Russland und die ehemaligen Staaten des Ostblocks

  • Pfeifen die Spatzen nicht von den Dächern, dass Gorbatschow im Rahmen der deutschen Einheit 40 Milliarden Mark für Kaliningrad haben wollte, dies von der BRD aber dankend abgelehnt wurde?


    Aus strategischer Sicht vielleicht ein Fehler. Aber was sollte Deutschland mit einem mehrheitlich von Russen besiedelten Gebiet, ohne Landverbindung zum Bundesgebiet. Wäre ein Milliardengrab gewesen. Und die Zeiten, wo Deutschland territoriale Forderungen in Osteuropa durchsetzen will, sind hoffentlich vorbei.

  • Kaliningrad ist eine deutsche Stadt, dort lebt eine deutsche Minderheit, die von den Russen unterdrückt wird. Die Bundesrepublik sollte öffentlich Anspruch darauf erheben.

    Ich kenne nur Königsberg. Meinst du das? ;) :P


    Pfeifen die Spatzen nicht von den Dächern, dass Gorbatschow im Rahmen der deutschen Einheit 40 Milliarden Mark für Kaliningrad haben wollte, dies von der BRD aber dankend abgelehnt wurde?


    Aus strategischer Sicht vielleicht ein Fehler. Aber was sollte Deutschland mit einem mehrheitlich von Russen besiedelten Gebiet, ohne Landverbindung zum Bundesgebiet. Wäre ein Milliardengrab gewesen. Und die Zeiten, wo Deutschland territoriale Forderungen in Osteuropa durchsetzen will, sind hoffentlich vorbei.

    Höre ich zum ersten Mal. Das fände ich aber krass, wenn man das abgelehnt hätte. Kann ich mir nicht vorstellen, dass Gorbatchow das angeboten hätte. Das wäre in Russland als Landesverrat wahrgenommen worden.

    Einmal editiert, zuletzt von John () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von John mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Es gibt dazu tatsächlich kaum Quellen. Aber es soll wohl ein Angebot gegeben haben, wie 20 Jahre später rausgekommen ist. Viel findet man dazu nicht. Wiedervereinigung: Moskau bot Verhandlungen über Ostpreußen an - DER SPIEGEL

  • 2001 unter Putin dann schon, gab es auch noch Gerüchte, dass Königsberg für einen Schuldenerlass verkauft werden könnte.


    Kaliningrad: Königsberg für eine Hand voll Euro? - DER SPIEGEL


    Interesannt in dem Artikel ist auch, dass die EU wohl in Kaliningrad investiert hat, damit die Exklave kein Exporteur für Drogen oder Bandenkriminalität an den zukünftigen EU-Grenzen wird.

  • Was sind denn die Sternenkriegspläne der neuen amerikanischen Regierung (2001) die in dem Artikel erwähnt werden?

    Dürfte sich um die Strategic Defense Initiative handeln.


    Strategic Defense Initiative – Wikipedia


    Ich kann mich selber erinnern das damals in den Medien viel gescherzt wurde über George Bushes "Star Wars" Programm.

  • Zeitlich passt die Aussage zu nichts was ich beim schnellen googlen finde. Das Programm wurde noch unter Clinton gestartet und dann unter Bush umgesetzt. Allerdings erst nach 9/11, auch "Star Wars" Artikel die ich finde sind alle nach 9/11 datiert. Deshalb kann ich nicht nachvollziehen worauf sich der Spiegel-Autor hier bezieht (da der Artikel vor 9/11 verfasst wurde).

  • Hier hast du noch einen Artikel aus der Zeit, vom 19.01.2001


    Bush: Handelskrieg mit den Europäern? - DER SPIEGEL


    Zitat

    Mit besonderer Besorgnis blickt die EU nach einigen verbalen Kraftmeiereien aus der Bush-Mannschaft auf die Sternenkriegspläne der USA. Das nationale Raketenabwehrsystem (NMD) wird in Brüssel als ein Plan gesehen, der Europa ausschließt, geltende Abrüstungsvereinbarungen unterwandert und Russland und China provozieren könnte. "Ich werde die Welt betrachten, wie sie ist, und nicht, wie sie war", sagte Bush dazu ungerührt in einem Interview, "und vor allem so, wie sie sein wird, und das bedeutet, dass ich die wirklichen Herausforderungen annehmen werde."


    National Missile Defense – Wikipedia


    Raketenabwehrschild: Kreml droht USA mit neuer Rüstungsspirale - Politik - Tagesspiegel

  • Okay, andere Frage: Warum sollte ausgerechnet Deutschland Kaliningrad haben wollen? Wegen der Historie macht das vielleicht Sinn, aber wäre dann ja genauso eine Exklave. Würde es nicht mehr Sinn machen wenn das Ding an Polen oder Litauen geht (gut die haben nicht den Zaster dafür)?


    EDIT:


    Anderes Thema:


    Anonymus hat Dokumente geleakt, aus denen hervorgeht, dass westliche, auch Deutsche Unternehmen, mutmaßlich Geschäfte mit der russischen Rüstungsindustrie gemacht haben. Konkret geht es um die Herstellung von Kalaschnikows. Das ist seit den Russland-Sanktion 2014 verboten.



    In einem gezeigten Beispiel, hat eine deutsche Firma ihre Russland-Geschäfte erst im Mai 2022 eingestellt, also erst drei Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs (verboten war es ja schon seit 2014...).


    Wundert mich das? Nein!


    Das einzige Gute was ich darin sehe: Wenn die russische Rüstungsindustrie wirklich von westlichen Produkten abhängig ist, bekommt sie jetzt womöglich Probleme mit der Produktion auch für den laufenden Krieg (sofern sie nicht zeitnah einen Ersat z.B. aus China organisieren können).

    "Je mehr die Menschen wissen, desto weniger müssen sie glauben"
    Bodo Wartke

    4 Mal editiert, zuletzt von Fairas ()

  • Meine dazu gestern einen Bericht gesehen zu haben wo es Dinge ging die sowohl zivil wie auch in z.B. der Rüstungsindustrie genutzt werden können.

    Laut dem Bericht wäre es eigentlich Aufgabe der Industrie zu prüfen wofür ihre Produkte vor Ort verwendet werden sollen und dann zu entscheiden ob es unter Sanktionen fällt oder nicht. Daran hatte natürlich keine Firma Interesse, selbst ein flüchtiger Blick über die Webseiten ihren Käufe hätte genüg um zu wissen dass das Zeug bei Kalashnikov ect. landet.

    Aber auch der Staat hatte kein Interesse daran genau hin zu schauen. Wird vielleicht Zeit solche Sanktionsbrecher mal in öffentlichen Prozessen zu drastischen Strafen zu verurteilen als Warnung für alle anderen.

  • Die Firmen wissen das mit ziemlicher Sicherheit eigentlich immer. Gab auch schon mal einen Fall wo Maschinen für Gewehrläufe nach Mexiko geliefert wurden, aber mit den Maschinen kann man angeblich auch Wasserrohre herstellen, das genügt dann für die Exportfreigabe. Auch die Leute in der Regierung die solche zweifelhaften Geschäfte genehmigen wissen das.


    Es geht wie so oft einfach nur darum Kohle zu scheffeln, egal um welchen Preis.


    "Witzig" ist auch der Fall einer deutschen Rüstungsfirma auf Sardinien. Deutschland sagt Italien ist für die Kontrolle zuständig, Italien sagt Deutschland ist für die Kontrolle zuständig. Da muss man nur genau einmal raten wer da jetzt kontrolliert :w00t:

  • Okay, andere Frage: Warum sollte ausgerechnet Deutschland Kaliningrad haben wollen? Wegen der Historie macht das vielleicht Sinn, aber wäre dann ja genauso eine Exklave. Würde es nicht mehr Sinn machen wenn das Ding an Polen oder Litauen geht (gut die haben nicht den Zaster dafür)?

    Es gibt/gab eine kleine Minderheit in Deutschland, die es aus historischen Gründen zurückfordert/zurückgefordert hat. Gerade weil sie aus ihrer Heimat 44/45 vertrieben wurden und gerne dorthin zurückgekehrt wären. Aber es ist wenn ein rein historisches Denken. Innerhalb der (ernstzunehmenden) Politik gibt es ja keinerelei Forderungen/Überlegungen da etwas zu machen. Würde für Deutschland auch keinen Sinn ergeben.


    Es gab wohl nach stalin auch das Angebot, Kalingrad in Litauen zu integrieren, wurde aber von Litauen abgelehnt, da die Bevölkerung dort hauptsächlich Russisch ist.

  • Passt hier auch gut rein. Thilo Jung hat den auf Berichte aus Kriegsgebieten spezialisierten Spiegel Reporter Christoph Reuter interviewt..


    Es geht um seinen Werdegang als Journalist sowie seine Erfahrungen in den diversen Krisenregionen der Welt. Da er vor kurzem noch in der Ukraine war, gehts es auch sehr sehr ausführlich um die dortige Lage mit vielen Details und Einschätzungen über die Entwicklung.


    Das Interview ist wie bei Jung & Naiv üblich wirklich lang, aber nie langweilig.



    Neben youtube gibt es das Interview auch als Podcast.

  • In den Tagen seit der Ankunft der amerikanischen HIMARS Raketenwerfer-Systeme (im Grunde eine LKW-gestützte Version des auch bei der Bundeswehr verwendeten MARS) sind mindestens 3 große russische Munitionsdepots hochgegangen, teils mit Rauchsäulen, die sich über knapp 100km erstreckten. Zusätzlich zu ein paar Kommandoposten.
    Als Folge davon/gleichzeitig, scheint das russische Artilleriefeuer, zumindest laut Satelliten die Brände aufspüren sollen, deutlich nachgelassen zu haben, während es Berichte aus Weißrussland gibt, dass die russische Armee jetzt deren Munitionsdepots leerräumt.

    Theoretisch kann es auch sein, dass das verminderte Artilleriefeuer mit einer Pause nach der Eroberung von Sjewjerodonezk zusammenhängt.
    Zudem dürfte Russland noch immer einiges an Feuerkraft haben, auch aus der Luft, wie der jüngste Angriff auf ein Einkaufszentrum gezeigt hat.
    Zumal die Ukraine ihrerseits ebenfalls in einer Munitionskrise steckt, da eine Kombination aus russischen Luft- und Raketenschlägen sowie der Kampfhandlungen ihre eigenen Depots mit Artillerie-Geschossen sowjetischer Kaliber (122, 152, 220, und 300mm) ziemlich geleert hat, und außerhalb Russlands nur Bulgarien eine nennenswerte Produktion hat, während westliche Geschütze, für die es in Europa größere Munitionsvorräte gibt (105mm, 155mm, 227mm), noch nicht in ausreichender Zahl angekommen sind, um dies zu kompensieren.

  • Hmm, mal ne Frage. Die Raketenwerfer sollen doch nur eine Reichweite von circa 70 Kilometern haben, es gibt zwar Munition, mit der sie erheblich weiter schießen können, aber die liefern die Amis angeblich nicht.

    Damit ist die Reichweite nicht so viel enorm weiter als von normaler Artillerie. Heißt das, die Russen haben nicht nur den direkten Nachschub, sondern wirklich große Depots so nah an der Front gehabt? Obwohl sie wussten, was da an Waffen kommt? Oder haben die Amis noch ein paar Raketen mit 300 Kilometer Reichweite in die Kisten gepackt?

  • 84 Kilometer sind, es glaube ich.

    Die meisten Artilleriegeschütze am Feld haben eine Reichweite zwischen 15 (sowjetische 2S1 (Panzer-)Haubitze) 18 (sowjetische 2S3) 20 (BM 21 Grad Merhfachraketenwerfer) und 47 km (Panzerhaubitze 2000).
    Daneben hat die Ukraine noch ein paar Langstrecken-Raketenwerfer wie BM-30 Smerch und taktische ballistische Raketen Tochka aus sowjetischer Produktion mit 70 bzw. 120 km Reichweite.

    Der Hauptunterschied zu diesen Systemen besteht primär in der Präzession, die Tochka hat einen CEP (der Radius in dem 50% der Raketen einschlagen) von 100m, Smerch von 150m. Angesichts der durchaus signifikanten Verluste der Ukraine, nicht nur bei diesen Werfern, sondern vor allem bei der von ihnen benötigten Munition, war es der Ukraine vermutlich nicht möglich so viele davon auf ein Ziel abzufeuern, dass man es garantiert trifft.
    HIMARS dagegen hat eine Munitionsproduktion im Westen, und ist in der Lage, direkte Treffer auf das anvisierte Gebäude zu erzielen. Außerdem gibt es Berichte, dass die russische Flugabwehr mit dem Abfangen der von HIMARS abgefeuerten Raketen mehr Probleme hat, als mit dem Abfangen der von Tochka abgefeuerten Raketen.


    Warum Russland die Munitionsdepots nicht verlegt hat?
    Gute Frage.
    Mit fallen 2 mögliche Gründe ein:
    1: Logistik, so ein Munitionsdepot verlegt man nicht einfach mal eben. Die Logistik ist auch der Grund, wieso Russland die Depots so nah wie möglich an der Front haben will, auch weil die russische LKW-Flotte vor Kiew massivst dezimiert wurde, sodass schon seit Monaten zivile LKWs requiriert werden.
    2: Zu viel Vertrauen in die eigene Propaganda, wenn dauernd erzählt wird, wie viele westliche Waffenlieferungen man ausgeschaltet haben will, dachten eventuell ein paar Offiziere, HIMARS würde nicht lange genug überleben, um eingesetzt zu werden.

  • Putin bezeichnete kürzlich den Verkauf des Krieges als „ruhig und gleichmäßig“. Die Truppen erreichten ihre im Plan gesetzten Zwischenziele. Die russischen Soldaten nannte er „Helden“, denen Lieder und Denkmäler gesetzt werden müssten.


    Außerdem warf Putin der NATO „imperiale Ambitionen“ vor. Mit dem NATO-Beitritt von Finnland und Schweden habe man aber „kein Problem“, auch wenn dies natürlich zu Spannungen führen werde.


    Putin wirft NATO „imperiale Ambitionen“ vor


    Auf persönlicher Ebene scheint das Tischtuch zwischen Putin und den westlichen Staatschefs wohl endgültig zerschnitten. Vor kurzem hatte Macron ein vertrauliches Telefonat mit Putin veröffentlichen lassen, dass er vier Tage vor Kriegsbeginn geführt hatte. Die beiden duzten und stritten sich dort über Selenskyj und den Donbass. Putin beendete das Gespräch schließlich genervt mit dem Hinweis, „er wolle jetzt Eishockey spielen“. Vertrauliche Telefonate wird es so bald zwischen Putin und Macron wohl nicht mehr geben.


    In Elmau witzelten die westlichen Staatschefs über Putins „oberkörperfreie Fotos“. Nachdem Johnson vorschlug das Jacket auszuziehen, meinte Trudeau wohl, man solle sich vielleicht mit freiem Oberkörper auf einem Pferd reitend zeigen.

    Putin gab dazu nun ein Interview, indem er sagte, hätten sich die westlichen Staatschefs oben ohne oder unten ohne gezeigt, wäre es „in jedem Fall ein widerlicher Anblick gewesen“. Er empfahl Sport und maßvollen Alkohol…


    Oben ohne: „In jedem Fall ein widerlicher Anblick“ – Putin lässt sich von G7 provozieren - WELT


    Damit sind wir nun wohl endgültig auf Schulhof-Niveau in der internationalen Politik angekommen. Erinnert an Hitlers Auslassungen, über den „Trunkenbold Churchill“…


    Ansonsten zeichnet sich immer mehr ab, dass China im gegnerischen Lager steht, Staaten wie Indien oder Indonesien aber nicht im westlichen Lager. Damit hat der Westen in diesem Jahrhundert den bisher stärksten Gegner der Geschichte vor sich.


    Der britische Oberkommandierende bezeichnete die Situation in Europa als „unseren 1937-Moment“. Er sprach sich für eine rasche Mobilisierung der NATO-Streitkräfte aus.


    Ach ja, die NATO hat u.a. die Aufstockung der Rapid Response Force von 40.000 auf über 300.000 Soldaten beschlossen. Zudem soll das 5. US-Korps dauerhaft nach Polen verlegt werden und dort ein permanentes US-Headquarter für Osteuropa entstehen.


    Weiterhin sollen zwei F-35 Geschwader nach GB verlegt werden und zwei zusätzliche Fregatten (dann 6 vor Ort) nach Spanien.

    4 Mal editiert, zuletzt von John () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von John mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Na ja, jetzt mal halblang. Ein virtuelles Treffen via Videokonferenz unter den BRICS-Staaten ist noch lange keine Gründung eines Warschauer Paktes 2.0. Das sind schlicht und ergreifend opportunistische Staatsführer, die sich alle Optionen offen halten und die Gelegenheit beim Schopfe packen, für nen Appel und zwei Eier Energie einzukaufen, mehr ist da nicht. Wenn Russland die Waschmaschinen ausgehen, die zum Ausschlachten von Chips für modernere Waffen verwendet werden, werden Indien und Argentinien wieder in der EU und den USA shoppen.

    China und Indien in einem Militärbündnis......ich bitte Dich; das werden Du und ich nicht erleben.

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