Russland und die ehemaligen Staaten des Ostblocks

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    • Russland und die ehemaligen Staaten des Ostblocks

      Seit einiger Zeit beobachte ich die Ereignisse in Rußland und was ich da sehe, gefällt mir überhaupt nicht. Anfangs hielt ich Putin für einen symphatischen Menschen, der Rußland wieder auf die Beine bringt. Nur wie er es macht, ist absolut nicht in Ordnung. De facto ist Rußland eine Schein-Demokratie, in der alle Pfäden auf Putin zu laufen. Damit er eine dritte Amtsperiode als Präsident machen kann, wird überlegt die Verfassung zu ändern bzw. Putin nimmt sich eine "Auszeit" als Ministerpräsident um dann wieder Präsident werden zu können. Wer sagt denn, dass Putin 4 (5?)Jahre warten muss? Schließlich gibt es doch Neuwahlen.

      Presse wird gleichgeschaltet, Kritiker entmachtet, Systemunpassende Wirtschaftsbosse enteignet und verurteilt. Und bei den anstehenden Wahlen wird nach Umfragen nur Putins Partei in die Duma einziehen. OECD-Beobachter sind bei der Wahl seitens Rußland nicht erwünscht.

      Was in Rußland passiert, ist mit größter Sorgfalt zu betrachten. Nach und nach werden demokratische Elemente ausgeschaltet und der Weg in eine de facto Diktatur ist frei.
      Der Westen schaut zu, weil man 1. auf Rohstoffe aus Russland angewiesen ist und 2. Russland immer noch bzw. wieder ein starker Machtfaktor in der Weltpolitik ist, den man nicht verärgern darf. Der Einfluss auf die ehemaligen GUS-Republiken wird wieder verstärkt, so dass die Politik aus Moskau kommt und diese Länder nur noch teilweise unabhängig sind.

      Allens in allem wächst im Osten eine neue/alte Bedrohung, deren Entwicklung man kritisch betrachten sollte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Twilight ()

    • Rußland hat sein Selbstbewußtsein zurück und das ist erst einmal gut so, mehr aber auch nicht. Nach den Jahren des machtpolitischen Niedergangs, hauptsächlich Ära Jelzin, wurde das Land nur noch müde belächelt, die ach so tolle sowjetische Vergangenheit war dahin; man hat sich unheimlich schwer getan, eine funktionierende Wirtschaft auf die Beine zu stellen und hatte einen besoffenen Präsidenten, toll, das war nicht gerade gut für`s Image.

      Mit Putin kam der smarte Sunny-Boy, der auch auf mich anfangs ( soweit ich das damals beurteilen konnte ) einen recht ordentlichen Eindruck gemacht hat. Er hat die Medien benutzt, im richtigen Moment in die Kamera gegrinst und Shake-Hands mit den Bushs gemacht. Mittlerweile haben wir eine Situation, in der er es sich leisten kann, über die Stränge zu schlagen, sei es im Konflikt mit dem Iran oder weil er auf riesigen Reserven an Bodenschätzen sitzt. Im Grunde genommen ist Rußland fast wieder da angekommen, wo es nach Zusammenbruch des Warschauer Paktes war, und das weiß er auch.

      Nachdem er aber ( fairerweise auch sein Vorgänger ) Dinge angeschubst hat, "Demokratisierung", "Privatisierung" und "freien Handel", "Presse", diese aber seinen Plänen, als da wären die 2. Macht neben den USA zu sein, nicht so ganz konform liefen, spielt er seine Macht aus und aus den anfangs wirlich guten Ansätzen werden diktatorische Züge. Ich habe die Dinge oben mit Absicht in " " gesetzt, denn das ist noch nicht mal ansatzweise mit dem zu vergleichen, was wir hier haben. Tatsache ist jedoch, es geht vielen Russen deutlich besser als zu Sowjetzeiten, dies jedoch wieder mal ( Überraschung ) auf Kosten des Großteils der Bevölkerung.

      Rußland ist für mich eine Diktatur, schmeiße die auch mit China in einen Topf, hab ich kein Problem mit und überraschen würde es mich nicht wirklich, wenn sich ein Kniff finden würde, eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Weltpolitisch ist Rußland dank Putin wieder in der Lage "auf die Kacke zu hauen", man muß ihn als Verhandlungspartner ernst nehmen, diesen "Erfolg" hat das Land ihm zu verdanken; daß er dies nur mit Gleichschaltung der Presse, diktatorischen Kontrollmethoden über das gesamte Land, zweigleisigen Verhandlungen mit den unterschiedlichsten Wirtschafts - und Rüstungspartnern und Drohgebärden gegenüber dem Westen ( auf die ich übrigens nicht viel gebe ) schafft, steht auf einem anderen Blatt.

      Allens in allem wächst im Osten eine neue/alte Bedrohung, deren Entwicklung man kritisch betrachten sollte.

      Wäre natürlich interessant gewesen zu beobachten, wie sich das ganze ohne den von Gott gesandten Aushilfscowboy entwickelt hätte, ganz unschuldig war der auch nicht. Eine Kriegsgefahr sehe ich eigentlich nicht, Rußland brummt und kann ohne die amerikanischen und europäischen Märkte seinen Laden schließen, Wirtschaftsabkommen mit China helfen da auch nicht viel weiter, insofern wiederhole ich mich da gerne noch einmal: der Markt regelt das.
      Vokale sind schwul!
    • Mogges schrieb:

      und Drohgebärden gegenüber dem Westen ( auf die ich übrigens nicht viel gebe ) schafft, steht auf einem anderen Blatt.
      Russland ist keine gefestigte Demokratie. Deswegen weiß man nie, ob ein verblendetert General nicht an den falschen Hebel sitzt und was vom Zaun bricht.

      Mogges schrieb:

      Eine Kriegsgefahr sehe ich eigentlich nicht, Rußland brummt und kann ohne die amerikanischen und europäischen Märkte seinen Laden schließen, Wirtschaftsabkommen mit China helfen da auch nicht viel weiter, insofern wiederhole ich mich da gerne noch einmal: der Markt regelt das.
      Mit Gefahr im Osten meinte ich jetzt auch nicht direkt eine Kriegsgefahr. Ich denke aber, dass die Abhängigkeit zu Russland weiter steigen wird, weil Russland alle Rohstoffe im Land hat, die man braucht. Umgekehrt sind wir (der Westen) aber auf diese angewiesen. Nur weil wir im Moment noch das know-how (Innovationen, eine "bessere" Wirtschaft, Technik, Maschinen usw.) haben, können wir Russland bei Laune halten. Wenn die sich weiter entwickeln und die Wirtschaft boomt, kann es wieder eine vollkommen andere Richtung einschlagen, wenn der Weg in die Diktatur nicht gestoppt wird.
    • Das mit der Abhängigkeit mag stimmen, das ist eben das Los, das wir mit so gut wie jedem europäischen Land teilen ( außer Norwegen ), v.a. in Bezug auf das Öl, aber auch Gas.

      können wir Russland bei Laune halten. Wenn die sich weiter entwickeln und die Wirtschaft boomt, kann es wieder eine vollkommen andere Richtung einschlagen, wenn der Weg in die Diktatur nicht gestoppt wird.

      Nur ist eben Rußland keine Bananenrepublik in Afrika, sondern ein Land mit direkten Grenzen zur EU und genau das wird über kurz oder lang die demokratische Entwicklung in Rußland fördern ( hoffe ich zumindest mal ), denn dem gemeinen russischen Volk könne es in 2-3 Jahren schon reichen, den Fernseher anzuschalten und einfach mal gucken, was im Rest von Europa so passiert; also in diesem Fall vertraue ich da auf Volkes Stimme und die Macht, daß sich solche Strukturen, wie wir sie hier, also quasi nebenan haben, auch dort durchsetzen. In Zentralsibirien sieht das ganze natürlich ein wenig anders aus.
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    • Schön, daß Du auch auf den Rest eingegangen bist.

      Das hat nichts mit "Wirtschaftsgläubigkeit" zu tun, es haben sich ganz einfach die Zeiten geändert, mehr nicht. Ein Land wie Rußland kann ganz einfach nicht ohne die Milliardenexporte und -importe von und zu Europa überleben ( wir übrigens auch nicht ), das ist eine Sache des Geldes. Es geht hier nicht darum, ein Entwicklungland aufgrund der Bodenschätze zu überfallen, sondern darum, wie hochentwickelte Industriestaaten im 21. Jhd. miteinander umgehen, ja eigentlich mehr umgehen müssen. Wir kommen langsam an den Punkt, an dem die Bodenschätze anfangen knapp zu werden, da ist Kooperation gefragt und kein plumpes Agieren wie noch im 19. Jhd., als jeder Staat, der was auf sich hielt, sich seine 10 Kolonien gehalten hat.

      Rußland hat einfach keinen Nutzen davon, in Europa zu intervenieren, weil es in China nicht genug Geld macht, sich den Zorn der Amerikaner zuzieht und in Afrika nix zu holen ist. Wo sollen sie denn ihr Öl und Gas hin verkaufen? In den Iran? Der hat selber genug davon, erklär`s mir.

      Noch mal: wir leben nicht mehr in einer Welt, in der man durch Seeblockaden den Handel mit einem politischen Gegner abwürgen muß, heutzutage macht man das etwas subtiler, das wird an den Börsen geregelt. Guck Dir doch mal an, was im Moment los ist: der Immobilienmarkt in den USA ist im Keller, der Dollar so tief wie nie, der Euro so stark wie nie, das kann hier tausende von Arbeitsplätze kosten. Wer hat denn einen Einfluß darauf, wie die Leitzinsen in den USA stehen, Du, ich? Heutzutage wird einmal mit der Maus geklickt und Milliarden vernichtet oder gewonnen; an diesem Kuchen wollen alle teilhaben, die Japaner wollten bis in die 70er auch nicht, die Chinesen bekommen im Moment ein Problem damit, dies mit ihrer Politik zu koordinieren und auch Rußland kann sich da nicht abschotten. Hältst Du einen Krieg zwischen den USA und Japan noch für möglich, ich nicht. Vor 6o Jahren lag Europa in Schutt und Asche, konnte damals auch nur einer ahnen, daß wir heute pro Tag Milliarden von den Frankfurter Börse an die Londoner und zurück schieben? Das gleiche mit New York oder Paris, alles Kriegsgegner.

      Klar ist dies eine extrem kapitalistische Verhaltensweise, über die man sicher diskutieren kann und auch soll, aber sie hat einen positiven Aspekt, sie verhindert Kriege, weil keiner auf die Milliarden verzichten möchte. In diesem Punkt regelt die Macht - und Geldgier. Guck Dir mal auf der Weltkarte die Konfliktherde an und versuche mal dahinter zu kommen, warum dort Krieg herrscht. Siehst Du Australier in Neuseeland einmarschieren oder Malayen in Singapur? Gibt es einen militärischen Konflikt zwischen Canada und den USA oder Mexico? Nein, gibt es nicht, es gibt Kriege zwischen Ethnien, in Somalia, gab es in Jugoslawien, gibt es immer noch in Rußland und Tschetschenien, natürlich der Palästinakonflikt, aber nenn mir bitte Staaten, die aufgrund eines funktionierender Wirtschaftsbeziehung von einem Tag auf den anderen beschliessen, auf das Geld aus dem Handel verzichten und mal eben kurz beschließsen, den anderen zu annektieren.

      Ich sag`s mal so: einflussreiche Wirtschaftbosse und Lobbyisten werden einen Teufel tun, sich von ein paar beknackten Politikern die Geschäfte versauen zu lassen.

      Nachtrag: anscheinend bekomme ich hier mehr und mehr das Image des Neoliberalen, kann das sein? Hallo, ich versuche nur die Welt zu beschrieben, wie sie sich verhält, meine Meinung ist eine völlig andere, nur mal so zur Klarstellung. :teufel1:
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    • Zwischen den USA und Japan gibt es derweil keine herausragende politische Differenzen, ebenso verhält es sich zwischen Australien und Neuseeland oder Singapur und Malaysia. Zwischen China und Japan/Taiwan/Südkorea/USA gibt es im Gegensatz sehrwohl zumindest das Potenzial dazu.

      Russland und die USA sowie Europa haben verschiedene politische Standpunkte die für den Moment keine Kriegsgefahr darstellen, aber wenns dumm läuft könnte es immer noch passieren. Völlig egal welchen wirtschaftlichen Interessen dies zuwider laufen würde. Die Marktwirtschaft verhindert keine Kriege sondern fördert diese nur durch Ungleichheiten zwischen den einzelnen Staaten.

      Die Konzerne nutzen dies zur Zeit nur aus zum eigenen Vorteil oder werden sogar, wie z.B. im Falle von Gazprom, von ihren Regierungen eingespannt.
    • Was ist denn in den letzten 40-50 Jahren in Europa passiert? Staaten, die sich über 100te von Jahren in 2 Weltkriegen mit Millionen von Opfern bekriegt haben, nennen sich nun EU, haben eine Währung und größtenteils noch nicht mal mehr Grenzen. Die EG / EU wurde aus marktwirtschaftlichen Aspekten heraus in`s Leben gerufen und mit Sicherheit auch, weil man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hatte. Klar waren die meisten Gründer - und Mitgliedstaaten auch Miglieder der NATO, und die USA haben keine unerhebliche Rolle gespielt, aber hält denn jemand allen Ernstes eine Wiederauflage eines Krieges zwischen England und Frankreich und Deutschland und / oder Polen für möglich?
      Man hat in der EU erkannt, daß es einfach keinen Sinn macht, die Knarre aus dem Keller zu holen und da weiter zu machen, wo wir von 65 Jahren aufgehört haben, das ist eine altmodische Art sich Einfluß, Macht und Geld zu sichern.

      Die Konzerne nutzen dies zur Zeit nur aus zum eigenen Vorteil oder werden sogar, wie z.B. im Falle von Gazprom, von ihren Regierungen eingespannt


      Was erwartest Du denn von einer diktatorischen Regierung wie der russischen, um mal wieder die Kurve zum Thema zu bekommen, daß sie mit Großkonzernen wie Gazprom umgeht? Liegt doch auf der Hand, daß ein Regime wie das von Putin, sich den Einfluß und das Geld zunutzen macht und ausnutzt oder als Druckmittel verwendet. Aber auch Gazprom möchte Geld verdienen und das tun sie nicht, wenn man einen Konflikt mit beispielweise der EU riskiert, denn wir können im Unterschied zu Weißrußland oder der Ukraine unsere Gasrechnung bezahlen.

      Ein Land wie Rußland hat auch gar nicht das Geld oder die Waffen, um größere Konflikte auszufechten. Die marode Militärwirtschaft, die völlig unbrauchbaren und perspektivlosen Soldaten tun da ihr übriges. Rußlands Technik und Überlegenheit würde gerade mal ausreichen, um in Ländern wie Usbekistan oder Kirghisien zu intervenieren, mahr aber auch nicht. Wenn die russische Regierung alle paar Monate Raketentests als Propaganda über`s Fernsehen verbreitet, dann verschlingt alleine dies schon einen enormen finanziellen Aufwand, da brauchen die dann wieder Wochen, um sich von den Ausgaben zu erholen. Rußland schwingt zwar im Moment die Keule und macht den Dicken, aber man hat dort im Moment wirklich andere Sorgen. Es gibt zwar jetzt ein anderes politisches System in Rußland, die UdSSR ist Vergangenheit, aber die eigentliche Veränderung wie beispielsweise in den anderen ex Warschauer Pakt Staaten wie Polen, Rumänien oder Ungarn ist beim gemeinen Volk noch gar nicht angekommen und darauf setze ich eigentlich ganz große Hoffnungen. Mit dem Unterdrücktwerden haben die Russen viel Erfahrung, das ist nix neues, nur kommt irgendwann der Punkt, an dem der Kochtopf platzt. Die Russen kennen sich aus mit Typen wie absolutistischen Alleinherrschern während der Zarendynastien, der Diktatur unter Lenin, Cruschtschow und Breschniew, nun haben sie Putin, aber auch der wird irgendwann gehen und kein Volk läßt sich über hunderte von Jahren unterdrücken, schon gar nicht, wenn man in Zeiten des Satallitenfernsehens mal kurz über die Grenze gucken kann und so mitbekommt, wie es anders wo läuft.

      aber wenns dumm läuft könnte es immer noch passieren. Völlig egal welchen wirtschaftlichen Interessen dies zuwider laufen würde.


      Wie dumm muß es denn laufen, oder anders gefragt, was muß passieren, damit dies eintrifft? Was muß passieren, damit England Frankreich den Krieg erklärt oder die Bundeswehr in Polen einmarschiert? Wann holt sich England seine indischen Kolonien zurück und wann die Japaner sich ihre in China?
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    • In gewisser Weise nimmt Rußland wieder den Platz ein, den es schon so lange innehatte - den einer ernstzunehmenden Weltmacht. Das ist spätestens seit Peter dem Großen so, und daran ist auch eigentlich nichts auszusetzen. Sorgen macht mir eigentlich nur die ziemlich aggressive Außenpolitik und das politische System, das immer offener zur Autokratie neigt. Gut, die Demokratie hat in Rußland keine Tradition, und nach über tausend Jahren Gewaltherrschaft kommt so etwas auch nicht über Nacht, aber dennoch - in dieser Richtung droht klar Gefahr. Insofern sollten wir uns besser warm anziehen... der Schmusekurs ist erstmal vorbei. Eine Kriegsgefahr sehe aber auch ich nicht, wenigstens nicht in Europa.


      - König der Könige, herrschend über Könige -

      Motto der Dynastie der Palaiologen (Byzantinische Kaiser 1258 - 1453)
    • Putin scheint eine große Zustimmung in der Bevölkerung zu haben. Ist das eine ehrliche, eine demokratische Zustimmung oder ist es einfach von Putin gesteuerte Propaganda?
      Es gibt in der Tat eine Manipulation in den staatlich gelenkten Medien im Sinne Putins und der Partei "Einheitliches Russland". Aber gleichzeitig stimmt ein großer Teil der Bevölkerung mit dem Kurs Putins überein - siebzig bis achtzig Prozent der Russen sind mit seiner Stabilitätspolitik sehr zufrieden und wünschen sich keinen Machtwechsel.


      Teil eines Interviews, den Rest gibt`s hier: stern.de/politik/ausland/Putin…a-Shakespeare/603837.html

      Interessant finde ich den doch sehr hohen Anteil an der Bevölkerung, die Putins "Art zu regieren" unterstützen. Dies wird auch noch an anderer Stelle erwähnt, an der gesagt wird, die Russen hätten keine Übung und Erfahrung mit Demokratie.
      Vokale sind schwul!
    • Nach Umfragen wurde im Moment NUR Putins Partei in die Duma einziehen. Sagt ja auch schon einiges. Mehrparteiensystem ist nicht. Obwohl ich glaube, dass dieses Bündnis von Putin aus mehreren Parteien besteht, dennoch folgen sie alle Putin. Wie soll es auch anders sein, will ja auch keiner in den Knast.
    • Nun, Putin ist Geheimdienstoffizier, der hat wohl noch ein paar Tricks auf Lager. Ein Mehrparteiensystem gab es in Rußland auch noch nie und solange es den Menschen gut geht, bzw. sie meinen es ginge ihnen gut, meinen sie auch nicht das Bedürfnis haben zu müssen, eines zu erfinden. Menschen in Sibirien, die an die Wahlurne möchten, finden diese dann wohl nicht und im Westen Rußland hat sich eine superreiche Clique von Oligarchen etabliert, denn an einem Wechsel auch nicht gelegen ist, insofern wird man seinen Einfluß und Geld schon geltend machen, damit dann am Ende derjenige auf dem Treppchen steht, der da auch hin soll.

      Wurde nicht letztens Kasparow verhaftet? Zum wievielten Male eigentlich?
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    • @Mogges

      Verstehe dich nicht ganz ?( .

      Was willst du nur mit Frankreich und England. Der Rest der Welt ist keine gewachsene wirtschaftliche Einheit wie die EU. In Europa waren dazu auch noch über 2000 Jahre ständiger Kriege notwendig, zu letzt noch zwei Weltkriege am Stück, ohne die hätte man wohl immer noch keine wirkliche Notwendigkeit zur Kooperation gesehen. Würden Indien und China sowas tun, würden die USA sich sowas anschließen, tut Russland sich sowas anschließen, nö, den es gibt keine Gemeinsamkeiten und die Marktwirtschaft ist da auch kein verbindendes Element. Da kannste wegen mir im Dreieck springen ;) .
    • Was willst du nur mit Frankreich und England. Der Rest der Welt ist keine gewachsene wirtschaftliche Einheit wie die EU.

      Genau das meinte ich: mach eine wirtschaftliche Einheit aus dem Rest der Welt, wie es die EU vorgemacht hat, dann haben wir schon eine ganze Menge an Problemen weniger. Binde Entwicklungsländer stärker in die Prozesse ein, klau ihnen nicht die Rohstoffe und verkaufe sie dann später als Hightechartikel für das 10fache zurück.

      Es ist eigentlich nichts anderes als das, was Du auch schon des öfteren angesprochen hast, nur beinhaltet Deine Lösung keinen Geldverkehr, meine tut es.
      Vokale sind schwul!
    • Ist doch eigentlich ganz einfach: Bis 1945 gab es z.b. in Europa fast immer Kriege, Konflikte, Drohungen, Aufrüstungen usw. Man rufe sich mal das Wort" Erbfeind" hervor. Mit einer viel engeren wirtschaftlichen Verknüpfung der Länder untereinander sind die eben genannten Punkte verschwunden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, hat sich dieser Kreis der Länder noch weiter vergrößert. Ein Überfall der Deutschen auf Polen ist undenkbar geworden. Warum sollten wir auch? Wer in seine "alte Heimat" zurück will, kann dies jetzt dank der EU machen. Und einige Deutsche haben es auch schon gemacht und sind wieder dorthin zurückgezogen.

      Mit Rußland ist es ganz ähnlich. Sie sind auf auländische Investoren, aber noch viel mehr von Exporten ihrer Rohstoffe angwiesen. Wenn keiner mehr Rohstoffe aus Rußland kauft, wird bei denen das Geld knapp. Dann können sie zwar im Öl und im Erdgas baden, haben aber nichts davon. Die werden also auf der Hut sein, ihren "Geldgeber" anzugreifen. Klar gibt es aber schon mal Drohgebärden aus Rußland: "Wir stellen euch das Gas ab, wenn ihr nicht...". Es ist eine erstzunehmende Drohung, aber umgekehrt schadet sich Russland auch, weswegen eine Drohung dieser Schärfe noch nicht passiert ist.
      Die EU und die anderen erste Welt Länder zahlen ihre Rechnung immerhin. Wenn Russland meinen würde, sich andere Abnehmer zu suchen... Wo sind die denn? Afrika wird kaum die Preise zahlen (wenn sie überhaupt zahlen können), die wir zahlen. Genauso sieht es in Asien oder Südamerika aus.
    • Die großen Wirtschaftdeals, die Putin alle paar Monate an Land zieht, können doch nicht den Miliardentransfer von und zu Europa oder USA ersetzen. Man kann ja mal ein AKW im Iran bauen oder U-Boote nach Südafrika verkaufen, das ersetzt doch aber bei weitem nicht so ein gewachsenes Wirtschaftsgefüge, wie wir es innerhalb der EU haben. Über kurz oder lang wird uns nicht anderes übrig bleiben als zusammen zu arbeiten, komme was wolle. Je mehr Putin droht, uns den Gashahn abzustellen und je glaubhafter diese Drohung klingt, umso schneller machen sich Wirtschaftkonzerne wie E.ON oder RWE auf die Suche nach Alternativen, sei es Ölsand aus Canada oder Gas und Öl aus Venezuela, wenn man nicht sogar schon auf der Suche nach völlig anderen Energiequellen ist. Die Aktionäre der großen Konzerne wollen Dividenden sehen, wenn Putin mit seiner Haudruff-Taktik diese gefährdet, suchen die sich ganz schnell andere Quellen. Und genau das kann nicht im Interesse Rußlands sein, ohne diese Exporte ist dieses Land gar nicht überlebensfähig.
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    • Mogges schrieb:

      Die großen Wirtschaftdeals, die Putin alle paar Monate an Land zieht, können doch nicht den Miliardentransfer von und zu Europa oder USA ersetzen. Man kann ja mal ein AKW im Iran bauen oder U-Boote nach Südafrika verkaufen, das ersetzt doch aber bei weitem nicht so ein gewachsenes Wirtschaftsgefüge, wie wir es innerhalb der EU haben. Über kurz oder lang wird uns nicht anderes übrig bleiben als zusammen zu arbeiten, komme was wolle.


      Meine Rede. Genau meine Meinung, die ich oben so geäußert habe.

      Man weiß ja gar nicht so genau, wieviel Öl noch im Boden steckt. Seit Jahren heißt, dass die Produktion bald nach unten geht. Dieser Pumkt ist aber schon ein paar mal überschritten bzw. geänder worden. Die letzte die ich gehört habe war, dass die Produktion bis 2020 sinken soll. Ich denke aber, dass gerade die Erdölnationen ihre eigentlichen Reserven verschweigen, weil somit der Preis steigt. Dennoch wird Erdöl irgendwann ausgehen, wann genau, wissen nur die Scheichs.

      Ich überlege gerade, dass wenn der Westen alternative Energiequellen entwickelt und nicht mehr auf Öl angewiesen ist, Russland ganz schon sauer werden könnte, weil sie auf ihre Käufer angewiesen sind. Insofern sollte wir so lange Öl und Gas aus Russland kaufen, bis das politische System dort stabil ist und von dort keine Gefahr mehr droht, bevor wir auf alternative Energien umstiegen. :D (ein wenig ironisch :whistling: )
    • Putin hat es wohl geschafft die Wahl deutlich zu gewinnen. Von einer demokratischen Wahl kann aber nicht gesprochen werden, da der Staatsappart wohl fast geschlossen hinter Putin steht und somit Nichtregierungsparteien keine Chance haben.

      Stimmen wurden gekauft, Wahlkabinen entfernt, Soldaten mussten unter Augen ihrer Vorgesetzten wählen. Arbeiter mussten für Putin wählen, da sonst ein Jobverlust drohte, in manchen Regionen sollen die Wahlzettel schon mit "der richtigen Partei" angekreuzt sein usw. Die Liste mit den Vorwürfen ist lang. Selbst wenn nichts alles davon richtig ist und nur ein kleiner Teil stimmt, sind die Vergehen immer noch massiv.

      In meinen Augen sollte die restliche Welt diese Wahl nicht anerkennen bis eine faire Wahl gewährleistet wird. Leider ist dies nur Wunschdenken von mir.
    • Tjahaa... Rußland findet zu seinen Wurzeln zurück, könnte man sagen. Denn was das Volk will, war in der russischen Geschichte eigentlich nie ein Thema. Die Frage ist, ob das so bleiben wird, denn seit nunmehr 200 Jahren treibt westliche Freigeisterei ihr Unwesen in den Weiten der russischen Autokratie. Mit der Niederlage Napoleons kamen russische Offiziere in den Westen und sahen, wie fortschrittlich die dortigen Länder verglichen mit dem rückständigen Rußland waren, trotz der Bemühungen Peters I. Der Virus des Zweifels war gesäht und destabilisierte die überkommenen Machtstrukturen, bis die Katastrophe des verlorenen Ersten Weltkrieges das morsche System endgültig erledigte und den Bolschewiken erlaubte, die Macht zu ergreifen. Nachdem auch dieses System den Weg allen Fleisches ging, trat erneut eine massive Destabilisierung ein, die in das heutige System mündete.

      Putin gibt sehr erfolgreich den "starken Mann", der Ordnung und Sicherheit schafft und Rußland zu seinem "Platz an der Sonne" führt. Eine Figur, die in schlechten Zeiten immer beliebt ist und ganz besonders der russischen Tradition des Staatslenkers entspricht. An sich ist das auch gar nicht so schlecht, denn die Russen haben schwere Zeiten hinter sich (und wohl auch noch vor sich). Die Frage ist nur, was das alles kostet - nicht so sehr Geld ist dabei entscheidend (davon haben Putins Freunde ja mehr als genug), sondern was es den Mann auf der Straße kosten wird... da bin ich mal gespannt.


      - König der Könige, herrschend über Könige -

      Motto der Dynastie der Palaiologen (Byzantinische Kaiser 1258 - 1453)
    • Der erste Teil deines Beitrags trifft im Prinzip auf den ganzen ehemaligen Ostblock zu. Die Entwicklung in Polen, Tschechien usw. ist aber um einiges positiver als in Russland. Ich denke, dass die enge Bindung zur EU oder auch der NATO und anderen Organisationen die demokratische Entwicklung in diesen Ländern positiv beeinflussen. Rußland hat diese sehr enge Bindung nicht bzw. den Druck aus Brüssel, demokratische Elemente umzusetzen.

      Platt gesagt: Russland steht alleine in der Welt (übertrieben gesagt) und wird bei wichtigen Entscheidungen mehr oder weniger umgangen: Irak, Raketenschild.

      Darüberhinaus ist es ein riesen Land, das selbst in unserer heutigen Medien- und Internetwelt schlecht zu kontollieren ist. Deswegen gibt es dort Entwicklungen, die sich schlecht steuern lassen.

      Ein Grund, warum Putin gewählt wird ist, dass er Stabilität reinbringt. Die Art und Weise gefällt uns im Westen nicht, die meisten Russen können damit aber gut leben, vorallem wenn gegen den "bösen Westen" gewettert wird, kann man ein paar Stimmen reinholen.