stattdessen einfach selbst hin bin. Wollte mir daraus auch keinen Strick drehen lassen von denen.
      Zum ersten Abschnitt.
      Das stimmt so nicht.
      Da muss ich widersprechen. Das Grundgesetz ist schon zig mal geändert worden. Laut kurzer Google-Recherche 63 mal. Und das ist auch gut, da auch Gesetze sich aktuellen Entwicklungen anpassen müssen.

      Deine Erfahrungen mit Hartz4 tun mir Leid. Ist bestimmt kein schönes Gefühl, wie ein Stück Ware behandelt zu werden. Das darf nicht sein. Ein fairer Umgang im Rahmen der Gesetze ist das Minimum.
      Dies schließt den Einsatz in Notsituationen und ein Stückchen zurück geben (zb. 1x pro Woche müllsammeln) nicht aus.

      @Bonny
      Kann dir nur zustimmen.
      Eine wirkliche Lösung sehe ich hier aber auch nicht.