Ist Österreich deutsch?

  • Die Selbstwahrnehmung ist natürlich ein wichtiger Punkt.


    Es gab auch kein oströmisches Reich, die Bewohner sahen sich als Römer, die im römischen Reich lebten, bis zum Spätmittelalter.

    Ja Selbstwahrnehmung ist ein guter Punk, ich denke also bin ich.


    Ich frage mich nur bei so was wie deinem Beispiel nur immer wie viel davon wirklich gesichert ist. Klar wir haben Quellen, durchaus einige und ich zweifle auch nicht daran, dass die byzantinischen Kaiser als Römer gesehen haben, ich meine alleine schon des Prestiges wegen. Und auch die Einwohner einer großartigen Metropole wie Konstantinopel, voller antiker Bauwerke und zivilisatorischen Annehmlichkeiten weit über dem der benachbarten Barbaren, ja die werden da sicher über lange Zeit einen Bezug zum römischen Reich gehabt haben und sich so auch definiert haben.


    Ob der kretische Olivenbauer sich aber ein paar Jahrhunderten nach Untergang Westroms (oder überhaupt jemals davor) noch als Römer gefühlt hat, sondern erst mal als Olivenbauer des Dorfes XY, dann als Kreter, dann irgendwo weiter hinten als Grieche und dann ganz weit hinten kam noch irgend so ein Kaiser - dass wissen wir heute nicht mehr wirklich. Hat einfach niemanden damals besonders interessiert, war auch nicht sehr wichtig fürs alltägliche Leben. Von daher gibt es selten Einblicke in die Gedankenwelt einfacher Leute, gerade wenn man weit zurückgeht. Deswegen sind Archäologen ja so aus dem Häuschen wenn sie z.B. ein paar Tonscherben finden auf die einfache Händler was gekritzelt haben, sonst bekommt man ja überwiegend Infos von gesellschaftlich eher hoch stehenden Personen. Von daher ja Selbstwahrnehmung sehr wichtig, in der Rückschau aber auch schwierig den Leuten in die Köpfe zu schauen.


    Aber hey, wir können uns trösten, wenn nicht alle Festplatten abrauchen, werden die Forschen der Zukunft jede Menge schriftlichen Infos vom einfachen Volk finden und sie werden uns im Vergleich zu unseren schweigsameren Vorfahren für Idioten halten :D

  • Ob der kretische Olivenbauer sich aber ein paar Jahrhunderten nach Untergang Westroms (oder überhaupt jemals davor) noch als Römer gefühlt hat, sondern erst mal als Olivenbauer des Dorfes XY, dann als Kreter, dann irgendwo weiter hinten als Grieche und dann ganz weit hinten kam noch irgend so ein Kaiser - dass wissen wir heute nicht mehr wirklich. Hat einfach niemanden damals besonders interessiert, war auch nicht sehr wichtig fürs alltägliche Leben. Von daher gibt es selten Einblicke in die Gedankenwelt einfacher Leute, gerade wenn man weit zurückgeht. Deswegen sind Archäologen ja so aus dem Häuschen wenn sie z.B. ein paar Tonscherben finden auf die einfache Händler was gekritzelt haben, sonst bekommt man ja überwiegend Infos von gesellschaftlich eher hoch stehenden Personen. Von daher ja Selbstwahrnehmung sehr wichtig, in der Rückschau aber auch schwierig den Leuten in die Köpfe zu schauen.


    Zum Thema Ostrom, die Griechen haben sich bis ins 19. Jahrhundert als Romaioi bezeichnet, was soviel wie Römer bedeutet. Die Eigenbezeichnung als Hellenes hat das dann aber mehr und mehr abgelöst, wobei beides lange zeit parallel in Verwendung war. So war zumindest in der Sprache das Selbstbild als Römer deutlich länger verankert als es den römischen Staat gab und es deutet auf ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl der Bevölkerung zur römischen Identität hin.

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    "Kirche und Naturwissenschaften haben soviel miteinander zu tun wie Gruppensex und Bratkartofflen"
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  • Ob der kretische Olivenbauer sich aber ein paar Jahrhunderten nach Untergang Westroms (oder überhaupt jemals davor) noch als Römer gefühlt hat, sondern erst mal als Olivenbauer des Dorfes XY, dann als Kreter, dann irgendwo weiter hinten als Grieche und dann ganz weit hinten kam noch irgend so ein Kaiser - dass wissen wir heute nicht mehr wirklich.

    So wird es wohl gewesen.
    Das Leben der "normalen" Bevölkerung war in der Regel auf das eigene Dorf beschränkt. Groß auf Wanderschaft ist man ja nicht gegangen.


    Zum Thema Ostrom, die Griechen haben sich bis ins 19. Jahrhundert als Romaioi bezeichnet, was soviel wie Römer bedeutet.

    Dieser Begriff ist aber als Hinweis auf eine Staasangehörigkeit zu sehen und nicht als Herkunft.
    So wird es zumindest in Wikipedia geschrieben: Klick mich

  • Ob der kretische Olivenbauer sich aber ein paar Jahrhunderten nach Untergang Westroms (oder überhaupt jemals davor) noch als Römer gefühlt hat, sondern erst mal als Olivenbauer des Dorfes XY, dann als Kreter, dann irgendwo weiter hinten als Grieche und dann ganz weit hinten kam noch irgend so ein Kaiser - dass wissen wir heute nicht mehr wirklich. Hat einfach niemanden damals besonders interessiert, war auch nicht sehr wichtig fürs alltägliche Leben. Von daher gibt es selten Einblicke in die Gedankenwelt einfacher Leute, gerade wenn man weit zurückgeht.

    Auf das Mittelalter bezogen sind tatsächlich hauptsächlich Zeugnisse der Oberschicht vorhanden, aber zeitgeschichtlich sieht das schon anders aus. Da ist es dann so, wie Black Templar beschrieben hat, dass sich viele Menschen als Deutsche bezeichnen, obwohl sie halt ausweistechnisch keine sind. Bezogen auf Österreich ist es so, dass es Umfragen gibt, die bis in die 70er Jahre eine Mehrheit der Bevölkerung als sich selbst deutsch bezeichnend aufgeführt haben. Danach kippten die Ergebnisse dann relativ schnell.


    Interessant sind da übrigens auch die Russlanddeutschen, die sich durchgängig immer als Deutsche bis in die Gegenwart wahrgenommen haben. In diesem Fall beruht das nicht nur auf Eigenwahrnehmung, sondern wohl auch auf der Stigmatisierung durch die Sowjetregierung. So wurden sie dort öffentlich immer als Deutsche und scheiss Faschisten diskriminiert. Das prägt natürlich.

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